Stabilisierungspolitik. Ziele, Konzepte, Preisstabilität


Seminararbeit, 2004
23 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitender Gedanke

2. Stabilisierungspolitik und ihre Ziele

3. Wirtschaftspolitische Konzepte der Stabilisierungspolitik
3.1 Klassischer ökonomischer Liberalismus versus Keynesianismus
3.2 Die Philippskurve – Zielkonflikt zwischen Vollbeschäftigung und Preisstabilität

4. Preisstabilität als ein Ziel der Wirtschaftspolitik
4.1 Geldpolitische Instrumente des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB)
4.1.1 Offenmarktpolitik
4.1.2 Mindestreservepolitik
4.1.3 Ständige Fazilitäten

5. Schlusswort

6. Quellenverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitender Gedanke

Ich werde mich im Rahmen dieser Arbeit mit drei Themenkomplexen beschäftigen. Zum einen sind dies die grundlegenden Modelle der Makroökonomie. Ich habe während des Studiums mehrfach feststellen können, dass diese grundlegenden Theorien in Verbindung mit ihren historischen Hintergründen das Verständnis weitgehender ökonomischer Zusammenhänge erleichtert.

Im ersten Themenkomplex meiner Arbeit gehe ich auf die vier wirtschaftspolitischen Ziele ein und versuche hier auch die Entstehung und die Legitimation derer näher zu beleuchten.

Im zweiten Themenkomplex möchte ich auf die wirtschaftspolitischen Konzepte der Stabilisierungspolitik eingehen. Dabei befasse ich mich ausführlich mit dem klassischen ökonomischen Liberalismus und stelle diesem den Keynesianismus gegenüber. Danach möchte ich mit iHilfe HilHilfe der Phillipskurve den Zielkonflikt zwischen Vollbeschäftigung und Preisstabilität in den Focus meiner Betrachtungen ziehen.

Im dritten Teil meiner Hausarbeit möchte ich kurz auf die Preisstabilität als eines der Ziele der Wirtschaftspolitik eingehen und dadurch die wichtige Rolle und Aufgabe des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB) mit der Europäischen Zentralbank (EZB) an deren Spitze und ihrem geldpolitischen Instrumentarium verdeutlichen

Zunächst möchte ich mir jedoch eine Definition von Stabilitätspolitik heranziehen um einen kurzen Überblick über den Begriff zu geben.

Def. lt. Brockhaus Wirtschaft: Stabilitätspolitik, Stabilisierungspolitik: im weiteren Sinn die Gesamtheit aller wirtschaftpolitischen Maßnahmen, um den Wirtschaftsablauf zu stabilisieren und die Volkswirtschaft möglichst im gesamtwirtschaftlichen Gleichgewicht zu halten. Zu diesem Zweck dient v. a. das Stabilitätsgesetz. Im engeren Sinn wird unter Stabilitätspolitik eine Politik der Stabilisierung des Preisniveaus verstanden (Preispolitik). Die Stabilitätspolitik im weiteren Sinn basiert auf drei Säulen: Geld-, Fiskal- und Einkommenspolitik. Träger der Geldpolitik ist meistens eine von der Regierung unabhängige Zentralbank. In der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) wird diese Funktion von der Europäischen Zentralbank (EZB) bzw. dem Europäischen System der Zentralbanken wahrgenommen (ESZB). Mithilfe der geldpolitischen Instrumente kann die EZB die Geldversorgung der Wirtschaft und die Geldmarktzinssätze steuern. Liquiditätsverknappung und Zinserhöhung bewirken tendenziell einen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und damit eine Dämpfung des Preisauftriebs sowie einen Rückgang der Beschäftigung. Die öffentlichen Haushalte können mit den Instrumenten der Fiskalpolitik ebenfalls stabilisierend wirken. Bei der Einkommenspolitik geht es darum, die Entwicklung von Kosten und Preisen direkt zu beeinflussen. Sie setzt bei der Entstehung der Einkommen v. a. der Löhne und Gewinne an und nicht erst bei ihrer Verwendung für Ausgaben oder Ersparnisbildung. Es soll erreicht werden, dass die Anbieter von Arbeit und von Gütern im gesamtwirtschaftlichen Interesse nicht alle Möglichkeiten der Lohn- und Preissteigerung ausschöpfen, trotz Tarifautonomie und Preisfestsetzungsautonomie der Unternehmen.[1]

2. Stabilisierungspolitik und ihre Ziele

Die Wirtschaftspolitik lässt sich unterschiedlich untergliedern – gliedert man diese unter dem Gesichtspunkt der Bedeutung, spaltet sie sich in Ordnungspolitik, Strukturpolitik und Prozesspolitik. Als Ziel der Wirtschaftspolitik gilt das „magische Viereck“. Diese Ziele sind ein Ergebnis aus vielschichtigen Wertungs- und Willensbildungsprozessen. Längeranhaltende Arbeitslosigkeit, Preissteigerungen, sowie Störungen im außenwirtschaftlichen Gleichgewicht beeinflussen das Wirtschaftssystem. Stabilität wird deshalb als ein zentrales wirtschaftspolitisches Ziel anerkannt.

In der Nachkriegszeit standen in wirtschaftspolitischer Hinsicht in der Bundesrepublik Deutschland Wiederaufbau und die Erreichung von Vollbeschäftigung im Mittelpunkt. Aufgrund der negativen Auswirkungen des Frühkapitalismus im 19. Jahrhundert einerseits und der Erfahrung mit der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches andererseits bemühte man sich nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland das Individual- und Kollektivprinzip in sinnvoller Weise in einer neuen Wirtschaftsordnung zu kombinieren. Hierzu wurde das Konzept der freien Marktwirtschaft mit Elementen angereichert, die den sozialen Belangen in besonderer Weise Rechnung tragen.

Die „neue Wirtschaftsordnung“ die man unter dem Begriff soziale Marktwirtschaft zusammenfasst ist durch den Neoliberalismus geprägt und versucht die Ordnung des Wettbewerbs durch die Selbststeuerungskräfte des Marktes zu stärken. Mit der Wirtschafts- und Währungsreform im Jahre 1948 kam es zu einen enormen Wirtschaftsaufschwung, der eine Steigerung des Wohlstandes zur Folge hatte.

Durch die Instandsetzung der Anlagen in der Nachkriegzeit, wurde eine rasche Steigerung der Produktion bewirkt. Die Arbeitslosenquote sank von 10,4 % im Jahre 1950 auf 1,2 % im Jahre 1960. Die Auswirkungen des greifenden Marshall-Plans machten den Wiederaufbau schnell deutlich. Durch die finanzielle Unterstützung war es möglich, spezielle Anlagen und fehlende Rohstoffe zu importieren. Die Gewerkschaften blieben mit ihren Forderungen vorsichtig und leisteten damit auch einen Beitrag beim Aufbau. Somit konnten Investitionen gestärkt und Arbeitsplätze geschaffen werden.

Mit der im Jahre 1960 erlangten Arbeitslosenquote von 1,2 Prozentpunkten schien die schleichende Inflation ein Problem zu werden. Die hohe Nachfrage der Bevölkerung nach Konsumgütern hatte zur Folge, dass der Angebotsüberschuss auf dem Arbeitsmarkt verschwand. Mit dem Ausbleiben der Flüchtlingsströme und der Teilung Deutschlands, entstand ein Mangel an Arbeitskräften um der Nachfrage der Konsumgüter nachzukommen und so sah man als Lösung des Problems, ausländische Arbeitskräfte zu „rekrutieren“.

Durch die Übermachtstellung der Gewerkschaften, die sich auf der besseren Position als die Arbeitsgeber verstanden, wurde nun auch die Zurückhaltung in Hinblick auf Lohnerhöhungen aufgegeben. Dadurch stiegen letztlich auch die Preise, da sich die Kosten der Arbeitsgeber erhöhten. (Lohninduzierte Inflation) Somit war ein Ziel der Wirtschaftspolitik vorgegeben – nämlich das der Preisstabilität. Durch geld- und fiskalpolitische Maßnahmen versuchte die Wirtschaftspolitik das private Einkommen zu reduzieren und dadurch die emenze Nachfrage nach Konsum zu dämmen.

Die Preisniveaustabilität wird ferner für die Exportorientierung der Bundesrepublik wichtig. Durch den Außenhandel wurde ein enormer Wachstumsschub in der deutschen Wirtschaft deutlich. Durch die Einführung der Währungskonvertibilität im Jahre 1958 kommt es infolge der hohen Exportüberschüsse zu einer Akkumulation von Devisen in Deutschland. Die inländische Geldmenge wächst und führt durch die hohe Produktion von Exportgütern zu inflationären Tendenzen.

Deshalb wird im weiterem das Ziel verfolgt, ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht zu schaffen (Zahlungseingang und –ausgang im internationalen Verkehr gleichen sich aus).

Das Ziel von wirtschaftlichem Wachstum ist bei der allgemeinen Wohlstandszielsetzung der Wirtschaftssubjekte unabdingbar. Mit der Abschwächung des wirtschaftlichen Wachstums im Jahre 1966/67 (BSP im Jahre 1966 à 2,5 % und im Folgejahr à -0,1 %) wird das nächste Ziel der Wirtschaftspolitik deutlich.

1967 tritt das Stabilitätsgesetz in Kraft und beinhaltet: Vollbeschäftigung, Preisstabilität, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und ein angemessenes Wirtschaftswachstum.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Werte des „magischen Vierecks“ (1993-1997)[2]

3. Wirtschaftspolitische Konzepte der Stabilisierungspolitik

3.1 Klassischer ökonomischer Liberalismus versus Keynesianismus

Seit dem 16. Jahrhundert, wo der Merkantilismusgedanke (Handel treiben) Ausgangspunkt der Wirtschaftspolitik war, hat die Frage nach den Ursachen des Wohlstandes im Mittelpunkt des wirtschaftlichen Handelns und Denkens gestanden. Des weiteren stand ebenso auch die Rolle des Staates im Mittelpunkt der Betrachtung.

Ende des 18. Jahrhunderts forderte der klassische ökonomische Liberalismus Freiheiten in Hinblick auf Dispositionen und Selbstständigkeit in der Wirtschaft. Der Staat sollte lediglich nur eine untergeordnete Rolle einnehmen und seine Tätigkeit auf unumgängliche, hoheitliche Aufgaben konzentrieren (Schaffung und Überwachung von einer Rechtordung). Der „Nachtwächterstaat“ sollte einen ordnungspolitischen Rahmen abgrenzen – somit wäre es gewährleistet, dass die wirtschaftlichen Grundfreiheiten wie Gewerbefreiheit, freier Wettbewerb und Freihandel realisiert werden könnten.

Die Wurzeln des klassischen Wirtschaftsliberalismus liegen in der Zeit der Aufklärung. Vernunft stand hier an oberster Stelle. Nach Ansicht der Aufklärung, wonach jeder Mensch nach Vernunft handelt und somit auch rational handelt, entsteht ein natürliches Recht auf Freiheit in allen Bereichen des Lebens, auch in dem der Wirtschaft. Adam Smith[3] (1723-1790) veröffentliche 1776 das Werk „Der Wohlstand der Nationen“. Aus diesem Buch resultieren auch die wesentlichen Punkte des Marktmodells. Smith vertritt die Auffassung, dass die eigennützige Verfolgung der Interessen des Individuums zum allgemeinen Wohlstand führt.

Der Bereicherungstrieb bringe nur die bereits schon vorhandenen menschlichen Eigenschaften hervor.

Die Einzelinteressen werden am freiem Markt durch Angebot und Nachfrage koordiniert und durch den Preis- und dem Wettbewerbsmechanismus gesteuert. Die Marktform der vollkommenen Konkurrenz ist die beste Voraussetzung für die Versorgung der Wirtschaftssubjekte und stellt sicher, dass die „unsichtbare Hand“ des Preis- und Wettbewerbsmechanismus ungehindert funktionieren kann.

[...]


[1] Seißinger-Gräber, Ute, 549

[2] Walter, Maximilian,15

[3] Smith, Adam (1723-1790): Moralphilosoph und Nationalökonom; Hauptwerk: Der Wohlstand der Nationen; Begründer der klassischen Nationalökonomie. Smith betrachtet die menschliche Arbeit und Arbeitsteilung als Quelle des Wohlstandes.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Stabilisierungspolitik. Ziele, Konzepte, Preisstabilität
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Institut für ökonomische Bildung)
Veranstaltung
Stabilisierungspolitik
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V320362
ISBN (eBook)
9783668190221
ISBN (Buch)
9783668190238
Dateigröße
1105 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stabilisierungspolitik, Preisstabilität
Arbeit zitieren
Daniel von Kirchner (Autor), 2004, Stabilisierungspolitik. Ziele, Konzepte, Preisstabilität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320362

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