Studien-/Hausarbeit aus dem Fachbereich VWL (Kurs: Wirtschaftspolitik) - FOM Hochschule für Oekonomie & Management Frankfurt - Note: 1,0 //
Abstract: Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich mit einem Vergleich zur Geldpolitik der Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank. Die These, wonach die geldpolitische Ausrichtung der EZB in Tradition der Bundesbank steht, bildet eine viel diskutierte Thematik in der Forschungsliteratur. Die „Entmachtung“ der Bundesbank als geldpolitische Institution im Jahr 1999 stellte einen gravierenden Veränderungsprozess dar, welcher insbesondere in Deutschland für großes öffentliches Interesse sorgte. In den Jahren zuvor hatte es die Bundesbank geschafft, sich im Bereich der geldpolitischen Kompetenz international eine hohe Reputation zu erarbeiten. Gerade vor dem Hintergrund der geldpolitischen Erfolge der Bundesbank stellt sich daher die Frage, in welchem Umfang die Struktur der Bundesbank die neu gegründete Zentralbank der Eurozone beeinflusst hat. Eine hohe Aktualität der Thematik ergibt sich zudem aus den Entwicklungen im Zuge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise seit 2009, insbesondere die unkonventionellen geldpolitischen Reaktionen der EZB und die öffentliche Kritik durch Repräsentanten der Bundesbank haben zu einer Intensivierung der öffentlichen Diskussion geführt. Das Thema bietet zusätzlich den interessanten Ansatzpunkt, die grundsätzliche Funktion der Zentralbanken unter makroökonomischen Gesichtspunkten zu analysieren. Ziel der Arbeit ist es zu erörtern, ob die Geldpolitik der EZB grundsätzlich in Kontinuität zur Deutschen Bundesbank steht und welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Bereich der strategischen Ausrichtung sowie praktischen Durchführung auftreten. Zur Beantwortung dieser Kernfrage wird in der Ausarbeitung auf Grundlage einer Literaturrecherche analysiert, unter welchen Kriterien die Europäische Zentralbank gebildet wurde und was die EZB im Vergleich zur Bundesbank verändert hat. Als weiterer Kernpunkt wird die geldpolitische Struktur der EZB ab 1999 erörtert und Parallelen zur vormaligen Geldpolitik der Bundesbank analysiert. Zur Ergänzung werden zusätzlich prägnante Änderungen und Aspekte in der EZB-Politik im Zuge der Finanzkrise dargelegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Einführung zur Geldpolitik
2.1 Quantitätstheorie des Geldes
2.2 Transmissionsmechanismen der Geldpolitik
3. Die geldpolitische Strategie: Unterschiede und Gemeinsamkeiten
3.1 Die vormalige Strategie der Deutschen Bundesbank
3.2 Die Zwei-Säulen-Strategie der Europäischen Zentralbank
4. Die geldpolitischen Instrumente der Bundesbank und der EZB im Vergleich
4.1 Offenmarktgeschäfte
4.2 Ständige Fazilitäten
4.3 Mindestreservepolitik
5. Abschließende Beurteilung anhand der Taylor-Regel
5.1 Die Reaktionsfunktion von John B. Taylor
5.2 Vergleich der Geldpolitik von Bundesbank und EZB anhand der Taylor-Regel
6. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die geldpolitische Kontinuität zwischen der ehemaligen Deutschen Bundesbank und der Europäischen Zentralbank (EZB). Das primäre Ziel ist es zu erörtern, ob die EZB die stabilitätsorientierte Tradition der Bundesbank fortführt oder ob bei der strategischen Ausrichtung und praktischen Durchführung signifikante Unterschiede bestehen.
- Vergleich der geldpolitischen Strategien (Geldmengensteuerung vs. Zwei-Säulen-Strategie)
- Analyse der geldpolitischen Instrumente im praktischen Einsatz
- Beurteilung der Zinspolitik mittels der Taylor-Regel
- Einfluss der globalen Finanzkrise auf die geldpolitische Wahrnehmung
- Untersuchung von Kontinuität und Differenz in der institutionellen Praxis
Auszug aus dem Buch
3.1 Die vormalige Strategie der Deutschen Bundesbank
Den Schwerpunkt der geldpolitischen Strategie der Deutschen Bundesbank bildete die sogenannte Geldmengensteuerung, als erste Zentralbank weltweit wechselte die Bundesbank bereits 1974 zur Strategie der expliziten Geldmengensteuerung und verfolgte diese bis zum Beginn der einheitlichen Geldpolitik des Eurosystems im Jahr 1999. Die Bundesbank definierte Zielwerte zur Entwicklung der Geldmenge und Reaktionen für den Fall einer Abweichung von der tatsächlichen Entwicklung. Ab 1974 legte die Bundesbank bereits explizite jährliche Zwischenziele für die Ausweitung der Geldmenge im Folgejahr fest, zunächst für die allgemeine Menge an Zentralbankgeld und ab 1988 schließlich für das breite Geldmengenaggregat M3. Ermittelt wurde das Geldmengenziel, in Verbindung zur Quantitätstheorie, aus dem Wachstum des Produktionspotenzials, dem normativen Anstieg des Preisniveaus sowie der monetären Umlaufgeschwindigkeit.
Die Geldpolitik der Bundesbank war grundsätzlich auf eine mittel- bis langfristige Zielerreichung der Geldwertstabilität ausgerichtet. Mit ihrer Strategie zur Regulierung der Geldmenge verfolgte die Bundesbank einen monetaristischen geprägten Ansatz der Geldpolitik. Die geldpolitische Strategie der Bundesbank erscheint vor dem Hintergrund der Einhaltung des definierten Geldmengenziels zunächst wenig erfolgreich, so wurden die Ziele durchschnittlich rund zur Hälfte verfehlt, teilweise mit erheblichen Abweichungen. Die vermehrte Zielverfehlung zeigt auf, dass weitere Variablen für die geldpolitische Ausrichtung der Bundesbank wichtig waren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert die Forschungsfrage und den Vergleich zwischen Bundesbank und EZB im historischen Kontext.
2. Theoretische Einführung zur Geldpolitik: Erläutert die Grundlagen der Quantitätstheorie des Geldes und die Transmissionsmechanismen.
3. Die geldpolitische Strategie: Unterschiede und Gemeinsamkeiten: Kontrastiert die Geldmengensteuerung der Bundesbank mit der Zwei-Säulen-Strategie der EZB.
4. Die geldpolitischen Instrumente der Bundesbank und der EZB im Vergleich: Analysiert operative Unterschiede bei Offenmarktgeschäften, ständigen Fazilitäten und der Mindestreservepolitik.
5. Abschließende Beurteilung anhand der Taylor-Regel: Vergleicht die Zinspolitik beider Institutionen mithilfe mathematischer Reaktionsfunktionen.
6. Zusammenfassung und Fazit: Führt die Ergebnisse zusammen und bewertet die Kontinuität der EZB gegenüber dem Bundesbank-Modell.
Schlüsselwörter
Geldpolitik, Deutsche Bundesbank, Europäische Zentralbank, EZB, Preisstabilität, Taylor-Regel, Geldmengensteuerung, Zwei-Säulen-Strategie, Transmissionsmechanismus, Inflationskontrolle, Finanzkrise, Leitzins, Offenmarktgeschäfte, Mindestreserve, Währungsunion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank in der Tradition der Deutschen Bundesbank steht und wo die Unterschiede in Strategie und Instrumentarium liegen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Geldmengenstrategie der Bundesbank, der Zwei-Säulen-Strategie der EZB sowie dem praktischen Einsatz geldpolitischer Instrumente.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine neutrale Beurteilung der geldpolitischen Kontinuität und Divergenz zwischen Bundesbank und EZB seit der Übertragung der geldpolitischen Kompetenz 1999.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Analyse geldpolitischer Reaktionsfunktionen, insbesondere der sogenannten Taylor-Regel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Ansätze, vergleicht Strategien und Instrumente wie Offenmarktgeschäfte und ständige Fazilitäten und evaluiert diese anhand der Taylor-Regel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Geldpolitik, Preisstabilität, EZB, Bundesbank, Taylor-Regel und Transmissionsmechanismen.
Wie unterscheidet sich die Zwei-Säulen-Strategie der EZB von der Bundesbank?
Während die Bundesbank primär auf die direkte Steuerung der Geldmenge fokussierte, nutzt die EZB zwei Säulen (wirtschaftliche und monetäre Analyse), wobei die Geldmenge M3 heute primär als Indikator dient.
Welche Rolle spielt die Taylor-Regel für das Fazit der Arbeit?
Die Taylor-Regel dient als mathematisches Vergleichsinstrument, das aufdeckt, dass die EZB in ihrer Zinspolitik tendenziell stärker auf die Produktionslücke reagiert als die Bundesbank.
- Arbeit zitieren
- Tobias Kanthak (Autor:in), 2016, Geldpolitik der Bundesbank und der EZB. Unterschiede und Gemeinsamkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320158