Es ist auffallend, dass der Beschäftigungspolitik seit einigen Jahren die ent-scheidende Rolle bei der Bekämpfung der ständig wachsenden Arbeitslosigkeit und beim Aufbau von Beschäftigung nicht nur aus deutscher, sondern auch aus europäischer Sicht zugebilligt wird. Dies war zuvor anders. Bis in die 90er Jahre wurde die Beschäftigungspolitik nicht als ein gemeinsam zu bekämpfendes Problem der europäischen Politik verstanden. Das lag vor allem daran, dass sich die Europäische Union (EU) und deren Mitgliedstaaten jahrzehntelang nur mit Fragen der Agrar- und Strukturpolitik, der Schaffung eines einheitlichen Binnenmarktes, der Wettbewerbspolitik sowie der Geldwertstabilität beschäftigten. Demzufolge waren die Diskussi-onen in der Europäischen Union nur von den wirtschaftspolitischen Schwerpunkten bestimmt, welches sich erst Anfang der 90er Jahre änderte. Zu die-sem Zeitpunkt flammte in ganz Europa eine Debatte zum Thema „Beschäftigungspolitik“ auf, in deren Zusammenhang auch innerhalb der Europäischen Union Fragen zum Arbeitsmarkt bis hin zur Beschäftigungspolitik dis-kutiert wurden. Um nur einen Auslöser für diese Debatte zu nennen, war die Erkenntnis, dass die wirtschaftlichen und sozialen Probleme als Folge der Erdölkrisen der letzten Jahrzehnte, der Rezession zu Beginn der 80er und der Währungskrise Anfang der 90er Jahre zum größten Teil von Europa selbstverschuldet waren. Einerseits hatte sich die europäische Integration in den Bereichen der Agrar-, Struktur- und Wettbewerbspolitik sowie bei der Schaffung eines einheitlichen Binnenmarktes und der Geldwertstabilität beschleunigt, anderer-seits verfügte die Europäische Union nicht über ausreichende arbeitsmarktpolitische Instrumente. Auch waren keine einheitlichen Strategien vorhan-den, um mit solchen makroökonomischen Schocks wie in den 70er, 80er und 90er Jahren und deren beschäftigungspolitischen Folgen umzugehen. Europa hatte keine effizient funktionierenden Rezepte gegen die hohe und hartnä-ckige Arbeitslosigkeit, gegen die Langzeitarbeitslosigkeit und andere struk-turelle Problematiken, die sich immer stärker auf den europäischen Arbeits-märkten ausbreiteten, parat. Diese Problembereiche waren bis dahin zu Gunsten der Schaffung eines europäischen Wirtschafts- und Währungs-raums, dessen oberste Ziele die Geldwertstabilität sowie die Haushaltskonsolidierung beinhalteten, unberücksichtigt geblieben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Historie der Europäischen Beschäftigungsstrategie
2.1 Begriffsdefinitionen: „Beschäftigungspolitik, Europäische Union und Europäische Kommission“
2.2 Rückblick
2.3 Weißbuch für „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“ der Europäischen Kommission von 1993
2.4 Europäischer Rat in Essen im Dezember 1994
2.5 EU-Gipfel von Amsterdam im Juni 1997
2.6 Luxemburger Beschäftigungsgipfel von 1997
2.7 Europäischer Beschäftigungspakt von 1999
2.8 Lissabon Strategie - EU-Gipfel vom März 2000
2.9 Zusammenfassung
3 Europäische Beschäftigungsstrategie, 1997
4 Beschäftigungspolitischen Leitlinien
4.1 Beschäftigungspolitische Leitlinien, 1998
4.1.1 Quantifizierung der Zielvorgaben
4.1.2 Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit
4.1.3 Entwicklung des Unternehmergeistes
4.1.4 Förderung der Anpassungsfähigkeit der Unternehmen und ihrer Arbeitnehmer
4.1.5 Stärkung der Maßnahmen für Chancengleichheit
4.2 Veränderungen der beschäftigungspolitischen Leitlinien, 1999/2000
4.2.1 Quantitative Zielvorgaben und Indikatoren
4.2.2 Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit
4.2.3 Entwicklung des Unternehmergeistes
4.2.4 Förderung der Anpassungsfähigkeit der Unternehmen und ihrer Arbeitnehmer
4.2.5 Stärkung der Maßnahmen für Chancengleichheit
4.3 Veränderungen der beschäftigungspolitischen Leitlinien, 2001/2002
4.3.1 Querschnittsziele
4.3.2 Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit
4.3.3 Entwicklung des Unternehmergeistes und Schaffung von Arbeitsplätzen
4.3.4 Förderung der Anpassungsfähigkeit der Unternehmen und ihrer Beschäftigten
4.3.5 Verstärkung der Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit für Frauen und Männer
4.4 Zusammenfassung
5 Europäische Beschäftigungsstrategie, 2003
5.1 Beschäftigungspolitische Leitlinien
5.2 Veränderungen und Auswirkungen
6 Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Diplomarbeit analysiert die Entstehung, Entwicklung und Ausgestaltung der europäischen Beschäftigungsstrategie und deren beschäftigungspolitische Leitlinien im Zeitraum von 1993 bis 2003. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie sich die europäische Beschäftigungspolitik unter den Bedingungen der Wirtschafts- und Währungsunion formte und welche Effektivität die umgesetzten Maßnahmen zur Senkung der Arbeitslosigkeit entfalteten.
- Historische Entwicklung der europäischen Beschäftigungsstrategie ab 1993
- Analyse der beschäftigungspolitischen Leitlinien und deren Veränderungsprozesse
- Untersuchung der vier Grundpfeiler (Säulen) der Strategie
- Evaluierung der quantitativen Zielvorgaben und Indikatoren
- Betrachtung der Auswirkungen der Lissabon-Strategie und des Europäischen Beschäftigungspakts
Auszug aus dem Buch
Europäische Kommission: 4.1.2 Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit
Die sieben Leitlinienpunkte dieses Schwerpunktes sahen Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und zur Verhütung von Langzeitarbeitslosigkeit vor. Des Weiteren sollte ein Übergang von passiven zu aktiven Maßnahmen auf den Arbeitsmärkten erfolgen. Zusätzlich sollte ein Partnerschaftskonzept mit den Sozialpartnern gefördert und den Jugendlichen der Übergang von der Schule in das Berufsleben erleichtert werden.
Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit und Verhütung von Langzeitarbeitslosigkeit:
- In den Leitlinien 1 und 2 wurden ganz konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, um der Entwicklung von Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit vorzubeugen bzw. zu begegnen. Zu diesem Zweck sollten Strategien ausgearbeitet werden, die auf eine Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit ausgerichtet sind. Grundlage hierfür sollte die frühzeitige Ermittlung von individuellen Bedürfnissen des einzelnen Arbeitslosen sowie des Arbeitsmarktes sein.
- Als konkrete Maßnahme sah die Leitlinie 1 vor, dass allen Jugendlichen ein Neuanfang in Form einer Ausbildung, einer Umschulung, einer Berufserfahrung, eines Arbeitsplatzes oder einer anderen beschäftigungsfördernden Maßnahme ermöglicht wird, bevor sie sechs Monate arbeitslos sind.
- Durch die Leitlinie 2 sollte arbeitslosen Erwachsenen durch eines der in Leitlinie 1 genannten Mittel oder genereller durch individuelle Betreuung in Form von Berufsberatung ebenfalls ein Neuanfang ermöglicht werden, bevor sie zwölf Monate arbeitslos sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der europäischen Beschäftigungspolitik ein und erläutert den Aufbau sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2 Historie der Europäischen Beschäftigungsstrategie: Dieses Kapitel zeichnet den politischen Prozess nach, der von den ersten Ansätzen 1993 bis zum Beginn der EBS 1997 führte, und definiert zentrale Begriffe.
3 Europäische Beschäftigungsstrategie, 1997: Es wird die Ausgangssituation im Jahr 1997 analysiert, die durch hohe Arbeitslosigkeit und strukturelle Probleme geprägt war.
4 Beschäftigungspolitischen Leitlinien: Hier werden die jährlichen Leitlinien, ihre Struktur in vier Säulen und die inhaltlichen Anpassungen von 1998 bis 2002 detailliert dargestellt.
5 Europäische Beschäftigungsstrategie, 2003: Dieses Kapitel betrachtet die Neuausrichtung und Vereinfachung der Strategie im Jahr 2003 inklusive der Integration der Lissabon-Ziele.
6 Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und bewertet den Stellenwert sowie die Wirksamkeit der europäischen Beschäftigungsstrategie.
Schlüsselwörter
Europäische Beschäftigungsstrategie, Arbeitslosigkeit, Beschäftigungspolitik, Europäische Kommission, Beschäftigungsleitlinien, Lissabon-Strategie, Arbeitsmarktpolitik, Arbeitsplatzschaffung, Gender Mainstreaming, Aktives Altern, Lebenslanges Lernen, Beschäftigungsfähigkeit, Strukturwandel, Wirtschafts- und Währungsunion, Monitoring.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Entstehung und Entwicklung der europäischen Beschäftigungsstrategie (EBS) sowie deren Instrumente, wie die beschäftigungspolitischen Leitlinien der Europäischen Union.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Arbeitsmarktproblematiken in Europa, die Entwicklung der vier Säulen der EBS, die Rolle der Europäischen Kommission und die Bedeutung von nationalen Aktionsplänen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die Entwicklung der europäischen Beschäftigungspolitik von 1993 bis 2003 aufzuzeigen und zu analysieren, wie diese auf die strukturellen Arbeitsmarktprobleme der Mitgliedstaaten reagierte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Dokumentenanalyse, welche die Entwicklung der Verträge, Gipfelbeschlüsse und Leitlinien der EU chronologisch auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Historie der Strategie, der detaillierten Analyse der beschäftigungspolitischen Leitlinien von 1998 bis 2003 sowie der Überprüfung der Erfolge anhand von Schlüsselindikatoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Beschäftigungsstrategie, Arbeitslosigkeit, beschäftigungspolitische Leitlinien, Lissabon-Strategie und Monitoring charakterisiert.
Wie bewertet die Autorin den Einfluss der europäischen auf die nationale Beschäftigungspolitik?
Die Autorin stellt fest, dass es methodisch schwierig ist, den direkten Einfluss der EBS auf nationale Arbeitsmärkte zu isolieren, betont jedoch den positiven Beitrag der Strategie zur Verbesserung des Erfahrungsaustauschs zwischen den Mitgliedstaaten.
Warum gilt die Lissabon-Strategie als bedeutender Meilenstein in der Arbeit?
Die Lissabon-Strategie wird als Wendepunkt hervorgehoben, da sie erstmals konkrete, nachprüfbare wirtschaftliche Ziele zur Erreichung der Vollbeschäftigung definierte und die EBS stärker auf die wissensbasierte Gesellschaft ausrichtete.
- Quote paper
- Karola Schmelzer (Author), 2004, Analyse der europäischen Beschäftigungsstrategie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32015