Identitätsbildung und Identitätskonstruktion für zwölf- bis achtzehnjährige Schülerinnen und Schüler. Jeanne d’Arc und das Manga "Kamikaze Kaito Jeanne"


Bachelorarbeit, 2015

34 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Identitätsfindung bei Heranwachsenden

3.Übersicht des behandelten Mythos und des darauf beruhenden Manga
3.1.Der überlieferte Mythos der Jeanne d’Arc
3.2.Kamikaze Kaito Jeanne
3.3.Identitätszustände bei Jeanne d’Arc und Kamikaze KaitoJeanne, sowie Unterrichtsanwendung

4.Aspekte zur Betrachtung der beiden Identitäten
4.1.Strukturelle Aspekte der Identität
4.2.Phänomenologische Aspekte der Identität
4.3.Behaviorale Aspekte der Identität

5.Folgen konstruierter und übernommener Identität für Jugendliche

6.Zusammenfassung

7.Bibliografie

1. Einleitung

„Ich zu sein hat eben seine Vorteile.“1

Die nachfolgende Arbeit unterscheidet Identitätsbildung und Identitätskonstruktion für zwölf- bis achtzehnjährige Schülerinnen und Schüler. Heranwachsende werden mittlerweile durch Medien so gezielt beeinflusst, dass die Unterscheidung zwischen übernommenem und erarbeitetem Identitätszustand und ihr Übergang für die weitere Persönlichkeitsentwicklung nicht zu unterschätzen ist. Da zum Beispiel die Mehrzahl der Lehrer in den Grundschulen Frauen sind, könnten nichtintellektuelle Jungen glauben, Wissen wäre etwas Weibliches.2 Die Art und Weise wie der Einzelne Empfindungen und Ansprüche handhabt, zu seinen Bedürfnissen steht oder sich den Erwartungen anderer verpflichtet fühlt, kennzeichnet nicht nur Entwicklungsphasen3, sondern drückt sich nach Marcia auch durch seine Identitäts-zustände aus, die in dieser Arbeit behandelt werden.4

Wenn es eine Person in der Geschichte gibt, die unabhängig vom Geschlecht und weitgehend unabhängig von der Zeit in den letzten 600 Jahren einerseits identitätsstiftend, andererseits zur Auseinandersetzung beigetragen hat5, dann ist dies Jeanne d’Arc. Ausschließlich ihre Identitätsbildung nachzuvollziehen, würde die vorliegende Arbeit bereits sprengen, deshalb wurden die Identitätszustände der historischen Jeanne d’Arc der fiktiven Wiedergeburt von Jeanne d’Arc in dem Manga Kamikaze Kaito Jeanne gegenübergestellt.6

Zuerst wird ein Überblick zum Konstrukt Identität gegeben, danach wird der Mythos der Jeanne d’Arc, sowie dieser im Manga, beschrieben. Weiterführend werden zusätzliche Dimensionen und Aspekte für den Vergleich herangezogen.

Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Achtung vor der Überzeugung anderer zu lehren, sowie die Bildung eines selbstständigen Urteils und eigenverantwortliches Handeln, ist eingesetzlicher Auftrag der Schulbildung.7 Deswegen werden abschließend die Folgen konstruierter und übernommener Identitäten für das Selbstwertgefühl, die Autonomie, den kognitiven Stil, auf Intimität und auf soziale Interaktionen von Jugendlichen diskutiert.

In der Zusammenfassung werden die erarbeiteten Erkenntnisse in Bezug auf die Heranwachsenden gesetzt und ein Fazit gezogen.

2. Identitätsfindung bei Heranwachsenden

Man gelangt zu seiner persönlichen Identität in dem Maße, wie es gelingt, unterschiedliche Erfahrungen, Erlebnisse, Tätigkeiten, Rollen in immer erneutem Bemühen zu einem kohärenten Ganzen zu machen, das Konflikte und Widersprüche nicht ausblendet. Sondern, soweit sie bewusst werden, integriert, und sei es als ungelöste Widersprüche.8

Für Piaget konstruieren Kinder ihre Identität durch ihre Interaktion mit der Umwelt so lange, bis durch Assimilation und Akkommodation ein kognitiver innerer Gleichgewichtszustand erreicht ist.9 Hartnäckige Zielverfolgung (Assimilation/Verbindlichkeiten) beziehungsweise flexible Zielanpassung (Akkommodation/Exploration) sind für Marcia bezüglich der Identitätsstruktur dynamische und nicht statische Prozesse.10 Verbindlichkeiten bestehen gegenüber Eltern, moralischen Grundsätzen und Normen und sind nicht bewusst. Ciompi vergleicht die sensori-motorisch-affektiven Objekte von Piaget mit den inneren Objektrepräsentanzen in der Psychoanalyse, die besagen, dass Kinder erst ab einem bestimmten Alter fähig sind, Entwicklungsaufgaben der Umwelt zu lösen.11 In der Pubertät erzeugen, an Freud angelehnt, nicht nur äußere Umstände, sondern auch innere Konflikte zwischen, den neuartigen intensiven Es-Regungen und dem Über-Ich –in der Regel den ‚inneren‘ Verpflichtungen - Angst und entsprechende Abwehrreaktionen.12 Der Aufbau einer Scheinwelt oder Scheinidentität wird erklärt, wenn Objekt- und Selbstrepräsentanzen durch Abwehr­mechanis­men aufgrund traumatischer Erfahrungen, Kränkungen oder Schädigungen durcheinander kommen.13 Kohlberg weist neben den innerpsychischen Prozessen der Identitätsfindung auf die stufenweise aufeinander aufbauenden Argumentations- und Urteilsfindungen angesichts moralischer Entscheidungsdilemmas hin.14 Erikson erarbeitete am Lebenszyklus verankerte Entwicklungsschritte: affektiv-kognitive Grundsituationen und –auf-gaben in der Kindheit und in der Pubertät, Berufs- und Partnerwahl, Gründung einer eigenen Familie, Kindererziehung, mittleres Alter, Schwieger- und Großelternrolle, höheres Alter und Tod.15 Ersieht Identität dort gesichert begründet, wo sie sich auf Aktivität bezieht.16 Marcia greift die Konzeption Eriksons17 von einer Identitätsentwicklung innerhalb der psychosozialen Entwicklung bei Heranwachsenden auf und unterscheidet strukturelle, phänomenologische und behaviorale Aspekte der Identität:

Identity may be considered in three aspects: structural, phenomenological, and behavioral. The structural aspect refers to the consequences identity has for the overall balance of psychodynamic processes. Identity is a stage of ego growth, hence its consolidation at late adolescence strengthens those aspects of personality having to do with judgment, delay, and efficacy. The phenomenological aspect of identity refers to the experience of having or not having a sense of identity, as well as the experience of one’s particular style of identity formation. The behavioral aspect of identity refers to the observable components of the identity-formation process, what others can see of an identity style.18

Angelehnt an die von Erikson ebenfalls herausgestellten Prozesse der Exploration und der Verpflichtung bei der Identitätsfindung, unterscheidet Marcia noch den Grad der Unsicherheit aufgrund einer Krise und beschreibt vier empirisch überprüfbare Identitätszustände, die er „identity-diffusion“, „foreclusor“, „moratorium“ und „achievedidentity“19 nennt. Der Unterschied zwischen Erikson und Marcia wird am Beispiel des moratoriums deutlich. Erikson bezeichnet den übernommenen Identitätsstatus als die Zeit vor dem moratorium, während Marcia dynamisch zwischen der unerforschten Übernahme von Verbindlichkeiten und einer erforschten und damit erarbeiteten Identität unterscheidet.20

Die (Gesamt)Integration, anfänglich als völlig getrennt erlebter positiver und negativer Aspekte des Selbst und der Objekte, werden im Folgenden sowohl im Inneren, als auch im Äußeren durch die vier Identitätszustände beschrieben.21

Keupp, der Identität als ein „selbstreflexives Scharnier zwischen der inneren und äußeren Welt“22 bezeichnet, gewährleistet Identität und damit Gleichheit in der Verschiedenheit. Dies entspricht dem Konzept, dass obwohl man sich dauernd verändert, durch Erfahrung und Anpassung beispielsweise, man meistens das Gefühl hat, gleich zu bleiben.

Sozialisationsstudien reflektieren zunehmend Risiken und Ressourcen für die Identitäts-konstruktion von Kindern durch Medien in der heutigen Gesellschaft.23 Sind die Familienstrukturen klar und konstant, oder aber diffus und widersprüchlich, spiegelt sich das in typischen, innerpsychischen Konstellationen wider.24 Gelingt es heranwachsenden Jugendlichen nicht, passende Bezugspersonen und eine geeignete Rolle zu finden, kann eine Flucht in die irreale Welt vonstattengehen.25

In der folgenden Ausarbeitung wird das Konzept von Marcias Identitätszuständen und seine Dimensionen anhand von Krisen, Verpflichtungen und der Suche nach Kompromissen sowohl gegenüber der äußeren, als auch gegenüber der inneren Welt nachvollzogen und die vier Formen der Identitätszustände erläutert. Im diffusen Zustand26 (identity-diffusion) fehlt die Verpflichtung gegenüber bestimmten Orientierungen; es ist einem vieles bis alles egal, man lässt sich treiben.27 Ein übernommener Identitätszustand (foreclusor) orientiert sich zum Beispiel an Standpunkten, die man von den Eltern, dem familiären Umfeld, beziehungsweise von Idolen wie Jeanne d’Arcoder dem Manga übernommen und nicht durch kritische Auseinander­setzung erworben hat.28 Die Suche nach Kompromissen (moratorium) zeichnet sich dadurch aus, dass gehadert und mit verschiedenen Sichtweisen versucht wird, sich aktiv im Dickicht der Alternativen zu orientieren.29 Diese suchende Auseinandersetzung wird häufig als Krise empfunden, weil keiner falsche Entscheidungentreffen will.30 Bei der erarbeiteten Identität (achieved identity) können Entscheidungen unabhängig von der späteren Überzeugunggetroffen werden.31

Es soll geprüft werden, inwieweit sich Jeanne d’Arcs Identitätszustände diachron über ihr Leben hinweg an Hand äußerer Gegebenheiten nachvollziehen und inwieweit sich die Identitätszustände in Kamikaze Kaito Jeanne an Hand innerer Befindlichkeiten verdeutlichen lassen. Aus diesem Grund wird im Folgenden eine Zusammenfassung des Mythos der Jeanne d’Arc und des Manga gegeben.

3. Übersicht des behandelten Mythos und des darauf beruhenden Manga

Nach Knauers Lexikon enthalten Mythen aus psychologischer Sicht „zahlreiche Projektionen menschl[icher] Situationen und Probleme auf übermenschl[iche] Gestalten und sind unmittelbar tiefenpsychol[ogisch] deutbar“32.Die Frage nach der mythischen Identität berührt gleichzeitig das Problem der Flucht vor der Wirklichkeit wie auch den Zustand der Gegenwartswelt und ihrer Bewohner, die Suche nach Persönlichkeitsmustern und - holistische Wirklichkeitsversionen.33 Daher kann sowohl der Jeanne d’Arc Mythos, als auch der Manga genutzt werden, um Schülern exemplarisch Identitätskonstruktionen nahe zu bringen.

3.1. Der überlieferte Mythos der Jeanne d’Arc

Jeanne d’Arc wurde angeblich nach dem damals verwendeten julianischen Kalender am 6. Januar 1412 in Domrémy (Frankreich) geboren.34 Sie war ein lothringisches Bauernmädchen, das nach vorgeblichen Heiligenvisionen als Freiheitskämpferin in den Krieg gegen die Engländer zog. Mit siebzehn Jahren war sie an der Befreiung Orléans (1429) maßgeblich beteiligt und wurde am 30. Mai 1431 in Rouen als Ketzerin verbrannt.35 Heutzutage wird sie als französische Nationalheldin und Heilige verehrt.

Vom Kontext her lebte Jeanne d’Arc in einer „Epoche der Widersprüche und Sackgassen“36. Der kirchliche Weltherrschaftsanspruch durch Papst Bonifaz VIII. stand im Widerspruch zu der wachsenden Macht der sich bildenden Staaten und dem Schisma der Kirche mit den konkurrierenden Päpsten. Häresie (Andersgläubigkeit), Schisma (Abkehr von der Kirche) und später Aberglaube (die Wiederkehr des Antichristen) sind nach Wieland nichts anders als Herrschaftstechniken:

Alle Untersuchung hört auf, wo jeder Zweifel für eine Eingebung des Teufels erklärt wird, die nur mit Fasten, Beten, Abtödtung (sic!) des Fleisches, und gänzlicher Unterbrechung alles Denkens bekämpft werden muß (sic!); und die Vernunft wird zu einem völlig unbrauchbaren Werkzeuge gemacht, so bald uns ihr freyer (sic!) Gebrauch in die dumpfen Kerker der Inquisition, und aus diesem auf einen Scheiterhaufen führt.37

Der seit 1337 immer wieder aufflammende Hundertjährige Krieg38, die große Pest39 von 1349/1350 und das abendländische Schisma der Kirche mit bis zu drei Päpsten40,41 bewirkten Zerstörung, Hunger und Tod. Die Lage des französischen Thronfolgers Karl VII. im Kampf um die Krone erschien aussichtslos.42 England erhob Anspruch auf den Thron und Heinrich V. von Englandvernichtete 1415 in der Schlacht von Azincourt einen großen Teil der französischen Führungselite.43 Zusätzlich stärkten burgundische Truppen die englische Streitmacht gegen die Getreuen Karl VII.44

Selbst für ihre Zeit war Jeanne d’Arc übermäßig religiös.45 Nach der Niederlage der Anhänger des Dauphins 1424 verwüsteten Söldner auch Domrémy. Die Familie, Jeanne d’Arc war zwölf oder dreizehn Jahre alt, flüchtete nach Neufchâteau und fand nach der Rückkehr das Dorf geplündert vor.46 Angeblich seit ihrem dreizehnten Lebensjahr (1425) hörte Jeanne d’Arc ‚Stimmen‘, sprach aber mit niemandem darüber, auch nicht mit ihren Eltern.47 Im Mai 1428 verließ sie endgültig mit Hilfe ihres Onkels, ohne Wissen der Eltern48,Domrémy, um zum Hauptmann Baudricourt gebracht zu werden.49 Anfangs wurde Jeanne d’Arc von niemandem ernst genommen – ein unerfahrenes Mädchen, kaum älter als 16 Jahre, in ein ärmliches, rotes Kleid gehüllt.50 Später berichteten viele Zeitzeugen jedoch, dass es Jeanne d’Arc schnell gelang, die Menschen durch ihr energisches Selbstbewusstsein und ihre Beharrlichkeit zu beeindrucken.51 So harrte sie zum Beispiel mehrere Wochen in der Stadt Vaucouleurs aus, bis der örtliche Kommandant bereit war, sie zu empfangen.52 Um mehr Gehör zu erhalten, tauschte sie ihr Kleid gegen Männerkleidung.53 Da Jeanne d’Arc in Vaucouleurs für ihre Reise ausgestattet wurde54,kann dieser Zeitpunkt als ihr Wendepunkt angesehen werden, indem sie vom Bauernmädchen zur aktiven ‚Gesandtin Gottes‘ wird. Hier beginnt der eigentliche Mythos der Jeanne d’Arc.

Im Februar 1429 traf Jeanne d’Arc in Chinon auf den Dauphin55 von Frankreich.56 Ihm prophezeite sie, dass sie Orléans von den Engländern befreien werde und dass er danach in Reims zum König gekrönt werden würde.57 Der Dauphin glaubte an die göttliche Kraft Jeanne d’Arcs, nachdem er sie zuvor von verschiedenen Kirchenvertretern hatte befragen lassen und sie ihm angeblich sein stilles Gebet wiedergegeben hatte.58 Auch ihre Jungfräulichkeit ließ er kontrollieren, da nach damaligem Glaubensverständnis eine Jungfrau nicht mit dem Teufel im Bunde stehen konnte.59 Jeanne d’Arc erhielt schließlich den Auftrag, ein kleines Söldnerheer zusammen mit frischer Versorgung nach Orléans zu führen.60 Als sie erfolgreich in der Stadt eintraf, löste dies große Begeisterung unter der Besatzung aus.61 Ihr gelang es, die französischen Soldaten neu zu motivieren. Am 7. Mai 1429 fand der entscheidende Angriff auf Les Turelles statt und am folgenden Sonntag, an dem normalerweise die Waffen ruhten, besiegte ihre Streitnacht die Engländer.62

Der Dauphin wurde am 17. Juli 1429 in der Kathedrale von Reims als Karl VII. zum neuen französischen König gekrönt.63 Bereits am Tag der Krönungszeremonie entzweiten sich die Meinungen in unterschiedlichen militärischen und politischen Zielen Jeanne d’Arcs und ihres Begleiters Jean d’Alençon von denen des Königs und seinen Beratern im weiteren Umgang mit den Burgundern und der von Bedford befehligten englischen Armee in Paris, so dass Jeanne d’Arc sich verraten fühlte.64 Der König plädierte auf Verhandlungen, während Jeanne d’Arc nur in der Konfrontation einen Sieg zu erreichen sah. Sie kämpfte entgegen des passiven Verhaltens des Königs weiter mit ihren Anhängern um Paris.65 Am 23. Mai 1430 geriet Jeanne d’Arc dabei in die Gefangenschaft66 der Burgunder und wurde in Rouen vor ein von England finanziertes Inquisitionsgericht gestellt.67 Man beschuldigte sie, Götzen anzubeten und Häresie zu betreiben.68 Insgesamt wurden ihr 70 schwere Vergehen und Sünden zur Last gelegt, darunter Zauberei und Hexerei, Blasphemie, falsche Weissagung und Grausamkeit.69 Auch das Tragen männlicher Kleidung wurde ihr als unchristliches Verhalten vorgeworfen.70 Der politisch motivierte Prozess71 gegen sie dauerte vom 09.01.1431 bis zum 30.05.1431.72 Jeanne d’Arc wehrte sich rhetorisch geschickt gegen die Vorwürfe und gab sich gegenüber der Anklage und den Gelehrten keine Blöße.73 Nachdem man ihr das Todesurteil angedroht hatte, widerrief sie kurzzeitig ihre Aussage.74 Daraufhin wurde sie zu lebenslanger Gefängnishaft verurteilt.75 Jedoch widerrief sie ihr Geständnis und beharrte erneut darauf, von Gott geschickt worden zu sein. Da sie außerdem wieder Männerkleidung getragen hatte, verurteilte sie das Gericht am 30. Mai 1431 als Ketzerin.76 Noch am gleichen Tag wurde sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt und ihre Asche in der Seine verstreut.77

20 Jahre später gelang es Karl VII. die englischen Truppen vom europäischen Festland zu vertreiben.78 Danach wurde, mit Unterstützung des Papstes Calistus III., der Prozess gegen Jeanne d’Arc neu aufgerollt und das Todesurteil in Rouen im Revisionsverfahren überprüft.79 Dabei wurde sie nachträglich in allen Punkten freigesprochen und das Urteil für rechtswidrig erklärt.80 Am 18. April 1909 wurde Jeanne d’Arc von Papst Pius X. selig-und am 16. Mai 1920 von Papst Benedikt XV. heiliggesprochen.81 Sie ist Schutzpatronin von Frankreich, Rouen und Orléans.82 Weiterhin gilt sie als Vorbild und wurde literarisch bearbeitet. Als ein Beispiel dient der Manga Kamikaze Kaito Jeanne, der im Folgenden zusammengefasst wird.

3.2. Kamikaze Kaito Jeanne

Himmel räumt Kamikaze Kaito Jeanne den Titel ein, einer der „originellsten Jeanne-Rezeptionen unserer Tage“83 zu sein.

Eigentlich ist die sechzehnjährige Marron Kusakabe (日下部まろん, Kusakabe Marron) eine ganz normale Schülerin, jedoch ist sie auch die Reinkarnation der französischen Freiheitskämpferin Jeanne d’Arc.84 Ihr zur Seite steht der Engel Fynn Fish (フィン・フィッシュ, Fin Fisshu), mit dessen Hilfe, zusammen mit ihrem Kreuz, sie sich in die sogenannte ‚Kunstdiebin‘ Jeanne verwandeln kann. Als von Gott gesandt, jagt Jeanne Dämonen, die sich in wertvolle Bildereinnisten und von ‚reinen‘ Menschen Besitz ergreifen. Wenn der Besessene durch Jeanne befreit, ist verschwindet das Bild und wird durch ein Engelsbild ersetzt. Jeanne wird daher von der Polizei als Phantomdiebin (怪盗, Kaitō) betitelt und von dieser, sowie ihrer besten Freundin Miyako Tōdaiji (東大寺都), der Tochter des Polizeichefs, verfolgt.

Marrons neu eingezogener Nachbar Chiaki Nagoya (名古屋稚空) wird ihr Gegenspieler. Er verliebt sich in Marron, die letztendlich seine Liebe erwidert. Auch er führt ein geheimes Dämonenjäger-Doppelleben, konkurriert als Sindbad mit Jeanne und wird ebenfalls von einem Engel, Access Time (アクセス・タイム, Akusesu Taimu), begleitet. Marron ist der Meinung, Sindbad steht mit dem Teufel im Bund, da Jeanne im Auftrag Gottes handelt. Dies wird ihr von Fynn zunächst bestätigt.

Sindbad jedoch versucht hauptsächlich, Marron vor Fynn zu schützen. Als Marron gegen Ende der Geschichte der Tochter des Polizeichefs, Miyako, enthüllt, dass sie über all die Jahre Jeanne gewesen sei, erwidert Miyako, sie hätte es gewusst und ausschließlich aus Freundschaft die ‚Kunstdiebin‘ Jeanne gejagt, um Marron zu schützen. Am Ende heiratet sowohl Marron ihren ehemaligen Gegenspieler Chiaki/Sindbad, als auch Miyako einen einstigen Klassenkamerad und die Kinder aus den beiden Ehen Natsuki (魚月) und Shinji (心時) werden die Wiedergeburten der vorherigen Engel Fynn und Access.

Neben der schulischen Behandlung von Medien, wie beispielsweise Fernsehen und Zeitungen, sollten auch Manga besprochen werden, da diese immer beliebter werden und sich vermehrt gesellschaftlichen Unterschichten, aber auch Kindern und Jugendlichen, als Kommunikationsmittel anbieten.85 Von manchen möglicherweise als trivial und Subkultur abgelehnt, beinhaltet der japanische Export mittlerweile „almost two-thirds of the world’s animation“86. Weiterhin können Schülerinnen und Schüler damit nicht nur ihre eigene Kultur verstehen lernen, sondern auch ein Gespür für andere Kulturen und Denkweisen entwickeln.87 Lernende sollen angeregt werden, sich nicht von den Bildern des Manga blenden zu lassen, sondern tiefer zu gehen und alte Auffassungen über „platten Sensationalismus“ hinaus, „lediglich Negatives“, Förderung von „Neurosen, Perversionen, [und] Kriminalität“88 zu hinterfragen.

Im Folgenden soll dargelegt werden, wie Jeanne d’Arc und Kamikaze Kaito Jeanne bezüglich der Identitätszustände interpretiert werden und wie diese Identitätszustände für Schüler genutzt werden können.

3.3.Identitätszustände bei Jeanne d’Arc und Kamikaze KaitoJeanne, sowie Unterrichtsanwendung

Die Geschichte der Jeanne d’Arc fasziniert und verführt aufgrund vieler Quellen zur Identifikation, um das Rätsel ihrer Person zu lösen.89 Sie bietet reichlich Anlass zu Spekulationen, zum Beispiel, ob sie nicht doch ein Mann oder königlichen Geblüts war, sie wirklich Erscheinungen hatte oder nur glaubte, Stimmen zu hören.90 Die Stimmen stellen nach psychoanalytischer Diktion eine Ich-dystone Reaktionsbildung auf reale Gefahren und innere Ängste dar.91 Mit dem Überfall auf Domrémy, wodurch Jeanne d’Arc und die Dorfbewohner gezwungen waren zu flüchten, begannen laut manchen Quellen ihre Visionen und sie identifizierte sich mit der damals geläufigen Merlin-Prophezeiung92, die besagte, dass eine Jungfrau Frankreich retten würde. Sie übernahm so gesehen die Identität der vorhergesagten Befreierin. In Chinon gab sich Jeanne d’Arc den Beinamen ‚la Pucelle‘, weil über die Zeit ihr jungfräulicher Zustand immer wieder überprüft wurde. Da Karl VII. nichts mehr zu verlieren hatte und durch Jeanne d’Arc möglicherweise einen Anreiz für den Zusammenhalt des Heeres sah – ihre Schwäche ist es, eine Frau zu sein und damit von der Stärke her unterlegen, was jedoch eine Veranlassung für das Heer gibt, sie zu beschützen – machte er sie zur Heerführerin.93 Jeanne d’Arc stand als Bauernmädchen wahrscheinlich eher auf der Perzipienten Seite und erhielt weder eine militärische noch strategische Ausbildung, dennoch bezeichnete d’Alençon sie später als eine hervorragende Kämpferin.94 Obwohl Jeanne d’Arc den Auftrag der Stimmen, sowie die Rolle als prophezeite Jungfrau übernahmund den Namen ‚la Pucelle‘ anhängte, spricht ihre vehemente Selbstverteidigung im Prozess in beeindruckender Weise für einen erarbeiteten Identitätszustand.

Tanemuras fiktive Wiedergeburt von Jeanne d’Arc in dem Manga Kamikaze Kaito Jeannespielt in Japan. ‚Kamikaze‘ kann aus dem japanischen übersetzt werden mit ‚göttlicher Wind‘.95 Entsprechend Freuds psychischer Struktur des Ideal-Ichs oder Über-Ichs, wird dies auf die Reinkarnation von Jeanne d’Arc übertragen. Das Über-Ich ist die Internalisierung der gebietenden und verbietenden Eltern, gesellschaftlicher Konventionen, das moralische Gewissen. Widerspruch gegen das Gewissen bringt Angst vor Strafe und Liebesverlust in Form von Schuldgefühlen mit sich.96 Die Reinkarnation von Jeanne d’Arc im Auftrag Gottes steht für das Über-Ich, wenn es Kaito Jeanne den Auftrag gibt, die Dämonen zu bannen oder erste erotische Annäherungen an Marron abwehrt.97 „Das Ich, aus dem Es stammend und an den Realerfahrungen konstituiert, steht zwischen Außenwelt, Es und Über-Ich“98 und wird Kaito Jeanne genannt. Dafür spricht, dass sie es ist, die in der Außenwelt als Kunstdiebin für Furore sorgt und von der Polizei, sowie der Freundin Marrons, Miyako Tōdaiji, gejagt wird.99 Das Es, vertreten durch Marron, kennt keine Wertung, kein Gut und Böse, keine Moral.100 Die Schülerin Marron trauert um den Verlust der Eltern und empfindet Zuneigung zu ihrem vermeintlichen Gegenspieler. Sie handelt nicht, sondern lässt sich treiben, weshalb sie dem diffusen Identitätszustand zuzuordnen ist. Kaito Jeanne hat als Reinkarnation Jeanne d’Arcs den Ansprüchen des Über-Ichs zu genügen und die Ansprüche aus dem Es, sich hin- oder aufzugeben, abzuwehren. Erzeugt das Über-Ich in erster Linie Angst („ich bin stark“, „ich brauche keine Hilfe“, „ich brauche keinen Beschützer“101 ), führen heftige Abwehr-mechanismen zu einer Spaltung im Ich, daher die Aufspaltung in Marron und Jeanne. Ist das Strukturniveau noch nicht reif genug entwickelt, führt dies entweder zu einer Krise oder bei verdrängten Konfliktanteilen zu einer übernommenen Identität.

Die historische Jeanne d’Arc und die fiktive Jeanne eignen sich zum einen für einen Identitätsvergleich, weil Wirklichkeit und Fiktion kontrastiert werden, zum anderen, weil das Doppelleben der ‚Kamikaze Kaito Jeanne‘ als ‚Geheimagentin Gottes‘, beziehungsweise ‚Kunstdiebin‘ in ihrer Ambivalenz zwischen Wirklichkeit102 und Realität103, letzteres im Sinne von Gut und Böse, spielt, genauso wie es in der Überzeugung und dem Glauben bei Jeanne d’Arc der Fall ist.

Jeanne d’Arc ist nicht nur identitätsbildend für Mädchen und Frauen, sondern auch für Jungen und Männer, weil sie bis heute identitätsstiftend für die französische Nation ist. Der Vergleich mit der geschlechterstereotypischen Darstellung des Manga polarisiert absichtlich, weil einerseits der Mythos, andererseits eine heile Welt und damit Voreinstellungen beziehungsweise voreingenommene Identitäten in Frage gestellt werden. Gerade die starke stereotypisch feminine Darstellung des Manga erleichtert die Sensibilisierung von Schülerinnen für die vom Markt vordiktierten Vorstellungen undhinterfragt eine unkritische, oberflächliche Identifikation. Ferner sollen Mädchen darauf aufmerksam gemacht werden, Abweichungen von Geschlechterstereotypen nicht per se negativ zu bewerten, weil physische Schwäche, wie bei Jeanne d’Arc, durch innere Stärke ausgeglichen werden kann. Letztlich sollen Schülerinnen und Schüler zusätzlich darauf aufmerksam werden, hinter Geschlechterstereotypen die Achtung vor der Überzeugung anderer zu bewahren.

Diese Arbeit könnte im Curriculum in Verbindung mit dem Hundertjährigen Krieg fächerübergreifend mit Geschichte im siebten Schuljahr unterrichtet werden. Um jedoch zu gewährleisten, dass die Schüler und Schülerinnen mit dem schwierigen Thema der Identität nicht überfordert werden, soll sich diese Arbeit an die zehnte Klassenstufe richten, in der ebenfalls Jeanne d’Arc behandelt werden kann.104

Die vier Einteilungen der Identitätszustände, aufgrund der Betrachtung einer Person bei kritischen Ereignissen, ist Betrachter abhängig und soll im Folgenden anhand der von Marcia eingeteilten Aspekte der Identitätszustände vertieft werden.105

4.Aspekte zur Betrachtung der beiden Identitäten

Marcias Forschungsarbeiten über die individuelle Entwicklung unterscheidet sich von der traditionellen Vorgehensweise in der Psychoanalyse und gegenüber Psychologen, die sich mit der Entwicklung über die Lebensspanne befassen. Seine Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf die Erarbeitung eines zuverlässigen Konstrukts von Identität. Der strukturelle Aspekt der Identität106 zeigt sich darin, inwieweit ein Kompromiss zwischen Zielverfolgung beziehungsweise Zielanpassung als Entwicklungsaufgabe bewältigt wurde oder nach wie vor besteht, zum Beispiel zwischen: Vertrauen und Misstrauen, Autonomie gegenüber Scham und Zweifel, Initiative und Schuld, Begabung und Minderwertigkeit, Identität und Diffusion, Intimität und Isolation, Nachhaltigkeit und Stagnation, sowie Integrität und Verzweiflung.107 Obwohl Erikson selbst nie von einem Status der Identität sprach, lehnte sich Marcia an seine Beschreibung charakteristischer Identitätserscheinungen an.108 Beispielsweise benutzte Erikson den Begriff moratorium, um den Zeitraum zu beschreiben, wenn eine Gesellschaft den Jugendlichen von Aufgaben befreit, damit er sich entwickeln kann.109 Moratorium im Sinne von Marcia bedeutet hingegen, dass ein Individuum gerade dabei aktiv ist, sowohl kognitiv als auch verhaltensmäßig, Aspekte seines Selbst und seiner Welt zu erforschen, um sie zu integrieren.110

Drei Aspekte bei der Betrachtung von Identitäten werden unterschieden: strukturelle Aspekte, phänomenologische Aspekte und verhaltensbestimmende Aspekte, mit der die jeweilige Lebensumwelt erforscht, Bindungen eingegangen und Krisen bewältigt werden.111 Auf die Aspekte wird im Folgenden einzeln eingegangen.

4.1. Strukturelle Aspekte der Identität

In jeder Entwicklungsphase gibt es spezifische Krisen, zum Beispiel zwischen Vertrauen und Misstrauen, Intimität und Isolation, deren Lösungen wiederum eine Ressource für die nächste Entwicklungsstufe sein kann.112 Die erarbeiteten Ressourcen beinhalten strukturell oder innerpsychisch Konsequenzen für die Identität, die, wenn eine Integration gelungen ist, zu einer Zunahme des Selbstbewusstseins und damit auch zu einer Verbesserung aller anderen Ich-Funktionen führt, zum Beispiel Bedürfnisaufschub, Stressresistenz oder Selbstwirksamkeit.113 Jeanne d’Arc suchte und bekam ihre Beachtung mit und durch den Beinamen ‚Pucelle‘114, insofern eignet sich der Name, um die Identitätszustände anhand Jeanne d’Arcs Aktivitäten, Verpflichtungen und Krisen aufzuzeigen. Bei dem Manga werden ebenfalls die gewählten Eigennamen näher betrachtet, dann wird untersucht, ob die gewählten drei Einheiten des Namens Kamikaze, Kaito und Jeanne eine Entsprechung zu der Instanzenlehre115 von Freud haben, um abschließend den inneren Identitätszustand von Kamikaze Kaito Jeanne als Ganzes der Außenwelt oder Realität gegenüberzustellen.

Schriftsteller und Künstler machen gerne davon Gebrauch, statt ihres nicht selbst ausgesuchten Vor- und Zunamens ein möglichst einmaliges Pseudonym zu benutzen. Widemer fügt hinzu, dass wenn das Pseudonym dazu noch wohlklingt oder etwas bezeichnet, das mit Schätzen oder Tugenden zu tun hat, vergrößert sich zweifellos die Chance, beachtet zu werden.116 Auf ihre Kindheit bezogen wird Jeanne d’Arc ‚Jeannette‘ genannt, auf die Jugendzeit bezogen ‚Jehanne‘, französisch ‚Jeanne‘, von ihren Anhängern volkstümlich ‚Pucelle‘ und von ihren Kritikern oder mit wissenschaftlicher Distanz ‚Jungfrau‘.

Ihren Mädchennamen, Jeannette117 oder Jehanne118 erhält Jeanne d’Arc, ohne Frage, von ihren Eltern. Erst im Alter von siebzehn Jahren, wahrscheinlich in Vaucouleurs, gibt sich Jeanne d’Arc den Namen ‚Jehannela Pucelle‘.119 ‚D’Arc‘ wurde sie erst später durch französische Dichter genannt – das Apostroph zur Vermeidung eines Hiatus mittels Elision wurde in Frankreich erst im 16. und 17. Jahrhundert eingeführt unddeutet zudem die Erhebung in den Adelsstand an.120 Der eigentliche Nachname soll Darc, Tarc, Dars, Dai oder Darx gewesen sein.121 Der Beiname ‚la Pucelle‘ steht mit vierzehn Jahren für nichts anderes als ein Keuschheitsgelübde122, mit fünfzehn/sechzehn Jahren ist er ein irdischer Beweis gegen ein angebliches Eheversprechen123, schließlich mit sechzehn Jahren ist er unter dem Verweis auf die Merlin-Prophezeiung eine Botschaft und Abgrenzung gegenüber anderen Seherinnen124.Mit siebzehn Jahren in Chinon ist er eine Legitimation125 für ihre Glaubhaftigkeit und schlussendlich mit neunzehn Jahren im Prozess ein Beweis, nicht vom Teufel besessen zu sein (Virgointacta)126.‚Pucelle‘ übersetzt ins Deutsche bedeutet substantivisch so viel wie ‚Maid‘, ‚Magd‘ oder ‚Jungfer‘, adjektivisch ‚unberührt‘, ‚jungfräulich‘.127 Die definitive Annahme des Namens ‚la Pucelle’ ist spätestens mit dem zweiten Brief an die Engländer – 1429 – verbürgt, da sie mit diesem Namen unterschrieb.128 Zuvor, im Mai 1428, weist Jeanne d‘Arc ihren Onkel Durant Laxart mehrfach mit der Merlin-Sage von der ‚Jungfrau aus dem Eichenwald‘ auf sich und die Rettung Frankreichs hin.129 Während der Wartezeit auf Gehör in Vaucouleurs erhoffte der lothringische Fürst Charles von der sagenumwobenen Jungfrau Heilung.130 Demnach muss ihr Ruf bereits über die Grenzen hinweggegangen sein.

In Chinon wurde durch weibliche Angehörige der königlichen Familie Jeanne d‘Arcs Jungfräulichkeit zweimal überprüft.131 In dem oben bereits erwähnten Brief an die Engländer bestreitet Jeanne d’Arc die Worte ‚Gebt der Jungfrau‘ gesagt zu haben.132 Für die Erörterung ist es nicht relevant, ob sie diesen Ausdruck benutzte, sondern, dass sie darauf Bezug nahm. Die Identifikation mit dem Beinamen ‚la Pucelle‘ wird deutlich, als sie sowohl im Mai 1429 von den Engländern als Armangnac-Hure benannt wurde und in Tränen ausbrach133, als auch in ihrem Triumphzug bei der Rückkehr der Truppen nach Orléans134. Zeitgenössischen Quellen zufolge hatte sie mit dem Sieg das verlangte ‚Zeichen‘ gesetzt und wurde nun ‚Pucelled’ Orléans‘ genannt.135 An anderer Stelle verweist Krumeich, dass die Popularität und Glaubwürdigkeit auf den grundlegenden Übereinstimmungen mit dem Glauben des einfachen Volkes beruhten.136 Von ihren Feinden wurde sie abschätzig ‚Jungfrau‘ genannt137 und mit ihren Niederlagen wurde der eher familiäre Name ‚Pucelle‘ zu ‚Vierge‘138.139

[...]


1 Pauley Perrette alias Abby: Navy CIS. In: Donald P. Bellisario, Don McGill: NCIS. Naval Criminal Investigative Service. USA: CBS 2003-2015. TV-Serie.

2 Vgl. Eric Homburger Erikson: Jugend und Krise. Die Psychodynamik im sozialen Wandel. Frankfurt am Main, Berlin, Wien: Klett-Cotta im Ullstein Taschenbuch 1981. S. 128.

3 Vgl. James E. Marcia: The Ego Identity Status Approach to Ego Identity. In: James E. Marcia, Alan S. Waterman, David R. Matteson, Sally L. Archer and Jacob L. Orlofsky (Hrsg.): Ego Identity. A Handbook for Psychosocial Research. New York: Springer-Verlag 1993. S. 3f.

4 Vgl. James E. Marcia: Development and Validation of Ego-Identity Status. Bd. 3. Nr. 5. Journal of Personality und Social Psychology 1966. S. 551-558.

5 Siehe unter anderem: William Shakespeare in Heinrich der VI, Friedrich Schiller in Die Jungfrau von Orléans, Georg Bernhard Shaw in Die heilige Johanna, Jean Anouilh in Jeanne oder Die Lerche, Anna Seghers Hörspiel Der Prozess der Jeanne d’Arc zu Rouen 1431 oder Berthold Brecht in Die heilige Johanna der Schlachthöfe.

6 Um im folgenden Verwirrungen aufgrund gleicher Namen zu verhindern wird die historische Jeanne d’Arc als ‚Jeanne d’Arc‘ bezeichnet und die Manga Verkörperung als ‚Jeanne‘.

7 Vgl. Rheinland-Pfalz Ministerium der Justiz und für Verbraucherschutz: Schulgesetz (SchulG) vom 30. März 2004. § 1. Auftrag der Schule. Abs. 2. In: Landesrecht online o. D.

8 Gesine Schwan: Demokratische Identität. Die Konstruktion demokratischer politischer Identität in nach-diktatorischen Gesellschaften. Überarbeitete Fassung eines Vortrags anlässlich der Verleihung des Schader-Preises am 4. Mai 2006 in Darmstadt. In: Zeitschrift für Politikwissenschaft 17. Jg. 2007. Heft 1. S.7.

9 Vgl. Jean Piaget: Probleme der Entwicklungspsychologie. Kleine Schriften. Frankfurt am Main: Autoren- und Verlagsgesellschaft Syndikat 1976. S. 71.

10 Vgl. Marcia, James E.: Identity in adolescence. In: Adelson, J. (Hrsg.): Handbook of adolescent psychology. New York: John Wiley & Sons 1980. S. 159.

11 Vgl. Luc Ciompi: Affektlogik. Über die Struktur der Psyche und ihre Entwicklung. Ein Beitrag zur Schizophrenieforschung. Stuttgart: Klett-Cotta 1982. S. 62.

12 Vgl. Dieter Schüpp: Zum psychoanalytischen Verständnis von Jugenddissozialität und zu ihrer Behandlung und Prophylaxe. In: Dieter Eicke (Hrsg.): Freud und die Folgen. Die Psychologie des 20. Jahrhunderts. Bd. 2. Zürich: Kindler Verlag 1976. S. 807.

13 Vgl. Schüpp, S. 807.

14 Vgl. Leo Montada: Schuld als Schicksal? Zur Psychologie des Erlebens moralischer Verantwortung. Schriftliche Fassung eines Vortrags, gehalten im Rahmen der Ringvorlesung der Universität Trier im WS 1977/78, die unter dem Thema „Schuld und Schicksal“ stand. In: Montada, L. (Hrsg.): Berichte aus der Arbeitsgruppe „Verantwortung, Gerechtigkeit, Moral“. Heft 1. Universität Trier 1978.

15 Vgl. Erikson 1981, S. 91 ff.

16 Vgl. Erik Homburger Erikson: Dimensionen einer neuen Identität. Frankfurt am Main: suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1975. S. 119.

17 Vgl. Marcia 1980, S. 160.

18 Marcia 1993, S. 3f.

19 Ebd., S. 11.

20 Vgl. Ebd., S. 19ff.

21 Vgl. Ciompi 1982, S. 185.

22 Heiner Keupp: Identität. In: Lexikon der Psychologie. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag 2000. Online.

23 Vgl. Daniel Süss: Mediensozialisation zwischen gesellschaftlicher Entwicklung und Identitätskonstruktion. In: Dagmar Hoffmann, Lothar Mikos (Hrsg.): Mediensozialisationstheorien. Modelle und Ansätze in der Diskussion. 2. überarbeitete Auflage. Wiesbaden Springer Verlag 2007. S. 109-132.

24 Vgl. Ciompi 1982, S. 224.

25 Vgl. Ebd., S. 186.

26 Vgl. Marcia 1966, S. 552.

27 Vgl. Ebd., S. 552.

28 Vgl. Ebd., S. 552.

29 Vgl. Ebd., S. 552.

30 Vgl. Ebd., S. 552.

31 Vgl. Ebd., S. 551.

32 Knauers Lexikon. Knauers Lexikon in zehn Bänden. Farbig. L-Nati. Bd. 6. München: Lexikograpisches Institut 1978. S. 4187.

33 Bogdan Trocha und Pawel Walowski (Hg.): Homo mystikus. Mythische Identitätsmuster. Berlin: Frank & Timme Verlag für wissenschaftliche Literatur 2013. S 9.

34 Vgl. Ulrich Porak: Memorialkultur in Frankreich. Die Jeanne-d‘Arc-Feste in Orléans und ihre politischen Konnotationen. 1803-1921. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn 2008. S. 65.

35 Vgl. Benedikt XVI.: Generalaudienz. Audienzhalle 26.01.2011. Online.

36 Kerstin Odendahl: Kulturgüterschutz. Entwicklung, Struktur und Dogmatik eines ebenenübergreifenden Normensystems. Tübingen: Mohr Siebeck 2005. S. 32.

37 Christoph Martin Wieland: Über den freyen Gebrauch der Vernunft in Glaubenssachen sammt einer Beylage. 1788. In: Wieland, C.M.: Sämmtliche Werke. Neun und Zwanzigster Band. Vermischte Aufsätze. Leipzig 1797. S. 37.

38 Vgl. Porak S. 56ff.

39 Vgl. Ebd., S. 67.

40 Vgl. Ebd., S. 100.

41 Vgl. Krumeich, S. 47.

42 Vgl. Porak, S. 64.

43 Vgl. Jan Philpp Reemtsma: Vertrauen und Gewalt. Versuch über eine besondere Konstellation der Moderne. In: teleakademie. SWR Media Services. Baden-Baden 13.09.2003. DVD.

44 Vgl. Porak, S. 59.

45 Vgl. Müller, S. 563.

46 Vgl. Porak, S. 67.

47 Vgl. Gerd Krumeich: Jeanne d’Arc. Die Geschichte der Jungfrau von Orléans. 2. durchgesehene Auflage. München C.H.Beck Verlag 2012. S. 19: Sie solle sich gut im Griff halten (à soibiengouverner) und oft in die Kirche gehen.

48 Vgl. Ebd., S. 23: Zwei Jahre, nachdem sie die Stimmen gehört hatte, erzählte ihre Mutter ihr von dem Traum ihres Vaters: Jeanne werde bald mit Soldaten von Domrémy wegziehen. Wenn dem so sei, sollen die Brüder sie ertränken.

49 Vgl. Ebd., S. 26.

50 Vgl. Krumeich, S. 29.

51 Vgl. Ebd., S. 33, 34 und 55.

52 Vgl. Ebd., S. 28.

53 Vgl. Scott, S. 29.

54 Vgl. Ebd., S. 35.

55 Dauphin: „von 1349 bis 1830 Titel des französischen Thronfolgers“ nach Duden online.

56 Vgl. Krumeich, S. 33.

57 Vgl. Porak, S. 73.

58 Vgl. Scott, S. 41-43. Nette, S. 26.

59 Vgl. Scott, S. 42f.

60 Vgl. Porak, S. 75.

61 Vgl. Krumeich, S. 39.

62 Vgl. Ebd., S. 46f.

63 Vgl. Ebd., S. 57-63.

64 Vgl. Krumeich, S. 67.

65 Vgl. Ebd., S. 70ff.

66 Vgl. Ebd., S. 73-83.

67 Vgl. Ebd., S. 84-102.

68 Vgl. Ebd., S. 85, 96f.

69 Vgl. Ebd., S. 95, 98.

70 Vgl. Ebd., S. 84.

71 Vgl. Ebd., S. 84, 92.

72 Vgl. Ebd., S. 121.

73 Vgl. Ebd., S. 84.

74 Vgl. Ebd., S. 100, 121.

75 Vgl. Porak, S. 84.

76 Vgl. Ebd., S. 85.

77 Vgl. Ebd., S. 86.

78 Vgl. Ebd., S. 58.

79 Vgl. Krumeich, S. 100-110.

80 Vgl. Ebd., S. 110.

81 Vgl. Ebd., S. 100.

82 Vgl. Johanna Angele: Weiberzeit. In Zukunft gemeinsam. Norderstedt: Books on Demand 2012. S. 272.

83 Stephanie Himmel: Von der »bonne Lorraine« zum globalen »magicalgirl«: Wandlungen Jeanne d’Arcs in populären Medien. In: Klaudia Knabel, Dietmar Rieger, Stephanie Wodianka: Nationale Mythen – kollektive Symbole. Funktionen, Konstruktionen und Medien der Erinnerung. Göttingen: Vandenhoeck& Ruprecht 2005. S. 285.

84 Folgende Zusammenfassung von: Arina Tanemura: Kamikaze Kaito Jeanne. Aus dem Japanischen von RieKasai. Bd. 1-7. Tokyo: SHUEISHA Inc. 1998.

85 Vgl. Dietger Pforte (Hrsg.): Comics im ästhetischen Unterricht. In: Klaus Briegleb, Christa Bürger, Peter Bürger, Thomas Metscher: Kritische Literaturwissenschaft. Bd. 5. Frankfurt am Main: AthenäumVerlag GmbH 1974. S. 11.

86 Anne M. Cooper-Chen: Cartoon Cultures. The Globalization of Japanese Popular Media. New York: Peter Lang Publishing 2010, S.3.

87 Vgl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung: Lehrplan Deutsch. Grund- und Leistungsfach. Jahrgangsstufen 11 bis 13 der gymnasialen Oberstufe (Mainzer Studienstufe). Rheinland-Pfalz 1998.

88 Pforte, S. 25.

89 Vgl. Krumeich, S. 6.

90 Vgl. Ebd., S. 6.

91 Vgl. Jean Laplanche, Jean-Bertrand Pontalis: Das Vokabular der Psychoanalyse. 16. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1973. S. 422.

92 Vgl. Jule Michelet: Jeanne d’Arc. Paris: Librairie de L. Hachette Et Cie 1853. S. 12.

93 Vgl. Kelly DeVries: Joan of Arc. A military Leader. Gloucestershire: The History Press 1999. S. 97-101.

94 Ebd., S. 97-101.

95 Vgl. Kamikaze: „1. (im Zweiten Weltkrieg) japanischer Flieger, der sich mit seinem Bombenflugzeug auf das feindliche Ziel stürzt 2. (umgangssprachlich) Tun, bei dem jemand bewusst ein sehr hohes Risiko in Kauf nimmt“ nach Duden online. Weiterhin: Götterwind. Vgl. Bernhard Scheid:Götterwinde. Religion und Krieg zur Zeit der mongolischen Eroberungen. Online. Nach: Bernhard Scheid: Vortrag im Rahmen des Symposiums 800 Jahre Mongolisches Weltreich.Österreichischen Akademie der Wissenschaften 9. Juni 2006.

96 Vgl. Schlegel, S. 93.

97 Vgl. Tanemura, Bd. 1, Kp. 1.

98 Gustav Bally: Einführung in die Psychoanalyse Sigmund Freuds. Reinbek bei Hamburg: Rowolt Taschenbuch Verlag GmbH 1961. S. 95.

99 Vgl. Tanemura, Bd. 1, Kp. 1.

100 Vgl. Ebd., S. 93.

101 Tanemura, Bd. 1, Kp. 3.

102 Wirklichkeit wird hier synonym mit Wahrnehmung verwendet. Ein eingetauchter Stab im klaren Wasser wird wirklich als geknickt wahrgenommenen.

103 Realität zeigt sich als Erfahrungswissen, dass die Wahrnehmung uns den Stab zwar wirklich geknickt erscheinen lässt, wir aber davon ausgehen, dass er wieder gerade ist, wenn er aus dem Wasser gezogen wird.

104 Vgl. Klett Verlag: Jeanne d’Arc – Mythos und Wirklichkeit. Online.

105 Vgl. Marcia 1993, S. 5ff.

106 Vgl. Marcia 1993, S. 5ff.

107 Vgl. Marcia 1980, S. 159.

108 Vgl. Marcia 1993, S. 19.

109 Vgl. Ebd., S. 20.

110 Vgl. Marcia 1993, S. 20.

111 Vgl. Marcia 1993, S. 3ff,

112 Vgl. Ebd., S. 5.

113 Vgl. Ebd., S. 7.

114 Vgl. Régine Pernoud, Marie-Véronique Clin: Johanna von Orléans. Der Mensch und die Legende. Bergisch Gladbach: Gustav Lübbe Verlag 1991. S. 280.

115 Vgl. Leonhard Schlegel: Grundriß der Tiefenpsychologie unter besonderer Berücksichtigung der Neurosenlehre und Psychotherapie. Band 1 Die Abwehrtheorie der Neurosen. München: Francke Verlag 1972. S. 92 ff.

116 Vgl. Peter Widmer: Der Eigenname und seine Buchstaben. Psychoanalytische und andere Untersuchungen. Bielefeld: transcript Verlag 2010. S. 17.

117 Vgl. Krumeich, S. 17.

118 Vgl. Jeanne Darc. o. D. Online.

119 Vgl. Krumeich, S. 45.

120 Vgl. Ebd., S. 76.

121 Vgl. Porak, S. 65.

122 Vgl. Benedikt XVI. Online.

123 Friedrich Oehninger: Geschichte des Christentums in seinem Gang durch die Jahrhunderte. Paderborn: Salzwasser-Verlag 2012. S. 248.

124 Vgl. Krumeich, S. 26.

125 Vgl. Ebd., S. 34.

126 Vgl. Ebd., S. 92.

127 Vgl. Porak, S. 17, 241.

128 Vgl. Ebd., S. 45

129 Vgl. Ebd., S. 26

130 Vgl. Krumeich, S. 30.

131 Vgl. Ebd., S. 34.

132 Vgl. Ebd., S. 36.

133 Vgl. Ebd., S. 45.

134 Vgl. Krumeich, S. 47.

135 Vgl. Ebd., S. 47.

136 Vgl. S. 60.

137 Vgl. Krumeich, S. 72.

138 „Jungfrau“ nach Pons Online Wörterbuch.

139 Vgl. Krumeich, S. 73f.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Identitätsbildung und Identitätskonstruktion für zwölf- bis achtzehnjährige Schülerinnen und Schüler. Jeanne d’Arc und das Manga "Kamikaze Kaito Jeanne"
Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
34
Katalognummer
V319785
ISBN (eBook)
9783668188068
ISBN (Buch)
9783668188075
Dateigröße
713 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
identitätsbildung, identitätskonstruktion, schülerinnen, schüler, jeanne, manga, kamikaze, kaito
Arbeit zitieren
Angelika M. Tank (Autor), 2015, Identitätsbildung und Identitätskonstruktion für zwölf- bis achtzehnjährige Schülerinnen und Schüler. Jeanne d’Arc und das Manga "Kamikaze Kaito Jeanne", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319785

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