Der Duden ordnet die Präpositionen in der deutschen Sprache den unflektierbaren Wortarten zu. Dabei gibt es im Deutschen einige Präpositionen-Artikel-Enklitika, die auf eine Entwicklung hin zu flektierenden Präpositionen hinweisen könnten.
Obwohl es schon im Althochdeutschen „zu Kontraktionen und Zusammenschreibungen zwischen Präposition und Artikel“ kam, findet dieses Phänomen erst seit einigen Jahren in der deutschen Sprachforschung Beachtung. SCHIERING sieht den Grund hierfür in der Heterogenität des Phänomens: Es gibt im heutigen Deutsch einige Verschmelzungsformen, die bereits obligatorisch sind, andere existieren als Varianten neben den unverschmolzenen Formen und einige Formen sind generell blockiert und lassen sich nicht miteinander verbinden.
Beim Versuch dieses Phänomen einzuordnen, war in der Forschung von rein phonologischer Klitisierung bis hin zur Flexion die Rede. Seit der Grammatikalisierungsforschung, die sich mit dem diachronen Prozess beschäftigt, bei dem aus Funktionswörtern und Inhaltswörtern Flexionsmorphologie entsteht, lässt sich das Phänomen besser einordnen. Es ist in der Forschung unbestritten, dass sich die Präposition-Artikel-Enklise mit den Parametern von LEHMANN beschreiben lässt und somit als Grammatikalisierung zu benennen ist.
Da es jedoch einige Präpositionen und Artikel gibt, die nicht verschmelzen, sondern eine Verschmelzungsblockade darstellen, entsteht eine Lücke im Paradigma, die in der Grammatikalisierungsforschung für Diskussion sorgt und den grammatischen Status dieser Formen in Frage stellt.
Insbesondere NÜBLING hat sich in ihrem Aufsatz „Von in die über in’n und ins bis im. Die Klitisierung von Präposition und Artikel als ‚Grammatikalisierungsbaustelle‘“ (2005) mit der Einordnung des Phänomens in die Grammatikalisierungsforschung beschäftigt und schließt ihre Untersuchungen mit der Behauptung, dass die Grammatikalisierung dieses Phänomens seit Jahrhunderten stagniere und in gewisser Hinsicht sogar rückläufig sei. Bei ihrer Untersuchung hat sie sich jedoch auf die synchrone Betrachtung von schriftsprachlichem Material beschränkt und erwähnt, dass eine diachrone Untersuchung und die Einbeziehung der gesprochenen Umgangssprache weitere Erkenntnisse liefern könnten. Daher sollen in der vorliegenden Arbeit zunächst die Ergebnisse von NÜBLING dargestellt und durch eine diachrone Betrachtung ergänzt werden. Schließlich werden die bisherigen Ergebnisse durch die Untersuchung eigener empirischer Daten überprüft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. NÜBLINGS Grammatikalisierungsbaustelle – synchrone Betrachtung
2.2. Ergänzungen durch CHRISTIANSEN – diachrone Betrachtung
3. Empirische Untersuchung
3.1. Korpus und Methode
3.2. Quantitative Analyse
3.3. Qualitative Analyse
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Präposition-Artikel-Enklise im Deutschen mit dem Ziel, die von Damaris Nübling aufgestellte These einer stagnierenden "Grammatikalisierungsbaustelle" anhand diachroner Daten und eigener empirischer Untersuchungen zu überprüfen.
- Grammatikalisierungsprozesse von Präposition-Artikel-Verschmelzungen
- Vergleich zwischen schriftsprachlichen Daten und Forenkommunikation
- Analyse von speziellen und einfachen Klitika
- Einfluss von Kookkurrenzfrequenz und Sonorität
- Untersuchung von Ausbau- oder Abbautendenzen in der aktuellen Sprache
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Der Duden ordnet die Präpositionen in der deutschen Sprache den unflektierbaren Wortarten zu (Duden Grammatik 2009, 600). Dabei gibt es im Deutschen einige Präpositionen-Artikel-Enklitika, die auf eine Entwicklung hin zu flektierenden Präpositionen hinweisen könnten (SCHIERING 2005, 52). Obwohl es schon im Althochdeutschen „zu Kontraktionen und Zusammenschreibungen zwischen Präposition und Artikel“ kam, findet dieses Phänomen erst seit einigen Jahren in der deutschen Sprachforschung Beachtung (NÜBLING 2005, 105f.). SCHIERING sieht den Grund hierfür in der Heterogenität des Phänomens (SCHIERING 2005, 53): Es gibt im heutigen Deutsch einige Verschmelzungsformen, die bereits obligatorisch sind, andere existieren als Varianten neben den unverschmolzenen Formen und einige Formen sind generell blockiert und lassen sich nicht miteinander verbinden.
Beim Versuch dieses Phänomen einzuordnen, war in der Forschung von rein phonologischer Klitisierung (SCHAUB 1979; DEDENBACH 1978) bis hin zur Flexion (HINRICHS 1984, 1986; PRINZ 1991) die Rede (vgl. SCHIERING 2005, 53). Seit der Grammatikalisierungsforschung (HOPPER/TRAUGOTT 1993; LEHMANN 1995), die sich mit dem diachronen Prozess beschäftigt, bei dem aus Funktionswörtern und Inhaltswörtern Flexionsmorphologie entsteht (SCHIERING 2005, 53), lässt sich das Phänomen besser einordnen. Es ist in der Forschung unbestritten, dass sich die Präposition-Artikel-Enklise mit den Parametern von LEHMANN (LEHMANN 1995[1982], 123) beschreiben lässt und somit als Grammatikalisierung zu benennen ist (SZCZEPANIAK2011, 86; Nübling 2005, 107).
Da es jedoch einige Präpositionen und Artikel gibt, die nicht verschmelzen, sondern eine Verschmelzungsblockade (NÜBLING 2005, 106) darstellen, entsteht eine Lücke im Paradigma, die in der Grammatikalisierungsforschung für Diskussion sorgt und den grammatischen Status dieser Formen in Frage stellt (SCHIERING 2005, 54). Insbesondere NÜBLING hat sich in ihrem Aufsatz „Von in die über in’n und ins bis im. Die Klitisierung von Präposition und Artikel als ‚Grammatikalisierungsbaustelle‘“ (2005) mit der Einordnung des Phänomens in die Grammatikalisierungsforschung beschäftigt und schließt ihre Untersuchungen mit der Behauptung, dass die Grammatikalisierung dieses Phänomens seit Jahrhunderten stagniere und in gewisser Hinsicht sogar rückläufig sei (NÜBLING 2005, 123).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Phänomen der Präposition-Artikel-Enklise, Vorstellung des Forschungsstandes und Darlegung der zentralen These zur Stagnation der Grammatikalisierung.
2. Theoretischer Hintergrund: Darstellung der synchronen Betrachtung durch Nübling und der ergänzenden diachronen Analyse durch Christiansen.
3. Empirische Untersuchung: Beschreibung der Methodik der Forenanalyse sowie Präsentation und Diskussion der quantitativen und qualitativen Ergebnisse.
4. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und kritische Reflexion hinsichtlich der These einer "Grammatikalisierungsbaustelle".
Schlüsselwörter
Präposition-Artikel-Enklise, Grammatikalisierung, Klitisierung, Verschmelzungsformen, Kookkurrenzfrequenz, Forenkommunikation, konzeptionelle Mündlichkeit, einfache Klitika, spezielle Klitika, Allegroformen, Sprachwandel, Mittelhochdeutsch, Frühneuhochdeutsch, Sprachforschung, Flexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das linguistische Phänomen der Verschmelzung von Präposition und Artikel zu sogenannten Klitika im Deutschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Grammatikalisierungstheorie, die diachrone Entwicklung der deutschen Sprache sowie die Analyse aktueller, konzeptionell mündlicher Texte aus Internetforen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Behauptung von Damaris Nübling zu hinterfragen, wonach die Grammatikalisierung dieses Phänomens seit Jahrhunderten stagniere.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse (theoretischer Teil) und einer empirischen Korpusanalyse mithilfe der Software AntConc (praktischer Teil).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Nübling- und Christiansen-Positionen sowie eine eigene empirische Untersuchung von Daten aus drei verschiedenen Internetforen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Grammatikalisierung, Präposition-Artikel-Enklise, Kookkurrenzfrequenz und konzeptionelle Mündlichkeit.
Wie unterscheidet sich das Forenkorpus von Nüblings Daten?
Nübling untersuchte vorwiegend formelle Zeitungstexte, während die vorliegende Arbeit Forentexte heranzieht, die durch ihre konzeptionelle Mündlichkeit dem gesprochenen Sprachgebrauch näherstehen.
Welches Ergebnis liefern die empirischen Daten hinsichtlich der "Stagnation"?
Die Analyse zeigt im Vergleich zu Nüblings Ergebnissen eine höhere Anzahl an Klitika-Formen, die gegenüber der Vollform überwiegen, was gegen eine reine Stagnation spricht.
- Arbeit zitieren
- Julia Dornfeld (Autor:in), 2015, Die Klitisierung von Präposition und Artikel. Stagnierende Grammatikalisierungsbaustelle oder laufender Prozess?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320211