Fiskalismus nach Keynes. Ist der Keynesianismus heute noch aktuell?


Seminararbeit, 2015

13 Seiten, Note: 1,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 John Maynard Keynes
2.1 Biographie
2.2 Ausgewählte Werke

3 Begriffsbestimmung ─ Arbeitslosigkeit
3.1 Zusammenhang Konjunktur und Beschäftigung

4 Fiskalpolitik
4.1 Effekte der Fiskalpolitik

5 Fiskalismus nach Keynes
5.1 Die Allgemeine Theorie
5.2 Keynesianismus – eine „aktuelle“ Betrachtung

6 Schluss/Fazit

7 Anhang
7.1 Quellenverzeichnis
7.1.1 Literatur (Aufsätze, Bücher & Zeitschriften)
7.1.2 Webseiten
7.1.3 Abbildungen

1 Einleitung

Die „Global Theory“[1] des Nationalökonomen John Maynard Keynes aus dem Jahre 1936 und die daraus abgeleiteten Lehren bilden ein Element des Fiskalismus, welcher ein Bestandteil der Fiskalpolitik ist. Obwohl die Person John Maynard Keynes und seine Ansichten nicht nur in Deutschland sehr umstritten waren und es teilweise immer noch sind, finden sie in den letzten Jahren wieder zunehmend Anerkennung in den betreffenden Fachkreisen.

Beginnen möchte ich zunächst mit einer Vorstellung der interessanten Persönlichkeit selbst, bevor ich im Anschluss kurz einige wichtige Fachbegriffe erläutern werde. Der anschließende fachliche Teil befasst sich mit einer näheren Betrachtung der Allgemeinen Theorie von Keynes. Die wesentliche Aussage dieses Hauptabschnittes wird durch die Beantwortung der Fallfrage: „Ist die Theorie von Keynes heute noch aktuell?“ abgerundet. In diesem Zusammenhang werde ich im späteren Verlauf näher auf die Konjunkturpakete I & II, aus den Jahren 2008 & 2009, eingehen. Keine Betrachtung in dieser Arbeit findet unter anderem der Neue Keynesianismus sowie der Postkeynesianismus, da dies den Umfang sprengen würde.

2 John Maynard Keynes

Zum besseren allgemeinen Verständnis möchte ich in diesem Abschnitt einige Eckdaten zu John Maynard Keynes Biographie darlegen und eine Auswahl der von ihm verfassten Publikationen präsentieren.

2.1 Biographie

Geboren wurde John Maynard Keynes am 05.06.1883 in Cambridge/England. Er absolvierte ein Studium der Mathematik[2], Philosophie und Geschichte am Kings College Cambridge. Hier war er ab 1909 (bis zu seinem Tode 1946) auch als Dozent tätig. Er wurde 1911 Herausgeber der Ökonomischen Fachzeitschrift „Economic Journal“, welche noch heute erscheint. Im Rahmen seiner Tätigkeit als Regierungsberater für das britische Schatzministerium (als Geldtheoretiker) nahm er im Jahre 1919 an den Friedensverhandlungen in Versailles teil. Von dort reiste er jedoch vorzeitig ab, da er mit den Reparationszahlungen die Deutschland auferlegten wurden nicht einverstanden war.

Um die Weltwirtschaftskrise (1929) wendete sich Keynes von der zu diesem Zeitpunkt allgemein gültigen Klassik ab. Das bisherige System war nicht in der Lage die hohe Anzahl an Arbeitslosen im wirtschaftlichen Gesamtbild zu erklären. Seine Verdienste führten 1942 zur Erhebung in den Adelsstand, fortan führte J. M. Keynes den Title: „Lord Keynes of Tilton“. 1944 nahm Keynes an Bretton Woods[3] teil. Des Weiteren war er Mitglied des Bloomsbury Circle um die populäre Schriftstellerin Virginia Woolf. Seine politische Einstellung wird durch die lebenslange Mitgliedschaft in der liberalen Partei unterstrichen. Sein Verständnis des Liberalismus erläuterte er in seinen Abhandlungen „Am I a Liberal“[4] und „The End of Laissez-Faire“[5]. Er verstarb am 21. April 1946 im Alter von 62 Jahren im Englischen Tilton an einem Herzinfarkt.

2.2 Ausgewählte Werke

Nun folgend eine Auswahl breitgefächerter wirtschaftspolitischer Publikationen (beinhaltet Aufsätze und Monographien) in denen Keynes sich, meist kritisch, mit den damals diskutierten Wirtschaftstheorien auseinandersetzte.

1919 The Economic Consequences of the Peace[6]

1921 A Treatise on Probability[7]

1925 The Economic Consequences of Mr. Churchill[8]

1926 The End of Laissez-Faire

1936 The General Theory of Employment, Interest and Money[9]

1940 How to Pay for the War[10]

3 Begriffsbestimmung ─ Arbeitslosigkeit

Für das Gesamtverständnis ist es unumgänglich zunächst den Begriff Arbeitslosigkeit (AL) näher zu betrachten. Personen, welche arbeitswillig und arbeitsfähig sind aber aufgrund bestimmter Gründe keine Beschäftigung finden, werden als unfreiwillig arbeitslos bezeichnet. Jedoch als freiwillig arbeitslos gelten Erwerbspersonen, welche ihre Arbeit nicht zu einem auf dem Markt bestehenden Reallohn anbieten wollen. Die unfreiwillige AL, lässt sich nochmals anhand der Ursachen unterteilen in: saisonale AL (abhängig von der Jahreszeit; z.B. Baubranche), technologische AL (technischer Fortschritt; z.B. Automatisierungen in der Automobilbranche), strukturelle AL (strukturelle Wandlung in der Volkswirtschaft; z.B. Atomenergieausstieg), Friktionelle-/Fluktuations-AL (tritt kurzzeitig auf, Arbeitsplatzwechsel einer Person zum Zeitpunkt der Arbeitslosenzahlenerhebung) und konjunkturelle AL (Depression[11] und Rezession[12] haben Einfluss auf die Arbeitslosenzahlen).[13]

3.1 Zusammenhang Konjunktur und Beschäftigung

Bei einem wirtschaftlichen Aufschwung sinken die Arbeitslosenzahlen und die Beschäftigung nimmt zu. Bei einem Boom oder auch wirtschaftlichem Maximum besteht Vollbeschäftigung oder Überbeschäftigung während bei der Rezession die Arbeitslosenquote zunimmt, da die Beschäftigung sinkt.[14]

Aber die Beschäftigung hat auch wiederum Einfluss auf die Konjunktur. Die steigende Beschäftigung führt zu steigendem Einkommen. Daraus resultiert, dass dem Arbeitnehmer (AN) mehr Geld für Konsumzwecke zur Verfügung steht. Im Ergebnis steigt die Nachfrage (N), welche den Unternehmen (U) wiederum steigende Gewinne beschert. Konsequenterweise führt die gute wirtschaftliche Lage zu Investitionen (I) der U. Der Arbeitsmarkt ist also als Faktormarkt zu bezeichnen. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang noch, dass die Konjunktur „auf der Entwicklung des realen Bruttoinlandsprodukt [BIP] basiert.“[15]

4 Fiskalpolitik

Fiskal; Latein fiscalis = die Staatskasse betreffend. Die Fiskalpolitik ist ein Teil der Finanzpolitik[16] „(…) und wird oft fälschlicherweise mit dieser gleichgesetzt.“[17] Zudem ist sie ein wichtiges Element der Konjunkturpolitik[18] und somit der staatlichen Ausgabenpolitik. Sie steuert die Wirtschaft[19] und dadurch alle politischen Entscheidungen, welche öffentliche Aufwendungen, Erträge, Auszahlungen und Einzahlungen betreffen, mit dem Ziel gesamtwirtschaftliche oder ganz besonders konjunkturpolitische Veränderungen zu erreichen. Ein stabiles, stetiges Wirtschaftswachstum soll durch Vermeidung von starken Konjunkturschwankungen, erwirkt werden. Um die entstehenden Schwankungen abzuschwächen (gesamtwirtschaftliche N wird erhöht), verschuldet sich der Staat (bzw. baut Rücklagen ab) in schlechten Zeiten. Dieses Vorgehen nennt man auch: Deficit-Spending. Gegenläufig hierzu werden in guten Zeiten Schulden abgebaut (bzw. Aufbau finanzieller Rücklagen), „(…) um die Konjunktur zu bremsen und um fiskalpolitische Spielräume für den nächsten Abschwung zu schaffen.“ Bezeichnet wird dieses Vorgehen als antizyklische Fiskalpolitik.[20] (siehe Abbildung 1)

„[I]n den 1960er-Jahren und bis Mitte der 1970er-Jahre [wurde diese sogenannte] antizyklische Wirtschaftspolitik, die auch keynesianische Konjunkturpolitik genannt wird (…) zunächst mit recht gutem Erfolg betrieben.“ Die Stagflation[21] in den 1970er-Jahren führte dann jedoch zu einer starken Verschuldung der öffentlichen Haushalte (HH) da die „konjunkturellen Ausschläge (…) verstärkt [wurden].“[22]

Andere Quellen bezeichnen insbesondere die Wirtschaftskrisen in der Mitte der 70er und Anfang der 80er Jahre als Wendepunkte, bezüglich der Frage der Kraft der Globalsteuerung.[23] &[24] Die Zielsetzungen der Globalsteuerung dauern bis heute fort.[25]

4.1 Effekte der Fiskalpolitik

Diese kleinen Veränderungen bei den Staatsausgaben sollen, wie bereits beschrieben, zu größeren Konjunkturveränderungen führen. Hierbei unterscheidet man zwischen Multiplikatoreffekt und Akzeleratoreffekt:

Multiplikatoreffekt: Staatsausgaben (direkt an die privaten HH, oder indirekt über U) erhöhen Volkseinkommen – zusätzliche N wird ausgelöst (höher als eigentliche Staatsausgaben; dieses Phänomen wird als Schuldenparadoxon bezeichnet).[26] Laut Keynes hängt eine Vermehrung der gesamtwirtschaftlichen N durch die erhöhten I am Ende davon ab, wie stark der Beschäftigungsgrad und die Konsumneigung ansteigen.[27]

Akzeleratoreffekt: Die durch den Multiplikatoreffekt verursachte gestiegene N erwirkt Kapazitätsauslastungen der U. Um Kapazitäten zu steigern sind I nötig – der Effekt vom erhöhten Volkseinkommen zu den gestiegenen I nennt man Akzeleratoreffekt – gleiches Wirkprinzip bei Abschwung.[28]

5 Fiskalismus nach Keynes

Fiskalismus, auch Keynesianismus genannt, war dazumal eine völlig neue Konzeption des ökonomischen Handelns. Wie bereits erwähnt wurde es im Zuge der Wirtschaftskrise in den Jahren 1929-1933[29] von J. M. Keynes konstruiert. Es stand im krassen Gegenteil zum von Keynes kritisiertem Sayschen Theorem der Klassiker.[30]

5.1 Die Allgemeine Theorie

Der Kerngedanke lautet: die Marktunvollkommenheit kann sich nicht von selbst regulieren und somit für Vollbeschäftigung sorgen (die klassische Theorie, nahm das bis dato an).[31]

[...]


[1] „Global Theory“ = Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes

[2] davon ein Teilgebiet: Ökonomik

[3] Konferenz zur Errichtung eines neuen Weltwährungssystems; welches heute nicht mehr besteht

[4] erschienen 1925

[5] vgl. (Kromphardt, 2013, S. 29)

[6] vgl. (Keynes-Gesellschaft, 2015); Keynes` Kritik mit Bezug zu den Verhandlungen im Rahmen des Versailler Friedensvertrages

[7] Ebd.

[8] vgl. (Kromphardt, 2013, S. 27); Keynes setzte sich kritisch mit der Rückkehr zum Goldstandard auseinander

[9] vgl. (Keynes-Gesellschaft, 2015); Keynes´ Hauptwerk; auch Allgemeine Theorie

[10] Ebd.; Keynes Vorschläge für die Regierung Großbritanniens, zur Finanzierung der kriegsbedingten Mehrausgaben im Rahmen des 2. Weltkrieges

[11] Konjunkturtiefstand

[12] Konjunkturabschwung

[13] vgl. (Johanns, 2015)

[14] vgl. (Siebe & Wenke, 2014, S. 118); (ganzer Absatz)

[15] vgl. (Johanns, 2015); (ganzer Absatz)

[16] vgl. (Haushaltssteuerung, 2015)

[17] vgl. (Wikipedia - J. M. Keynes, 2015)

[18] Ebd.

[19] vgl. (Uni-Ulm, 2015)

[20] vgl. (Haushaltssteuerung, 2015); (ganzer Absatz)

[21] steigende Inflation bei sinkendem Wachstum

[22] vgl. (Bundeszentrale für politische Bildung - Fiskalpolitik, 2015); (ganzer Absatz)

[23] 1967 gesetzlich verankert durch Stabilitäts- und Wachstumsgesetz (magisches Viereck)

[24] vgl. (Wikipedia - J. M. Keynes, 2015)

[25] vgl. (Bundeszentrale für politische Bildung - Keynesianismus, 2015); Globalsteuerung, findet ihre „(...) rechtliche Kodifizierung im (…)“ Stabilitäts- und Wachstumsgesetz Deutschlands. Wirtschaftspolitische Ziele des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes sind: Stabilität des Preisniveaus – hoher Beschäftigungsstand – außenwirtschaftliches Gleichgewicht – sowie stetiges und angemessenes Wirtschaftswachstum (siehe Abbildung 2)

[26] vgl. (Wikipedia - J. M. Keynes, 2015)

[27] vgl. (Keynes, 2006, S. 146)

[28] vgl. (Wikipedia - J. M. Keynes, 2015)

[29] Veröffentlichung von „Die Allgemeine Theorie“ im Jahre 1936

[30] vgl. (Gabler Wirtschaftslexikon - Keynesianismus, 2015)

[31] vgl. (Johanns, 2015)

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Fiskalismus nach Keynes. Ist der Keynesianismus heute noch aktuell?
Note
1,2
Autor
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V320021
ISBN (eBook)
9783668192546
ISBN (Buch)
9783668192553
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Keynesianismus, Fiskalpolitik, John Maynard Keynes, Global Theory, Konjunktur, Beschäftigung, Multiplikatoreffekt, Akzeleratoreffekt, Konjunkturpaket I, Konjunkturpaket II, Abwackprämie, Staatsausgaben, Konjunkturprogramme, Bretton Woods, Bloomsbury Circle, Deficit-Spending, Stagflation, Wirtschaftskrisen, Vollbeschäftigung, Allgemeine Theorie, Steuervergünstigungen, Arbeitsplätze, Einkommen, Rezession
Arbeit zitieren
Jennifer Carmen Grumptmann (Autor), 2015, Fiskalismus nach Keynes. Ist der Keynesianismus heute noch aktuell?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320021

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