Der Fokus der Arbeit soll auf den Anstieg der atypischen Beschäftigungen und die in den Medien vielmals propagierte Schrumpfung der Mitte gesetzt werden. Es wird ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Ansteigen der atypischen Beschäftigung sowie dem Schrumpfen der Mitte untersucht. Zudem sollen generelle Entwicklungen der Mitte aufgezeigt und analysiert werden und mögliche Entwicklungstrends für Österreich, auf Grundlage eines Vergleichs mit Deutschland, da dort vergleichsweise früh eine Arbeitsmarktliberalisierung einsetzte, zu prognostizieren und sich daher auch in Österreich abzeichnen könnten.
Die zentralen forschungsleitenden Fragen sind:
(i) Gibt es einen Zusammenhang zwischen atypischen Arbeitsverhältnissen und einer damit verbundenen sinkenden Wahrscheinlichkeit ein mittleres Einkommen zu erzielen?
(ii) Welche Merkmale erhöhen das Risiko für Personen sich nicht in der Mittelschicht zu verorten?
Im folgenden Kapitel sollen theoretische Überlegungen und Konzepte zur Mittelschicht und zur atypischen Beschäftigungen vorgestellt werden. Es sollen besonders für die Operationalisierung und der Analyse potentielle Risikogruppen heraus gearbeitet.
Obwohl das Mittelschichtsmodell über lange Zeit besonders durch die von ihr ausgehende sozioökonomische Sicherheit, gesellschaftliche Teilhabe und Aufstiegsmöglichkeiten, eine große „Strahlkraft“ besaß, zeigen empirische Untersuchungen, dass der Einkommensanteil der Mitte sich seit der Mitte der 1980er Jahre verringerte. Die vorliegende Arbeit widmet sich der Frage nach einer „Schrumpfenden Mitte“ und dem Zusammenhang des starken Ansteigens atypischer Beschäftigungsquoten in Deutschland und Österreich im Zeitvergleich. Mit dem Bedeutungszuwachs der atypischen Beschäftigungsverhältnissen wächst auch die soziale Ungleichheit.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Konzeptualisierung
3 Daten, Methoden, Variablen
3. 1 Methode
3. 2 Abhängige Variable
3. 3 Erklärende Variablen
4 Trendergebnisse
5 Strukturanalysen
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Zunahme atypischer Beschäftigungsformen und dem medial oft thematisierten Schrumpfen der Mittelschicht in Deutschland und Österreich im Zeitvergleich zwischen 2004 und 2011. Ziel ist es, durch eine komparative Panelanalyse zu klären, inwiefern atypische Arbeitsverhältnisse die Wahrscheinlichkeit beeinflussen, ein mittleres Einkommen zu erzielen, und welche Risikogruppen besonders gefährdet sind, ihren Mittelschichtsstatus zu verlieren.
- Vergleich der Arbeitsmarktsysteme Deutschlands und Österreichs
- Analyse der Verbreitung atypischer Beschäftigungsverhältnisse
- Operationalisierung der Mittelschicht auf Basis des Medianeinkommens
- Identifikation von Risikogruppen für den sozialen Abstieg
- Überprüfung der Auswirkungen sozioökonomischer Merkmale auf die Schichtzugehörigkeit
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
Seit den letzten Jahren wird dem Thema der schrumpfenden Mittelschicht Zunehmend medial mehr Bedeutung geschenkt und die Angst sozial abzusteigen hat in der Gesellschaft vermehrt zugenommen (u. a. Hradil & Schmidt 2007; Burzan 2014; Lengfeld & Hirschle 2008; 2010; Niehues 2014: 10; Standard 2014; Spiegel 2012;). Die subjektiven Ängste, sowie die strukturellen Veränderungen der Gesellschaft beschäftigen verstärkt auch die Sozialwissenschaften, sodass die „soziale Mitte“ in Sammelbänden und Fachzeitschriften (Bspw. Burzan & Berger 2010; APuZ 64. Jg. 2014) differenziert analysiert werden.
Das Phänomen der „Mitte“ in einer Gesellschaft ist bereits ein Thema seit den sogenannten soziologischen Klassikern und wird beispielsweise bereits bei Karl Marx und Max Weber diskutiert (Mau 2014: 3). Schon Marx hat ein Auflösen der Mitte prognostiziert, welches durch den Klassenkonflikt zwischen Kapital und Arbeit determinier sei. Arbeitsmarktanalysen für die migrantischen Mitte in Deutschland zeigen diese Tendenz, also ein Schrumpfen, welches kollektive Auf- und Abstiege zur Folge hat (Vgl. Verwiebe 2014).
Eine Arbeitsmarktflexibilisierung hat in den meisten „westlichen“ Gesellschaften eine umfassende Restrukturierung von Beschäftigungsverhältnissen und Entlohnungssystemen zur Folge (vgl. Fritsch et al. 2014: 92; Teitzer et al. 2014: 257). Arbeitsmarktanalysen belegen, dass sogenannte atypische Beschäftigungsformen, als auch die Lohnungleichheit innerhalb der gesellschaftlichen Verteilung stark zunehmen (ebd.; Verwiebe & Giesecke 2008), wovon die gesellschaftliche Mitte nicht ausgenommen ist. Obwohl das Mittelschichtsmodell über lange Zeit besonders durch die von ihr ausgehende sozioökonomische Sicherheit, gesellschaftliche Teilhabe und Aufstiegsmöglichkeiten, eine große „Strahlkraft“ besaß, zeigen empirische Untersuchungen das der Einkommensanteil der Mitte sich seit der Mitte der 1980er Jahre verringerte (Mau 2014: 7; vgl. für MigrantInnen in Deutschland, Verwiebe 2014).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der schrumpfenden Mittelschicht und der zunehmenden Arbeitsmarktflexibilisierung ein und formuliert die zentralen Forschungsfragen.
2 Theoretische Konzeptualisierung: Hier werden Definitionen der Mittelschicht sowie arbeitsmarkttheoretische Ansätze zur Erklärung von Ungleichheit und atypischer Beschäftigung dargelegt.
3 Daten, Methoden, Variablen: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen der Panelanalyse sowie die Konstruktion der verwendeten Variablen und Datengrundlagen für Deutschland und Österreich.
4 Trendergebnisse: Es werden die deskriptiven Entwicklungen der Einkommensschichten sowie der atypischen Beschäftigungsquoten in beiden Ländern über den Untersuchungszeitraum dargestellt.
5 Strukturanalysen: In diesem Teil werden mittels logistischer Regressionen die Einflussfaktoren auf die Positionierung innerhalb der Mittelschicht detailliert untersucht.
6 Fazit: Das Fazit fasst die empirischen Ergebnisse zusammen, reflektiert die Hypothesen und diskutiert die Divergenzen zwischen den nationalen Befunden.
Schlüsselwörter
Mittelschicht, Atypische Beschäftigung, Arbeitsmarktflexibilisierung, Soziale Ungleichheit, Einkommensverteilung, Panelanalyse, Deutschland, Österreich, Humankapitaltheorie, Niedriglohnsektor, Sozialstruktur, Erwerbseinkommen, Risikogruppen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der schrumpfenden Mittelschicht in Deutschland und Österreich im Kontext zunehmender atypischer Beschäftigungsformen zwischen 2004 und 2011.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten zählen die Entwicklung der Einkommensschichten, die Verbreitung atypischer Arbeit, Arbeitsmarktflexibilisierung und sozioökonomische Faktoren, die den sozialen Auf- oder Abstieg beeinflussen.
Welches Ziel verfolgt die Studie?
Das primäre Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen atypischen Arbeitsverhältnissen und einer sinkenden Wahrscheinlichkeit für ein mittleres Einkommen empirisch zu überprüfen sowie Merkmale zu identifizieren, die das Risiko für einen Mittelschichtsverlust erhöhen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine komparative Panelanalyse durchgeführt, wobei deskriptive Trendergebnisse durch logistische Regressionsanalysen ergänzt werden, um strukturelle Einflussfaktoren zu bestimmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung der Mittelschichtsbegriffe, die methodische Aufbereitung der Datensätze (SOEP und EU-SILC) sowie die Auswertung von Trendergebnissen und Strukturanalysen hinsichtlich Branchen, Qualifikationen und Berufserfahrung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Mittelschicht, atypische Beschäftigung, Arbeitsmarktflexibilisierung, soziale Ungleichheit und Einkommensverteilung maßgeblich geprägt.
Wie unterscheidet sich die Entwicklung in Deutschland von jener in Österreich?
Während in Deutschland die Wahrscheinlichkeit, mit atypischer Beschäftigung in der Mittelschicht zu verbleiben, signifikant gestiegen ist, zeigen die Ergebnisse für Österreich teilweise gegenläufige Trends und eine insgesamt stabilere, wenn auch leicht schrumpfende Mittelschicht.
Welchen Einfluss hat der Bildungsgrad auf die Chancen, in der Mittelschicht zu bleiben?
Die Ergebnisse deuten auf komplexe Zusammenhänge hin, bei denen überraschend teils höhere Bildung mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit einhergeht, sich exakt in der definierten Mittelschicht zu positionieren, was auf die gewählte Modellkonstellation zurückgeführt wird.
- Arbeit zitieren
- Andreas Schulz (Autor:in), 2015, Atypische Beschäftigungsformen und das Schrumpfen der Mittelschicht. Deutschland und Österreich im Zeitvergleich 2004 und 2011, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319996