Die Soziologie, vor allem der Sozialkonstruktivismus, eine der vielen Strömungen innerhalb konstruktivistischer Positionen, beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Wissen und Wirklichkeit. Dabei gehen die Wissenssoziologen davon aus, dass eben das Wissen die Ursache für die Konstruktion einer Wirklichkeit sei.
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, dieses Verhältnis näher zu bestimmen, wobei eine Perspektivenerweiterung auf den Gegenstand vollzogen wird. Durch die Erweiterung kommt es zur Berücksichtigung der kommunikativen Erzeugung der sozialen Wirklichkeit. Sie bildet demnach den Schwerpunkt und den linguistischen Rahmen dieser Arbeit und wird dadurch konkretisiert, dass empirisch untersucht wird, welches Bild die deutschen Printmedien vom Islam erzeugen. Dieser Ansatz scheint insofern von Bedeutung zu sein, als dass er eine eventuelle Parallele zum Judenbild im Dritten Reich ermöglicht. Sind die Muslime in Deutschland die neuen Fremden, die durch modernere Formen der Mediengestaltung stigmatisiert werden?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der Konstruktivismus und seine Wirklichkeitsbestimmungen
3 Wirklichkeitskonstruktion und Massenmedien
3.1 Die verzerrte Wirklichkeit in den Medien
3.2 Die Wirklichkeit als mediale Konstruktion
3.3 Die Inszenierung einer Realität
4 Darstellung der islamischen Welt: Das Islambild der Medien
4.1 Fallstudie
4.2 Forschungsstand
4.3 Daten und Methoden
4.4 Kontrastive Betrachtung: Bedeutung und Konzepte
4.4.1 Fatwa
4.4.2 Dschihad
4.4.3 Salafismus
4.4.4 Scharia
4.5 Ergebnisse
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Wissen und sozialer Wirklichkeit und analysiert dabei linguistisch, welches Bild deutsche Printmedien vom Islam erzeugen. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit Medien als Instanzen der Wirklichkeitskonstruktion fungieren und ob sie den Islam stigmatisierend in die Nähe von Terror und Gewalt rücken.
- Sozialkonstruktivistische Grundlagen der Wirklichkeitserzeugung
- Die Rolle von Massenmedien als Wirklichkeitsgeneratoren
- Empirische Inhaltsanalyse zur Darstellung des Islam in deutschen Printmedien
- Kontrastive Betrachtung islamischer Begriffskonzepte (Fatwa, Dschihad, Salafismus, Scharia)
- Diskurskritische Analyse medialer Feindbildkonstruktionen
Auszug aus dem Buch
3.1 Die verzerrte Wirklichkeit in den Medien
Wie verhalten sich Medien und Realität zueinander? Bereits vor über 100 Jahren wurde festgestellt: „Our newspapers do not record the really serious happenings, but only the sensations, the catastrophes of history“ (Speed 1893, 710). Was an Speeds Aussage irritieren mag, ist, dass gewisse Sensationen oder die Katastrophen der Geschichte für ihn als nicht really serious happenings gelten, wobei diese doch gerade hervorgehoben und durchaus als ernst eingestuft werden müssten. Dieses Ergebnis schien zur damaligen Zeit jedoch insofern von Bedeutung gewesen zu sein, da es aus einer der wohl ersten empirischen Untersuchungen zu diesem Thema resultierte.
In den Folgejahren bzw. ersten Jahrzehnten nach Speed hat sich die Kommunikationsforschung weiterhin darum bemüht, der Frage nachzugehen, „[…] ob Medien die Realität angemessen wiedergeben oder ob es sich dabei um eine unzutreffende Verzerrung handelt“ (Burkart 2002, 271). Schulz kam diesbezüglich zu folgendem Schluss: Die Berichte der Medien sind oft ungenau und verzerrt, sie bieten manchmal eine ausgesprochen tendenziöse und ideologisch eingefärbte Weltsicht. Die in den Medien dargebotene Wirklichkeit repräsentiert in erster Linie Stereotype und Vorurteile der Journalisten, ihre professionellen Regeln und politischen Einstellungen, die Zwänge der Nachrichtenproduktion und die Erfordernisse medialer Darstellung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik des gesellschaftlichen Pluralismus und der medialen Konstruktion von Wirklichkeit ein und formuliert die Forschungsfrage zur Darstellung des Islam.
2 Der Konstruktivismus und seine Wirklichkeitsbestimmungen: Dieses Kapitel erläutert die erkenntnistheoretischen Grundlagen des Konstruktivismus und des Sozialkonstruktivismus als Basis für das Verständnis von Wirklichkeitserzeugung.
3 Wirklichkeitskonstruktion und Massenmedien: Hier werden die Medien als aktive Instanzen der Wirklichkeitsgenerierung und -inszenierung analysiert, wobei die Mechanismen der Selektion und Deutung im Vordergrund stehen.
4 Darstellung der islamischen Welt: Das Islambild der Medien: Dieser Abschnitt bietet eine historische und aktuelle empirische Analyse, wie Begriffe wie Dschihad oder Scharia in den Medien in einen Kontext von Terror und Gewalt eingebettet werden.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der linguistischen Untersuchung zusammen und reflektiert kritisch die These der einseitigen, medialen Wirklichkeitskonstruktion.
Schlüsselwörter
Sozialkonstruktivismus, Wirklichkeitskonstruktion, Massenmedien, Islam, Printmedien, Inhaltsanalyse, Feindbild, Dschihad, Fatwa, Salafismus, Scharia, Medienrealität, Diskursanalyse, Repräsentation, Politische Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie soziale Wirklichkeit konstruiert wird und welche zentrale Rolle dabei mediale Instanzen spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie des Sozialkonstruktivismus, der journalistischen Nachrichtenproduktion und der diskursiven Darstellung der islamischen Welt in Deutschland.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu bestimmen, welches Bild von Muslimen und dem Islam durch deutsche Printmedien erzeugt wird und ob hierbei eine systematische Stigmatisierung stattfindet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine methodische Kombination aus theoretischer Fundierung des Konstruktivismus und einer empirischen, qualitativen sowie quantitativen Inhaltsanalyse der Zeitung "Die Zeit" angewendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Konzepte der Wirklichkeitserzeugung und untersucht empirisch die Frequenz und den Kontext der Begriffe Fatwa, Dschihad, Salafismus und Scharia.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Wirklichkeitskonstruktion, Medieneinfluss, Islamophobie und Inhaltsanalyse treffend beschreiben.
Warum spielt der "Tote Winkel" eine Rolle?
Der Begriff beschreibt die Problematik, dass Medien bei der Berichterstattung zwangsläufig Aspekte ausblenden müssen, was eine objektive Darstellung der Realität unmöglich macht.
Welche Rolle spielt der 11. September 2001 für die Untersuchung?
Das Datum dient als Zäsur, um zu untersuchen, wie sich die Häufigkeit und der Kontext der Berichterstattung über den Islam vor und nach diesem Ereignis verändert haben.
- Quote paper
- Mario-Francisco Zodl (Author), 2014, Soziale Wirklichkeit(en) und ihre kommunikative Erzeugung. Sprachwissenschaftliche Grundlagen und empirische Untersuchungen zur Darstellung des Islam in deutschsprachigen Printmedien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319840