Der Wandel demokratischer Parteiensysteme durch die Entstehung neuer Parteien. Vergleichende Untersuchung der Etablierung der Grünen in Deutschland und Großbritannien


Hausarbeit, 2014
18 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Konzeptionelles Vorgehen

3.Wandel des Parteiensystem in Deutschland

4.Etablierung der Grünen
4.1. Cleavage-Theorie
4.2. Milieu-Ansatz
4.3. Parteienfinanzierung
4.4. Wahlsystem

5.Wandel des Parteiensystem in Großbritannien

6.Etablierung der Grünen
6.1. Cleavage-Theorie
6.2. Milieu-Ansatz
6.3. Parteienfinanzierung
6.4. Wahlsystem

7.Fazit

8.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Partei die Grünen wurden im Januar 1980 gegründet und hielt Einzug in die bundesdeutsche Politik. Sie entsprangen aus der Anti-Atomkraft- und Umweltbewegung, den Neuen Sozialen Bewegungen und der Neuen Linken der 1970er Jahre.

Bereits im März 1980 erzielte die neu gegründete Partei 5,3 Prozent bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und verbuchte damit ihren ersten Wahlerfolg. Jedoch waren die ersten Bundestagswahlen für die Partei weniger erfolgreich und sie konnten lediglich 1,5 Prozent der Stimmen für sich gewinnen. Schon drei Jahre nach ihrer Gründung, bei den Bundestagswahlen 1983 gelang den Grünen mit 5,6 Prozent der Einzug in den Bundestag und damit war sie die erste Partei, die sich nach dem Ende des Zweien Weltkrieges neben FDP, Sozialdemokraten und Union etablieren konnte. Weitere Erfolge feierten die Grünen im Jahre 1985, indem sie in einer rot-grünen Koalition die Regierungsverantwortung in Hessen übernahmen. 1987 erzielten sie dann 8,3 Prozent bei den Bundeswahlen und 1989 konnten sie bei den Europawahlen 8,4 Prozent auf sich vereinigen (Agci 2010).

Im Jahre 1990 trennten sich die Scottish Green Party (die schottischen Grünen) und die Green Party in Northern Ireland (die nordirischen Grünen), aufgrund stark auflebender Flügelkämpfe und der sinkenden Attraktivität der Partei, von der verbliebenen Green Party of England and Wales und so entstanden aus den britischen Grünen der 1980er Jahren drei politische Parteien.

In der folgenden Arbeit wird bei der Analyse der Etablierung der Grünen in Großbritannien nur die Green Party of England and Wales betrachtet und im folgenden nur Green Party genannt. Bei den Unterhauswahlen im Jahre 1992 erhielt die Green Party ein schlechtes Ergebnis von 0,5 Prozent der Stimmen und die Wahlniederlage führte zu finanziellen Problemen und zur Senkung der Mitgliederzahlen. Des Weiteren wurde die Partei von den nationalen Medien kaum mehr wahrgenommen. Ein noch schlechteres Ergebnis erreichte die Green Party bei den Unterhauswahlen 1997, bei der sie nur 0,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnten (Rohe 1999, S. 596-600).

Für die Parteienforschung stellt sich die Frage, welche politischen, gesellschaftlichen, ökonomischen und institutionellen Faktoren zum Erfolg oder Nichterfolg der Grünen in Deutschland und Großbritannien beitrugen und wie sich der Aufstieg erklären lässt.

2. Konzeptionelles Vorgehen

In meiner Einleitung möchte ich darlegen, welche meine zentrale Fragestellung ist und welchen thematischen Aspekt ich schwerpunktmäßig bearbeite.

Zur strukturellen Erklärung des Aufkommens der Parteien möchte ich mich verschiedener Theorien bedienen, der Cleavage-Theorie und dem Milieu-Ansatz. Des Weiteren gehe ich auf die Parteienfinanzierung und das Wahlsystem ein um meine Fragestellung zu beantworten.

Meine zentrale Fragestellung: Wie weit wurden die Grünen in das deutsche und britische Parteiensystem etabliert und welche Faktoren trugen dazu bei?

Dabei stellt die Etablierung der Grünen die abhängige Variable dar und die Cleavages, der Milieu-Ansatz, die Parteienfinanzierung und das Wahlsystem dienen als unabhängige Variable. Meine Arbeit ist als „Most Similar Case Design“ Studie konzipiert, bei der ich die Etablierung der Grünen in Deutschland mit der Etablierung der Green Party in Großbritannien vergleiche. Im Kapitel drei und vier wird der Stand der Forschung zu der in der Arbeit behandelten Fragestellung beschrieben. Darauf folgt der Analyseteil, bei dem die Auswertungsergebnisse mit Hilfe der strukturellen und formal-institutionellen Erklärungsansätzen dargestellt werden. Das Ziel des Hauptteils ist es, die aufgeworfene Fragestellung mit den angeführten theoretischen Ansätzen soweit wie möglich zu beantworten. In meinem Schlussteil stelle ich einen Bezug zur aufgeführten Frage her und fasse die wichtigsten Ergebnisse und Aussagen zusammen.

3. Wandel des Parteiensystem in Deutschland

Die CDU/CSU und SPD entwickelten sich durch programmatische Öffnungen ihre Wählerbasis, in den fünfziger und sechziger Jahren zu Volksparteien und bildeten damit die Eckpunkte eines zweipoligen Parteiensystems. Als dritte Kraft nahm die FDP als Vertreter des alten Mittelstandes eine strategisch günstige Position zwischen der SPD und der CDU/CSU ein. Dieses Zweieinhalbparteiensystem besaß eine enorme Anziehungskraft. Bei den Bundestagswahlen 1972 und 1976 schaffte es dieses Zweieinhalbparteiensystem sogar über 99 Prozent der abgegebenen Zweitstimmen auf sich zu vereinigen.

Von 1961 bis 1983 waren CDU/CSU, SPD und FDP die einzigen Parteien im Deutschen Bundestag. Es folgte eine erste Ausweitung des politischen Wettbewerbs mit dem Aufkommen neuer sozialer Bewegungen und der sich anschließenden Etablierung der Grünen. Damit wurde zu Beginn der achtziger Jahre die Parteienlandschaft um eine ökologische Konfliktdimension erweitert. Die neue Partei stand in starker Konkurrenz zu den Sozialdemokraten und sogar den Liberalen. So bestand seit Mitte der achtziger Jahre ein System aus zwei Blöcken, Schwarz-Gelb gegen Rot-Grün. Die Wählerinnen und Wähler hatten auf diese Weise zugleich die Regierungsbildung mitbestimmt. Der große Vorsprung von 16,2 Prozent der Schwarz-Gelben-Koalition gegenüber dem rot-grünen Lager sank bei den Bundestagswahlen von 1990 auf nur noch 4,6 Prozent 1994. 1998 wurde erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik abgewählt und eine Rot-Grüne-Koalition etablierte sich (Korte 2009).

4. Etablierung der Grünen

In diesem Kapitel sollen zunächst die strukturellen Erklärungsansätze angewendet werden, um die Etablierung der Grünen zu erklären. Dabei handelt es sich um Erklärungsansätze, bei denen im Wandel gesellschaftlicher und sozioökonomischen Strukturen die Ursache für Veränderungen im Parteiensystem und die Entstehung neuer Parteien gesehen werden.

Zu diesen strukturellen Erklärungsansätzen gehören die sehr bekannte Cleavage-Theorie, die im Kapitel 4.1 vorgestellt wird und der Milieu-Ansatz nach Veen, der im Kapitel 4.2 behandelt wird. Darauf folgen formal-institutionelle Erklärungsansätze, bei denen es sich um Rahmenbedingungen des politischen Systems der Bundesrepublik handelt und deren Einfluss auf die Etablierung der Grünen zu prüfen ist.

Diese Rahmenbedingungen sind die staatliche Parteienfinanzierung, die im Kapitel 4.3 und das deutsche Wahlsystem, welches im Kapitel 4.4 behandelt werden.

4.1. Cleavage-Theorie

Die Cleavage-Theorie ist eine 1967 entwickelte Theorie im Rahmen der Wahlforschung zur Erklärung der Entstehung von Parteiensystemen, welche auf die beiden Politikwissenschaftler Seymour Martin Lipset und Stein Rokkan zurückgeht und den Versuch unternimmt anhand von langfristigen Konfliktlinien innerhalb der Gesellschaft die Wahlergebnisse in Europa zu erklären (Pappi 2005, S. 104).

Gemäß dieser Theorie bestehen innerhalb jeder Gesellschaft Spannungen zwischen sozialen Gruppen, die zu Spaltungen in der Gesellschaft führen, die so genannten "Cleavages".

Diese Konfliktlinien wirken sich auf das politische System aus und spiegeln sich dann in den Parteiensystemen wider und werden dort institutionalisiert (Tzschätzsch 2009).

Durch den Dreißigjährigen Krieg, die nationale Revolution und die industrielle Revolution haben sich vier grundlegende und dauerhafte Konfliktlinien innerhalb der Gesellschaft herausgebildet, deren unterschiedliche Kombinationen für das Entstehen der verschiedenen westeuropäischen Parteiensysteme verantwortlich sind. Diese Interessen- und Wertekonflikte bestehen zwischen Kapital und Arbeit, zwischen Kirche und Staat, zwischen Stadt und Land und zwischen dem Zentrum und der Peripherie (Lipset/ Rokkan 1967, S. 6).

Aus dem Spannungsfeld zwischen Kapital und Arbeit formierten sich beispielsweise Arbeiterparteien wie die SPD und aus den Kulturkämpfen in Preußen und Deutschland ist zum Beispiel die Deutsche Zentrumspartei als Partei des politischen Katholizismus hervorgegangen (Tzschätzsch 2009).

Mit dieser Theorie haben die beiden Politikwissenschaftler ein einflussreiches Entwicklungsmodell für Parteien entworfen, während die These der eingefrorenen Parteiensysteme: „The party systems of the 1960’s reflect, with few but significant exceptions, the cleavage structure of the 1920’s” (Lipset/Rokkan 1967, S. 50), viele Kontroversen aufwirft.

Betrachtet man die Entwicklung des deutschen Parteiensystem, so stellt gerade dieses eine signifikante Ausnahme dar und ungeachtet der These des Einfrieren hat sich mit den Grünen eine Partei politisch etabliert (von Alemann 2003, S.101).

Die Weiterentwicklung der Cleavage-Theorie, insbesondere durch Ronald Inglehart, der die Spannung zwischen Postmaterialismus und Materialismus als weiteres Cleavage eingeführt hat, ist eine mögliche Erklärung für den Wandel des Parteiensystems (Inglehart 1998, S. 342-345).

Nach Inglehart ist in Folge eines tiefgreifenden Wertewandels ein dauerhafter Gegensatz zwischen ‚alter‘ und ‚neuer‘ Politik entstanden, bei dem er die Anhänger der neuen Politik als Postmaterialisten und die der alten Politik als Materialisten bezeichnet.

Die Postmaterialisten ersetzten nach und nach die Materialisten, mit deren alten Werte und Normen und setzten sich für Partizipation und Selbstverwirklichung ein.

Zu den Werten und Normen der alten Politik gehörten unter anderen die wirtschaftliche, soziale und militärische Sicherheit, während zu der neuen Politik unter anderen Gleichberechtigung, Lebensqualität und Selbstverwirklichung zählten (Brandner 1982, S. 66).

Durch den neuen Postmaterialismus wurden neue Themen eingebracht und neue politische Bewegungen und Parteien ins Leben gerufen.

Die etablierten Parteien taten sich schwer den neuen postmaterialistischen Werten zu entsprechen (Inglehart 1998, S. 371). Die Grünen standen für Selbstbestimmung, erweiterte Gerechtigkeit, lebendiger Demokratie, Gewaltfreiheit und Menschenrechte und konnten so die postmaterialistisch orientierten Wähler für sich gewinnen (Andersen 2003).

Die Entstehung der neuer sozialer Bewegungen und Parteien, sowie die Etablierung der Grünen kann als Resultat des einsetzenden Wertewandels auf der Ebene der Wähler angesehen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Wandel demokratischer Parteiensysteme durch die Entstehung neuer Parteien. Vergleichende Untersuchung der Etablierung der Grünen in Deutschland und Großbritannien
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,7
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V319880
ISBN (eBook)
9783668191808
ISBN (Buch)
9783668191815
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wandel, parteiensysteme, entstehung, parteien, vergleichende, untersuchung, etablierung, grünen, deutschland, großbritannien
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Der Wandel demokratischer Parteiensysteme durch die Entstehung neuer Parteien. Vergleichende Untersuchung der Etablierung der Grünen in Deutschland und Großbritannien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319880

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