Die Ursachen des wechselnden Wählerverhältnisses in Deutschland


Hausarbeit, 2015

15 Seiten, Note: 91% (A)


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Methode

3. Analyse der AV: Erzielter Erfolg der Partei bei den Wahlen

4. Analyse der UV1: Halten der Wahlversprechen
4.1 Theorie von Anthony Downs
4.2 Empirische Untersuchung der UV1: Halten der Wahlversprechen der CDU und der FDP

5. Analyse der UV2: Massenmedien / Soziale Netzwerke
5.1 Theorie von Alan Gerber
5.2. Empirische Untersuchung der UV2: Beleuchtung der Piratenpartei und der Grünen in sozialen Netzwerken

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In einem demokratischen Staat, zu deren Reihe Deutschland zweifellos gehört, herrschen die Bürger. Das Grundgesetz lautet:

„Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt“ (GG Art. 20.2).

Allgemeine, freie und gleiche Wahlen sind die Grundlage einer Demokratie. Bei solchen Wahlen strebt jede oppositionelle Partei danach, die Macht an sich zu reißen, während jede regierende Partei die Macht bewahren will. In diesem Zusammenhang ist es höchst wichtig zu betrachten, welche Faktoren das Wählerverhältnis und dadurch die Wahlergebnisse am tiefsten beeinflussen. Dieses Thema ist besonders akut in Verbindung mit der Bundestagswahl 2013, demzufolge hat die FDP die 5%-Hürde verfehlt.

Diese Studie bezweckt, eine Antwort auf die folgende Forschungsfrage zu finden: Warum sind bestimmte Parteien in Deutschland bei den Wahlen erfolgreich und die anderen nicht? Hieraus folgt, dass die abhängige Variable (AV) als der erzielte Erfolg einer Partei bei den Wahlen auf Bundesebene definiert wird.

Der erste zu behandelnde Faktor ist Wahlversprechen. Als Indikator werden Bundeswahlprogramme der Partei betrachtet und dann Statistiken, die ihren Schwerpunkten entsprechen, werden analysiert. Die zweite Variable, die die Wahlergebnisse beeinflussen kann, ist Massenmedien und soziale Netzwerke. Indikatoren dafür dient die Aktivität in sozialen Netzwerken, die durch die Anzahl von Posts und Tweets darin laut einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung gemessen wird.

Um den Zusammenhang zwischen der AV und den UVs festzustellen, werden in dieser Forschung zwei Hypothesen überprüft. Die erste Hypothese lautet: Je mehr Wahlversprechen nicht gehalten werden, desto mehr Wähler verlieren das Vertrauen zur Partei und desto weniger Sitze hat die Partei im Parlament. Die zweite Hypothese besteht darin: Je mehr die Tätigkeit der Partei in sozialen Netzwerken beleuchtet und diskutiert wird, desto mehr Wähler beschließen, dieser Partei seine Stimme abgeben.

Die aufgestellten Hypothesen sind in Anlehnung an zwei Theorien formuliert. Die erste wurde von dem amerikanischen Wirtschaftler Anthony Downs ausgearbeitet. In dem Mittelpunkt seiner Theorie steht die Überzeugung, dass Wähler ihre Stimmen für die Partei abgeben, die Regierung deren die größten persönlichen Vorteile für die Wähler verspricht (Downs: 36). Die zweite Hypothese stützt sich auf die Theorie von Alan Gerber, Professor an der Yale Universität. Er behauptet, dass Massenmedien und soziale Netzwerke den Entschluss des unentschlossenen Wählers durch eine Beleuchtung und aktive Erörterung des Kandidaten in Massenmedien beeinflussen können (Gerber et al: 3-4).

2. Methode

Diese Forschung stellt eine Vergleichsstudie vor, die mit der Zeitraum von 2005 bis 2013 begrenzt wird, weil eine Reihe von den bemerkenswerten Ereignissen in dem Bereich Wahlen in Deutschland geschehen sind, und zwar die SPD erzielte im Jahre 2009 ihr schlechtestes Bundestagswahlergebnis (Bundeswahlleiter, 2009) (Bundeswahlleiter, 2015) sowie 2013 verfehlte die FDP die 5%-Hürde (Bundeswahlleiter, 2013). Um die Faktoren, die das Wahlverhältnis beeinflussen, zu isolieren und zu identifizieren, wird Most Similar Systems Design zur Anwendung gelangt. Bei der Arbeit an der Forschung wurden Primärliteratur, Sekundärliteratur und Internetquellen analysiert.

3. Analyse der AV: Erzielter Erfolg der Partei bei den Wahlen

Als AV wurde der erzielte Erfolg einer Partei bei den Wahlen ausgewählt, weil sie erfolgreich gelten kann, nur wenn sie in der Volksvertretung repräsentiert wird und folglich kann sie die Aufgaben einer Partei erfüllen, und zwar auf die politische Entwicklung in Parlament und Regierung Einfluss nehmen, die von ihnen erarbeiteten politischen Ziele in den Prozess der staatlichen Willensbildung einführen und für eine ständige lebendige Verbindung zwischen dem Volk und den Staatsorganen sorgen (PartG §1.2).

Das Kriterium, das den erzielten Erfolg einer Partei bei den Wahlen (AV) auf Bundesebene bestätigt, ist also die Zahl der Sitzen in dem Bundestag. Die Spezifik der abgegebenen Forschungsfrage bedingt aber die Notwendigkeit, auf zwei Fragen zu achten, die für die Wahlforschung am wichtigsten sind: die so-genannten „Sonntagsfrage“ (Welche Partei würden Sie wählen, wenn nächsten Sonntag Wahlsonntag wäre?) und „Recallfrage“ (Welche Partei haben Sie bei der letzten Bundestagswahl gewählt?), deshalb ist für diese Studie eher der Unterschied zwischen den nacheinander folgenden Wahlen von dem Interesse. Als Messinstrument für diesen Indikator werden die Wahlergebnisse laut dem Bundeswahlleiter benutzt.

4. Analyse der UV1: Halten der Wahlversprechen

Die erste zu betrachtende unabhängige Variable ist das Halten der Wahlversprechen, die in den Bundeswahlprogrammen zum Ausdruck gebracht wurden. Laut der ökonomischen Theorie der Demokratie von Anthony Downs, die ferner ausführlicher erschlossen wird, kommt die Auswahl eines Wählers darauf an, welche Partei ihm den größten Nutzen bringen kann, deshalb spielt die Wahlversprechen eine Schlüsselrolle. Auf der Basis dieses Faktors wird die folgende Hypothese verifiziert oder falsifiziert: Je mehr Wahlversprechen nicht gehalten werden, desto mehr Wähler verlieren das Vertrauen zur Partei und desto weniger Sitze hat die Partei im Parlament. Solche Formulierung ist dadurch verursacht, dass die Versprechen nur dann erfüllbar sind, wenn die entsprechende Partei auch in die Regierung kommt und sie kann die Politik wirklich beeinflussen, deshalb ist diese Hypothese vor allem auf die Parteien ausgerichtet, die eine regierende Koalition bilden. Aus diesem Grund werden die Mitglieder der „schwarz-gelben“ Koalition von 2009 bis 2013, und zwar die CDU und die FDP verglichen.

Damit wird als Indikator die Zahl der gehaltenen Versprechen benutzt, er ist durch die Statistiken, die die Schwerpunkte eines Bundeswahlprogramms widerspiegeln, herauszuarbeiten.

4.1 Theorie von Anthony Downs

Der amerikanische Wissenschaftler Anthony Downs in seinem Werk „Ökonomische Theorie von Demokratie“ geht davon aus, dass die demokratische Welt bestimmten Regeln entsprechen (Falter: 339):

- Die Regierung wird von einer einzelnen Partei oder einer Parteienkoalition gebildet, die in allgemeinen, freien und gleichen Wahlen eine Mehrheit der Stimmen auf sich vereint.
- Solche Wahlen werden in regelmäßigen Intervallen abgehalten, deren Dauer von den Akteuren nicht beeinflusst werden kann.
- Die Regierungspartei beziehungsweise -koalition bleibt bis zur nächsten Wahl an der Macht.
- Gewinner und Verlierer der Wahl akzeptieren diese demokratischen Spielregeln und die Ergebnisse, die sie hervorbringen, und unternehmen keine verfassungswidrigen Versuche, die Regeln zu verändern.

Downs beschrieb Parteien, Politiker und Wähler als rationale Akteure, die ihre Ziele verfolgen. Parteien und Politiker streben danach, die Wahlen zu gewinnen und an der Regierung möglichst lange zu bleiben, um ihr politisches Programm zu verwirklichen sowie die Vorteile der Macht zu sichern, während Wähler versuchen, ein möglichsthohes Nutzeneinkommen aus den Entscheidungen der Regierung bezüglich einzelner Sachfragen zu erzielen. Ein rationaler Wähler vergleicht den Nutzen, den ihm eine von der oppositionelle Partei gebildete Regierung bringen kann, mit dem Nutzen, den er von einer von der Partei geführten Regierung hat. Beide Nutzenwerte basieren ausschließlich auf den politischen Positionen, die die Parteien hinsichtlich der relevanten politischen Sachfragen (superissues) vertreten. Sympathien für einzelne Kandidaten und Parteien spielen keine Rolle. Wenn ein Wähler beschließt, dass die regierende Partei ihm größeren Nutzen bringen kann, dann entscheiden er sich für diese Partei, ansonsten gibt er seine Stimme der oppositionellen Partei. (Downs: 36-39)

4.2 Empirische Untersuchung der UV1: Halten der Wahlversprechen der CDU und der FDP

Die Überprüfung der ersten Hypothese wird auf den Bundeswahlprogrammen der FDP „Die Mitte stärken“ und der CDU „Wir haben die Kraft: gemeinsam für unser Land“ beruht. In diesem Teil der Forschung werden die ungehaltenen Wahlversprechen in Erwägung gezogen.

In dem Bereich Steuern lautet der Programm der FDP: „Wir wollen einfache, niedrige und gerechte Steuern für mehr Netto vom Brutto“ (FDP: 4). Es sollte ein Drei-Stufen-Tarif eingeführt werden, der 10% bei einem Jahreseinkommen bis 20.000 Euro vorsieht, 25% bei 20.000 - 50.000 Euro und 35% bei Jahreseinkommen ab 50 000 Euro (FAS: 6) FDP-Parteichef Guido Westerwelle engagierte sich für Steuersenkungen, aber die Steuerreform blieb aus.

Außerdem steht im Programm, das Kindergeld wird auf 200 Euro pro Kind und Monat für die Familien angehoben (FDP: 7). Zurzeit beträgt das Kindergeld laut dem Bundeskindergeldgesetz (BKGG) für erste und zweite Kinder doch jeweils 188 Euro (BKGG §6.1).

Das Sozialsystem sollte komplett umgestaltet werden. Das Bürgergeld von 662 Euro sollte alle sozialen Zuschüsse, wie Arbeitslosengeld II, Grundsicherung im Alter oder Wohngeld zusammenfassen und ersetzen. Das Bürgergeld sollte auch als Mindesteinkommen anstelle eines Mindestlohns gelten (FDP: 9). Damit konnte sich die FDP nicht durchsetzen.

Die FDP setzte sich dafür ein, dass das Grundrecht auf Datenschutz im Grundgesetz ausdrücklich verankert werden muss (FDP: 27), aber es gelang der Partei nicht, des Snowden-Skandals im Jahre 2013 ungeachtet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Wahlanalyse: Warum die FDP scheiterte Quelle: https://wahl.tagesschau.de/wahlen/2013-09-22-BT-DE/charts/umfrage-fdp/chart_2529414.png

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Ursachen des wechselnden Wählerverhältnisses in Deutschland
Note
91% (A)
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V320022
ISBN (eBook)
9783668220195
ISBN (Buch)
9783668220201
Dateigröße
1032 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Dieser Text enthält einige Rechtschreib- und Grammatikfehler, was die Qualität des Inhalts kaum beeinflusst. Wir bitten dennoch, dies zu entschuldigen.
Schlagworte
ursachen, wählerverhältnisses, deutschland
Arbeit zitieren
Artem Vasilyev (Autor), 2015, Die Ursachen des wechselnden Wählerverhältnisses in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320022

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Ursachen des wechselnden Wählerverhältnisses in Deutschland



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden