Remix Culture. Eine Studie von Caligari zu Hip-Hop


Hausarbeit, 2011

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt:

Was ist Remix?

Remixformen

Technische Entwicklkungen bis Ende 2000

Auswirkungen der technischen Entwicklungen auf den Remix

Mensch und Medium

Die Zukunft (Das tote Jahrzehnt ist vorbei)

Was ist Remix?

„Der Remix ist die kulturelle Form der Netzwerkgesellschaft.“

schreibt Felix Stalder in seinen „Neun Thesen zur Remix-Kultur“ einleitend. Da es Remix jedoch bereits vor der Netzwerkgesellschaft (damit soll wohl die Webkultur gemeint sein) gab, trifft diese Aussage nur teilweise zu.

Kirby Ferguson hat auf die Frage, was denn Remix eigentlich sei, eine kürzere, prägnantere Antwort gegeben als Stalder, welche den Topic genauer trifft:

„Remix: to combine or edit existing materials to produce something new.“

Damit gilt für Ferguson: „everything is a remix“1. Dadurch das sich der Mensch seiner Umgebung bemächtigt, bestehende Dinge nutzt und diese miteinander kombiniert, ist dieser Aussage im Grunde nichts entgegenzusetzen. Jedoch ist diese Frage damit zu leicht beantwortet, insbesondere Remixe kultureller Art und Weise bedürfen einer genaueren Betrachtungsweise, denn Film beispielsweise, also bewegte Bilder, sind zwar genau nur bewegte Bilder, und Bilder gab es schon lange vor dem Film, jedoch würden wohl nur wenige ernsthaft bestreiten wollen, dass das Medium Film die Welt verändert hat, und damit etwas komplett neues darstellt. Innerhalb eines Mediums wie dem Film lässt sich der Remix auch besser verfolgen, da eingrenzen. Das Medium Film ist für solch einen Versuch, dem Thema Remix auf den Grund zu gehen, interessant, da es als noch relativ junges Medium überschaubar bleibt, und post-2000 zum Nachprüfen aufgestellter Thesen leicht zu beschaffen ist.

Das der Remix insbesondere im Film stark verwurzelt ist, wird klarer wenn man sich Gedanken macht, wie neue Filme überhaupt entstehen, ähnlich der apostolischen Sukzession, wird hier eine ununterbrochene Linie geschaffen, in diesem Fall zwar nicht durch Handauflegen, sondern durch das sich ansehen bereits vorhandener Filme. Denn die Lust zum Filmemachen kommt aus der Lust am Filme schauen. Ein naheliegendes Beispiel für solch einen Werdegang eines Filmemachers stellt der Lebenslauf Quentin Tarantinos dar. Dieser arbeitete in einer Videothek, kam damit mit dem Medium in Berührung und begann schließlich selbst mit dem Filmemachen.2 Was er dann produzierte war Remix,3 dabei remixte er sogar sich selbst. Der „Trunk shot“ ist sicher das bekannteste Beispiel dafür. Das müsste jedoch nicht so sein, denn mit dem Übernehmen von Elementen aus bestehenden Werken drückt Tarantino in erster Linie seine Bewunderung für diese aus. Der Remix dient somit als Hommage an Tarantinos Helden des Kinos vergangener Zeiten. Ein Filmemacher könnte sich jedoch auch selbst die Aufgabe stellen nichts vorhandenes zu verwenden, sondern stattdessen nur Neues zu kreieren, auf alle Punkte eines Filmes bezogen. Schon an diesem Punkt würden keine neuen Filme mehr entstehen können, denn das Medium hat Grenzen, genau wie die Wahrnehmungsfähigkeit des Menschen, somit besteht Remixzwang. Allein dass das Arbeiten mit der Kamera normiert ist, sei es bei Einstellungsgrößen,4 bzw. durch Konventionen der Arbeit mit der Kamera,5 welche natürlich durchbrochen werden können, was als bewusster Regelbruch jedoch die Kenntnis der Regel erfordert, zeigt auf, dass auf Bewährtes zurückgegriffen werden muss. Des weiteren wäre dieser Filmemacher nie gegen die Datenbank seines Unterbewusstseins geschützt, welche ihn evtl. dazu veranlassen würde, bereits gesehenes in seine Werke einfliessen zu lassen. Das Verhalten von Menschen ist die nächste Grenze des Mediums, denn die meisten erfolgreichen Filme, welche Geschichten erzählen, erzählen Geschichten von Menschen. Kracauer schreibt über Erfolgsbücher, dass diese auf den „ sozialen Verhältnissen der Konsumenten beruhen“6 müssen, um Erfolg zu haben, was sich leicht auf den Film übertragen lässt. Geschichten sind so alt wie die Menschheit selbst, der Monomythos, welcher in ettlichen Hollywoodfilmen eingebaut ist, zeugt ebenfalls davon, dass die Menge der Geschichten begrenzt ist, die erzählt werden können, wenn sie emotional nach-vollziehbar bleiben sollen (und genau darum geht es bei Geschichten, nämlich um Emotionen). Der Grund dafür ist sehr simpel, das emotionale Spektrum der Menschen ist begrenzt. Ein Film über Wesen, welche telepathisch kommunizieren und außerhalb unseres sichtbaren Spektrums existieren, wäre mit Sicherheit kein Erfolg, denn wir würden diese Wesen nicht weder sehen noch hören können. Der Film kann sich jedoch des Mittels der Übersetzung bedienen, zwei bekannte Formen davon sind Untertitel oder Synchronisation. Auch diese theoretischen Wesen könnten untertitelt und mit Infrarot sichtbar gemacht werden, fehlten diesen aber menschliche Eigenschaften, wäre auch hier der Erfolg ausbleibend. Denn selbst die Aliens in den bekannten SciFi-Serien wie beispielsweise Star Trek haben immer menschliche Eigenschaften (Klingonen sind besonders aggressiv, Romulaner besonder verschlagen, Vulkanier Affekt-abgeflacht), davon oft eine besonders ausgeprägt, selbst Roboter (Der Android Data ist emotional unterentwickelt) spielen auf Eigenschaften an, welche Menschen ausmachen (können). Das sich-identifizieren-dürfen würde sonst nicht funktionieren, denn selbst wenn dieses nicht über das Aussehen (eben wie im Fall der genannten Aliens) stattfinden muss, so doch unbedingt über innere Vorgänge. Der Ort an dem eine Geschichte spielt ist beliebig, so kann selbst die gleiche Geschichte an verschiedenen Orten, zu verschiedenen Zeiten spielen, was ihr in der Betrachtung des Werkes, welche sie erzählt, keinen Abbruch in ihrem Kern antun muss. Ein Beispiel dafür ist der Film „The Magnificent Seven“ von 1960, welcher im Wilden Westen spielt und ein Remix von Kuroswas „Shichinin no samurai“ von 1954 ist, welcher im japanischem Mittelalter angesiedelt ist. Das ganze wiederum als Animeserie in die Zukunft verlegt heisst „Samurai 7“7 (2004) und stammt ebenfalls aus Japan. Getreu dem Motto „Dinge passieren weil es möglich ist, dass sie passieren“, „passiert“ aber dann auch irgendwann alles, denn die Anzahl der Möglichkeiten ist endlich.

Um dem Wesen des Remixes im Film noch genauer auf den Grund gehen zu können muss die Frage nach den konkreten Formen, welche der Remix annehmen kann, gestellt werden, denn auch wenn im Grunde gilt „Everything is a Remix“, jedoch dennoch oft neues entsteht, muss hier differenziert werden.

Remixformen

Der bewusste Remix hat grössere Popularität zuerst in der Musik erfahren, insbesondere das Einbauen von Samples in Hip-Hop-Songs führte zu einer Musikrichtung die im Grunde vom Mix lebte. Mit der Zeit wurden verschiedene Arten des Mixens geschaffen, als Beispiele seien folgenden genannt, welche auch im Medium Film zu finden sind:

Einem Song wird ein neuer Beat untergelegt, wie mehrfach vorkommend auf Bushs Remix-Album „Deconstructed“8 (1997). Bush stellte anderen Künstlern (darunter auch dem Trip-Hop Künstler Tricky) Songs zur Verfügung, damit diese die Songs remixen. So wird aus einem Grunge-Song ein elektronisches Musikstück mit völlig anderem Charakter.

Eine deutlich simplere Methode ist es die Stimme bei einem Song wegzulassen, wie am Beispiel von Cypress Hills „Checkmate Instrumental Mix“, der mit Stimme auf dem Album „IV“ (1998), zu finden ist, ohne auf dem Soundtrack zu dem PC-Shooter „Kingpin“ (1999) zu finden ist. Denkbar wäre hierbei auch einen Song, der von mehreren Stimmen gesungen wird, von einer einzigen singen zu lassen. Das Austauschen der OrginalStimme in einem Song, durch die der Schlümpfe beispielsweise, ist ein weiteres Beispiel dieser Spielart („Tekkno ist cool Vol. 1“ 1995).

Einen Track länger bzw. kürzer machen, wie am Beispiel von Skinnys „Failure (Radio Mix)“ (3:36), in voller Länge zu finden auf dem Konzeptalbum „The Weekend“ (1998) (5:24), welcher durch das kürzen Airplay-tauglicher gemacht wurde, damit neues Publikum erreichen konnte.

Das Fortsetzung eines Songs in sog. „parts“, zu finden auf Pink Floyds Konzeptalbum „The Wall“ (1979) mit den drei Teilen von „Another Brick in the Wall“ (Part 1 - 3), oder auch The Beautiful Daze mit „City Jungle“ Part 1 + 2, zuletzt erschienen auf „The Psychedelic Unknowns Vol. 4“, stellt nichts anderes dar, als das Neuversionieren eines Songs, damit wiederum einen Remix.

Einen Song eines Künstlers selbst neu interpretieren, stellt ebenfalls eine Variante des remixens dar, es werden hierbei grosse oder auch alle Teile des Textes bzw. der Melodie übernommen. Als Beispiel dafür sei Tools „No Quarter“, enthalten in der Box „Salival“ (2000), welches ein Cover des gleichnamigen Led Zeppelin Songs (erschienen 1973 auf „Houses of the Holy“) ist9, sowie „Sally Go 'Round the Roses“ (erschienen 1968 auf dem Album „Conspicuous Only in Its Absence“) von Grace Slick & The Great Society, was ein Cover des gleichnamigen Titels von The Jaynetts (1963) ist, genannt.

Das Herauf- bzw. Herabsetzen der Geschwindigkeit eines Songs, so geschehen bei den Jungle Brothers mit „Because I Got it Like That“, erschienen 1988 auf „Straight Out Of The Jungle“, später neu veröffentlicht als Ultimatum Mix von Fatboy Slim auf „On the Floor at the Boutique“ (1998), bewirkt das der Song dadurch lebendiger, dynamischer, flotter wird. Dieser recht simple Trick, bei dem die Stimmen der Jungle Brothers durch das Erhöhen der Geschwindigkeit nach Helium klingen, dürfte jedoch nur im Einzelfall funktionieren.10

Auch der Genremix, der eher mit dem Medium Film in Verbindung gebracht wird, lässt sich im Medium Musik finden, so bei den Propellerheads feat. Shirley Bassey mit „History Repeating“ (erschienen 1997 als Single). Shirley Bassey, wohl am besten bekannt für ihren Gesang für den James Bond Film „Goldfinger“ (1964), bekommt unter ihre MovieMusic-Stimme elektronische Drum 'n' Bass-Musik der Propellerheads, welche selbst für eine Neuinterpretation eines anderen James Bond Themas („On Her Majesty's Secret Service“ von 1997) bekannt sind, gelegt. Die Themen Remix, Neuinterpretaion, sowie das Fehlen von Innovation sind somit auf mehreren Ebenen in diesem Song enthalten und werden auch passenderweise dazu besungen:

„The word is about, there's something evolving, whatever may come, the world keeps revolving They say the next big thing is here,

that the revolution's near,

but to me it seems quite clear

that it's all just a little bit of history repeating

The newspapers shout a new style is growing, but it don't know if it's coming or going,

there is fashion, there is fad

some is good, some is bad and the joke is rather sad,

that its all just a little bit of history repeating

.. and I've seen it before

.. and I'll see it again .. yes I've seen it before

.. just little bits of history repeating“

[...]


1 so ist auch seine Domain benannt: http://www.everythingisaremix.info auf welcher er kleinere Videos veröffentlicht, in welchen er die genannte These vertritt

2 http://www.micromass.de/movie-gallerie/bios/quentin-biography.html

3 Am Beispiel von „Kill Bill“: „Everything is a Remix: Kill Bill“, produziert von Ferguson. In:<http://meetsobsession.com/2011/film-animation/everything-is-a-remix-takes-on-tarantinos-kill-bill/>

4 http://www.movie-college.de/filmschule/filmgestaltung/einstellungsgroessen.htm

5 Am Beispiel des Achsensprunges: http://www.film-connexion.de/lexikon/Filmconnexion-Lexikon-1/A/Achsensprung-92/

6 Siegfried Kracauer - Erfolgsbücher und ihr Publikum. Ersch. in der Frankfurter Zeitung vom 27. Juni 1931.

7 http://www.animenewsnetwork.com/encyclopedia/anime.php?id=3127

8 http://www.cduniverse.com/search/xx/music/pid/1128829/a/Deconstructed.htm

9...und beim Publikum besser ankam: http://www.cover-vs-original.com/song-174.html

10...und im Film vermutlich überhaupt nicht.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Remix Culture. Eine Studie von Caligari zu Hip-Hop
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Fakultät für Geistes- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Remix-Culture
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V319651
ISBN (eBook)
9783668190825
ISBN (Buch)
9783668190832
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
remix, culture, eine, studie, caligari, hip-hop
Arbeit zitieren
Daniel Liebeherr (Autor), 2011, Remix Culture. Eine Studie von Caligari zu Hip-Hop, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319651

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