Der Zusammenhang von narzisstischer Störung und Essstörungen im Überblick


Ausarbeitung, 2011

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Narzisstische Störung
1.1 Begriffserklärung: Narzissmus
1.2 Das Konzept der narzisstischen Störung

2 Essstörungen
2.1 Ess-Brechsucht / Bulimia Nervosa
2.2 Magersucht / Anorexia nervosa

3 Zusammenhang von narzisstischer Persönlichkeitsstörung und Essstörung

Anhang: Vergleich der Ergebnisse im Narzissmusinventar I

Quellenverzeichnis

1 Narzisstische Störung

1.1 Begriffserklärung: Narzissmus

Die Suche nach dem Ursprung des Begriffs Narzissmus führ in die griechische Mythologie zurück. Ein schöner Jüngling namens Narziss (Narkissos) lehnte die Liebe der Nymphe Echo ab und wurde daraufhin von Aphrodite bestraft. Er musste solange in sein Spiegelbild verliebt sein, bis eine Verwandlung in die, nach ihm benannte, Blume Narzisse seine Qualen beendete. Folglich steht Narzissmus für das Lieben und Begehren des Selbstbildes.1

Das Duden-Fremdwörterbuch erläutert Narzissmus als: „[…] [krankhafte] Selbstliebe, Selbstbewunderung, Ichbezogenheit […].“2 Ferner verweist der Duden auf den Begriff Autoerotik. Dies ist bedeutsam für die weitere Begriffsgeschichte des Narzissmus, weil Havelock Ellis (1898) in seinem Aufsatz über `Auto-Erotismus´ Narzissmus als „das Phänomen der spontanen geschlechtlichen Erregung ohne irgend welche Anregung direkter oder indirekter Art seitens einer anderen Person“3 umschreibt. Weiterhin schreibt Ellis, dass sexuelle Gefühle - vermehrt bei Frauen - sich in der Selbstbewunderung verlieren und somit oft restlos vergehen.4

Spätestens seit 1909 wird der Begriff Narzissmus in der Psychoanalyse angewandt5 und

„[…]kennzeichnet eine Persönlichkeitsstörung, die durch erhöhte Selbstbezogenheit, Empfindlichkeit gegenüber Einschätzung anderer, einem Mangel an Empathie und letztlich als Beziehungsstörung charakterisiert werden kann.“6.

Desweiteren wurde Narzissmus in der frühen psychoanalytischen Literatur als:

„[…] Charaktertypologie im Sinn einer Persönlichkeitsstörung verstanden. Als zentrales Merkmal galt Grandiosität als Abwehr gegen präödipalen und ödipalen Entwicklungsphasen entstandene Unterlegenheitsgefühle (PFEIL Ödipus-Komplex)“7.

1.2 Das Konzept der narzisstischen Störung

Es handelt sich bei der narzisstischen Persönlichkeitsstörung um eine Beeinträchtigung des Selbsterlebens und des Selbstwertgefühls bzw. der Selbstliebe. Das Selbstwertgefühl des Narzissten ist nicht stabil, d.h. es unterliegt Gefühlsextremen, die von Grandiosität bis hin zu Depressivität reichen. Die betroffenen Personen sind nicht in der Lage, ihre Selbstachtung zu regulieren und auf ein realitätsangemessenes Niveau zu bringen. Dies führt entweder zu Größenvorstellungen oder zu Selbstunsicherheit, Hypochondrie, extremer Abhängigkeit und Fusionsbedürfnis. Narzisstische Menschen besitzen ein sehr leicht kränkbares und verletzliches Selbst. Ein Festhalten an übermenschlicher Größenphantasie soll genauso das Selbst stärken, wie die Nähe von einem Partner der als gleichwertig erlebt wird. Diese werden meist vom Narzissten nicht ihrer selbst willen geliebt, sondern nur wegen ihres Ranges und Prestiges, wodurch der Narzisst meint, selbst an Bedeutung zu gewinnen. Desweiteren setzt sich der narzisstische Mensch perfektionistischen Streben und unrealistischen Ansprüchen an sich selber aus. Dies zeigt sich in dem Wunsch nach ständiger Bewunderung und dem Empfinden, ohne diese nicht leben zu können. Narzissten leiden außerdem an starken Gefühlen des Neides gegenüber gesunden Menschen, weil sie sich ununterbrochen anstrengen müssen, um bewundert zu werden und die Gesunden sich offenbar erlauben können, durchschnittlich zu sein. Sowohl einschneidende Veränderungen im Privatleben, wie Trennung vom Partner oder Versagen im Berufsleben, als auch geringe Anlässe, wie Absage für eine gemeinsame Unternehmung, werden von den betroffenen Personen depressiv verarbeitet. Ein Nein auf eine Frage wird als Angriff auf die eigene Persönlichkeit aufgefasst. Narzissten reagieren zutiefst gekränkt und bekommen den Eindruck, dass sie es nicht mehr wert sind, geliebt und geachtet zu werden, wenn sie einmal nicht großartig waren. Mit der ständigen Suche nach Erfolg und Anerkennung versucht der Narzisst ´alte Wunden` zu kompensieren, doch der eigentliche Mangel wird dadurch nicht aufgehoben. Die Betroffenen können weder über den Verlust eines geliebten Menschen noch über den Idealselbstanteil trauern. Was in dem Moment als Depression erscheint, erweist sich schnell als Wut, Empörung und Rachbedürfnis, statt echter Trauer. Diese narzisstische Wut, als Reaktion auf Verlassen werden oder Kränkung, ist oft im Hinblick auf den Anlass übertrieben und von Rachegefühlen begleitet.8

Bärbel Wardetzkie schreibt, dass die Grundlage der narzisstischen Störung in einer

„[…]nicht geglückten Mutter-Kind-Dyade, die sich in mangelnder Liebe und Zuneigung zum Säugling oder in Verwöhnung und Überbehütung äußert. In beiden Fällen liegt eine emotionale Verlassenheit vor, die darin besteht, daß dem Kind ein Liebesobjekt fehlt, von dem es so, wie es ist, angenommen wird.“9.

Die narzisstische Persönlichkeitsstörung findet im klinischen Bereich als Persönlichkeitsdiagnose häufig Verwendung. Zu den diagnostischen Kriterien der narzisstischen Persönlichkeitsstörung gehören:

„Ein tiefgreifendes Muster von Großartigkeiten (in Phantasie oder Verhalten). Bedürfnis nach Bewunderung und Mangel an Empathie. Der Beginn liegt im frühen Erwachsenenalter und zeigt sich in verschiedenen Situationen. Mindestens 5 der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein:

(1)hat ein grandioses Gefühl der eigenen Wichtigkeit (übertreibt z.B. die eigenen Leistungen und Talente; erwartet, ohne entsprechende Leistungen als überlegen anerkannt zu werden),
(2)ist stark eingenommen von Phantasie grenzenlosen Erfolgs, Macht, Glanz, Schönheit oder idealer Liebe,
(3)glaubt von `besonders´ und einzigartig zu sein und nur von anderen besonderen oder angesehenen Personen (oder Institutionen) verstanden zu werden oder nur mit diesen verkehren zu können,
(4)verlangt nach übermäßiger Bewunderung,
(5)legt ein Anspruchsdenken an den Tag, d.h. übertriebene Erwartungen an eine besonders bevorzugte Behandlung oder automatisches Eingehen auf die eigenen Erwartungen,
(6)ist in zwischenmenschlichen Beziehungen ausbeuterisch, d.h. zieht Nutzen aus anderen, um die eigenen Ziele zu erreichen,
(7)zeigt einen Mangel an Empathie: ist nicht willens, die Gefühle und Bedürfnisse anderer zu erkennen oder sich mit ihnen zu identifizieren,
(8)ist häufig neidisch auf andere oder glaubt, andere seien neidisch auf ihn / sie,
(9)zeigt arrogante, überhebliche Verhaltensweisen und Haltungen.“10

2 Essstörungen

2.1 Ess-Brechsucht / Bulimia Nervosa

Unter Bulimia Nervosa - `Ochsenhunger´, (griech. bous = Ochse; limós = Hunger)11 - versteht man eine Essstörung für die Heißhungerattacken maßgeblich sind, die für die Betroffenen unkontrollierbar sind und in anschließendem selbst ausgelösten Erbrechen enden. Dies ist eine Form von Esssuchterkrankung, neben Anorexia Nervosa und Esssucht, die erst seit 1980 von der American Psychiatrie Association anerkannt wurde.12

Die Bulimie wird in der klinischen Praxis wie folgt beschrieben:

„A) Wiederholte Episoden von Freßanfällen (schnelle Aufnahme einer großen Nahrungsmenge innerhalb einer bestimmten Zeitspanne).
B) Das Gefühl, das Eßverhalten während der Freßanfälle nicht unter Kontrolle halten zu können.
C)Um einer Gewichtszunahme entgegenzusteuern, greift der Betroffene regelmäßig zu Maßnahmen zur Verhinderung einer Gewichtszunahme, wie selbstinduzierten Erbrechen, dem Gebrauch von Laxantien oder Diuretika, strengen Diäten oder Fastenkuren oder übermäßiger körperlicher Betätigung.
D) Durchschnittlich mindestens zwei Freßanfälle pro Woche über einen Mindestzeitraum von drei Monaten.
E) Andauernde, übertriebende Beschäftigung mit Figur und Gewicht.“13

Die Ursache der Fressanfälle ist in dem zwingenden Verlangen nach Lebensmitteln, die gierig verschlungen werden müssen, begründet. Dies wird u.a. durch plötzliche Gefühlsveränderungen, wie z.B. Traurigkeit, Versagensangst, innere Leere, Einsamkeit oder Langeweile ausgelöst, die von den Betroffenen nicht anders kompensiert werden können. Das Resultat nach einem derartigen normalerweise kalorienreichen Essanfall ist, dass sich die Betroffenen als vollgestopft und als zu dick empfinden. Folglich entwickelt sich daraus, die panische Angst vor einer Gewichtszunahme, der mit Hilfe von abführenden und harntreibenden Medikamenten oder durch selbst herbeigeführtes Erbrechen, entgegen gewirkt wird. Im Mittelpunkt des Lebens eines Ess-Brechsüchtigen steht das eigene Körpergewicht, obwohl sie meistens normal-, häufig sogar idealgewichtig sind, sich aber dennoch - wie Magersüchtige und auch Esssüchtige - insgesamt oder an bestimmten Körperstellen, als zu dick empfinden. Zu den zentralen Merkmalen der Krankheit gehört ebenso die langjährige Heimlichkeit in der das Ganze stattfindet. Den Betroffenen fällt es sehr schwer ihre Krankheit öffentlich zu machen. Dies führt dazu, dass sie über Jahre oder Jahrzehnte ein Doppelleben führen. Gründe dafür sind zum einen, dass das Erbrechen zunächst als perfekter Ausweg erscheint, aber mit anhaltender Kontinuität als beschämend und schwächend erlebt wird.

[...]


1 Vgl. Paulitsch, Klaus: Narzissmus, in: Jordan, Stefan / Wendt, Gunna (Hrsg.): Lexikon Psychologie. Hundert Grundbegriffe, Philipp Reclam jun. Stuttgart 2010, S. 199.

2 Duden: Das Fremdwörterbuch, 9. aktualisierte Aufl., 2009, S. 691.

3 Schlagmann, Klaus: Narzissmus: Sprachverwirrung von babylonischem Ausmaß, http://www.oedipus- online.de/narziss_fehldeutung.html, 24.05.2011.

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. ebd.

6 Paulitsch, Narzissmus, S. 199.

7 Ebd. S. 200.

8 Vgl. Wardetzki, Bärbel: Weiblicher Narzissmus und Bulimie. Die narzisstische Persönlichkeits- und Beziehungsstörung im Rahmen der bulimischen Esserkrankung, München 1990, S. 28-31.

9 Ebd. S. 31.

10 Machleidt / Bauer / Lamprecht u.a. : Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, 7. Aufl. , Stuttgart 2004, S. 107.

11 Vgl. Karwautz, Andreas: Anorexie/Bulimie in: Lexikon Psychologie, S. 37. 3

12 Vgl. Wardetzki, Weiblicher Narzissmus und Bulimie, S. 6.

13 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang von narzisstischer Störung und Essstörungen im Überblick
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
„Körperbilder – Ideale und Wirklichkeit“
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V319807
ISBN (eBook)
9783668191488
ISBN (Buch)
9783668191495
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Esstörung, Narzissmus, Bulimia Nervosa, Magersucht
Arbeit zitieren
Master of Art Grit Loßau (Autor), 2011, Der Zusammenhang von narzisstischer Störung und Essstörungen im Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319807

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