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Duell und Duellzwang. Effi Briest und das "tyrannisierende Gesellschafts-Etwas"

Title: Duell und Duellzwang. Effi Briest und das "tyrannisierende Gesellschafts-Etwas"

Bachelor Thesis , 2015 , 28 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Julia O. (Author)

Didactics for the subject German - Literature, Works
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„Romane schließen damit, daß Held und Heldin heiraten. Damit müßte man anfangen, aufhören aber damit, daß sie sich wieder trennen […]“ , so die Forderung Wolfgang Matz‘ in seiner erst kürzlich erschienenen Studie zur Untersuchung des Ehebruchs als literarisches Phänomen. Eine Ehebruchgeschichte ist allerdings nie nur eine Ehebruchgeschichte. Sie ist auch oftmals eine Geschichte der Ehre und der Ehrwiederherstellung. Bettet man dieses Geschehen in den Kontext des auslaufenden neunzehnten Jahrhunderts ein, so kommt man zwangsläufig um das Duell nicht herum. Summa summarum wird es mir in dieser Arbeit um eine Ehebruchgeschichte gehen, die gleichzeitig aber auch eine Duellgeschichte ist. Was wäre da glaubhafter und lebendiger, als eine wahre Begebenheit?

Theodor Fontane liefert mit seinem gesellschaftskritischen Werk Effi Briest ein Musterbeispiel des poetischen Realismus und gibt „einen anschaulichen Eindruck jenes Phänomens, das im 19. Jahrhundert die Spalten der Tagespresse füllte, Richtern und Totengräbern Arbeit verschaffte, die Gemüter protestantischer Synodalen und katholischer Theologen erhitzte und die Phantasie von Schriftstellern beflügelte“ .
Zunächst soll der Duellbegriff Gegenstand meiner Ausführungen sein und hinsichtlich seiner verschiedenen Facetten beleuchtet werden. Besonders eng mit dem Duell verknüpft ist der Ehrbegriff, der die Standesehre und die Mannesehre impliziert, wie Ute Frevert in ihrem Werk Ehrenmänner betont: „Männer […] waren zunächst einmal Mitglieder von Ständen, Staatsbürger, Berufsgenossen, Familienväter, Ehegatten […]. Die Betonung von Mut, Tapferkeit, Willenskraft und Entschlossenheit, mit denen jene Ehre verteidigt werden sollte, wies unmittelbar ins Zentrum männlicher Selbstbilder. Männer mussten stark und unbeugsam sein, um sich gegenseitig achten zu können und von Frauen geliebt zu werden.“ Ferner fand die männliche Ehre ihren sichtbaren Ausdruck in der Fähigkeit und Bereitschaft eines Mannes, diese um jeden Preis gegen Verletzungen durch Dritte zu verteidigen. Darüber hinaus sei die Ähnlichkeit der Begriffe „ehrhaft“ und „wehrhaft“ nicht des Zufalls geschuldet, sondern vielmehr als eine „unauflösliche Symbiose“ des männliches Charakters zu verstehen, dessen Belastbarkeit im Duell unter Beweis gestellt werden konnte. Das Duell als „‘Vehikulum des Mutes und der Entschlossenheit‘ konnte […] geradezu als eine Beweisprobe echter, unverfälschter Männlichkeit angesehen werden.“

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Duell

2.1 Definition des Duellbegriffs

2.2 Ehre – Ursache des Duells

2.3 Duellkodex und Offiziersehre

2.4 Ehebruch

2.5 Von Absurditäten und Paradoxien

3. Effi Briest – ein gesellschaftskritischer Roman?

3.1 Eine wahre Begebenheit?

3.2 Gesellschaftskritik im verklärenden Schönheitsschleier

3.3 Effi und Innstetten

3.4 Duelldiskussion und gesellschaftskritische Komponente

4. Reflexion und Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Duells im Kontext des gesellschaftlichen Drucks des 19. Jahrhunderts anhand von Theodor Fontanes Roman "Effi Briest". Dabei wird die zentrale Forschungsfrage verfolgt, inwieweit gesellschaftliche Normen und der Duellzwang individuelles moralisches Handeln überlagern und zu tragischen Konsequenzen für die Beteiligten führen.

  • Die historische und soziologische Bedeutung des Duellbegriffs im 19. Jahrhundert.
  • Die Analyse des Ehrenkodexes und dessen Auswirkung auf das Offizierskorps.
  • Die gesellschaftskritische Dimension von Ehebruch und Duell in "Effi Briest".
  • Der Konflikt zwischen persönlichen Gefühlen und gesellschaftlichem Erwartungsdruck bei Innstetten.

Auszug aus dem Buch

Die gesellschaftskritische Dimension des Duellzwangs

Weil es trotzdem sein muß. Ich habe mir's hin und her überlegt. Man ist nicht bloß ein einzelner Mensch, man gehört einem Ganzen an, und auf das Ganze haben wir beständig Rücksicht zu nehmen, wir sind durchaus abhängig von ihm. Ginge es, in Einsamkeit zu leben, so könnt ich es gehen lassen; ich trüge dann die mir aufgepackte Last, das rechte Glück wäre hin, aber es müssen so viele leben ohne dies 'rechte Glück', und ich würde es auch müssen und – auch können. Man braucht nicht glücklich zu sein, am allerwenigsten hat man einen Anspruch darauf, und den, der einem das Glück genommen hat, den braucht man nicht notwendig aus der Welt zu schaffen. Man kann ihn, wenn man weltabgewandt weiterexistieren will, auch laufen lassen. Aber im Zusammenleben mit den Menschen hat sich ein Etwas gebildet, das nun mal da ist und nach dessen Paragraphen wir uns gewöhnt haben, alles zu beurteilen, die andern und uns selbst. Und dagegen zu verstoßen geht nicht; die Gesellschaft verachtet uns, und zuletzt tun wir es selbst und können es nicht aushalten und jagen uns die Kugel durch den Kopf. Verzeihen Sie, daß ich Ihnen solche Vorlesung halte, die schließlich doch nur sagt, was sich jeder selber hundertmal gesagt hat. Aber freilich, wer kann was Neues sagen! Also noch einmal, nichts von Haß oder dergleichen, und um eines Glückes willen, das mir genommen wurde, mag ich nicht Blut an den Händen haben; aber jenes, wenn Sie wollen, uns tyrannisierende Gesellschafts-Etwas, das fragt nicht nach Scharm und nicht nach Liebe und nicht nach Verjährung. Ich habe keine Wahl. Ich muß.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Ehebruchs und des Duells als literarische Phänomene des 19. Jahrhunderts unter Einbeziehung des Romans "Effi Briest".

2. Das Duell: Theoretische Untersuchung des Duellwesens, seiner Definition, des Ehrbegriffs und der starren sozialen Regeln, die den Duellzwang im Offiziersstand begründeten.

3. Effi Briest – ein gesellschaftskritischer Roman?: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf Fontanes Roman, insbesondere die Analyse des Ehebruchs, der Charakterkonstellationen und der kritischen Auseinandersetzung mit dem Duell.

4. Reflexion und Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Argumente, die die Macht gesellschaftlicher Konventionen über das Individuum als tragisches Element des Romans herausstellen.

Schlüsselwörter

Effi Briest, Theodor Fontane, Duell, Duellzwang, Ehre, Offiziersehre, Ehebruch, Gesellschaftskritik, Standesehre, Männlichkeit, gesellschaftliche Konventionen, 19. Jahrhundert, Ehrenkodex, soziale Normen, Moralität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die gesellschaftliche Praxis des Duells im 19. Jahrhundert und wie dieser "Duellzwang" als soziales Instrument im Roman "Effi Briest" von Theodor Fontane thematisiert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf dem Ehrbegriff, dem militärischen Ehrenkodex, der gesellschaftlichen Rolle der Frau sowie dem Konflikt zwischen individueller Moral und gesellschaftlichem Druck.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, warum Charaktere wie Baron Innstetten trotz fehlender persönlicher Rachegefühle gezwungen sind, gesellschaftliche Konventionen bis hin zum tödlichen Duell zu befolgen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Sekundärliteratur zur historischen Realität des Duells und soziologische Theorien zur Ehre kombiniert, um Fontanes Roman gesellschaftskritisch zu deuten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Duellwesens (inklusive Ehebruch und Kodex) und eine textnahe Untersuchung von "Effi Briest", wobei der Dialog zwischen Innstetten und Wüllersdorf eine zentrale Rolle einnimmt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Duellzwang, Ehre, Offiziersehre, gesellschaftliche Konventionen und die kritische Distanz Fontanes zu diesen starren Normen.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des "Gesellschafts-Etwas" bei Fontane?

Die Autorin sieht darin ein zentrales gesellschaftskritisches Motiv, das Fontane verwendet, um zu zeigen, wie ungeschriebene Gesetze menschliches Leben und Glück zerstören können.

Warum spielt die Figur Wüllersdorf eine so wichtige Rolle für das Verständnis des Romans?

Wüllersdorf agiert als Spiegel für Innstetten; sein Einverständnis zum Duell verdeutlicht, dass das Duell nicht aus individuellem Hass, sondern als notwendiger "Götzendienst" einer herrschenden Gesellschaftsordnung vollzogen wird.

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Details

Title
Duell und Duellzwang. Effi Briest und das "tyrannisierende Gesellschafts-Etwas"
College
Free University of Berlin  (Fachbereich Deutsche Philologie)
Grade
2,0
Author
Julia O. (Author)
Publication Year
2015
Pages
28
Catalog Number
V319845
ISBN (eBook)
9783668188389
ISBN (Book)
9783668188396
Language
German
Tags
Duell Effi Briest Duellzwang Ehre Standesehre Männerehre Ute Frevert Ehebruch Theodor Fontane
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia O. (Author), 2015, Duell und Duellzwang. Effi Briest und das "tyrannisierende Gesellschafts-Etwas", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319845
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