Das SECI-Modell in der Softwareentwicklung. Maßnahmen zur Unterstützung der Wissensschaffung im Unternehmen


Seminararbeit, 2015
32 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Glossar

1 Einleitung

2 SECI-Modell
2.1 Dimensionen
2.1.1 Epistemologische Dimension
2.1.2 Ontologische Dimension
2.2 Formen der Wissensumwandlung
2.2.1 Sozialisation
2.2.2 Externalisierung
2.2.3 Kombination
2.2.4 Internalisierung
2.3 Die Wissensspirale
2.4 Voraussetzungen
2.4.1 Intention
2.4.2 Autonomie
2.4.3 Fluktuation und kreatives Chaos
2.4.4 Redundanz
2.4.5 Notwendige Vielfalt

3 Software-Entwicklungsprozess
3.1 Phasen des Softwareentwicklungsprozesses
3.1.1 Projektmanagement
3.1.2 Anforderungsanalyse
3.1.3 Entwurf
3.1.4 Implementierung und Test
3.2 Rollen und Informationsfluss

4 SECI-Modell in der Softwareentwicklung
4.1 Anforderungen an das Unternehmen
4.2 Wissensträger / ontologische Dimension
4.3 Wissensarten / epistemologische Dimension
4.4 Anforderungen der SECI-Formen
4.5 Maßnahmen zur Unterstützung der Wissenstransformation
4.5.1 Übergreifende Maßnahmen
4.5.1.1 Lessons Learned
4.5.1.2 Brainstorming
4.5.1.3 Job Rotation
4.5.1.4 Social Software
4.5.2 Anforderungsanalyse
4.5.2.1 User Stories
4.5.3 Entwurf
4.5.3.1 Software-Modellierung
4.5.4 Implementierung/Test
4.5.4.1 Prototypen
4.5.4.2 Pair Programming
4.5.5 Projektmanagement
4.5.5.1 Yellow Pages
4.6 Bewertung
4.6.1 Vorteile
4.6.2 Nachteile

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2-1: Formen der Wissensumwandlung und geschaffenes Wissen

Abbildung 2-2: Spirale der Wissensschaffung im Unternehmen

Abbildung 4-1 Maßnahmen zur Förderung der einzelnen SECI-Phasen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 3-1: Rollen und Informationsfluss der Softwareentwicklungsphasen

Tabelle 4-1: Anforderungen des SECI-Modells an das Unternehmen

Tabelle 4-2: Wissensträger auf ontologischer Dimension

Tabelle 4-3: Explizites und implizites Wissen der Softwareentwicklungsphasen

Tabelle 4-4 Anforderungen der einzelnen SECI-Formen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Glossar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In dieser Arbeit wird das japanische Wissensmanagement-Modell der „Wissensspirale“ (auch SECI-Modell) auf den Prozess der Softwareentwicklung angewendet und dabei konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Wissensschaffung im Unternehmen erarbei- tet.

Zunächst wird die Theorie des SECI-Modells erläutert und auf die Struktur und Inhalte eingegangen. Abschließend werden die organisationalen Voraussetzungen zur Realisierung der Wissensspirale im Unternehmen genannt.

Im weiteren Verlauf wird der Softwareentwicklungsprozess näher betrachtet und gängige Phasen mit den darin ausgeführten Tätigkeiten beschrieben. Auch werden die am Prozess beteiligten Rollen identifiziert und der Informationsfluss kurz genannt.

Im abschließenden Teil dieser Arbeit werden die Erkenntnisse aus den ersten beiden Tei- len aufeinander bezogen und so die Anforderungen des SECI-Modell mit denen der Soft- wareentwicklung konsolidiert und davon ableitend unterstützende Maßnahmen für das SCI-Modell in der Softwareentwicklung erarbeitet. Eine Bewertung des Modells erfolgt ebenfalls.

2 SECI-Modell

Das SECI-Modell („Socialization, Externalization, Combination, Internalization”, Deutsch Sozialisation, Externalisierung, Kombination, Internalisierung) oder auch Wissensspirale ist ein Phasen-Modell aus dem Bereich des japanischen Wissensmanagement, das die Schaffung von Wissen im Unternehmenskontext formal beschreibt und seine Phasen durch geeignete Transformationen von Wissen definiert.

Das Modell wurde 1995 durch die beiden japanischen Management-Theoretiker IKUJIRO NONAKA UND HIROTAKA TAKEUCHI als Studie über das japanische Ma- nagement erarbeitet und hat das Wissensmanagement nicht unbedeutend geprägt. Es geht davon aus, dass wichtiges Erfahrungswissen sowie Fertigkeiten bei den einzelnen Indivi- duen einer Organisation vorhanden sind und durch geeignete Transformationen für wei- tere Individuen greifbar gemacht und letztendlich dem gesamten Unternehmen zur Ver- fügung steht.

Nachfolgend sollen der Klassifizierungsrahmen und die einzelnen Transformationen von Wissen erläutert werden. Die Voraussetzungen eines Unternehmens zur Realisierung des Modells werden ebenfalls genannt.

2.1 Dimensionen

An der Wissensumwandlung sind nach dem SECI-Modell 2 verschiedene Dimensionen beteiligt, die zum einen die Art des Wissens und zum anderen den Ort des Wissens (Wissensträger) betrachten.1

2.1.1 Epistemologische Dimension

Die epistemologische Ebene definiert die Art des Wissens und folgt der von POLANYI begründeten Theorie von implizitem und explizitem Wissen.2

Explizites Wissen ist formalisiert in Form von Sprache oder Text und kann so von Menschen konsumiert und verwertet werden (z.B. theoretisches Wissen, Faktenwissen). Es lässt sich artikulieren und somit verbal und schriftlich mitteilen. Hierfür gängige Medien sind beispielsweise Dokumente, Mitschriften, Bücher, Besprechungen oder Vorträge. Besonders ist hier hervorzuheben, dass diese Art des Wissens vielen Menschen gleichzeitig zur Verfügung steht später an keinen bestimmten Kontext gebunden ist.

Auf der Gegenseite steht das implizite Wissen in Form von Fähigkeiten, Erfahrungen und Überzeugungen (z.B. handwerkliche Fertigkeiten, technisches Knowhow, persönli- che Werte oder soziale Kompetenzen, Erfahrung). Implizites Wissen ist nach POLANYI subjektiv und nur in einem bestimmten Kontext gültig. Es ist nur schwer in Worte zu fassen und deshalb schwer zu vermitteln. Auch ist sich der Wissensträger meist nicht bewusst über sein Wissen. Die Bedeutung des Wissens kann in einer anderen Situation oder bezogen auf eine abweichende Aufgabenstellung eine neue Bedeutung annehmen.3 NONAKA UND TAKEUCHI teilen das implizite Wissen in schwer vermittelbare men- tale Modelle und (durch geeignete Maßnahmen ausdrückbare) technische Fähigkeiten und Knowhow ein, wobei sich diese Arbeit auf die Fähigkeiten und das technische Knowhow konzentriert.

2.1.2 Ontologische Dimension

Auf der ontologischen Ebene wird zwischen der Art der Wissensträger unterschieden und dabei der Transfer von individuellem hin zu organisationalem Wissen fokussiert.

Implizites Wissen kann zunächst nur einem Individuum zugeordnet werden, da dieses rein subjektiv im Kopf einer einzelnen Person existiert und an einen bestimmten Kontext gebunden ist, in dem sich das Individuum zur Zeit der Wissensschaffung und -Nutzung aufhält.

Wird implizites Wissen an andere weitergegeben oder explizites Wissen durch andere konsumiert wird es dupliziert und steht mehreren Individuen einer Gruppe (Interaktionsgemeinschaft, z.B. ein Arbeitsteam oder eine Abteilung) zur Verfügung. Die einzelnen Mitglieder dieser Gruppe können das Wissen in zukünftige Aufgaben einbringen und so auf andere Gruppen übertragen.

Durch diese Artikulation und Weitergabe steht das Wissen bald dem gesamten Unternehmen zur Verfügung, da die einzelnen Gruppen ihre Tätigkeiten bzw. ihr Wissen zur Erreichung der unternehmensweiten Ziele einsetzen. Im Zuge der Unternehmensinteraktion kann das Wissen auch zwischen Unternehmen ausgetauscht werden.

2.2 Formen der Wissensumwandlung

Nonaka und Takeuchi definieren insgesamt 4 Formen der Wissensumwandlung, die zusammen und wiederholt nacheinander durchlaufen die Wissensspirale bilden und jeweils eigene Bedingungen festlegen und Ergebnisse liefern. (s. Abbildung 2-1: Formen der Wissensumwandlung und geschaffenes Wissen).4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2-1: Formen der Wissensumwandlung und geschaffenes Wissen

2.2.1 Sozialisation

Die erste Form der Wissensumwandlung ist die Sozialisation, in der implizites Wissen zwischen zwei Wissensträgern ausgetauscht und so neues implizites Wissen entsteht. Sie definiert die Weitergabe bzw. den Austausch von Erfahrungen, Überzeugungen oder technischen Fertigkeiten auf einer nicht-formalen Ebene ohne Sprache. Dieser Austausch kann durch Beobachtung, Nachahnung oder Zusammenarbeit entstehen, wonach sich die beteiligten Wissensträger versuchen in ihr Gegenüber hineinzuversetzen und dessen Denk- und Arbeitsweise zu verstehen und so ein gemeinsames mentales Modell und tech- nische Fertigkeiten entwickeln.

Dafür ist es notwendig, dass die Wissensträger einen gemeinsamen Kontext aufweisen und beide gleichermaßen mit dem bearbeiteten Thema verbunden sind (z.B. durch ge- meinsame Erfahrungen oder fachlichen Hintergrund). Als Beispiel nennen NONAKA UND TAKEUCHI die Lehrling-Meister-Beziehung oder ganz allgemein die Ausbildung, wonach sich die Auszubildenden die Fähigkeiten und das Handwerk des Lehrenden durch Abgucken und Nachmachen aneignen. Auch wird ein Interaktionsfeld („Raum, in dem man durch häufigen und intensiven Austausch mit anderen reiche und originelle Erfah- rungen sammeln kann“5 ) vorausgesetzt, das den Austausch von Erfahrungen und menta- len Modellen fördert.

2.2.2 Externalisierung

Die Externalisierung als „Artikulation von implizitem Wissen in expliziten Komponenten“6 umfasst die Transformation von Erfahrungen, Überzeugungen oder technischen Fertigkeiten in einen formalisierten, durch andere konsumierbaren Zustand in Form von Sprache oder Text. Da implizites Wissen aber nur schwer bis gar nicht artikulierbar ist soll die Transformation durch den Einsatz von Analogien, Metaphern und Modellen gefördert werden. Eigene mentale Modelle und Fertigkeiten werden durch bildliche Sprache erklärt oder mit ähnlichen Konzepten aus anderen Bereichen verglichen und können damit durch andere verstanden und in neuen Konzepte überführt werden. NONAKA UND TAKEUCHI weisen zwar darauf hin, dass die verbale Sprache ausdrucksstärker ist als die bildliche Sprache, sehen diesen Unterschied aber als Vorteil zur Förderung des gemeinsamen Verständnisses durch zusätzliche Erklärungen.

Da es sich um einen kreativen Prozess handelt, ist bei den Wissensträgern ein gewisses Maß an Phantasie und bildlicher Sprache vorausgesetzt, ebenso ein gemeinsames mentales Modell zur Einordnung und zum Verständnis der verwendeten Analogien und Fremdkonzepte. NONAKA UND TAKEUCHI definieren den konstruktiven Dialog (Kommunikation und Diskussion) und kollektive Reflexion (gemeinsame Betrachtung und Bewertung des Geschehenen) als Bedingung für die Externalisierung.7

2.2.3 Kombination

Innerhalb der Kombination wird vorhandenes explizites Wissen mit neu gewonnenem explizitem Wissen verknüpft und so verschiedene Wissensbereiche in neuem explizitem Wissen vereint. Im Detail geht es darum, Konzepte aus verschiedenen Anwendungsbe- reichen miteinander zu verbinden und so neue Konzepte abzuleiten. „Das mittlere Ma- nagement spielt eine zentrale Rolle für die Schaffung neuer Konzepte durch kodifizierte Informationen und Kenntnisse“8. So werden Produktkonzepte der mittleren Ebene in übergeordnete Konzepte (Unternehmensvision) integriert und erhalten so eine neue Be- deutung.

Wissen in Form von Dokumenten oder Datenbanken, dem Internet oder aus Besprechun- gen und Telefonaten wird neu zusammengestellt und so für einen anderen Anwendungs- fall nutzbar gemacht (z.B. durch Hinzufügen, Sortieren, Kombinieren oder Klassifizie- ren). NONAKA UND TAKEUCHI nennen hier die Lehreinheiten in der Schule oder Ausbildung als Beispiel, aber auch Datenbanken, die Informationen aus verschiedenen Quellen einbeziehen. Sie wird als die häufigste Form der Wissenstransformation im Un- ternehmen genannt.

2.2.4 Internalisierung

Die Internalisierung schließlich definiert die Eingliederung von explizitem Wissen in vorhandenes implizites Wissen und schafft so neues implizites Wissen. Individuen erweitern ihre mentalen Modelle durch das Anwenden von explizitem Wissen und erzeugen so neue Erfahrungen und Fähigkeiten.

Im Unterschied zur Sozialisierung, bei der Individuen durch Beobachtung und Nachahmung implizites Wissen austauschen, steht hier die Verarbeitung von Sprache und Schrift im Mittelpunkt des Lernvorgangs. Dabei werden sowohl der fachliche Aspekt (z.B. technisches Know-how) als auch körperliche Erfahrungen auf nicht-fachlicher Ebene (Learning by doing, Lernen durch Anwendung) angeführt.

2.3 Die Wissensspirale

Durch die Weitergabe von individuellem Wissen auf höhere ontologische Ebenen durch die Transformation von implizitem und explizitem Wissen durch Sozialisation, Externa- lisierung, Kombination und Internalisierung entsteht eine Wissensspirale, „in der die In- teraktion von implizitem und explizitem Wissen auf dem Weg durch die ontologischen Schichten immer reicher […]“9 und somit mehrfach im Unternehmen zur Erreichung der Unternehmensziele zur Verfügung steht (s. Abbildung 2-2: Spirale der Wissensschaffung im Unternehmen):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2-2: Spirale der Wissensschaffung im Unternehmen

Nach Nonaka und Takeuchi „enthält die Externalisierung den Schlüssel zur Wissens- schaffung, weil sie aus implizitem Wissen neue explizite Konzepte schafft“10. Durch die Weitergabe von implizitem Wissen und somit der Schaffung neuer mentaler Modelle und gemeinsamer Kontexte (Sozialisierung) und dem Ausdruck in explizitem Wissen in Form von Konzepten (Externalisierung) können die wertvollen Erfahrungen einzelner an an- dere weitergegeben werden.

Auf organisationaler Ebene kann das neu gewonnene explizite Wissen aus der Externali- sierung mit vorhandenem kombiniert (Kombination) und durch (mehrere) Individuen zum Aufbau von neuem implizitem Wissen (Internalisierung) genutzt werden.

[...]


1 Vgl. Nonaka/Takeuchi (1995), S. 71ff

2 Vgl. Polanyi (1985)

3 Vgl. Polanyi (1985), S. 15ff

4 Vgl. Nonaka/Takeuchi (1997), S.75ff

5 Nonaka/Takeuchi (1997), S. 260

6 Nonaka/Takeuchi (1997), S. 77

7 Vgl. Nonaka/Takeuchi (1997), S. 85

8 Nonaka/Takeuchi (1997), S. 81

9 Nonaka/Takeuchi (1997), S. 86

10 Nonaka/Takeuchi (1997), S. 79

Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Das SECI-Modell in der Softwareentwicklung. Maßnahmen zur Unterstützung der Wissensschaffung im Unternehmen
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart  (CAS)
Veranstaltung
Wissensmanagementmodelle und -Strategien
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
32
Katalognummer
V320040
ISBN (eBook)
9783668199644
ISBN (Buch)
9783668199651
Dateigröße
1082 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
seci-modell, softwareentwicklung, maßnahmen, unterstützung, wissensschaffung, unternehmen
Arbeit zitieren
Melanie Fröscher (Autor), 2015, Das SECI-Modell in der Softwareentwicklung. Maßnahmen zur Unterstützung der Wissensschaffung im Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320040

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