In dieser Hausarbeit wird untersucht, inwiefern die differierende Ausgangslage beider Autoren bezüglich des Zugangs, der Auswahl und der Verarbeitung von Quellen zu unterschiedlichen Aussagen/Ergebnissen in ihren jeweiligen Studien führen. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, ob eine Studie, in der sich der Autor von persönlichen Gefühlen leiten lässt, überhaupt noch als wissenschaftlich bezeichnet werden kann.
Für die Entstehung und Erschließung unterschiedlicher Problemstellungen, die sich aus sozialen Strukturen und gesellschaftlichen Zusammenhängen ergeben, sowie zur Erklärung menschlichen Handelns, werden in der Sozialforschung systematisch Informationen erhoben, klassifiziert und analysiert. Mit Hilfe solcher Erhebungen wird versucht Sachverhalte in Natur und/oder Gesellschaften aufzuschlüsseln, Zusammenhänge zu formulieren und diese Aussagen zu überprüfen. Dieses Vorgehen macht den Hauptanteil der empirischen Sozialforschung aus, die vor allem der systematischen Überprüfung von Theorien dient. In der Forschungsplanung wird zwischen quantitativer und qualitativer Methode unterschieden. Aber nicht die Methoden empirischer Sozialforschung sollen hier im Vordergrund stehen, sondern die Quellenlage zu einem Forschungsschwerpunkt und deren Verwendung in einer wissenschaftlichen Studie.
In Anbetracht dessen werden hier zwei wissenschaftliche Arbeiten herangezogen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die eine, durchsetzt von Subjektivität und geschrieben von einem ehemaligen Bundeswehrgeneral, arbeitet vornehmlich mit Protokollen, die einer Geheimhaltungsstufe unterliegen und lebt von Aussagen von Personen, die nicht genannt werden wollen. Die andere, rein objektiver Natur, beinhaltet ausschließlich Quellen, die für jedermann zugänglich sind und stützt sich vornehmlich auf Medienberichten, da zu dem Zeitpunkt der Arbeit keine anderen Informationen für den Autor zur Verfügung standen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer Rahmen
2.1 „Quelle“
2.2 Quantitative und qualitative Forschungen
2.3 Qualität und Bewertung empirischer Forschung
3. Zwei Studien
3.1 Heinz Loquai: Weichenstellung für einen Krieg
3.1.1 Methodik und Quellen
3.2 Carsten Triphaus: Institutionalisierung und Konfliktprävention
3.2.1 Methodik und Quellen
4 Zwei Ergebnisse
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die unterschiedliche Ausgangslage zweier Autoren hinsichtlich des Zugangs, der Auswahl und der Verarbeitung von Quellen zu differierenden Ergebnissen in ihren jeweiligen Studien führt. Dabei wird kritisch hinterfragt, inwieweit Studien, die stark von persönlichen Gefühlen oder subjektiven Einschätzungen geprägt sind, den wissenschaftlichen Anforderungen an Objektivität und Nachvollziehbarkeit genügen.
- Vergleich der quellenkritischen Herangehensweise zweier unterschiedlicher Studien zum Kosovo-Konflikt.
- Analyse der Bedeutung von Autorenbiografie und Zugang zu vertraulichen Informationen.
- Gegenüberstellung von quantitativen und qualitativen Ansätzen in der sozialwissenschaftlichen Forschung.
- Diskussion von Gütekriterien wie Nachvollziehbarkeit, Intersubjektivität und Überprüfbarkeit.
- Kritische Reflexion der Rolle von Medienberichterstattung als Forschungsquelle.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Methodik und Quellen
Zum Beginn der Studie wird von Loquai erklärt, dass der Untersuchungsgegenstand nur mithilfe von objektiver und präziser Beschreibung der Vorkommnisse aussagekräftig und seriös behandelt werden kann. Dabei stellt er allerdings fest, dass es, obwohl der Kosovo-Konflikt unter umfangreichen internationalen Beobachtungen sowie Kontrollen stand, zu Diskrepanzen in den jeweiligen Fakten kam. Dies hat zu unterschiedlichen politischen Beurteilungen geführt. Es stehen zwar genügend Informationen zur Verfügung, aber diese weisen unterschiedliche Qualitäten auf und sind nur zum Teil allgemein verfügbar. Folglich werden widersprechende Bilder vom Kosovo-Konflikt gezeichnet.
Zunächst ist festzustellen, dass Loquai sich der qualitativen Methode der empirischen Sozialforschung bedient. Somit wird seine Beobachtungsrealität nicht in Zahlen abgebildet, sondern mithilfe verbaler Daten (z.B. Dokumente und Aussagen von Personen). Loquai nutzt für seine Studie vornehmlich das Informationsaufkommen im Bereich der OSZE in Form von einheitlich gegliederten Tagesberichten, Wochenberichten und Monatsberichten. Da Loquai selbst bis zum 31. März 1999 bei der deutschen OSZE-Vertretung beschäftigt war, kennt er einen großen Teil der amtlichen Berichterstattung zum Kosovo-Konflikt. Während und nach seiner Tätigkeit erhielt er durch persönliche Recherche erneuten und weiteren Einblick in Dokumente. Dabei stellt er fest, dass eine objektive, systematische und wissenschaftlichen Kriterien genügende Aufarbeitung des Kosovo-Konflikts, mithilfe von lediglich als „offen“ oder mit dem niedrigsten Geheimhaltungsgrad „Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuften amtlichen Dokumente, möglich ist. Denn diese zeichnen zum Teil, so Loquai, schon ein anderes Bild vom Konflikt als bspw. die deutsche Bundesregierung der Öffentlichkeit präsentierte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung der Quellenlage für die Sozialforschung ein und skizziert das Ziel der Arbeit, zwei gegensätzliche wissenschaftliche Studien hinsichtlich ihrer Quellennutzung zu vergleichen.
2 Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Quelle, unterscheidet zwischen quantitativer und qualitativer Forschung und definiert wissenschaftliche Gütekriterien für die Analyse.
3. Zwei Studien: Hier werden die Biografien der Autoren und die Inhalte ihrer jeweiligen Studien vorgestellt, um den Kontext für den anschließenden Vergleich zu schaffen.
3.1 Heinz Loquai: Weichenstellung für einen Krieg: Dieses Unterkapitel widmet sich der Person Heinz Loquais und der inhaltlichen Ausrichtung seiner Studie, die stark durch seine eigene Tätigkeit im OSZE-Kontext geprägt ist.
3.1.1 Methodik und Quellen: Dieser Abschnitt analysiert das qualitative Vorgehen Loquais und die spezifische Problematik seiner Quellenlage, die durch amtliche sowie informelle Dokumente gekennzeichnet ist.
3.2 Carsten Triphaus: Institutionalisierung und Konfliktprävention: Der Fokus liegt hier auf einer Magisterarbeit, die die deutsche OSZE-Politik untersucht und ein idealtypisches Rollenkonzept als Analysegrundlage nutzt.
3.2.1 Methodik und Quellen: Hier wird das quantitative Vorgehen von Triphaus beschrieben, welches maßgeblich auf Sekundärliteratur und Medienberichten basiert.
4 Zwei Ergebnisse: Das Kapitel führt einen direkten Vergleich der Ergebnisse beider Autoren durch und verdeutlicht, wie deren unterschiedliche Zugänge zu Informationen ihre Wahrnehmung und Beurteilung der Ereignisse prägen.
5 Fazit: Das Fazit bewertet die wissenschaftliche Qualität beider Studien vor dem Hintergrund der eingangs aufgestellten Gütekriterien und reflektiert die Rolle von Subjektivität und Quellenkritik.
Schlüsselwörter
Sozialforschung, Quellenlage, Kosovo-Konflikt, qualitative Methode, quantitative Methode, OSZE, wissenschaftliche Objektivität, Intersubjektivität, Nachvollziehbarkeit, Medienberichterstattung, Krisenmanagement, empirische Forschung, Quellenkritik, Zivilmacht, Konfliktprävention.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss der Quellenlage und der persönlichen Biografie von Forschenden auf die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien am Beispiel des Kosovo-Konflikts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die quellenkritische Analyse, die Unterscheidung zwischen objektiver wissenschaftlicher Arbeit und subjektiven Einschätzungen sowie die Rolle der OSZE und der Medien in Konfliktsituationen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, wie der Zugang zu Informationen und der Forschungshintergrund der Autoren die Interpretation von Ereignissen beeinflussen und ob diese Studien den Ansprüchen an wissenschaftliche Objektivität genügen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden, qualitativ-analytischen Ansatz, um die methodische Vorgehensweise und die Quellenbasis zweier spezifischer Fallstudien gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen der empirischen Forschung dargelegt, die beiden Studien von Heinz Loquai und Carsten Triphaus detailliert vorgestellt und ihre Ergebnisse hinsichtlich Quellenwahl und Interpretation verglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sozialforschung, Quellenlage, Kosovo-Konflikt, Intersubjektivität, Wissenschaftliche Objektivität und Quellenkritik.
Wie unterscheidet sich der Zugang von Heinz Loquai und Carsten Triphaus zu Quellen?
Loquai als ehemaliger Brigadegeneral nutzt internes Expertenwissen und vertrauliche amtliche Dokumente, während Triphaus als Student auf öffentlich zugängliche Sekundärliteratur und Medienberichte angewiesen ist.
Wie bewertet die Autorin die wissenschaftliche Aussagekraft von Loquais Arbeit?
Die Autorin sieht Loquais Arbeit kritisch zwischen wissenschaftlichem Anspruch und investigativer Publizistik schwanken, da viele seiner Argumente aufgrund des anonymen Quellenzugangs für den Leser nicht unmittelbar nachprüfbar sind.
Warum wird die Berichterstattung in den Medien in der Arbeit so intensiv diskutiert?
Die Medienberichterstattung dient als zentraler Streitpunkt, da Loquai sie als manipulatives Werkzeug kritisiert, während Triphaus sie als wesentliche Quelle für seine Analyse der deutschen Politik heranzieht.
- Arbeit zitieren
- Grit Loßau (Autor:in), 2014, Welchen Einfluss haben die Quellenlage und die Person des Forschenden auf die Ergebnisse von Studien? Vergleich zweier Studien zum Kosovo-Konflikt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319802