Die vorliegende Hausarbeit soll verschiedene Aspekte des Algerienkrieges beleuchten. Wenn man heute durch die Straßen von Paris schlendert, fallen neben den zahllosen Touristen auf den ersten Blick viele Asiaten, Nord- und Schwarzafrikaner auf. Dass die multikulturelle Gesellschaft in Paris aber alles andere als spannungsfrei ist, haben spätestens die Unruhen in den Banlieue, den Pariser Vorstädten, im Jahre 2005 gezeigt. In diesem Jahr war die Massenarbeitslosigkeit und Resignation in den Pariser Vorstädten in einer 20-tägigen Gewaltorgie explodiert.
Die Jugendlichen, die in den Banlieues randalierten, waren überwiegend nordafrikanischer Herkunft. Ihre Eltern oder vielleicht auch schon Großeltern waren aus den ehemaligen Kolonien Frankreichs ins französische Mutterland eingewandert und vielfach in eben jeden Banlieues gestrandet. Man schätzt die Anzahl der arabischstämmigen Einwanderer heute auf etwa 4,5 Millionen. Die Randale in den Vorstädten hat so auch ein Schlaglicht auf die koloniale Vergangenheit Frankreichs geworfen. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat Frankreich seine beiden größten Kolonien Algerien und Vietnam in mehrjährigen blutigen Kriegen in die Unabhängigkeit entlassen müssen. Der für Frankreich bis heute traumatischste und als schmerzhaft empfundene Kolonialkrieg war der Algerienkrieg von 1954 bis 1962, lange Zeit der „Krieg ohne Namen“. In der vorliegenden Arbeit sollen verschiedene Aspekte des Algerienkrieges beleuchtet werden.
Der Text gliedert sich nach der Einleitung in 3 wesentliche Abschnitte. Der erste Abschnitt ist eine kurze Einführung zu Algerien. Der zweite Abschnitt befasst sich mit dem Konflikt selbst. Nach einer kurzen Darstellung des französischen Kolonialreiches nach dem zweiten Weltkrieg wird die Entwicklung des algerischen Nationalismus aufgezeigt bis hin zur Gründung von FLN und ALN dargestellt. Anschließend werden die beiden wesentlichen Akteure, die französische Armee auf der einen und ALN/FLN auf der anderen Seite, vorgestellt. Der letzte Abschnitt, das Fazit, soll neben einer Bilanz des Krieges Aufschluss darüber geben, welche Rolle Algerien für Frankreich spielte und damit auch die Frage beantworten, warum der Algerienkrieg sich über immerhin 8 Jahre hinzog und bis in die jüngste Vergangenheit in der französischen Öffentlichkeit lediglich als „Operation um die Aufrechterhaltung der Ordnung“ bezeichnet wurde. Hier werden ebenso die Taktiken bewertet, die beide Seiten in Algerien angewendet haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Algerien als Kolonie Frankreichs
2.1 Geographie Algeriens
2.2 Wirtschaftliche Entwicklung Algeriens
2.2.1 Industrielle Entwicklung
2.2.2 Landwirtschaftliche Entwicklung
2.3 Bevölkerungsentwicklung
2.4 Wirtschaftliche und soziale Krise
3 Der algerische Befreiungskrieg
3.1 Frankreichs Kolonialsituation nach dem 2. Weltkrieg
3.2 Der algerische Nationalismus
3.3 Personelle und materielle Ausstattung der französischen Armee
3.4 Ausgangslage der ALN
3.5 Die Rolle der FLN
3.6 Verlauf der militärischen Auseinandersetzung
3.7 Der Weg zur algerischen Unabhängigkeit
4 Fazit
4.1 Die französische Interessenlage in Algerien
4.2 Der Krieg, der keiner sein durfte
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Hintergründe, den Verlauf sowie die sozioökonomischen und politischen Auswirkungen des Algerienkrieges (1954–1962), wobei insbesondere das Spannungsfeld zwischen kolonialer Interessenpolitik und dem algerischen Unabhängigkeitsstreben beleuchtet wird.
- Analyse der kolonialen Wirtschaftsstruktur und der sozialen Krise in Algerien.
- Untersuchung der Entstehung und Entwicklung des algerischen Nationalismus (FLN/ALN).
- Bewertung der militärischen und personellen Kapazitäten beider Konfliktparteien.
- Aufarbeitung der französischen Tabuisierung des Krieges sowie der Rolle von Folter und Repression.
- Betrachtung der außenpolitischen Folgen für Frankreich und der Rolle de Gaulles.
Auszug aus dem Buch
3.3 Personelle und materielle Ausstattung der französischen Armee
Die französische Armee war auf einen Krieg in Algerien nur unzureichend vorbereitet. Die Hauptursache dafür liegt vor allem in der personellen Ausstattung und der Ausrüstung der Armee. Im Folgenden soll dargestellt werden, in welchen wesentlichen Bereichen die Ausstattung nicht ausreichend war.
Als die ALN im Jahr 1954 mit ihren Aktionen begann, standen der französischen Generälität nur sehr begrenzte Optionen zu Verfügung. Die schlagkräftigsten Verbände, nämlich die Fremdenlegion und die Paras, waren im Krieg in Indochina gebunden und erlitten dort erhebliche Verluste. Die „Légion Étrangère“, 1831 in Algerien gegründet, stand für den Einsatz in Algerien nicht in größerem Umfang zur Verfügung. Die Legion umfasste zu diesem Zeitpunkt etwa 30.000 Mann und hatte die Hauptlast der Kämpfe in Indochina zu tragen. Die Eliteverbände aus Paras und Fremdenlegion wurden in Indochina größtenteils aufgerieben. Allein beim Fall der französischen Festung Dien Bien Phu ging quasi die gesamte Garnison von 16.000 Soldaten verloren. Elsenhans schreibt dazu:“Die Belastung durch den Indochinakrieg wird deutlich in der Tatsache, dass in der zweiten Hälfte 1954 die französische Armee noch lediglich 879 Berufssoldaten zur Verfügung hatte, um die Verluste in Indochina ersetzen zu können.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik des Algerienkrieges und Abgrenzung der drei wesentlichen Forschungsabschnitte der Arbeit.
2 Algerien als Kolonie Frankreichs: Analyse der geographischen Gegebenheiten sowie der wirtschaftlichen und sozialen Strukturen unter kolonialer Herrschaft, die zur Krise führten.
3 Der algerische Befreiungskrieg: Detaillierte Betrachtung des Konflikts, der Akteure (FLN/ALN), der militärischen Probleme Frankreichs sowie des Weges zur Unabhängigkeit.
4 Fazit: Bilanzierung der französischen Interessen in Algerien und kritische Auseinandersetzung mit der langen politischen Tabuisierung des Algerienkrieges als "Krieg".
Schlüsselwörter
Algerienkrieg, Frankreich, Kolonialismus, FLN, ALN, Entkolonialisierung, Indochinakrieg, General de Gaulle, Schlacht um Algier, OAS, Siedler, Pieds-noirs, Unabhängigkeit, Folter, Guerillakrieg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Algerienkrieg zwischen 1954 und 1962, dessen Ursachen in der kolonialen Vergangenheit und der wirtschaftlichen Krise liegen, sowie die Auswirkungen des Krieges auf Frankreich.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der kolonialen Wirtschaftsstruktur, der Entwicklung des algerischen Nationalismus, den militärischen Schwierigkeiten der französischen Armee und der späteren politischen Aufarbeitung in Frankreich.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gründe für die lange Dauer des Krieges und die traumatische Wirkung auf die französische Gesellschaft sowie die Hintergründe der kolonialen Interessenpolitik zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur, zeitgenössischen Berichten und wissenschaftlichen Sekundärquellen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der kolonialen Ausgangslage, die Entwicklung der Widerstandsbewegungen (FLN/ALN) und die Analyse der militärischen Auseinandersetzungen unter Berücksichtigung der französischen Unterlegenheit in Asymmetrie-Szenarien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben den zentralen Akteuren wie FLN, ALN und der Rolle von de Gaulle sind Begriffe wie "Entkolonialisierung", "Schlacht um Algier", "OAS" und die "Tabuisierung" als Krieg zentral.
Welche Rolle spielte der Indochinakrieg für die französische Armee in Algerien?
Der Indochinakrieg hatte die schlagkräftigsten Eliteeinheiten Frankreichs gebunden und durch massive Verluste geschwächt, was die Handlungsfähigkeit der Armee bei Ausbruch des Algerienkrieges stark einschränkte.
Warum wurde der Algerienkrieg in Frankreich lange Zeit nicht als "Krieg" bezeichnet?
Da Algerien offiziell als Teil Frankreichs und nicht als bloße Kolonie verwaltet wurde, hätte die Anerkennung als Krieg bedeutet, einen internen Konflikt gegen die eigene Bevölkerung zu führen; zudem wollte man die kriegsmüde französische Bevölkerung nicht weiter belasten.
- Arbeit zitieren
- Tamara Sikharulidze (Autor:in), 2009, Algeriens Dekolonisation. Der Befreiungskrieg von 1954 bis 1962, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319776