Der Übergang vom Beruf in die Rente. Einfluss auf den Alltag und Strategien zur Problembewältigung

Auswertung qualitativer Interviews


Projektarbeit, 2016

50 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Tabellenverzeichnis

Einleitung

1 Theoretischer Hintergrund
1.1 Definition Berentung
1.2 Bekannte Probleme Beim Übergang in den Ruhestand
1.3 Phasentheorie zur Anpassung an den Ruhestand

2 Methodik
2.1 Forschungsdesign
2.2 Stichprobenziehung
2.3 Erhebungsmethode
2.4 Datenerhebung
2.5 Transkription
2.6 Datenauswertung

3 Ergebnisse und Interpretation

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang III

TABELLENVERZEICHNIS

Tabelle 1: Kategoriensystem

Tabelle 2: Paraphrasierung und Kategorienzuordnung

EINLEITUNG

Die Berentung ist ein Lebensabschnitt, den jeder Mensch, der nicht vorher ablebt, durchlaufen wird. Es ist ein Lebensabschnitt, der eine enorme Veränderung herbeiführt, denn dann geht es nicht mehr darum zu arbeiten und für die Zukunft auszusorgen. Nein, dann heißt es: „Raus aus dem Job“ und man lebt von der hart erarbeiteten Altersvorsorge. Dieser Wandel kann verschiedene Probleme mit sich bringen und wird den Alltag zwangsweise verändern. Die Rente ist ein häufig diskutiertes Thema. Zum einen teilen sich die Meinungen bezüglich des Alters, mit welchem man spätestens in den Ruhestand gehen sollte, zum anderen hört man oft, dass der Übergang nicht problemlos verläuft, sondern viele Menschen sich darin verlieren oder gar in ein Loch fallen. Eine ebenso immer stärker verbreitete Problematik entsteht durch finanzielle Sorgen, welche in der Rente scheinbar von Bedeutung sind, da die Altersvorsorge dem bis dahin gelebten Standard offensichtlich nicht gerecht werden kann.

In der vorliegenden Arbeit soll anhand einer qualitativen Befragung herausgearbeitet werden, was für Konflikte beim Übergang in den Ruhestand entstehen, besonders aber auch wie diese Probleme bewältigt werden können. Das bedeutet, dass Möglichkeiten aufgezeigt werden sollen, um sich an die neue Situation anzupassen sowie Wege, die dadurch entstehenden Probleme zu bewältigen. Ziel dieser Arbeit ist es, den Menschen, die kurz vor ihrer Berentung stehen, dabei zu helfen, sich auf diese vorzubereiten. Hierzu erhalten sie hilfreiche Informationen, die mithilfe der Erfahrungen von Ruheständlern erarbeitet wurden. Daraus ergibt sich folgende Forschungsfrage:

Was bringt die Berentung für Probleme mit sich und wie können diesebewältigt oder sogar verhindert werden?

Um diese Frage beantworten zu können, muss zuerst definiert werden, was die Berentung ist. Daraufhin soll darauf eingegangen werden, welche Probleme bezüglich des Übergangs in die Berentung bereits bekannt sind. Darüber hinaus befasst sich diese Arbeit auch mit einer Phasentheorie, welche versucht, den Anpassungsprozess zu beschreiben. Nach Analyse und Auswertung der qualitativen Befragung wird kurz Bezug zur erläuterten Theorie hergestellt und geprüft, inwiefern diese Phasen von den befragten Personen durchlaufen wurden und ob man den Prozess anhand dieser Theorie verallgemeinert beschreiben kann.

1 THEORETISCHER HINTERGRUND

1.1 DEFINITION BERENTUNG

Die Berentung, auch benannt als Ruhestand, bezeichnet den letzten Lebensabschnitt, in dem sich eine Person ab Beendigung der Lebensarbeitszeit befindet. Dieser Status wird im Alter durch das Ausscheiden aus der Arbeitswelt erlangt. Die Beendigung der Berufstätigkeit kann entweder freiwillig, oder erzwungen erfolgen, beispielsweise aus Gründen wie Krankheit, Alter oder durch Arbeitsunfähigkeit. In diesem Lebensabschnitt erhält man kein Gehalt mehr, sondern eine Rente als Ersatz, welche als Altersvorsorge verstanden wird und finanzielle Absicherung bieten soll. Sie entspricht aber nicht zwangsweise dem Betrag des Gehaltes.1

Der Staat sieht eine Altersgrenze vor, die angibt, mit welchem Alter Erwerbstätige spätestens in den Ruhestand gehen müssen. In Deutschland war diese Grenze bis zum Jahre 2011 in dem ersten Monat nach Vollendung des 65. Lebensjahres erreicht. Seit 2011 wird die Grenze stetig angehoben und ist abhängig davon, in welchem Jahr man geboren ist. Ab dem Jahr 2029 wird die Altersgrenze bei 67 Jahren liegen. (Ettel, 2013) Möglicherweise wird die Altersgrenze noch weiter ansteigen. Grund hierfür sind der demographische Wandel und die Steigerung der Lebenserwartung. (Eder, 2012)

1.2 BEKANNTE PROBLEME BEIM ÜBERGANG IN DEN RUHESTAND

Jährlich gehen beinahe 1500 Millionen Deutsche in den Ruhestand. In den meisten Fällen sind sie noch fit und aktiv und haben noch einige Jahre vor sich. Es passiert jedoch nicht selten, dass ehemalige Berufstätige nach dem Übergang in die Berentung in ein Loch fallen. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Ein viel diskutierter Aspekt ist, dass Arbeitnehmer diese Lebensphase in der Regel nicht planen. Der „Vermeider“ ist das beste Beispiel. Dieser repräsentiert eine von drei Kategorien, in welche angehende Ruheständler oft eingeordnet werden können: Der Vermeider lässt den Ruhestand ungeplant auf sich zukommen und vermeidet jeglichen Gedanken an den Ruhestand. Bei Eintritt in den Ruhestand schaltet er erst einmal ab. Diese Menschen sind oftmals vorher beruflich sehr eingespannt und haben sich sehr stark mit ihrer Tätigkeit identifiziert. Nach der Phase des Abschaltens folgt meist die Erkenntnis, dass man im Unternehmen ersetzt wird. Diese Tatsache beunruhigt den Vermeider, weshalb er sich schnell neue Aufgaben sucht und plötzlich anfängt, das Haus zu restaurieren, den Garten neu zu gestalten, oder Ähnliches. Dieser Aktionismus kann schnell zu Überforderung von Angehörigen führen, aber auch die Person selbst an dessen körperlichen Grenzen bringen. Daneben steht der „Übermotivierte“. Diese Person schaltet nach Berentung gar nicht erst ab, denn Sie will direkt alles nachholen, wozu vorher nie Zeit gewesen ist. In der Regel wissen sie gar nicht wo sie anfangen sollen, doch nach einer Weile kommt Enttäuschung auf, weil diese Methoden der Ablenkung ausgeschöpft sind und das Gefühl aufkommt, nicht mehr gebraucht zu werden. Demnach kann der Übergang in den Ruhestand einige negative Gefühle mit sich bringen und zu Problemen führen. Allerdings gibt es heutzutage genügend Möglichkeiten diese Probleme vorzubeugen. Ein positiveres Beispiel dürften die „Realisten“ darstellen. Der Realist setzt sich mit der bevorstehenden Zeit auseinander und sorgt vor. Oft engagieren sich solche Personen schon kurz vor Berufsaustritt in sozialen Projekten oder Sportvereinen und schaffen so bereits eine Struktur für die Zeit, die ihnen bevor steht. (Reumschüssel, 2013)

1.3 PHASENTHEORIE ZUR ANPASSUNG AN DEN RUHESTAND

Robert Atchley entwickelte 1976 eine Phasentheorie zur Anpassung an den Ruhestand. Anhand von sieben Phasen versucht er den Übergang von der Erwerbstätigkeit in den Ruhestand zu beschreiben und geht dabei auch auf Schwierigkeiten ein, die beim Anpassungsprozess auftreten können. Dabei beziehen sich die ersten beiden Phasen auf die Zeit vor der Berentung und die weiteren fünf auf die Zeit nach Beenden der Berufstätigkeit. Atchley versteht den Ruhestand als soziale Rolle an welche man sich anpassen muss indem man verschiedene Phasen durchläuft. Für eine positive Anpassung müssen alle Phasen wieder verlassen werden. (Riedl, 2012)

Die von Atchley festgelegten Phasen lauten:

1.Entfernte Phase
2.Nähephase
3.Euphoriephase
4.Ernüchterungsphase
5.Reorientierungsphase
6.Stabilitätsphase
7.Endphase

Entfernte Phase

Diese Phase beginnt im jungen Lebensalter und dauert etwa bis drei Jahre vor der Berentung an. Hier macht man sich keine Gedanken über den letzten Lebensabschnitt, in der Regel fehlt auch das Vorstellungsvermögen dafür. Oftmals besteht die Vorstellung der Rente als permanente Freizeit und Urlaub, somit besteht eine äußerst positive Erwartung.

Nähephase

Unmittelbar vor der Berentung wird erstmalig das Bewusstsein dafür geweckt, dass man bald eine neue Rolle einnehmen wird. Daraufhin wird sich zunehmend mit der bevorstehenden Zeit auseinandergesetzt. Dabei wird die künftige Situation gedanklich durchgespielt, Rentenansprüche gewinnen zunehmend an Bedeutung und werden überprüft. In dieser Phase sind erste Ängste keine Seltenheit, allerdings sind diese von den Szenarien, die durchspielt werden, abhängig. Die Einstellung gegenüber dem Ruhestand wird zunehmend negativer.

Euphoriephase

Die Euphoriephase ist die erste Phase nach Berufsaustritt und verleiht den Betroffenen das Gefühl sich im Urlaub zu befinden, da sie nun sehr viel Zeit haben. Außerdem ist die Phase geprägt von euphorischem, fast schon kindlichem Verhalten. Die neue Situation wird ausfindig gemacht und neue Dinge werden ausprobiert. Häufig entsteht ein Gefühl von Befreiung.

Ernüchterungsphase

Nach sprudelnder Euphorie und dem Gefühl von Erholung folgt nun Ernüchterung, weil die eigene Aufgabe fehlt. Den Betroffenen wird deutlich, dass der Ruhestand anders ist als erwartet. Diese Erkenntnis führt oft zu Schmerz, manchmal sogar zu Depressionen. Nun wird deutlich, dass man sich neue Aufgaben suchen, sich neu orientieren und den Alltag neu strukturieren muss. Unselbstständige sowie kranke Menschen, aber auch Personen, die sich vorher sehr stark mit ihrer Tätigkeit identifiziert haben oder finanzielle Sorgen haben, sind stark gefährdet in einen emotionalen Konflikt zu geraten.

Reorientierungsphase

Das Gefühl von Ernüchterung sorgt dafür, dass man sich umorientiert und dem Alltag eine neue Struktur verleiht. Es werden neue Hobbys und Gewohnheiten entwickelt, aber auch alte Routinen erneut aufgenommen. Personen, die sich zuvor auf diese Situation vorbereitet haben, entwickeln deutlich schneller eine zufriedenstellende Routine. Gelingt es einer Person nicht den Alltag umzustrukturieren, so versinken diese oft in tiefen Depressionen und fühlen sich nutzlos.

Stabilitätsphase

In dieser Zeitspanne kehrt, wie der Name schon sagt, Stabilität ein. Sie ist geprägt von einem geregelten Alltag, welcher kalkulierbar und vorhersehbar wird. Kleine Konflikte und negative Vorkommnisse können bewältigt werden und die Betroffenen haben sich nun mit ihrer neuen Rolle identifiziert. Es kann durchaus vorkommen, dass man in vorherige Phasen zurückfällt und diese erneut durchlaufen muss, um die Stabilität wieder herzustellen. Gründe hierfür können zum Beispiel kritische Lebensereignisse wie der Tod des Partners sein.

Endphase

Dieser Abschnitt ist geprägt durch den Verlust der Handlungskompetenz. Die Rolle des Berenteten geht langsam in die Rolle des pflegebedürftigen alten Menschen über, welcher auf Hilfe anderer Personen angewiesen ist, bis dieser dann stirbt.2

2 METHODIK

2.1 FORSCHUNGSDESIGN

Um das zu bearbeitende Forschungsthema genauer zu analysieren wurde die qualitative Forschungsmethode verwendet. Diese bietet den Vorteil neue Sachverhalte entdecken zu können, anstatt des Prüfens vorhandener Theorien. Durch eine nicht vorbestimmte Vorgehensweise bietet diese Methode Offenheit, wodurch ein höherer Informationsgehalt entstehen kann. Im Gegensatz zu quantitativen Forschungsmethoden bietet die gewählte Methode die Möglichkeit der persönlichen Interaktion, sei es durch Interviews oder Beobachtung. Das quantitative Forschungsdesign hingegen arbeitet häufig mit Daten in Form von Zahlen und Standardmethoden. (Röbken, 2014) Daraus resultiert, dass ein offenes Interview mehr Sachverhalte offenlegen kann als ein standardisierter, verallgemeinerter Fragebogen mit Ankreuzmöglichkeiten.

2.2 STICHPROBENZIEHUNG

Die zu behandelnde Thematik soll anhand von Personen untersucht werden die sich bereits im Ruhestand befinden und somit Aussagen darüber machen können wie dessen Alltag und Wohlbefinden durch den neuen Lebensabschnitt beeinflusst wurde. Wichtig bei der Wahl der Personen ist, dass alle Personen vor Eintritt der Berentung ein gleiches Beschäftigungsniveau hatten, also einen zeitlich gleichen Arbeitsrahmen vorweisen können, da dieser Aspekt vermutlich eine erhebliche Rolle bei der Umstellung in den Ruhestand spielt und nur so ein Vergleich der Personen möglich ist. Aus diesem Grund wurden im Rahmen dieser Arbeit ausschließlich Personen gewählt die zuvor eine Vollzeittätigkeit ausführten und angestellt waren. Daraus ergibt sich, dass es sich hierbei nicht um eine Zufallsstichprobe handelt, sondern um eine absichtsvolle Stichprobenziehung. Diese Form gehört zu den non-probabilistischen Verfahren. (Schreier, 2011) Interviewpartner A ist männlich, 70 Jahre alt, war von Beruf Lehrer und ging vor 5 Jahren in den Ruhestand. Interviewpartner B ist weiblich, 65 Jahre alt, war von Beruf Bankangestellte und ging mit 62 Jahren in Rente.

2.3 ERHEBUNGSMETHODE

Zur Erhebung der Daten wurde das qualitative Interview verwendet. Als Interviewform wurde das narrative bzw. in diesem Fall teilnarrative Interview nach Fritz Schütze gewählt, da anhand von offenen Fragen besonders gut Aspekte aus dem Leben des Interviewten herausgearbeitet werden können und der Interviewte als Experte seines Lebens erzählt, ohne vorab beeinflusst zu werden. (Schütze, 1983) Die Form eignet sich in diesem Fall außerdem besonders gut, weil der Interviewer sich nicht in Berentung befindet und der Interviewpartner somit als Experte möglicherweise Aspekte ansprechen könnte die der Interviewer nicht berücksichtigt und folglich nie erfahren hätte. Obwohl bei dieser Form des Interviews in der Regel kein Interviewleitfaden erstellt wird, weil der Interviewpartner das Gespräch lenkt, wurde für diese Befragung dennoch ein grober Leitfaden erstellt. Dieser hilft dabei mit einer gezielten Eingangsfrage ins Thema einzuleiten und darüber hinaus an zusätzliche Informationen zu gelangen, die dem Interviewer als wichtig erscheinen, die aber durch offene Fragen nicht offenbart werden konnten. Aus diesem Grund folgte nach Erzählung die Nachfragephase, in welcher einzelne Aspekte aufgegriffen (immanente Fragen) oder neue Thematiken angesprochen und angeregt wurden (ermannte Fragen). (Küsters, 2009) Daraus folgt, dass es sich bei dem Leitfaden nicht um einen strikten Ablaufplan handelt, sondern vielmehr um Anregungen und Frageideen, um so den Dialog aufrecht zu erhalten oder zu vertiefen. Damit kann auch dem Nachteil des narrativen Interviews etwas entgegengewirkt werden, dass die erzählerischen Kompetenzen der interviewten Personen oftmals sehr heterogen sind.

Instrumente des Interviews sind der Leitfaden, die Tonaufzeichnung des Gesprächs sowie das Postskriptum3.

Erstellung des Interview-Leitfadens

Der Interview-Leitfaden dient als grober Orientierungsrahmen, vor allem für die Nachfragephase, als auch als Gedächtnisstütze. Außerdem soll dieser zur Vergleichbarkeit der einzelnen Interviews verhelfen. Er enthält die offene Eingangsfrage sowie einige Frageideen zu einzelnen Themenbereichen und begleitet den Kommunikationsprozess im Hintergrund. Der für diese Arbeit eigenhändig erstellte Interview-Leitfaden (s. Anhang 1) besteht aus sechs Themenblöcken:

- Angaben zur Person
- Beruflicher Hintergrund
- Gefühle/Empfindungen
- Auseinandersetzung mit Berentung vor Eintritt
- Alltags- bzw. Freizeitgestaltung
- Abschließende Einschätzungen

Falls diese Aspekte gar nicht oder nicht ausreichend angesprochen werden, sollen diese im zweiten Teil des Interviews aufgegriffen werden. Die Reihenfolge des Leitfadens muss nicht zwangsweise der im Interview gleichen, da die Fragen an passenden Stellen in den Gesprächsverlauf integriert werden um den Gesprächsfluss nicht zu stören. Im Themenblock „Angaben zur Person” werden allgemeine Informationen über den Interviewten, wie beispielsweise Alter, Familienstand, und das Jahr, seitdem die Person in Rente ist, abgefragt. Der zweite Stichpunkt bezieht sich auf alles was mit dem zuvor ausgeführten Beruf zu tun hat. Hier soll unter anderem ausfindig gemacht werden, was die Tätigkeit des Interviewpartners war und wie ihm diese und sein Arbeitsplatz ihm gefallen haben.

Der Themenblock „Gefühle/Empfindungen” soll ein möglichst umfassendes Bild von allen Gefühlen liefern, die der Interviewte im Zusammenhang mit der Berentung erlebt hat. Dafür soll der Interviewte zum einen seine jetzige Zufriedenheit auf einer Skala bewerten und mit der damaligen Zufriedenheit bevor Eintritt in die Berentung vergleichen, als auch seine Gefühle direkt bei Eintritt in die Berentung sowie Sorgen und Ängste schildern. Außerdem greift der Leitfaden auch einige Fragen bezüglich der Auseinandersetzung mit der Berentung vor Eintritt auf. Es gilt zu herauszufinden ob sich die jeweilige Person vor Eintritt jemals mit der Rente auseinandergesetzt hat und wenn ja, was das bewirkt hat. Der Themenblock „Freizeitgestaltung” spielt eine besonders große Rolle, da der Beruf vorher viel Zeit in Anspruch nahm, welche es in der Berentung zu füllen gilt. Anhand mehrerer Fragen soll herausgearbeitet werden wie die Interviewten ihre Zeit nun nutzen und ob es ihnen gelungen ist, den Alltag neu zu gestalten. Abschließend sollen noch ein paar Einschätzungen getroffen werden, beispielsweise zum Konzept der Rente sowie Anregungen für Personen, die kurz vor ihrer Berentung stehen.

2.4 DATENERHEBUNG

Es wurden zwei Personen unterschiedlichen Geschlechts an neutralen Orten befragt. Im Durchschnitt dauerten die Interviews 20 Minuten an. Vorerst wurden die Interviewten über das Thema aufgeklärt und bekamen Informationen über den Interviewer sowie den späteren Gebrauch der erhobenen Daten. Hierbei ist es wichtig zu betonen, dass die Interviewpartner lediglich darüber aufgeklärt wurden, dass es sich um eine Befragung zum Thema Berentung handelt, um nicht ungewünscht in eine bestimmte Richtung beeinflusst zu werden (z.B. Hawthorne- Effekt). Vor Beginn wurden die Teilnehmer außerdem um ihr Einverständnis gebeten, das Interview für den Verwendungszweck aufzeichnen zu lassen und später anonymisiert zu verwenden. Nach Zustimmung wurde mit dem Interview begonnen indem zuerst offene Fragen ins Thema einleiteten und später gezielt weitere Fragen gestellt wurden um Thematiken hervorzuheben, die bislang nicht ausgesprochen wurden.

2.5 TRANSKRIPTION

Nach Durchführung der Interviews wurden diese mithilfe der qualitativen Programme „F4” und „F5” transkribiert (s. Anhang 2 & 3). Dazu wurden die Interviews vorher mit der Handyaufnahmeapp „Dictate Free” aufgenommen. Die Transkription dient dazu, das verbale Gespräch langfristig in Schriftform verfügbar zu machen, um es dann für wissenschaftliche Analysenzwecke zu verwenden. Es gibt verschiedene Transkriptionssysteme auf die man hierbei zurückgreifen kann. Im Rahmen dieser Ausarbeitung wurde sich am System der Standardorthographie bedient, eine von vier möglichen Vorgehensweisen. Bei dieser werden die Normen der geschriebenen Sprache berücksichtigt, allerdings bleiben Dialekte und andere sprachliche Umlaute und Füllwörter wie beispielsweise „Ähm” unberücksichtigt. (Kowal & O´Conell, 2012) Das bedeutet, dass auf diese Wörter beim transkribieren entsprechend verzichtet wird. So wird ein leicht lesbares Transkript erschaffen, bei welchem der Fokus auf dem Inhalt des Gespräches liegt. (Dresing & Pehl, 2013)

Um bei der Auswertung auf bestimmte Stellen des Dialogs verweisen zu können wurde das Transkript mit fortlaufenden Zeilennummern versehen.

2.6 DATENAUSWERTUNG

Um die erhobenen Daten auszuwerten, werden Bestandteile der qualitativen

Inhaltsanalyse nach Mayring verwendet. Bei dieser Methode geht es hauptsächlich darum, bestimmte Problembereiche ausfindig zu machen, die aus den einzelnen Fragen des Interview-Leitfadens hervorgehen. (Lamnek, 2010)

Die qualitative Inhaltsanalyse nutzt inhaltsanalytische Regeln um die Interpretation des transkribierten Interviews beschreiben, überprüfen sowie vergleichen zu können. Mithilfe der Regeln wird das Textmaterial in verschiedene Kategorien zusammengefasst, um gegebenenfalls mithilfe dieser Kategorien quantitativ weiterarbeiten zu können. Diese Kategorien repräsentieren verschiedene Auswertungsaspekte und sind der wichtigste Bestandteil für die Analyse. (Mayring, 2010) Im Rahmen dieser Arbeit werden die Kategorien deduktiv herausgearbeitet. Das bedeutet, dass im Vorfeld festlegt wird, welche Aspekte für die Auswertung eine Rolle spielen sollen und die erhobenen Daten später zugeordnet werden. (Mayer, 2012) Wichtig ist, dass die Kategorien genau definiert werden und die Zuordnung hier durch Regeln festgelegt wird.

Die Auswertung des qualitativen Interviews erfolgt in einer strukturierten Vorgehensweise. Im ersten Schritt wird der Inhalt auf das Wesentliche reduziert, indem irrelevante Textteile gelöscht werden. Daraufhin werden die wesentlichen Informationen in Kurzform zusammengefasst, sodass man zu einer Kernaussage gelangt. (Mayring, 2010) Der Vorgang ist gegliedert in Paraphrasierung, Generalisierung und Reduktion (s. Anhang 5). Durch diese Methode werden die Informationen präzisiert und nachvollziehbar gemacht. (Bortz & Döring, 2006) Daraufhin werden die einzelnen relevanten Informationen den zuvor erarbeiteten Kategorien zugeordnet (s. Anhang 4). Bei der tieferen Analyse bzw. der Datenverwendung können Textstellen, die durch die Reduktion unverständlich wirken, im Zusammenhang verständlich gemacht und analysiert werden. Im letzten Schritt gilt es dann die Analyse zu strukturieren, indem bestimmte Themen und Inhalte herausgearbeitet werden und beispielsweise interessante Aspekte hervorgehoben werden. (Bortz & Döring, 2006)

Mithilfe der beschriebenen Methode wurden verschiedene Kategorien herausgearbeitet, welche für meine Forschungsfrage von besonderem Interesse sein könnten. Die erarbeiteten Kategorien lauten:

- Vorbereitung auf den Ruhestand

- Zufriedenheit mit dem Berufsleben

- Gefühle/Zustand/Sorgen

- Vor der Berentung
- Kurz nach der Berentung
- In jetziger Situation
- Gründe

- Möglichkeiten zur Konfliktbewältigung

- Alltagsgestaltung

- Bedeutung Ruhestand

[...]


1 Eigene Definition, die sich aus verschiedenen Recherchen zusammensetzt

2 Alle Informationen zum Phasenmodell nach Atchley stammen, wenn nicht anders angegeben, von: Schroeter, 2008

3 Abkürzung: PS, bedeutet Nachschrift

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Der Übergang vom Beruf in die Rente. Einfluss auf den Alltag und Strategien zur Problembewältigung
Untertitel
Auswertung qualitativer Interviews
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Veranstaltung
Statistik
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
50
Katalognummer
V319783
ISBN (eBook)
9783668191334
ISBN (Buch)
9783668191341
Dateigröße
1512 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
übergang, beruf, rente, einfluss, alltag, strategien, problembewältigung, auswertung, interviews
Arbeit zitieren
Anna Rüttger (Autor:in), 2016, Der Übergang vom Beruf in die Rente. Einfluss auf den Alltag und Strategien zur Problembewältigung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319783

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