In der folgenden Arbeit wird anfangs ein Blick auf die Geschichte der Etablierung der Litfaßsäule in Deutschland geworfen. Die gesellschaftliche Situation Mitte des 19. Jahrhunderts soll skizziert und somit die Anknüpfungspunkte des Mediums dargestellt werden.
Betrachtet man das heutige Stadtbild mit der Aufgabe, wirksame Werbeflächen zu erkennen, wird die Litfaßsäule nicht das erste Medium der Aufmerksamkeit sein. Oftmals geht sie in der bunten, leuchtenden Werbewelt unter. Doch steht die Säule noch an vielen Ecken der Stadt und zeugt davon, einmal eine Blütezeit gehabt haben zu müssen.
Welchen Regeln unterlag die Plakatierung? Wozu benötigte es Litfaßsäulen? Wie integrierte sich diese in das vorhandene Stadtbild? Welche Aufgaben wurden ihr zugeschrieben? Weiterhin soll dieses Kapitel auch den ersten Blick auf ein in Konkurrenz stehendes anderes Medium, die Zeitung mit der Anzeige, werfen. Wie verhält sich deren Entwicklung zur Litfaßsäule? In welchem Verhältnis stehen sie zueinander?
Schließlich folgt ein Exkurs, welcher sich punktuell der Einführung und Etablierung der Litfaßsäulen in Weimar widmet. Untersucht man die Anschlagsäule als Medium, ist es interessant, weiter in der Geschichte zu gehen. Medien stehen immer in Konkurrenz zu neueren Innovationen. So folgen im nächsten Kapitel komparative Verweise auf andere Medien der Veröffentlichung.
Wie beeinflusst das Radio die Litfaßsäulen oder geschieht dies überhaupt? Wirkt sich der Werbefilm im Fernsehen oder Kino auf die Popularität des älteren Mediums aus? Im besonderen Fokus steht hierbei der Aspekt der Räumlichkeit, der neben der Rolle der Kulturtechniken besprochen werden soll. Doch nicht nur Erfindungen, sondern auch historische Geschehnisse tangieren die Litfaßsäule. Wie steht es um ihren Nutzen im Ersten und Zweiten Weltkrieg? Auch im 21. Jahrhundert gibt es immer wieder Überlegungen, die Litfaßsäule betreffend. Welcher Reglementierung unterliegt sie heute? Hat sich die Bedeutung des Raumes, den die Säule einnimmt und gestaltet, verändert? Welche Position nimmt sie gegenüber dem Internet ein?
Schließlich wird der Exkurs aus 2.4 weitergeführt und die ersten 25 Litfaßsäulen in Weimar gezeigt. Lässt sich daraus ablesen, ob die bunte, leuchtende Werbewelt die Anschlagsäulen gänzlich verdrängen wird?
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung: Die Litfaßsäule im Stadtbild
2) Geschichte der Etablierung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts
2.1) Gesellschaftliche Situation, Ernst Litfaß und Polizeimeister Hinckeldey
2.2) Der rasante Aufstieg der Litfaßsäule als Stadtmöbel
2.3) Konkurrenz: Anzeige
2.4) EXKURS: Litfaßsäulen in Weimar
3) Kulturtechniken der Litfaßsäule und ihre Bewährungsproben im 20. Jahrhundert
3.1) Der Erste Weltkrieg
3.2) Konkurrenz: Radio
3.3) Der Zweite Weltkrieg
3.4) Konkurrenz: Werbefilm im TV und Kino
4) Litfaßsäulen im 21. Jahrhundert
4.1) Reglementierung, Standardisierung, Vorkommen
4.2) Vorteile durch bzw. die Bedeutung des Raumes
4.2.1) Stadtplanung und Stadtmöbel heute
4.3) Konkurrenz: Internet
4.4) EXKURS: Litfaßsäulen in Weimar 2.0
5) Fazit: Ein Medium hält Stellung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung, die raumgreifende Bedeutung und die Wettbewerbssituation der Litfaßsäule im deutschen Stadtbild vom 19. Jahrhundert bis in die heutige Zeit. Die Forschungsfrage widmet sich dabei der Frage, wie sich dieses klassische Medium trotz der Konkurrenz durch Zeitungen, Radio, Fernsehen und das Internet behaupten konnte.
- Geschichte der Etablierung im 19. Jahrhundert
- Mediale Konkurrenzanalyse im Wandel der Zeit
- Die Rolle der Litfaßsäule als Instrument der Stadtgestaltung
- Räumliche Aspekte und Bedeutung für die öffentliche Kommunikation
- Lokale Fallstudien zur Entwicklung in Weimar
Auszug aus dem Buch
2.1) Gesellschaftliche Situation, Ernst Litfaß und Polizeimeister Hinckeldey
Die Industrialisierung in Deutschland brachte verschiedene Konsequenzen mit sich. Zum Einen natürlich wirtschaftliche. Mit ihr gingen das Entstehen von Marken, die Erfindung neuer Produkte und auch der Ausbau des Verkehrswesens einher. Die Konkurrenz zwischen den Artikeln wuchs. Dies hatte Auswirkungen auf die Medienlandschaft.
„Die Dynamik dieses 19. Jahrhunderts verändert nachhaltig das individuelle und soziale Raum- und Zeitgefühl […]. Panorama, Fotografie, Telegraf und Fernsprecher revolutionieren die Wahrnehmung, Kommunikation und Öffentlichkeit.“
Letztere schien aufnahmefähiger für Entwicklungen in der eigenen Stadt, im eigenen Land zu sein. Hiermit einher gingen Tendenzen der Presse. Einerseits gab es Mitte des 19. Jahrhunderts eine Pressefreiheit, welche die Möglichkeiten des Geschriebenen und aber auch Abgebildeten steigerte. Anderseits wurde im Juli 1849 eine Pressverordnung verkündet, die jegliche Plakatanschläge mit Ausnahme derer, die Mitteilungen der Regierung enthielten, untersagt und so dem wilden Anschlag Einhalt gebot. Bis dahin hatte sich die Konkurrenzsituation verschiedener Unternehmen soweit gesteigert, dass überall Werbung geklebt und angeschlagen war. „Es wurde mehr produziert, als verbraucht werden konnte. Dieser Überschuß an Waren mußte [sic!] abgesetzt werden. In dieser, für die Unternehmer bedrängenden Situation, nahm die Reklame eine wesentliche Stellung ein.“ Da dieser Boom einher mit Bevölkerungswachstum und Zusammenballung ging, war vor allem in den Städten kein System von Plakaten mehr zu erkennen. In diesen Übergang von konkurrenzarmer Zunftwirtschaft zur liberalen Marktwirtschaft reihte sich nun also die Einführung der Litfaßsäule ein. Sie entwickelte sich nicht zufällig, sondern aufgrund eines gesellschaftlichen Bedürfnisses.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Die Litfaßsäule im Stadtbild: Die Einleitung skizziert die heutige Rolle des Mediums und stellt die zentralen Fragestellungen zur Geschichte, Konkurrenz und räumlichen Bedeutung der Litfaßsäule vor.
2) Geschichte der Etablierung bis zum Ende des 19. Jahrhunderts: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung der Litfaßsäule als Antwort auf die industrielle Entwicklung und die ordnungspolitischen Bestrebungen in Berlin, inklusive eines Exkurses zur Einführung in Weimar.
3) Kulturtechniken der Litfaßsäule und ihre Bewährungsproben im 20. Jahrhundert: Es wird analysiert, wie die Säule Krisen wie die Weltkriege überstand und wie sie sich gegenüber neuen Medien wie Radio und Film behauptete.
4) Litfaßsäulen im 21. Jahrhundert: Dieses Kapitel betrachtet die heutige Standardisierung und Reglementierung des Mediums sowie die anhaltende Konkurrenz durch das Internet und aktuelle Stadtplanungskonzepte.
5) Fazit: Ein Medium hält Stellung: Das Fazit fasst die Rolle der Litfaßsäule als statisches, raumbestimmendes Element im modernen urbanen Raum zusammen.
Schlüsselwörter
Litfaßsäule, Stadtmöbel, Werbegeschichte, Industrialisierung, Außenwerbung, Stadtgestaltung, Medienkonkurrenz, Weimar, Plakatierung, öffentlicher Raum, Kommunikationsmittel, Historische Stadtentwicklung, Reklame.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Litfaßsäule als Medium, das durch die Anforderungen der Industrialisierung entstand und trotz technologischen Wandels und neuer Kommunikationskanäle bis heute im öffentlichen Raum präsent geblieben ist.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben der Entstehungsgeschichte fokussiert sich die Arbeit auf die Konkurrenz zu Print, Rundfunk und Fernsehen, die Rolle der Litfaßsäule als Stadtmöbel und ihre spezifische Bedeutung in der Stadtplanung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Behauptungskraft der Litfaßsäule gegenüber innovativen Medien zu erklären und zu verstehen, warum sie ihre Funktion als Instrument der städtischen Kommunikation trotz Übersättigung der visuellen Reize beibehalten konnte.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewendet?
Die Arbeit nutzt eine medienhistorische Analyse, ergänzt durch eine komparative Betrachtung verschiedener Werbeformen und eine lokalgeschichtliche Untersuchung anhand von Archivmaterialien der Stadt Weimar.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte, die vom 19. Jahrhundert bis ins 21. Jahrhundert reichen, und beleuchtet dabei sowohl die sozioökonomischen Bedingungen als auch die technischen und regulatorischen Veränderungen der Anschlagsäule.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Außenwerbung, Stadtmöblierung, mediale Komplementarität, öffentliche Kommunikation und die historische Entwicklung der Plakatwerbung.
Welche Rolle spielt der Exkurs über Weimar?
Der Exkurs dient dazu, die theoretischen Erkenntnisse an einem konkreten, historisch greifbaren Beispiel zu illustrieren und die Verwaltungspraxis sowie die Verknüpfung von Werbung und städtischem Raum im lokalen Kontext aufzuzeigen.
Warum ist die räumliche Positionierung laut Autorin entscheidend für den Erfolg der Säule?
Die Autorin argumentiert, dass die Litfaßsäule durch ihre feste Verankerung im Stadtraum und die geringe Nutzungsschwelle – Passanten müssen sie nicht aktiv „einschalten“ – einen direkten, demokratischen Zugang zu allen Bevölkerungsschichten bietet.
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- Anne-Marie Holze (Author), 2015, Die Litfaßsäule in Deutschland. Bedeutung, Räumlichkeit und Konkurrenz zu anderen Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319720