Die Konstruktion von Frauenbildern in mittelhochdeutschen Mären. „Drei listige Frauen“ und „Die treue Gattin“


Hausarbeit, 2011
17 Seiten, Note: 2,3
Julia O. (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung ... 3

1 Gegenstand ... 3

2 Gegenüberstellung der Mären „Drei listige Frauen“ und „Die treue Gattin“ ... 4
2.1 Auswahl der Mären ... 4
2.2 Aspekte zur Betrachtung des Frauenbildes ... 5

Hauptteil ... 7

„Drei listige Frauen“ ... 7

3 Inhalt ... 7

4 Frauenbild ... 8
4.1 Gewalt und Körperkonstruktionen ... 8
4.2 Listmotiv in mittelhochdeutschen Mären ... 11

„Die treue Gattin“ ... 13

5 Inhalt ... 13

6 Frauenbild ... 14
6.1 Ordnungsdiskussion ... 14

Schlussbetrachtung ... 16

7 Fazit ... 16

Literaturverzeichnis ... 17

Einleitung

1 Gegenstand

In der vorliegenden Arbeit werde ich das Thema der Konstruktion von Frauenbildern in der mittelhochdeutschen Kleinepik anhand der zwei ausgewählten Mären „Drei listige Frauen“ und „Die treue Gattin“ untersuchen.

Die hier angeführte Kleinepik lässt sich der Gattung Märe zuordnen, die insbesondere kurze Ereignisse aus dem Leben und der mittelalterlichen Welt des 12./13. Jahrhunderts in Reimpaarversen aufgreift. Es gibt drei verschiedene Arten des Märe, die entweder schwankhafte Elemente enthalten, basierend auf einer Verkehrung der Dinge der Welt, oder mit didaktischen Komponenten dem Leser Moral- und Ethikvorstellungen vermitteln. Dazu gehört das höfisch-galante Märe, sowie das moralisch-exemplarische Märe, als auch das schwankhafte Märe.

Ein großer Bestandteil des Märe ist die Konstruktion der Geschlechterbeziehung, die von Claudia Brinker-von der Heyde paradoxer Weise als „Weiberherrschaft“ bezeichnet wird und die Umkehrung „tradierter Rollen […] des gesamten politisch-sozialen Gefüges“ [1] andeutet.

Inwiefern der auffallende Widerspruch des hier vorherrschenden Frauentypus des übelen wîbes und dem idealisierten Bild der treuen und strebsamen vrouwe auf die ausgewählten Mären zutrifft, gilt es nun herauszustellen. Außerdem möchte ich die spezifischen Eigenschaften der eben genannten Frauenbilder in den jeweiligen Texten hinzuziehen und vor dem Kontext der ehelichen Ordnung im Mittelalter diskutieren.

Nach einem allgemeinen Einstieg in Hinblick auf die Thematik des Frauenbildes in der mittelalterlichen Märendichtung, sollen im Folgenden die Mären „Drei listige Frauen“ und „Die treue Gattin“ Gegenstand der Analyse, hinsichtlich der Gewaltdarstellung, dem Listmotiv und einer anschließenden Ordnungsdiskussion, sein. Eine zusammenfassende Schluss-betrachtung hebt nochmals die wichtigsten Punkte und Beobachtungen hervor und resultiert im ergebnisbringenden Fazit.

2 Gegenüberstellung der Mären „Drei listige Frauen“ und „Die treue Gattin“

2.1 Auswahl der Mären

Die Wahl der thematisch grundsätzlich verschiedenen Mären „Drei listige Frauen“ und „Die treue Gattin“ beruht in erster Linie auf den verschiedenen Frauentypen, wie sich im weiteren Verlauf der Arbeit herausstellen wird.

Darüber hinaus gehören beide Texte unterschiedlichen Arten von Mären an. Während „Die treue Gattin“ eher dem moralisch-exemplarischen Märe zuzuordnen ist, gehört „Drei listige Frauen“ vielmehr zur Gattung der schwankhaften Mären. Zu erwähnen ist jedoch, dass eine übergangslose Abtrennung der einzelnen Märenarten fast unmöglich ist, da in einer Art oft Elemente der jeweils anderen vorkommen. So beinhaltet Kaufringers „Drei listige Frauen“ ebenso eine moralische Botschaft, wie „Die treue Gattin“ von schwankhaften aber auch höfisch-galanten Elementen durchzogen ist.

Bei der Untersuchung des Frauenbildes in der mittelhochdeutschen Kleinepik wird zu klären sein, welchen stereotypen Formen das Märe zugrundeliegt und in welcher Weise die Frauen dargestellt werden. Damit einher geht die Gegenüberstellung von literarischer Fiktion und mittelalterlicher Realität, sowie die Klärung der mittelalterlichen Eheauffassung, Ordnung und der Rolle der Frau.

In diesem Zusammenhang möchte ich einzelnen Themen besondere Beachtung schenken. Bei „Drei listige Frauen“ stelle ich besonders in Hinblick auf Gewaltinszenierungen und Körperkonstruktionen nähere Beobachtungen an und beleuchte zusätzlich das Listmotiv in mittelhochdeutschen Mären gründlicher. „Die treue Gattin“ hingegen wird bezüglich der Ordnung bzw. der Verkehrung der Ordnung betrachtet.

Einhergehend mit dieser Gliederung lässt sich das jeweilige Frauenbild darstellen. Während die Frauen in Kaufringers Märe „Drei listige Frauen“ durch deren listiges Verhalten, das unter anderem in gewalttätigem Gebaren mündet, charakterisiert sind, zeichnet sich die Frau aus „Die treue Gattin“ durch Strebsamkeit und Treue aus. Dabei kommt man nicht umhin, die Geschlechterkonstellation in diesem Märe ausführlicher zu betrachten.

2.2 Aspekte zur Betrachtung des Frauenbildes

Eine vorangehende Unterscheidung zwischen der realen Frau des Mittelalters und jener in der Literatur beschriebener, ist aufgrund der literarisch bedingten Verkehrung dieses Bildes notwendig.

Das Leben im Mittelalter bedeutete für die Frauen dieser Zeit ein Dasein unter männlicher Hegemonie, täglicher Bevormundung und Reglementierung durch ihre Väter, Ehemänner und Beichtväter. Unterdrückung und Abwertung in jeglichen sozialen und kulturellen Bereichen bestanden ohne jeden Zweifel. Unverheiratete Frauen bedeuteten für ihre Familien einen zusätzlichen und belastenden Kostenfaktor. Hochzeiten erfolgten zudem meist nur aus ökonomischen Gründen, selten jedoch aus gegenseitig empfundener Liebe. Kam es zur Eheschließung nahm der Mann überdies selbstverständlich die Vormachtstellung in der Ehe ein und entschied über alle, die Lebensgemeinschaft betreffenden, Entscheidungen.

Gemäß männlichem Verständnis und Verstehen, wurde der Frau eine unterwürfige Rolle im gesellschaftlichen Gefüge zugewiesen. Die weibliche Natur galt als schwach und besonders hilfe- und schutzbedürftig, woraus folgte, dass dem minderen Geschlecht eine sorgsamere Belehrung und Anleitung zugestanden wurde. Junge adlige Mädchen standen stets unter Beobachtung, in der Sorge, sie könnten ihre Jungfräulichkeit verlieren – das kostbarste Gut einer unverheirateten Frau im Mittelalter.

Die Idealvorstellung einer Ehefrau im 12./13. Jahrhundert beinhaltete vor allem Eigenschaften, wie Schamhaftigkeit und Keuschheit, zudem Demut und Schweigsamkeit, als auch die Bewahrung von Sitten und Gebärden. Hauptsächliche Aufgaben der Frauen waren die Versorgung der Kinder und die häuslichen Pflichten. Je nach Stand unterschieden sich jedoch diese Aufgaben. Während Bäuerinnen ihren Männern auf dem Feld zur Hand gingen, war es Aufgabe der Adelsfrauen männliche Nachkommen zu gebären und ihren Ehemännern zu Diensten zu sein.

Die Darstellung der Frau in mittelhochdeutschen Mären weicht jedoch stark von dieser Idealvorstellung und dem realen Frauenbild des Mittelalters ab. Während sich oft eine bestimmte Eheauffassung als vorbildhafte Zielvorstellung herauskristallisiert, ist es oft die Frau, die einen zentralen Platz im Handlungsgefüge einnimmt, indem sie ihren Mann durch eine List täuscht oder einen Ehebruch initiiert. Häufig besteht die List auch darin, die Entdeckung der Untreue zu verhindern oder den unliebsamen Ehemann loszuwerden. Die Frau in schwankhaften Mären widersetzt sich zumeist allen Normen, die ihr in der Realität von weltlichen und kirchlichen Institutionen auferlegt werden.

Nach Hanns Fischer bestehen insgesamt drei Grundkonstellationen von Figuren[2], die für die weitere Analyse der folgenden Texte von Bedeutung sind.

Die erste beschreibt die Ehekonstellation, in der entweder die Figur des Mannes listig-überlegen ist, oder die Frau. Grundthematik dieser Konstellation ist das Kräftemessen innerhalb einer Ehe.

Zweitere betrifft die Liebesverhältnisse zwischen treuem Liebhaber und treuer Liebenden, die dem Prinzip ‚‘‘Werber-Umworbene“ entsprechen.

Die dritte Konstellation bezieht sich auf das mittelalterliche Listmotiv. Eher unerotisch motiviert, wird eine Situation zwischen listiger und überlisteter Person geschildert.

Im Regelfall setzt sich die Figurenkonstellation in Mären aus festgelegten Charakteren mit stereotypen Eigenschaften zusammen, um ausführliche Erklärungen und Charakterisierungen durch den Autor zu ersparen. Indes der Bauer beispielsweise als ungehobelt und einfältig beschrieben wird, hat die Bäuerin im Gegensatz zum naiven Bauern die Rolle der listigen Treulosen inne. Ebenso ist die Bürgerfrau Abbild der kräftemessenden oder betrügerischen Gattin. Bestimmend für das Frauenbild in Mären, ist die weitgehende Handlungsfreiheit und Macht über den Mann.

Resümierend ist nun zu erwähnen, dass tatsächlich eine Verkehrung des realen Bildes und der idealisierten literarischen Darstellung der Frau im Mittelalter stattfand. Fakt und überspitzte Fiktion gehen in diesem Fall weit auseinander, nicht zuletzt jedoch, um ein klares moralisches Anliegen zum Ausdruck zu bringen.

Hauptteil

„Drei listige Frauen“

3 Inhalt

Auf einem Marktplatz kommt es zu einem Streit zwischen drei Frauen, die sich uneinig über die Aufteilung des Geldes für die gemeinsam verkauften Eier sind, woraufhin eine der Frauen als Lösung des Problems eine Wette vorschlägt. Wer seinen Mann am besten hinters Licht führe, bekäme den überzähligen Heller.

Die erste Frau macht ihrem Ehemann weiß, er hätte einen faulen Zahn im Mund, wegen dem sie aufgrund des Geruchs bald sterben müsse. Aus Liebe zu ihr lässt sich der Mann den Zahn ziehen, woraufhin die Frau behauptet, es wäre der Falsche gewesen. Nachdem auch der zweite Zahn gezogen ist, lässt sie ihn in dem Glauben, er wäre gestorben. Sie bahrt ihn im Haus in einem Sarg ohne Deckel auf und vergnügt sich daneben mit dem Knecht, damit ihr vermeintlich verstorbener Mann alles mitbekommt. Dieser ist noch immer der Meinung, der Tod hätte ihn ereilt und er werde am nächsten Tag beerdigt.

Der Ehemann der zweiten Frau wird von selbiger betrunken gemacht, woraufhin sie ihm eine Tonsur rasiert und ihn in die Kirche tragen lässt. Am Morgen macht sie ihrem Mann glauben, dass er der Pfarrer sei und die Messe halten solle. Getäuscht lässt er sich zum Altar führen und das Messgewand anlegen.

Die dritte Frau versteckt am Abend vor der Messe die Kleider ihres Mannes und gaukelt ihm am nächsten Tag, als er seine Kleidung sucht, vor, er trüge bereits sein Sonntagsgewand. Durch diese List macht sich der Ehemann nackt auf den Weg in die Kirche und greift sich, dort angekommen, auf der Suche nach seinem Geldbeutel an den Hodensack, um das Opfergeld herauszuholen. Seine vermeintlich hilfsbereite Frau schneidet ihm in diesem Zuge die Hoden heraus.

Durch das Geschrei des dritten Mannes aufmerksam geworden, verlässt der zweite Ehemann den Altar und begreift die Täuschung. Wahnsinnig geworden, laufen beide über die Wiese zum Wald, während dem ersten Mann die List allmählich bewusst wird. Er steht aus dem Sarg auf und folgt den beiden hintergangenen Ehemännern in den Wald.

Offen bleibt jedoch, welche der drei Frauen ihren Mann am besten überlistet hat.

[…]


[1] Claudia Brinker-von der Heyde: Weiber-Herrschaft oder: Wer reitet wen? Zur Konstruktion und Symbolik der Geschlechterbeziehung. In: Ingrid Bennewitz/ Helmut Tervooren (Hgg.) Manlîchiu wîp, wîplich man: Zur Konstruktion der Kategorien ‘Körper’ und ‘Geschlecht’ in der deutschen Literatur des Mittelalters. (= Beiheft zur Zeitschrift für Deutsche Philologie 9) Berlin 1999, S.47.

[2] Vgl. im Folgenden: Hanns Fischer: Studien zur deutschen Märendichtung. 2. durchgesehene Auflage besorgt von Johannes Janota. Max Niemeyer Verlag. Tübingen 1983, S. 117f.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Konstruktion von Frauenbildern in mittelhochdeutschen Mären. „Drei listige Frauen“ und „Die treue Gattin“
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Deutsche Philologie)
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V319917
ISBN (eBook)
9783668191761
ISBN (Buch)
9783668191778
Dateigröße
790 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mären, Frauenbild, ältere deutsche Literatur
Arbeit zitieren
Julia O. (Autor), 2011, Die Konstruktion von Frauenbildern in mittelhochdeutschen Mären. „Drei listige Frauen“ und „Die treue Gattin“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319917

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