Der Radschnellweg Regio Velo 01 im Westmünsterland. Strecke, Nutzung, Planung und Finanzierung


Seminararbeit, 2015

24 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung
2.1 Definition Radschnellweg
2.2 Entwicklungshistorie
2.3 Bedeutung des Fahrrads als Verkehrsmittel

3 Strecke
3.1 Streckenführung
3.2 Streckenbeschaffenheit

4 Nutzen und Nutzung
4.1 Bedarfsermittlung
4.2 Bedeutung für Stadtentwicklung
4.3 Touristische Effekte

5 Planung und Finanzierung
5.1 Zeitliche Realisierung
5.2 Budget und Gelder

6 Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Streckenführung des Radschnellwegs REGIO.VELO.01

Abbildung 2: Regelquerschnitt von Radschnellwegen

Abbildung 3: Leistungsphasen nach HOAI

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Kategorisierung von Radschnellwegen nach ERA 2010

1 Einleitung

Im Zuge immer stärker werdenden Verkehrsaufkommen suchen Städte und Gemeinde nach neuen Möglichkeiten, um einen guten Verkehrsfluss zu bieten. Mehr denn je müssen neue Projekte auch den Aspekten Umwelt und Nachhaltigkeit gerecht werden. Unter der Bezeichnung „Fietssnelweg“ werden in den Niederlanden mit Hilfe staatlicher Förderung seit 2005 Radschnellwege angelegt. Diese stellen einen guten Lösungsansatz für heutige Verkehrsproblematiken dar. Sie bieten sowohl Entlastung des bestehenden Infrastruktursystems, als auch Steigerung klimafreundlicher Mobilität.

Das westliche Münsterland ist traditionell sehr Fahrradverbunden und die bestehende Rad-Infrastruktur ist bereits sehr gut ausgebaut. Mit Bocholt und Rhede liegen gleich zwei Städte entlang des geplanten Radschnellwegs mit dem Projektnamen REGIO.VELO.01, die bereits mehrfach vom ADFC in ihrer jeweiligen Klasse zur fahrradfreundlichsten Stadt aus- gezeichnet wurden.1 Eine Schnellverbindung für Radfahrer von Isselburg bis Coesfeld würde sowohl einer modernen Mobilitätskultur als auch dem seit Jahren ungebrochenen Trend zur Nutzung von E-Bikes gerecht werden. Tatkräftige Unterstützung erhält das Pro- jekt auch von Seiten der Politik: „Die Münsterländer und das Fahrrad - das gehört einfach zusammen. Mit diesem Projekt bewegt sich der Radverkehr im Münsterland mit viel Rückenwind in die Zukunft.“, so Uta Schneider, Geschäftsführerin der Regionale 2016 Agentur.

Inwieweit das Projekt von Nutzen ist und vielleicht sogar ein radtouristisches Potenzial für die Kommunen entlang der geplanten Route birgt, soll im Verlauf dieser Arbeit geklärt werden.

Im Verlauf dieser Seminararbeit wird keine Unterscheidung zwischen Pedelecs und E- Bikes gemacht. Fahrräder mit elektrischer Unterstützung werden einheitlich als E-Bikes bezeichnet.

2 Begriffsklärung

In diesem Kapitel wird eine Definition zum Radschnellweg gegeben sowie die Entwicklungshistorie kurz dargelegt und abschließend die allgemeine Bedeutung des Verkehrsmittels Fahrrad erläutert.

2.1 Definition Radschnellweg

Als Radschnellwege werden direkt geführte, qualitativ hochwertige Verbindungen zwi- schen Wohn- und Gewerbegebieten bzw. den Stadtzentren bezeichnet.2 Radschnellwe- ge erhöhen den Nutzen im Alltagsradverkehr deutlich und ermöglichen den Radfahrern ein sicheres und attraktives Vorankommen bei hohen Reisegeschwindigkeiten über grö- ßere Entfernungen hinweg (min. 5 km). Die Verbindungen sind im Radverkehrsnetz einer Gemeinde bzw. einer Stadt-Umland-Region bestens eingegliedert und vernetzt.

Der Begriff Radschnellweg leitet sich aus dem niederländischen Wort Fietssnelweg ab, wo es eine solche Infrastruktur bereits seit den 1980er Jahren besteht (s. Kapitel 2.2). In der deutschen Straßenverkehrsordnung gibt es bisher weder eine offizielle Bezeichnung für den Radschnellweg, noch gibt es ein gültiges Regelwerk, welches Auskunft darüber geben könnte welche Anforderungen ein Radschnellweg zu erfüllen hat. Naturgemäß kann dies in Deutschland allerdings nicht mehr allzu lange dauern. Zuweilen begegnet einem auch der Begriff Fahrradautobahn als Bezeichnung für einen Radschnellweg.3

Der ERA 2010 (Empfehlung für Radverkehrsanlagen) folgend, ergibt sich eine Unterteilung von Radschnellwegen in zwei Kategorien (s. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Kategorisierung von Radschnellwege nach ERA 2010

2.2 Entwicklungshistorie

Wie bereits erwähnt hat der Radschnellweg seinen Ursprung in den Niederlanden. Dort werden Infrastrukturprojekte zur Steigerung des Radverkehrs seit den 1980er Jahren ge- fördert und mit dem Ziel stauanfällige Straßennetze zu entlasten umgesetzt. Seit Beginn der 2000er Jahre erfährt das Fahrrad als Verkehrsmittel einen wahren Schub. Bedingt durch eine immer prekärer werdende Straßen- und Stausituation, fehlenden Parkmög- lichkeiten und Erhebungen von City-Mauten wie in London und Kopenhagen, steigen mehr und mehr Berufspendler vom Auto auf das Fahrrad um. Weitere Aspekte sind das wachsende Gesundheits- und auch Umweltbewusstsein in der Bevölkerung. Da bietet sich das Fahrradfahren als gute Gelegenheit an, um den Bewegungsmangel im Büro we- nigstens ein wenig zu kompensieren und um dem Sitzen im Auto oder im ÖPNV zu ent- gehen. Gleichzeitig wird dem eigenen Anspruch etwas zum Klimaschutz beizutragen ent- sprochen.

Die Reduzierung von Treibhausgasen liegt auch stark im Interesse der Politik.4 Insbeson- dere im Bereich der Mobilität gibt es ein großes Potenzial zur Steigerung der Energieeffi- zienz und Reduzierung von Treibhausemissionen. Im Vergleich zu 1990 ist der CO2- Ausstoß des Verkehrs um 28% gestiegen.5 Mittlerweile wird das Konzept Radschnellweg weltweit aufgegriffen und dient in Städten wie London, Kopenhagen und Basel als Ent- lastung der chronisch verstopften Straßen. Insbesondere London hat in den letzten Jah- ren viel Geld investiert und so bereits vier der bis 2016 geplanten zwölf Cycle-Super- Highways fertiggestellt.6 Sogar in den Auto-vernarrten USA gibt es in Städten wie Was- hington D.C. und New York City Überlegungen zu Radschnellwegprojekten.

Zahlreich geplante Projekte in Deutschland zeigen, dass die Idee auch hierzulande als positiv angesehen wird. Bisher hat keine Konzeption den Sprung vom Reißbrett in die Wirklichkeit geschafft. Mit der Erstellung von Machbarkeitsstudien wurde in den letzten Jahren ein wichtiger Grundstein zur Realisierung gelegt und die Pläne zum Bau von Rad- schnellwegen in Deutschland werden konkreter. Vom Land NRW werden zur Zeit fünf Strecken mit Finanzmitteln zur Erstellung von Machbarkeitsstudien gefördert. Unter die- sen fünf ist der REGIO.VELO.01, der somit zu einer der ersten Radschnellwege im Bun- desgebiet werden könnte.7

2.3 Bedeutung des Fahrrads als Verkehrsmittel

Die Planung von Radschnellwegen in Deutschland trägt der Entwicklung Rechnung, dass beim Radverkehr im mittleren bis hohen Entfernungsbereich (5-10 km, 10-20 km) eine deutliche Zunahme zu verzeichnen ist. Insbesondere in Großstädten wie Berlin, Ham- burg und München ist das Fahrrad eine echt Alternative zum Auto geworden. Ein weite- rer Aspekt ist, dass bei jüngeren Erwachsenen die Tendenz zur Autoorientierung gerin- ger ausgeprägt ist.8 Weitere Faktoren, die für Radschnellwege als zukunftsorientiertes Planungsinstrument sprechen, sind die starke Zunahme von E-Bikes, die Ziele und zu- nehmenden Anforderungen des Klimaschutzes und der Aspekt der Gesundheitsförde- rung. Somit können insbesondere Ballungsräume von dem Potenzial der Radschnellwe- ge in Hinblick auf autofreie und alltagsorientierte Wege mit Schwerpunkt auf den Be- rufs- und Ausbildungsverkehr profitieren. Darüber hinaus soll das Radverkehrspotenzial auch zur Erschließung von Stadt-Umland-Verbindungen im Entfernungsbereich über zehn Kilometern geeignet sein.9 Laut dem Fahrrad-Monitor Deutschland 2013, der vom ADFC in Auftrag gegeben wird, sprechen sich auf Kommunalebene 82% der Deutschen zwischen 14 und 69 Jahren für eine stärkere Beschäftigung der Politik mit dem Thema Radverkehr aus. Dies zeigt, dass ein großer Bedarf in der Bevölkerung zu diesem Thema besteht.10 Die primäre Nutzung des Fahrrads liegt auf kleine Einkäufe, kurze (nahegele- gene) Erledigungen und Ausflüge. Bei 35% der Befragten wird das Fahrrad dazu genutzt, zur Arbeits- bzw. Ausbildungsstätte zu gelangen. Um den Fahrradverkehr weiter zu för- dern, ist es wichtig die zentrale Forderung der Radfahrer nach mehr Sicherheit zu erfül- len.11 Vom Autoverkehr separat geführte Radwege, wie im Falle von Radschnellwegen, entsprächen diesem Wunsch.

3 Strecke

Die Strecke mit der Projektbezeichnung REGIO.VELO.01 durch das westliche Münsterland gehört zu einem der fünf Gewinnerprojekte, die das Land NRW fördert und sich an den Kosten einer Machbarkeitsstudie zu 80% beteiligt. Die Machbarkeitsstudie bildet die Grundlage für die weitere Entwurfs- und Ausführungsplanung. Sie wird gemeinsam von den Firmen Franz Fischer Ingenieurbüro/D (Expertise Straßenbau) und Goudappel/NL (Ex- pertise Radwegebau) erstellt. Die Veröffentlichung ist im Herbst 2015 zu erwarten. Mit der Umsetzung des Projekts entsteht langfristig ein mehr als 250 Kilometer umfassendes neues, überörtliches Radwegenetz in verschiedenen Regionen NRWs.12

3.1 Streckenführung

Der Radschnellweg REGIO.VELO.01 soll eine Gesamtlänge von 60 Kilometern haben und die Gemeinden Isselburg, Bocholt, Rhede, Borken, Ramsdorf, Velen und Coesfeld ver- binden. Um den Radschnellweg möglichst umwelt- und ressourcenschonend zu realisie- ren, ist es sinnvoll sich bei der Streckenführung an den ehemaligen und größtenteils er- haltenen Bahntrassen zu orientieren. Die Eisbahnlinie zwischen Isselburg und Coesfeld wurde im Jahr 1974 eingestellt und ist mittlerweile schienenbefreit. Eine Umfunktionie- rung zum Radschnellweg ist dementsprechend relativ problemlos möglich. Etwaiger Klä- rungsbedarf besteht mit Anrainern, deren Grundstücke unmittelbar an der geplanten Route liegen, sowie mit dem Naturschutzbund (NaBu), der den Schutz der Tier- und Pflanzenwelt entlang der Route versichert haben will.13 Durch die weitgehende Nutzung der ehemaligen Bahnlinie ist die Strecke vom Autoverkehr weitgehend autark, abgese- hen von Kreuzungen und Knotenpunkten, und führt parallel zu bestehenden Hauptver- kehrsachsen, wie den Landesstraßen 572 und 581, auf direktem Wege zu den jeweiligen Nachbarsgemeinden.

[...]


1 ADFC (2012): S.5.

2 Forschung Radverkehr (2010): S.1.

3 WAZ (2013)

4 A.B. (2015): Gespräch mit Herrn A. von der Stadt Bocholt

5 Stiftung Mercator (2013): S.8.

6 Transport for London (2015)

7 Projektstudie REGIO.VELO.O1 (2014): S.24.

8 MID (2008): S.70f.

9 Machbarkeitsstudie zu Radschnellwegen (2011): S.4.

10 Fahrrad-Monitor Deutschland (2013): S.55.

11 ADFC (2013): S.2.

12 NRW (2015)

13 A.B. (2015): Gespräch mit Herrn A. von der Stadt Bocholt

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Der Radschnellweg Regio Velo 01 im Westmünsterland. Strecke, Nutzung, Planung und Finanzierung
Hochschule
Westfälische Hochschule Gelsenkirchen, Bocholt, Recklinghausen
Note
1,4
Autor
Jahr
2015
Seiten
24
Katalognummer
V319680
ISBN (eBook)
9783668213678
ISBN (Buch)
9783668213685
Dateigröße
680 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sporttourismus, Radschnellweg, Mobilität, moderne Mobilitätskonzepte, Integrierte Mobilität, Fahrrad, Mobilität 2.0, Tourismus, Fahrradurlaub, E-Bike
Arbeit zitieren
Philipp Künzel (Autor:in), 2015, Der Radschnellweg Regio Velo 01 im Westmünsterland. Strecke, Nutzung, Planung und Finanzierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319680

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