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Wenn das Leben am ‚seidenen Wort‘ hängt. Die Bedeutung von Sprache für den Protagonisten Leopold Auberg in Herta Müllers Roman "Atemschaukel"

Title: Wenn das Leben am ‚seidenen Wort‘ hängt. Die Bedeutung von Sprache für den Protagonisten Leopold Auberg in Herta Müllers Roman "Atemschaukel"

Term Paper (Advanced seminar) , 2016 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Johanna M. (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Sprache in ihrer Bedeutung, ihrem Wandel und ihrer ‚Undienlichkeit‘ für den Protagonisten Leopold Auberg in Herta Müllers Roman "Atemschaukel" bilden den Kernpunkt dieser Abhandlung. Herta Müllers Roman präsentiert einen Einblick in das Leben Leopold Aubergs. Dieser wurde mit 17 Jahren im Januar 1945 aus seinem Heimatort Hermannstadt in das russische Straflager Nowo-Gorlowka deportiert und musste dort fünf Jahre Zwangsarbeit für den „Wiederaufbau“ der Sowjetunion leisten. Sechs Jahrzehnte nach seiner Rückkehr aus dem Lager offenbart er im Alter von 82 seine individuellen Erlebnisse und die daraus resultierenden Einschnitte in sein Menschsein, die in ihm bis in das erzählte ‚Jetzt‘ immer wieder aufreißende Wunden und Narben hinterlassen haben.

Sein Versuch, die traumatischen Ereignisse in Worte zu fassen, für sich selbst so erfahrbar und erträglicher zu machen, lenkt den Fokus auf die subjektive Essenz von Sprache für Leo. Diese scheint in und nach einer Situation derartiger Grenzerfahrung für menschliches Dasein das einzig bleibende Moment im Kampf gegen seinen physischen, vor allem aber psychischen Verfall zu bergen. Es ist die Macht der Worte, die Leo die Möglichkeit zur Erkenntnis aus seinem Schicksal und somit etwas Autonomie im Umgang mit körperlichen und seelischen Qualen während und nach seiner Lagerzeit verleiht. Allerdings wächst in ihm auch das peinigende Bewusstsein heran, dass diese Kraft in Konfrontation mit seinem Trauma auch an Grenzen stößt.

Es werden einige ausgewählte Textbeispiele herangezogen, da der begrenzte Rahmen der Hausarbeit eine detailliertere Untersuchung nicht ermöglicht. Aufgrund des fragmentarischen Charakters Leopolds Schilderungen und der Komplexität der einzelnen Ausdrucksformen wird eine nach den verschiedenen sprachlichen Besonderheiten differenzierte Gliederung der Arbeit für ungünstig erachtet.

Um die vielschichtigen, mit einander verknüpften Elemente der Sprache in Leos Bericht nicht mehr als nötig auseinanderzureißen, ist die Arbeit lediglich in die drei Kapitel über Sprache vor, in und nach dem Lager aufgeteilt. Auf diese Weise wird der Bedeutungswandel Leos Sprachverständnisses und somit auch der seines Welt- und Selbstbildes, bedingt durch seine sich nahezu jeglicher Vorstellungsdimension entziehenden Erlebnisse, aufgezeigt und analysiert. Dabei wird deutlich, dass sein Leben regelrecht am ‚seidenen Wort' hängt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil: Die Bedeutung der Sprache für Leopold Auberg

1. Leos Sprachverständnis vor dem Lager

2. Der Wandel der Sprache für den Lagerinsassen Leo Auberg

3. Eine Sprache für Leo nach dem Lager?

Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung und den Wandel der Sprache für den Protagonisten Leopold Auberg in Herta Müllers Roman "Atemschaukel". Im Fokus steht dabei die Frage, wie Sprache in der extremen Ausnahmesituation eines Straflagers ihre Funktion als Kommunikationsmedium verliert und stattdessen zu einem überlebenswichtigen Instrument zur psychischen Stabilisierung, Identitätsbewahrung und Weltdeutung wird.

  • Sprachverständnis vor der Deportation und soziale Ausgrenzung
  • Die Funktion von Metaphern wie "Herzschaufel", "Hungerengel" und "Atemschaukel"
  • Sprachliche Bewältigungsmechanismen unter extremem Hunger und Zwangsarbeit
  • Die Entfremdung von der Sprache nach der Rückkehr aus dem Lager
  • Das Scheitern von Kommunikation durch ein durch das Trauma deformiertes Sprachverständnis

Auszug aus dem Buch

2. Der Wandel der Sprache für den Lagerinsassen Leo Auberg

„Er hat in mir gearbeitet, mehr als alle mitgenommenen Bücher. ICH WEISS DU KOMMST WIEDER wurde zum Komplizen der Herzschaufel und zum Kontrahenten des Hungerengels. Weil ich wiedergekommen bin, darf ich das sagen: So ein Satz hält einen am Leben.“28, beschreibt der 82-jährige Leopold Auberg in seinem Rückblick die subjektive Bedeutung und Wirkung der Worte seiner Großmutter. Der Satz wird in dieser Aussage zu einem untrennbaren Nomen, einem Gegenstand. Park-Derrington und Dias bezeichnen diese Äußerung als „einen ‚versteinerten‘ Satz“29, einen „Talisman“30, er zeige „Sprache nicht als Instrument einer hic-et-nunc Kommunikation, Sprache nicht als Darstellung der Wirklichkeit, sondern als Schutz und Halt in einer haltlosen Welt. Sprache als letzte Rettung.“31 „ICH WEISS DU KOMMST WIEDER“ ist genauso fassbar und real für Leo wie die „Herzschaufel“; beide sind Gegenspieler des „Hungerengels“ und somit „als ‚Chiffre für die Hoffnung auf das Überleben, auf Wiederstand‘“32, zu begreifen. Mit dem „Hungerengel“ und der „Herzschaufel“ sind bereits an dieser Stelle des Romans zwei essentielle Metaphern für den Lagerinsassen Leopold Auberg genannt, deren Bedeutungen für den Protagonisten im Folgenden analysiert werden; einen weiteren in Verbindung zu „Herzschaufel“ und „Hungerengel“ zu untersuchenden bildhaften Ausdruck, die Zentralmetapher, nach welcher Müllers Roman betitelt ist, bildet „Atemschaukel“, erstmals im Kapitel „Meldekraut“ erwähnt33.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Romans "Atemschaukel" ein und erläutert, wie das Trauma des Lagers das Sprachverständnis des Protagonisten prägt und verformt.

Hauptteil: Die Bedeutung der Sprache für Leopold Auberg: Dieser Abschnitt bietet eine theoretische Grundlage zur Sprache, unterteilt in Denotation und Konnotation, um das veränderte Sprachverständnis des Protagonisten zu untersuchen.

1. Leos Sprachverständnis vor dem Lager: Dieses Kapitel beleuchtet Leos isolierte Situation und sein Sprachverständnis vor der Deportation, geprägt durch seine verheimlichte Homosexualität und die Passivität gegenüber seinem Schicksal.

2. Der Wandel der Sprache für den Lagerinsassen Leo Auberg: Hier wird analysiert, wie Sprache im Lager zu einem lebensnotwendigen Instrument und die Sprache selbst durch Metaphern wie den "Hungerengel" und die "Herzschaufel" radikal neu besetzt wird.

3. Eine Sprache für Leo nach dem Lager?: Das letzte Kapitel untersucht die irreparable Deformierung von Leos Sprachverständnis nach der Rückkehr und das daraus resultierende Scheitern an einer Kommunikation mit der "Normalwelt".

Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Sprache für Leopold Auberg ihre ursprüngliche Funktion verliert und aufgrund seiner traumatischen Erfahrungen im Lager in eine dauerhafte, kommunikationsunfähige Deformierung mündet.

Schlüsselwörter

Atemschaukel, Herta Müller, Leopold Auberg, Sprachverständnis, Trauma, Lageralltag, Hungerengel, Herzschaufel, Identität, Entfremdung, Metapher, Kommunikation, Überlebenskunst, Deportation, Erinnerung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die fundamentale Veränderung und die spezifische Bedeutung der Sprache für den Protagonisten Leopold Auberg in Herta Müllers Roman "Atemschaukel" unter dem Einfluss traumatischer Lagererfahrungen.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?

Zentrale Themen sind der Bedeutungswandel von Sprache, die Rolle von Metaphern als Bewältigungsstrategien im Überlebenskampf, die Auswirkung von Trauma auf das Welt- und Selbstbild sowie die Unmöglichkeit der Kommunikation nach einer extremen Grenzerfahrung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Trauma des Lagers das Sprachverständnis des Protagonisten unwiderruflich prägt und warum dieser nach seiner Rückkehr unfähig ist, sich wieder in die Sprache und Welt der "Heimatsatten" einzugliedern.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?

Die Arbeit nutzt eine textanalytische Herangehensweise, bei der ausgewählte Textbeispiele aus dem Roman herangezogen werden, um die vielschichtigen Sprachelemente Leos strukturiert zu untersuchen und in den Kontext seiner individuellen Lagererfahrung zu setzen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil ist chronologisch in die Phasen vor, während und nach dem Lager gegliedert, wobei spezifische Sprachphänomene wie die Umdeutung von Wörtern, die Wirkung von "Esswörtern" und die Funktion zentraler Metaphern intensiv analysiert werden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind das Trauma, die "Herzschaufel" als Überlebensmetapher, der "Hungerengel", die "Atemschaukel", die Sprachlosigkeit sowie die Entfremdung von Sprache und Welt.

Wie verändert sich die Bedeutung von Wörtern für Leopold Auberg im Lager?

Alltägliche Begriffe verlieren ihre ursprüngliche Bedeutung oder erhalten eine traumatische Konnotation, während Wörter, die mit dem Überleben im Hunger (z.B. Essensbezeichnungen) verknüpft sind, zu "Esswörtern" werden, die den Hunger nicht stillen, aber eine imaginäre Ersatznahrung bieten.

Warum scheitert Leopold Auberg nach seiner Rückkehr an der normalen Kommunikation?

Sein Sprachverständnis ist durch das Lager irreparabel deformiert; er hat eine "Lagersprache" internalisiert, die nicht mehr mit den Erfahrungen und dem Sprachgebrauch der Außenwelt kompatibel ist, was ihn in eine dauerhafte Isolation führt.

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Details

Title
Wenn das Leben am ‚seidenen Wort‘ hängt. Die Bedeutung von Sprache für den Protagonisten Leopold Auberg in Herta Müllers Roman "Atemschaukel"
College
RWTH Aachen University  (Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft der RWTH Aachen)
Course
Hauptseminar: Herta Müllers "Atemschaukel"
Grade
1,0
Author
Johanna M. (Author)
Publication Year
2016
Pages
24
Catalog Number
V320092
ISBN (eBook)
9783668192782
ISBN (Book)
9783668192799
Language
German
Tags
Herta Müller Atemschaukel Protagonist Leopold Auberg Leo Auberg Sprache Bedeutung der Sprache Sprache als Überlebensmittel Unsagbares Grenzen der Sprache Hungerengel Herzschaufel Homosexualität Meldekraut Schwarzpappel Mondsichelmadonna Lager Trauma Zwangsarbeit Hunger Sprache letzte Nahrung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Johanna M. (Author), 2016, Wenn das Leben am ‚seidenen Wort‘ hängt. Die Bedeutung von Sprache für den Protagonisten Leopold Auberg in Herta Müllers Roman "Atemschaukel", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320092
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