Die Arbeit befasst sich mit der Komplexität des Titelblattes von Johann Georg Hamanns kritischer Schrift "Golgatha und Scheblimini". Hamann schrieb dieses Werk als
Antwort auf Moses Mendelssohns "Jerusalem oder über die religiöse Macht und Judentum".
Eine nähere Betrachtung des Titelblattes scheint nicht nur deshalb aufschlussreich, da Hamann selbst anmerkte, dass der Inhalt im Titelblatt vorgezeichnet sei, sondern auch
aufgrund der deutlichen Irritationen desselben. Aus visueller Sicht ist das Titelblatt in vier Abschnitte unterteilt. In der Analyse sollen diese vier Abschnitte getrennt voneinander untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Gliederung des Titelblattes
3. Analyse des Titels Golgatha und Scheblimini
3.1 Der Begriff Golgatha
3.2 Der Begriff Scheblimini
4. Die Rolle des Predigers
5. Analyse der Motti
5.1 Erstes Motto
5.2 Zweites Motto
6. Zeitliche Fixierung und Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit untersucht die komplexe Gestaltung und den theologischen Gehalt des Titelblattes von Johann Georg Hamanns Werk „Golgatha und Scheblimini“. Ziel ist es, die visuelle Gliederung, die biblisch fundierten Begrifflichkeiten sowie die Rolle Hamanns als „Prediger in der Wüste“ im Kontext seiner Auseinandersetzung mit Moses Mendelssohns Schrift „Jerusalem“ zu entschlüsseln.
- Die formale und visuelle Struktur des Titelblattes
- Die theologische Bedeutung der Begriffe Golgatha und Scheblimini
- Hamanns Selbstverständnis als Prediger in der Tradition der Propheten
- Die Funktion der Motti als Mittel der inhaltlichen Abgrenzung
- Die kritische Auseinandersetzung mit der Aufklärungsphilosophie
Auszug aus dem Buch
Die Gliederung des Titelblattes
Das Titelblatt ist aus visueller Sicht in vier Abschnitte unterteilt. Diese Unterteilung ergibt sich augenscheinlich durch eine Trennung der Abschnitte mit Hilfe von Strichen; wobei die letzte Trennung in Form von 2 Strichen erfolgt und die Teile in Schrift (Titel, Autorenschaft, Motti der Schrift) von dem letzten Teil in Zahl (das Jahr des Erstdrucks) trennt. Schreiner spricht bei der Gliederung des Titelblattes deshalb auch von einer Dreigliedrigkeit: Die Worte Golgatha und Scheblimini als Inbegriff der Autorenschaft / des Zeugen („Prediger in der Wüste“) / auf dem Grunde der Schrift in Gnaden und Gerichtswort (die Motti); darunter die geschichtliche Fixierung.
Dabei deutet Schreiner zwei der Teile in ihrer Funktionalität um: Der eigentliche Titel fungiert als Bildnis der Autorenschaft; die eigentliche Autorenschaft dient als Zeugnis. Bei der Wertigkeit der Abschnitte in Bezug auf die Anzahl der einzelnen Teile lässt Schreiner die Jahreszahl außen vor. Dafür spricht auch die visuelle Trennung durch zwei Striche.
Bei näherer Überlegung ergeben sich weitere Möglichkeiten der Gliederung: 1. Eine Fusionierung der beiden ersten Teile. Hierfür spräche das sich gegenseitige Bedingen der beiden ersten Teile und das Erschwernis, eine Trennlinie zwischen Autor und Werk zu ziehen. Hamann begünstigt diesen Eindruck, indem er durch die Nichtnennung seines Namens diesen Eindruck verstärkt. Bekräftigt wird diese Art der Gliederung durch die Länge des ersten Striches, welcher kürzer ist als die übrigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Komplexität von Hamanns Schrift ein und begründet die Relevanz einer detaillierten Analyse des Titelblattes.
2. Die Gliederung des Titelblattes: Dieses Kapitel erörtert die visuelle Strukturierung und die verschiedenen Deutungsansätze der formalen Aufteilung in Text- und Zahlenabschnitte.
3. Analyse des Titels Golgatha und Scheblimini: Der Titel wird als dialektische Verbindung zweier Begriffe interpretiert, die Hamanns Kritik an Mendelssohn und sein Verständnis von Erniedrigung und Erhöhung Christi zentrieren.
4. Die Rolle des Predigers: Hier wird Hamanns Identifikation mit der Figur des Johannes des Täufers sowie seine Selbstdarstellung als „Prediger in der Wüste“ beleuchtet.
5. Analyse der Motti: Die gewählten biblischen Motti werden als Fundament von Hamanns Autorität und als inhaltliches Gegenprogramm zum Judentum analysiert.
6. Zeitliche Fixierung und Schlussbetrachtung: Das letzte Kapitel reflektiert die Bedeutung der Datierung und fasst die gewonnenen Erkenntnisse über die geistige Dreigliedrigkeit des Werkes zusammen.
Schlüsselwörter
Johann Georg Hamann, Golgatha und Scheblimini, Moses Mendelssohn, Titelblattanalyse, Aufklärung, Christentum, Luthertum, Erniedrigung, Erhöhung, Johannes der Täufer, Prediger in der Wüste, Theologie, Bibelinterpretation, Reformationsgedanke, Hermeneutik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Titelblatt von Hamanns „Golgatha und Scheblimini“ als inhaltliches und programmatisches Vorwort zu seiner Auseinandersetzung mit Moses Mendelssohn.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die formale Gliederung, die theologischen Schlüsselbegriffe (Golgatha, Scheblimini) sowie Hamanns publizistische Strategie.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Hamann sein theologisches Programm bereits auf dem Titelblatt durch eine bewusste Inszenierung und Verschlüsselung vorzeichnet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse von Textstrukturen in Kombination mit einer historisch-theologischen Kontextualisierung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der visuellen Abschnitte, der Etymologie und christologischen Bedeutung der Titelbegriffe sowie der Rolle der biblischen Motti.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Analyse ist durch Begriffe wie Theologie, Aufklärungskritik, Autorenschaft und hermeneutische Verschlüsselung geprägt.
Inwiefern spielt die Figur Johannes des Täufers für Hamann eine Rolle?
Hamann inszeniert sich als „Prediger in der Wüste“, um seine Kritik gegenüber Mendelssohn als von höherer Instanz legitimiert und nicht als rein persönliche Ansicht darzustellen.
Warum ist das Titelblatt für Hamann als „Verdunkelung“ zu verstehen?
Hamann nutzt die Gestaltung bewusst, um Unwissende auszuschließen und sich gegen die preußische Zensur sowie falsche Interpretationen zu wappnen.
- Quote paper
- Julia Müller (Author), 2014, Über das Titelblatt von Georg Hamanns "Golgotha und Scheblimini", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319520