Fontanes "Effi Briest". Wo lässt sich Effi als Individuum in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts positionieren?


Hausarbeit, 2014

16 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Vorstellung des zu behandelnden Themas, Beschreibung der Vorgehensweise, Aktualität des Romans

2. Ziel und Methode

3. Das Verhältnis von Effi Briest und der Gesellschaft
3.1 „Das Individuum“ Effi
3.2 Prinzipentreue der Personen in Effis Umfeld
3.3 Kann Effi als Repräsentantin der Frau im 19. Jahrhundert gesehen werden?

4. Schlussteil: Zusammenfassung, Beantwortung der Fragestellung

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung: Vorstellung des zu behandelnden Themas, Beschreibung der Vorgehensweise, Aktualität des Romans

1896 erscheint Theodor Fontanes Werk Effi Briest. Der Roman erzählt das Schicksal der jungen Protagonistin, nach der der Roman benannt ist. Ihr Schicksal ist durch die strengen Konventionen und Normen der preußischen Gesellschaft zu rechtfertigen, an denen Effi letztendlich zugrunde geht. Effi ist bei ihrer Heirat gerade einmal 17 Jahre alt, ihr fehlt noch genau ein Jahr bis zur Volljährigkeit. Ihr Mann Geert von Innstetten ist um einiges älter als sie und es fällt uns heutzutage schwer, diesen Altersunterschied als nicht pädophil anzusehen. Auch der Skandal des Romans ist nur noch schwer nachzuvollziehen, da ein „kleiner Seitensprung“ im 21. Jahrhundert normal geworden ist. Vor allem ist er Privatsache und stört in keiner Hinsicht das gesellschaftliche System. Ebenfalls befremdlich wirkt die Tatsache, dass Effi an einen ehemaligen Liebhaber ihrer Mutter verheiratet wird und sie somit in gewisser Weise als Stellvertreterin für Luise von Briest gesehen werden kann. Trotz aller Befremdlichkeit ist der Roman dennoch aktuell, da es auch in unserer Zeit noch viele unterschiedliche Formen „der Verkupplung“ gibt. Neben der arrangierten Ehe in z.B. Indien, eine Heirat, die von Verwandten veranlasst, aber im Einverständnis mit dem Brautpaar stattfindet[1], gibt es die Zwangsheirat, die gegen den Willen eines oder beider Heiratenden geschlossen wird. Als weitere Form der Zwangsehe gilt die Kinderheirat, die vor dem heiratsmündigen Alter beider Ehepartner abgeschlossen wird. Die Zwangsehe ist besonders in islamischen und hinduistischen Gesellschaften zu finden[2]. Dennoch sorgt aktuell der Hochzeitsblog der zwölfjährigen Thea aus Norwegen für Aufsehen, die an einen 25 Jahre älteren Mann verheiratet werden soll[3]. Im europäischen Raum handelt es sich bei der Heiratsvermittlung dennoch eher um kommerzielle Dienstleistungen, wie z.B. Partnervermittlungen und Dating Seiten.

In dieser Hausarbeit geht es um die Frage, wo Effi Briest sich in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts aus der Perspektive der Diskursanalyse und der sozialhistorischen Forschung positionieren lässt. Im Hauptteil wird zunächst das Individuum Effi charakterisiert sowie Unterschiede zwischen ihrem Wesen und dem der stereotypischen Frau des 19. Jahrhunderts. Es folgt eine Analyse zweier prinzipientreuer Personen in Effi Briest, pars pro toto für die damalige Gesellschaft. Es soll gezeigt werden, dass das Festhalten an Prinzipien und das Einhalten der Normen anstatt des gewünschten Erfolgs, ebenso Unglück hervor bringen kann. Abschließend möchte ich die Frage beantworten, ob Effi eine Frau ist, die die Gesellschaft des 19. Jahrhunderts repräsentieren kann.

2. Ziel und Methode

Im Hauptteil dieser Arbeit wird nach der Methode der Diskursanalyse gearbeitet. Dieser „Modebegriff“ wird verstärkt erst seit dem Beginn der 1970er Jahre in der Literaturwissenschaft verwendet[4]. Es muss in vier unterschiedliche Diskurstheorien unterschieden werden, wobei sich für diese Hausarbeit die anglo-amerikanische Prägung der Gesprächs,- oder Konversationsanalyse, bzw. „discourse analysis“ anbietet, bei der „das Augenmerk zum einen auf den pragmatischen Rahmen von Diskursen, zum anderen auf über die Satzgrenze hinausgehende Redezusammenhänge gerichtet ist“[5]. Zudem soll auch die Diskurstheorie Michel Foucaults berücksichtigt werden, wobei Diskurs hier als „spezieller Wissensausschnitt“ zu betrachten ist, „deren Grenzen durch Regulierungen dessen, was sagbar ist, was gesagt werden muß und was nicht gesagt werden kann, gebildet sind, sowie durch ihre je spezifische Operativität“[6].

Mein Ziel ist es, die Dialoge in Effi Briest genauer zu betrachten und zu schauen, inwiefern sie die sozialhistorischen Gegebenheiten der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wiedergeben. Zudem soll Fontanes Roman auf historische Texte und auf den Diskurs der bürgerlich realistischen Gesellschaft bezogen werden. Daher eignet sich für diese Hausarbeit die Methode der Diskursanalyse, denn laut Simone Winko sei Diskurs die Bezeichnung für ein „System des Denkens und Argumentierens“, das durch einen gemeinsamen „Redegegenstand“, durch „Regularitäten der Rede“ und durch „Relationen zu anderen Diskursen“ bestimmt ist[7]. Diskursbegriff im engeren Sinne meint nach Foucault „eine Menge von Aussagen, die einem gleichen Formationssystem zugehören“[8].

3. Das Verhältnis von Effi Briest und der Gesellschaft

Effi Briest gibt einen Einblick in die gesellschaftliche Struktur Preußens im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Handlung ist in der Sphäre des Adels angesiedelt und der Autor kritisiert die Unfähigkeit des Adels sich den fortschrittlichen gesellschaftlichen Verhältnissen anzupassen. So fällt es der siebzehnjährigen Protagonistin Effi Briest schwer, sich als die junge Frau des Landrats Geert von Innstetten, in ihrer neuen gesellschaftlichen Stellung zurecht zu finden. In der folgenden Analyse soll zunächst eine kurze Charakterisierung Effis zeigen, inwiefern sie sich von der Gesellschaft unterscheidet, aber dennoch damit zurecht kommen muss, dass alle Personen in ihrem Umfeld ihrer Prinzipienfestigkeit folgen: Ihre Eltern, besonders ihre Mutter, aber allen voran ihr Mann Baron Geert von Innstetten. Des Weiteren wird heraus gearbeitet, dass Effi durchaus eine Ahnung von ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten hat, sie aber trotzdem nicht durchsetzt, da sie die gesellschaftlichen Konventionen kennt und akzeptiert.

3.1 „Das Individuum“ Effi

Effi wächst als einziges Kind des großbürgerlichen Ehepaars Luise von Briest und ihrem Mann, nur Briest genannt, in Hohen-Cremmen auf. „Sie tritt dem Leser am Anfang des Romans als vollkommene Verkörperung des gesellschaftlichen Idealbildes der Frau entgegen, jung und jungfräulich, schön und aus gutem Hause“[9], so Hanni Mittelmann. Sie wird als lebenslustiges „Naturkind“[10] oder auch als „Tochter der Luft“[11] bezeichnet, das am liebsten Kittelkleider trägt[12]. Luise von Briest beschreibt den „Hang nach Spiel und Abenteuer“[13] ihrer Tochter sogar ziemlich jungenhaft und stellt fest: „[S]o weich und nachgiebig sie ist, sie hat auch was Rabiates und lässt es auf alles ankommen“[14]. Des Weiteren bezeichnet sie Effi als „ein ganz eigenes Gemisch“[15]. Auf der einen Seite möchte sie, dass aus ihrer Tochter eine Dame wird, auf der anderen Seite hingegen liebt sie das naive Kind in ihrer Tochter[16]. Effi selbst sagt über sich: „Ich klettere lieber und ich schaukele mich lieber, und am liebsten immer in der Furcht, dass es irgendwo reißen oder brechen und ich niederstürzen könnte“[17]. Die damaligen Frauentätigkeiten, wie z.B. Sticken langweilen sie hingegen[18]. Diese Handarbeit war jedoch eine der Fertigkeiten, die man von einer künftigen Hausfrau erwartete[19]. Unterricht und Bildung hingegen waren beschränkt[20], was auch Effis mangelnde Kunstkenntnis beweist[21].

Effis unbeschwerte Kindheit endet, als der 21 Jahre ältere Baron von Innstetten um ihre Hand anhält. Bei Ingeborg Weber-Kellermann heißt es: „In jungen Jahren, oft erst 16-17 jährig, wurden die Mädchen zuweilen an meist doppelt so alte Männer „in gesicherter Position“ verheiratet, und ihre naive Kindlichkeit bildete ihren besonderen Reiz“[22]. Es ist eine vom Baron und den Eltern arrangierte Ehe, Standesheirat, und Luise von Briest ist von dieser mehr angetan, als Effi selbst[23]. Solche arrangierten Ehen waren im 19. Jahrhundert die Norm. Das Ziel der Mädchenerziehung war die günstige Versorgung durch eine angemessene Heirat[24] und die junge Frau ging meistens nahtlos aus der Hand des Vaters in die des Ehemannes über, ohne Platz für eine eigene Persönlichkeitsentwicklung zu haben[25]. Über das Funktionieren einer solch inszenierten Ehe sagen Reisner und Siegle: „[Sie] funktioniert so lange, wie sich die an ihrem Zustandekommen beteiligten Spieler rollen- und standesgemäß verhalten“[26]. Mittelmann geht sogar noch weiter und spricht von Effi als „Ware“, die verkauft wird[27]. Die Heirat wird ausschließlich nach gesellschaftlichen Regeln vollzogen und lediglich unter der Frage, ob die zukünftigen Eheleute in materieller Hinsicht zueinander passen. Mittelmann sagt diesbezüglich:

„Die Macht der gesellschaftlichen Normen, die hier so offensichtlich nicht mit den natürlichen Bedürfnissen des Menschen übereinstimmen und eine so unpassende Verbindung wie die Effis mit Innstetten erzwingen, wird damit deutlich und zugleich auch fragwürdig gemacht“[28].

Rösel hingegen gibt dem frisch verlobten Paar die Chance glücklich zu sein:

„[O]b zwei ursprünglich fremde Menschen miteinander harmonieren, das zeigt sich schließlich erst in der Praxis und erweist sich erst im Alltag. Auch ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten bleibt die Chance zu Ausgleich und Annäherung nicht per se verschlossen; und auch völlig gleichgestimmte Charaktere stehen in der Gefährdung, sich schrittweise voneinander zu entfremden“[29]

Luise von Briest unterbreitet ihrer Tochter also die Verlobung und lässt ihr bei der Entscheidung, freundlich, aber bestimmt keine Wahl[30]. Hier wird deutlich, dass Effi die Rolle als brave Tochter ausfüllt und akzeptiert. Effi hat kaum eine Chance, sich anders zu definieren als über ihren Mann. Ihr Vater vergleicht das Verhältnis zwischen Mann und Frau als das eines Baumes, um den sich der Efeu zu ranken habe[31]. Effi ist daher ein Mann von Stellung wichtig. Einer, „aus dem was wird in der Welt“[32], um so an seinem Erfolg und Wohlstand teilhaben zu können, denn sie mag Luxus und „[ist] für Reichtum und ein vornehmes Haus, ein ganz vornehmes“[33]. Das Ziel aller Wünsche einer Frau von Effis Stand sollte es sein, jemanden mit adeligem Namen zu heiraten[34]. Für die Frau war damals die Wahl des Partners viel bedeutender als für den Mann, da es adeligen Damen untersagt war zu arbeiten[35]. Sie waren demnach von ihrem Mann abhängig. Zudem ist Effi ehrgeizig und gibt in einem Gespräch mit Innstetten zu: „Du glaubst gar nicht, wie ehrgeizig ich bin. Ich habe dich eigentlich bloß aus Ehrgeiz geheiratet“[36].

Obwohl die Beschreibung Effis maßgeblich auf den ersten Seiten des Romans stattfindet, ist dennoch auffällig, dass die Beschreibung des Raumes, Hohen-Cremmen, der Schilderung der Figuren vorangestellt wird. In der Eingangsszene wird dem Leser das Herrenhaus der Familie von Briest detailgetreu beschrieben. Auch weitere Wechsel der Schauplätze, wie Kessin oder Berlin, beginnen stets mit der „Manifestation der Örtlichkeit“[37]. Dies deutet bereits den Konflikt an, in den Effi im Laufe der Handlung gelangen wird: Sie steht als Individuum dem „Ganzen“, der Gesellschaft“ gegenüber“. Degering meint dazu: „Das Dasein der Individuen wird in seiner Abhängigkeit von der unverrückbaren empirischen Existenz des Raumes und der Dinge gekennzeichnet“[38]. Das „Äußere“ steht also vor dem „Inneren“, die Gesellschaft vor dem Individuum. Die machtvolle Faktizität des Raumes signalisiere demnach den Auseinanderfall von „Ich“ und „Welt“[39].

3.2 Prinzipentreue der Personen in Effis Umfeld

Die Personen in Theodor Fontanes Roman sind von Prinzipientreue geprägt und legen außerdem Wert darauf, wie sie von der Gesellschaft gesehen werden. Das Einhalten der Regeln eines standesgemäßen Verhaltens bedeuteten so viel wie eine Art „Wertmarke“ dieser Schicht und ein Mittel zu deren Stabilisation[40]. Im nun folgenden Teil der Analyse soll dies heraus gearbeitet, aber dennoch Effis Blickwinkel beibehalten werden. Im Besonderen wird auf Effis Mutter Luise von Briest und ihren Mann Geert von Innstetten eingegangen, die beide sehr auf ihre gesellschaftliche Stellung bedacht sind.

Mit Effis Umzug in den Badeort Kessin ändert sich ihr Leben vollkommen. Sie ist nun Hausfrau und noch dazu erste Frau der Stadt[41], was einige Verpflichtungen mit sich bringt. Laut Mittelmann beginnt Effi mit ihrer Ehe, ihre erste von der Gesellschaft aufgedrängte Rolle zu spielen[42]. Pflichtschuldige Besuche beim Landadel gehören dazu, wo Effi keine Lust zu hat[43], zumal sie bei jeder Familie den gleichen Eindruck bekommt: „[M]ittelmäßige Menschen, von meist zweifelhafter Liebenswürdigkeit“[44]. Sie sehnt sich nach herzlichem Umgang, Gesellschaft,[45] und der einzige Mensch, mit dem sie sich anfreundet, ist der Apotheker Alonzo Gieshübler[46]. Auch mit Marietta Tripelli versteht sich Effi gut[47] und bewundert die Freiheit, die die Künstlerin ausstrahlt[48]. Effi möchte sich genauso ihren Vorlieben hingeben dürfen, doch im Gegensatz zu Frau Tripelli, darf Effi ihre Freiheitsliebe nicht ausleben. Innstetten warnt seine Frau vor der Lebensweise Tripellis, für die man in der Regel mit dem Glück bezahle[49]. Dennoch ist es er selbst, der am Ende zugrunde geht und nicht Marietta Tripelli.

In einem Brief an ihre Mutter gesteht Effi ihr ihre Einsamkeit, dass sie sich fehl am Platz in der Kessiner Gesellschaft fühlt[50] und sich mit „dem Adel […] nicht gut zurecht finden kann“[51].

Die damalige passive Rolle der Frau in einer Ehe, kommt in den Kessiner Tagen besonders deutlich zum Vorschein. Effi langweilt sich sehr und ihr fehlt eine Aufgabe – sie hat nichts zu tun und wird nie wieder etwas zu tun haben: „[H]eute nicht, morgen nicht und niemals wieder“[52]. Die Küchenarbeit wird von Dienstboten erledigt und sogar bei der Erziehung ihrer Tochter Annie bekommt Effi Hilfe von einer Gouvernante.

Innstetten nimmt Effis Furcht vor den Spukerscheinungen in ihrem Haus nicht ernst und sorgt sich nicht um ihre Angst, was diese zunehmend verunsichert[53]. Er nimmt keine Rücksicht auf die Bedürfnisse seiner Frau, weil er seinen Dienst für wichtiger empfindet, auch wenn er seine Ehe darüber vernachlässigen muss. Wichtiger als Effis Befinden ist ihm, was die Gesellschaft über einen möglichen Umzug denken könnte und er hat Sorge in einem „komischen Lichte“ dazustehen[54]. Auch private Entscheidungen unterliegen demnach gesellschaftlichen Zwängen. Innstetten ist es wichtiger ein guter Landrat zu sein, als ein liebevoller Ehemann. Effis Freiheit wird von den Etiketten einer „unnachsichtigen Gesellschaft“ beschränkt[55]. Zudem verharmlost Innstetten den Spuk und versucht ihn Effi schön zu reden: „Spuk ist ein Vorzug, wie Stammbaum und dergleichen“[56]. Den Vorschlag Effis, den leer stehenden Saal zu einem Gästezimmer umzugestalten oder wenigstens die über den Boden schleifenden Vorhänge zu kürzen, lehnt Innstetten ab[57]. Er hat in dem Gespräch über die Nutzung des Saals das letzte Wort, was zeigt, dass dieses Effi als Frau nicht zusteht[58].

Innstetten ist ein „Mann von Charakter und Schneid“[59], doch Effi fürchtet sich vor ihrem eigenen Ehemann und seine Prinzipienfestigkeit verunsichert und stört sie[60]. Ihre Verunsicherung zeigt sich in der ersten Nacht in ihrem neuen Zuhause Kessin, als sie morgens alleine aufwacht und Innstetten längst aufgestanden ist. "[Im frühen Aufstehen] ist er streng; er kann das lange Schlafen nicht leiden“[61], erzählt Johanna Effi über ihren Mann. Selbst wenn Innstetten erst um sechs Uhr früh zu Bett geht, folgt er seinen Prinzipien und lässt sich nur drei Stunden später wecken[62]. Wie sehr die gesellschaftlichen Konventionen in ihm verankert sind zeigt, als er nicht die Kraft und den Willen besitzt, sich über diese hinweg zu setzen und sich für das Duell entschließt, obwohl er keinen Rachegedanken gegenüber dem Major Crampas empfindet[63]. Innstetten möchte Effi eigentlich verzeihen[64], doch sieht sich als Teil eines Ganzen, der Gesellschaft, zu einem Duell mit Crampas gezwungen, weil es die Etikette so verlangt[65]. Er weiht Wüllersdorf ein und indem er dies tut, „[ist] das Spiel aus [s]einer Hand“[66]. Durch die gesellschaftlichen Konventionen und die Mitwissenschaft Wüllersdorfs ist das Duell für Innstetten unumgänglich, obwohl er von Selbstzweifeln geplagt wird und weiß, dass seine Entscheidung falsch ist[67]. Innstetten stellt sie Herstellung seiner Ehre über sein persönliches Glück und unterwirft sich fraglos dem „tyrannisierenden Gesellschaft-Etwas“[68]. „[D]ie Gesellschaft [wird hier] zu einem Götzen, von dem man sich unnötig tyrannisieren lässt“[69], sagt Katharina Mommsen. Indem Innstetten sich für das Duell entscheidet, weist er auf die Dominanz der Gesellschaft gegenüber dem Individuum hin. Theodor Fontane kritisiert in der Duell-Szene die Unbeweglichkeit eines Systems. Innstetten befolgt den Ehrenkodex, der jedoch überkommen und nicht mehr zeitgemäß ist. Die Kritik am Überkommenen zeigt nicht nur Effis, sondern auch Innstettens Schicksal, der nach dem Duell unglücklicher ist als vorher. „Das Festhalten an diesen Vorstellungen, an Normen und Konventionen, das wird hier deutlich, führt nicht zum Glück, sondern kann sogar das erhoffte Glück vernichten“[70], ist Mittelmanns Meinung über das Duell.

[...]


[1] Vgl. http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-03/china-indien-ehe

[2] Vgl. http://www.spiegel.de/thema/zwangsheirat/

[3] Vgl. http://www.stern.de/familie/kinder/zwangsehe-zwoelfjaehrige-aus-norwegen-soll-25-jahre-aelteren-mann-heiraten-2144465.html

[4] Vgl. Nünning, S. 117

[5] Nünning, S. 117

[6] Nünning, S. 118

[7] Vgl. Arnold, S. 464

[8] Arnold, S. 465

[9] Mittelmann, S. 47

[10] Fontane, S. 33

[11] Fontane, S. 4

[12] Vgl. Fontane, S. 4

[13] Fontane, S. 36

[14] Fontane, S. 36

[15] Fontane, S. 35

[16] Vgl. Fontane, S. 5

[17] Fontane, S. 30

[18] Vgl. Fontane, S. 6

[19] Vgl. Weber-Kellermann, S. 54-55

[20] Vgl. Weber-Kellermann, S. 54

[21] Vgl. Fontane, S. 38

[22] Weber-Kellermann, S. 56

[23] Vgl. Fontane, S. 14

[24] Vgl. Weber-Kellermann, S. 56

[25] Vgl. Weber-Kellermann, S. 97

[26] Reisner, Siegle, S. 97

[27] Vgl. Mittelmann, S. 49

[28] Mittelmann, S. 49

[29] Rösel, S. 28

[30] Vgl. Fontane, S. 14

[31] Vgl. Fontane, S. 15

[32] Fontane, S. 30

[33] Fontane, S. 20, S. 28

[34] Vgl. Weber-Kellermann, S. 96

[35] Vgl. Reisner, Siegle, S. 97

[36] Fontane, S. 79

[37] Vgl. Degering, S. 26

[38] Degering, S. 26

[39] Vgl. Degering, S. 27

[40] Vgl. Weber-Kellermann, S. 23

[41] Vgl. Fontane, S. 15

[42] Vgl. Mittelmann, S. 49

[43] Vgl. Fontane, S. 99

[44] Fontane, S. 62

[45] Vgl. Fontane, S. 53

[46] Vgl. Fontane, S. 65

[47] Vgl. Fontane, S. 92-93

[48] Vgl. Fontane, S. 87

[49] Vgl. Degering, S. 21

[50] Vgl. Fontane, S. 96

[51] Fontane, S. 102

[52] Weber-Kellermann, S. 98

[53] Vgl. Fontane, S. 56

[54] Vgl. Fontane, S. 75, S. 77

[55] Vgl. Mittelmann, S. 49

[56] Fontane, S. 77

[57] Vgl. Fontane, S. 58

[58] Vgl. De Beauvoir, S. 357

[59] Fontane, S. 22

[60] Vgl. Fontane, S. 33

[61] Fontane, S. 49-50

[62] Vgl. Fontane, S. 74

[63] Vgl. Fontane, S. 234

[64] Vgl. Fontane, S. 235

[65] Vgl. Fontane, S. 235

[66] Fontane, S. 236

[67] Vgl. Fontane, S. 243

[68] Fontane, S. 235

[69] Vgl. Mommsen, S. 19

[70] Mittelmann, S. 59

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Fontanes "Effi Briest". Wo lässt sich Effi als Individuum in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts positionieren?
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Veranstaltung
Epochenseminar: Bürgerlicher Realismus
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V319757
ISBN (eBook)
9783668189430
ISBN (Buch)
9783668189447
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Realismus, Effi Briest, Preußische Gesellschaft, Fontane, Epochenseminar
Arbeit zitieren
Kathrin Unglaub (Autor:in), 2014, Fontanes "Effi Briest". Wo lässt sich Effi als Individuum in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts positionieren?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319757

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