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Aktualisierung als Problem und Chance der Literaturverfilmung. Die Mehrfachverfilmung von „Effi Briest“

Title: Aktualisierung als Problem und Chance der Literaturverfilmung. Die Mehrfachverfilmung von „Effi Briest“

Thesis (M.A.) , 2009 , 123 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Annika Milz (Author)

German Studies - Comparative Literature
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Summary Excerpt Details

Diese Arbeit widmet sich dem Thema Literaturverfilmung und gibt zunächst einen kurzen und doch umfassenden Überblick über diesen komplexen Forschungsgegenstand und mit ihm verbundene Problematiken wie die Kategorie der Werktreue.

Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Adaptionen von Fontanes Roman "Effi Briest", die unter dem Aspekt der Aktualisierung untersucht werden. Hiermit ist nicht die Übertragung des literarischen Stoffes in die Gegenwart gemeint – denn alle fünf Verfilmungen spielen im ausgehenden 19. Jahrhundert –, sondern die Einflussnahme der jeweiligen Entstehungszeit auf den Film. Zu den Einflüssen gehören politische, gesellschaftliche und ideologische Zeiterscheinungen ebenso wie die technischen Möglichkeiten, vorherrschenden ästhetischen Konzepte und subjektiven Intentionen der Filmemacher.

So setzte die erste "Effi Briest"-Verfilmung "Der Schritt vom Wege" (1939) eine der NS-Ideologie entsprechende Geschlechtertypologie um und vertauschte kurzerhand die Rollen von Vater und Mutter Briest. Die zweite Adaption "Rosen im Herbst" (1955), als Liebesfilm mit Dreiecksgeschichte konzipiert, hatte keine Scheu, mit opulenten, farbenfrohen Bildern auf der Heimatfilmwelle der fünfziger Jahre mitzuschwimmen. Systemkonform und dem sozialen Realismus verpflichtet inszenierte die DEFA 1970 "Effi Briest" als Karikatur des Preußentums. Fassbinder machte 1974 mit "Fontane Effi Briest" das Erzählen selbst zum Thema und betonte in seinem künstlerisch ambitionierten Autorenfilm den gesellschaftskritischen Aspekt. Die aktuelle Adaption von 2009 orientiert sich mit einem veränderten Schluss an dem historischen Vorbild Elisabeth von Ardenne und erzählt "Effi Briest" (2009) als Emanzipationsgeschichte.

Neben Einzelanalysen der Adaptionen berücksichtigt die vorliegende Arbeit auch Filmkritiken aus der Zeit der Uraufführungen, um der Frage nachzugehen, ob diese die Aktualisierungen als Problem oder Chance begreifen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

I. Zum Forschungsgegenstand Literaturverfilmung

2. Die Literaturverfilmung in Deutschland – Motivation und Chronik eines Genres

3. Zum Verhältnis von Literatur und Film

4. Die Problematik der Literaturverfilmung

5. Die Kategorie der Werktreue

6. Adaptionsforschung

7. Adaptionstypologien

II. Die fünf Verfilmungen von Effi Briest

8. Der Schritt vom Wege (1939)

8.1. Nationalsozialistische Filmpolitik

8.2. Geschlechterrollen in Ideologie und Filmen der NS-Zeit

8.3. Regisseur Gustaf Gründgens

8.4. Filmanalyse von Der Schritt vom Wege (1939)

8.5. Filmkritik im Dritten Reich

8.6. Der Schritt vom Wege in der Filmbetrachtung

9. Rosen im Herbst (1955)

9.1. Die Heimatfilmwelle der fünfziger Jahre

9.2. Besetzung und Stab von Rosen im Herbst

9.3. Filmanalyse von Rosen im Herbst (1955)

9.4. Rosen im Herbst in der Kritik

10. Effi Briest (1970)

10.1. Film, Fernsehen und die Kulturpolitik der DDR

10.2. Die Fontane-Rezeption in der DDR

10.3. Produktionshintergründe von Effi Briest

10.4. Filmanalyse von Effi Briest (1970)

10.5. Effi Briest in der Kritik

11. Fontane Effi Briest (1974)

11.1. Der Neue deutsche Film im historischen Kontext

11.2. Regisseur Rainer Werner Fassbinder

11.3. Filmanalyse von Fontane Effi Briest (1974)

11.4. Fontane Effi Briest in der Kritik

12. Effi Briest (2009)

12.1. Historische Vorbilder des Romans

12.2. Besetzung und Stab von Effi Briest

12.3. Filmanalyse von Effi Briest (2009)

12.4. Mythoskorrektur

12.5. Effi Briest in der Kritik

13. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand der fünf Filmfassungen von Theodor Fontanes Roman "Effi Briest" (von 1939 bis 2009), wie kontextuelle Einflüsse und individuelle Interpretationen der Filmemacher zu Aktualisierungen führen. Ziel ist es, die filmischen Lesarten und deren Aufnahme durch die zeitgenössische Filmkritik zu analysieren, um das Spannungsfeld zwischen der Vorlage, den Produktionsbedingungen und der Werktreuedebatte zu beleuchten.

  • Historische Entwicklung der deutschen Literaturverfilmung
  • Einfluss politischer Systeme und Ideologien auf die Adaptionspraxis
  • Die Problematik der Werktreue in der Filmanalyse
  • Medienwissenschaftliche Untersuchung von Aktualisierung und Modernisierung
  • Vergleichende Analyse von Filmkritiken über sieben Jahrzehnte

Auszug aus dem Buch

3. Zum Verhältnis von Literatur und Film

Die Verfilmung von Literatur ist Teil einer langen und umfassenden Adaptionsgeschichte, die die Transformation von Stoffen zwischen den verschiedensten Medien umfasst. Die Kulturpraktik der Adaption existiert schon wesentlich länger als der Film und ist eine „Grundform kultureller Überlieferung und Traditionsbildung“: Viele Werke aus der Antike oder dem Mittelalter liegen heute nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form vor, sondern als Kopie, Neufassung, Bearbeitung oder Übersetzung. Schon Lessing diskutierte 1766 in seinem Laokoon die Übertragung von Stoffen aus der Literatur in die bildende Kunst und umgekehrt sowie die Dramatisierung epischer Werke. Vor allem im Zeitalter der modernen Massenmedien ist das Aufgreifen schon vorhandener Stoffe und Motive aus anderen Medien oder Künsten zu einem selbstverständlichen Teil unserer Kulturproduktion geworden. Die Wechselbeziehung zwischen Literatur und Film ist jedoch besonders komplex und intensiv, von Spannungen, Konkurrenz, Missverständnissen, gegenseitiger Inspiration sowie einigen Gemeinsamkeiten und vielen Unterschieden geprägt.

Gemeinsam ist der Literatur und dem Film – wobei sich die folgenden Ausführungen, dem Thema dieser Arbeit entsprechend, auf den Roman und den Spielfilm beziehen – das Erzählen von Geschichten. Beide Medien entführen den Rezipienten in eine fiktionale Welt, verfügen dabei relativ frei über Zeit und Raum, entwickeln Figuren und eine Handlung und stellen diese durch die ihnen eigenen erzählerischen Mittel dar. Roman und Spielfilm ermöglichen ihren Zuschauern bzw. Lesern das geistige Ausleben von Fantasien und Sehnsüchten, lassen sie mitfühlen und miterleben und überwinden dabei die Realität und den jeweiligen individuellen Erfahrungshorizont ihrer Rezipienten. Sie sind einerseits „Lustgewinn“, andererseits „sinnstiftende Zeichensysteme“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in das Thema der Effi-Briest-Verfilmungen und die Forschungsfrage zur Aktualisierung als Mittel zur zeitgemäßen Interpretation.

2. Die Literaturverfilmung in Deutschland – Motivation und Chronik eines Genres: Überblick über die historische Entwicklung der Literaturadaption in Deutschland von der Stummfilmzeit bis in die Gegenwart.

3. Zum Verhältnis von Literatur und Film: Erläuterung der medientheoretischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Roman und Spielfilm.

4. Die Problematik der Literaturverfilmung: Auseinandersetzung mit der Abwertung des Films gegenüber der Literatur und dem Phänomen der Popularisierung.

5. Die Kategorie der Werktreue: Kritische Betrachtung des Werktreue-Postulats in der Adaptionsdebatte.

6. Adaptionsforschung: Abriss der verschiedenen wissenschaftlichen Ansätze zur Analyse von Filmadaptionen.

7. Adaptionstypologien: Vorstellung von Kategorisierungssystemen für Literaturverfilmungen und deren Grenzen.

8. Der Schritt vom Wege (1939): Analyse der Verfilmung unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Filmpolitik und Ideologie.

9. Rosen im Herbst (1955): Untersuchung der Adaption im Kontext des Heimatfilms der fünfziger Jahre.

10. Effi Briest (1970): Filmanalyse der DEFA-Produktion vor dem Hintergrund der DDR-Kulturpolitik.

11. Fontane Effi Briest (1974): Betrachtung der Fassbinder-Verfilmung als Autorenfilm im Neuen deutschen Film.

12. Effi Briest (2009): Analyse der jüngsten Adaption mit Fokus auf weiblicher Perspektive und Mythoskorrektur.

13. Fazit: Zusammenführung der Erkenntnisse über den Wandlungsprozess filmischer Adaptionskonzepte über 70 Jahre.

Schlüsselwörter

Literaturverfilmung, Effi Briest, Theodor Fontane, Adaptionsforschung, Werktreue, Filmkritik, Aktualisierung, NS-Filmpolitik, Heimatfilm, Autorenfilm, DEFA, Medienwechsel, Intermedialität, Mythoskorrektur, Zeitkontext.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie fünf verschiedene deutsche Filmemacher zwischen 1939 und 2009 den Roman "Effi Briest" von Theodor Fontane adaptiert haben und wie diese Interpretationen durch ihren jeweiligen historischen Entstehungskontext geprägt wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung von Adaptionskonzepten, dem Einfluss von politischen Ideologien (NS-Zeit, DDR, BRD) auf das Kino sowie der theoretischen Auseinandersetzung mit "Werktreue" und "Aktualisierung".

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, inwiefern sich die filmischen Lesarten von "Effi Briest" durch zeithistorische Einflüsse verändern und wie diese von der Rezipientenseite anhand von Filmkritiken wahrgenommen wurden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen medienwissenschaftlichen Ansatz, der Filmanalysen mit der historischen Verortung der jeweiligen Entstehungszeit sowie einer Auswertung zeitgenössischer Rezensionen kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich chronologisch den fünf Verfilmungen: "Der Schritt vom Wege" (1939), "Rosen im Herbst" (1955), "Effi Briest" (1970), "Fontane Effi Briest" (1974) und "Effi Briest" (2009), inklusive deren Entstehungshintergrund und Kritik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Literaturverfilmung, Effi Briest, Werktreue, Adaptionsforschung, Filmkritik und Aktualisierung.

Wie unterscheidet sich die Verfilmung von 2009 von ihren Vorgängern?

Die Verfilmung von 2009 ist die erste, die eine explizite "Mythoskorrektur" vornimmt, indem sie das Ende der Geschichte ändert, um Effi eine Entwicklung zur selbstbewussten Frau zu ermöglichen, anstatt sie an den gesellschaftlichen Zwängen sterben zu lassen.

Warum wird die Fassbinder-Verfilmung von 1974 als Sonderform bezeichnet?

Der Film gilt als Idealfall der Literaturverfilmung, da er den Leseprozess des Romans filmisch sichtbar macht und eine innovative Interpretation liefert, ohne die textliche Basis zu vernachlässigen.

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Details

Title
Aktualisierung als Problem und Chance der Literaturverfilmung. Die Mehrfachverfilmung von „Effi Briest“
College
University of Bremen  (Fachbereich 10: Sprach- und Literaturwissenschaften)
Grade
1,0
Author
Annika Milz (Author)
Publication Year
2009
Pages
123
Catalog Number
V319579
ISBN (eBook)
9783668207080
ISBN (Book)
9783668207097
Language
German
Tags
aktualisierung problem chance literaturverfilmung lesarten klassikers beispiel mehrfachverfilmung effi briest
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Annika Milz (Author), 2009, Aktualisierung als Problem und Chance der Literaturverfilmung. Die Mehrfachverfilmung von „Effi Briest“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319579
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