Sozialisation. Ihre Bedeutung für den Lehrerberuf


Essay, 2007

3 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Dieser Essay soll sich mit der Thematik und den Theorien der Sozialisation als gesamtgesellschaftlicher Prozess befassen. Dabei wird zunächst eine allgemeine Erörterung des Begriffs „Sozialisation“ sowie die Beleuchtung eines klassischen Prinzips der Verhaltenstheorie bzw. Psychologie erfolgen. Zusätzlich sollen die gewonnenen Erkenntnisse in Hinsicht auf den Beruf des Lehrers betrachtet werden.

Sozialisation bezeichnet die Prägung und Formung eines Individuums durch Interaktion mit einer Gesellschaft. Wie der Begriff Interaktion schon andeutet handelt es sich hierbei nicht um eine einseitige Formung, sondern um einen wechselseitigen Prozess. Dabei wird der Mensch sowohl durch aktive als auch unabsichtliche Handlungen der Mitmenschen in seiner Umwelt geprägt und in die Gesellschaft integriert. Somit bedeutet Sozialisation mehr als reine Erziehung; es wird jegliche Form äußerer Einflüsse und Beeinflussung einbezogen.

Ohne eine Form von Sozialisation würde das Zusammenspiel von einzelnen Individuen und ihrer Gesamtheit als Gesellschaft nicht funktionieren, da ein eigenständiges „funktionierendes“ Leben in einer Gesellschaft nicht selbstverständlich bzw. angeboren ist. Durch seine stetige Entwicklung durchläuft jedes Individuum einen Sozialisationsprozess sein ganzes Leben lang, nicht ausschließlich in seiner Kindheit. So sind im jüngeren Alter vor allem die Familie, Freunde, soziale Einrichtungen wie z.B. Schule und Kirche, aber auch Medien für die soziale Formung verantwortlich. Im Erwachsenenalter bestimmen der Lebenspartner, der Beruf oder auch politische Einrichtungen den Sozialisationsprozess.

Die Prägung eines Menschen verläuft nicht nach allgemeinen Prinzipien, sondern sehr individuell. So lassen sich Unterschiede in der Sozialisation anhand der Beschaffenheit des Individuums und dessen Umwelt festmachen.

Zum Beispiel werden Menschen je nach Geschlecht unterschiedlich erzogen und sozialisiert. Jungen schreibt man traditionell eher einen starken aber gefühlsschwachen Charakter zu, Mädchen hingegen seien emotional und fürsorglich. An diesen gesellschaftlichen Stereotypen richtet sich die Sozialisation aus und es wird zu geschlechterspezifischen Eigenschaften und Rollen „hinerzogen“. Dies geschieht sowohl mit Absicht (Bsp.: Mädchen lernen Nähen, Jungen lernen das Handhaben einer Säge), als auch unabsichtlich (Bsp.: Unterschiedliches Spielzeug und unterschiedliche Farben der Kleidung). Kleine Kinder werden so bereits, im Falle von Säuglingen sogar ohne genaue Kenntnis über spätere Interessen und emotionale Eigenschaften, geschlechtsspezifisch sozialisiert.

Eine weitere Differenzierung lässt sich durch das soziale Umfeld des Menschen festmachen. Abhängig von Schicht und sozialem Milieu erfahren Individuen verschiedene Behandlungsweisen und Umgangsarten und werden auch zu anderen Werten erzogen. Dies macht es schwierig sich in einer anderen, fremden Schicht zurechtzufinden und zu integrieren, da man mitunter andere Vorstellungen und Verhaltenweisen besitzt. Nach Parsons (1966) bedeute Sozialisation durch kulturelle Werte Rollen zu erlernen. Dadurch erhalten Individuen ihren Status in der Gesellschaft.

Schließlich bedeutet auch das geschichtliche und kulturelle Umfeld eine Differenzierung in der Sozialisation. Man denke an das Beispiel USA, wo Individuen dank Traditionen und Institutionen zum Patriotismus erzogen werden und auf der anderen Seite das Nachkriegsdeutschland in dem ein nationaler Stolz bei der Sozialisation tunlichst vermieden wurde.

Im Bezug auf Sozialisation und Schule ist ein Blick auf die Theorie des Behaviorismus nahe liegend. Aus psychologischer Sicht kann man das Lernen und Verhalten von Schülern steuern bzw. beeinflussen. Hierbei wird das Verhalten eines Schülers als Reaktion auf einen oder mehrere Reize von Außen verstanden. Dem Lehrer bietet sich somit die Möglichkeit durch seine Darstellung und sein Verhalten Einfluss auf die Reaktionen der Schüler zu nehmen. Da der strikte Behaviorismus aus heutiger Sicht als veraltet betrachtet wird sollte man ergänzen, dass das operante Konditionieren durch verschiedene weitere Faktoren wie z.B. Erwartungen beeinflusst wird.

Durch positive und negative Sanktionen seitens des Lehrers, bzw. Verstärkung und Bestrafung, soll gewünschtes Verhalten häufiger oder weniger häufig beim Schüler auftreten. Der Lehrer betreibt dadurch natürlich Erziehung und somit auch Sozialisation. Zusätzlich dient der Lehrer auch durch seine Person als Vorbild. Frei nach dem Prinzip Lernen am Modell, trägt er durch sein eigenes Verhalten erheblich zur Formung der Schüler bei, da diese ihn mitunter nachahmen. Das gesamte Lehrerverhalten prägt somit die Sozialisation der Schüler. Lehrer sollten sich dessen sehr bewusst sein, da alles was sie tun Konsequenzen für die Erziehung und das Verhalten ihrer Schützlinge hat.

Generell ist die Rolle des Lehrers in der Sozialisation von Individuen als sehr wichtig zu betrachten. Schule als solche ist eine staatliche Instanz und die Lehrer sind Angestellte des Staates. Sie vertreten somit die Interessen und Vorgaben des Systems die in einem Curriculum niederlegt sind. Lehrer als „Handlanger“ des Systems zu bezeichnen mag etwas hart und abstrakt erscheinen, lässt sich aber durch einen historischen Rückblick entschärfen.

Ursprünglich diente die Institution Schule vorrangig der Legitimation von bestehenden Herrschaftsverhältnissen; sei es des Kaisers oder der Kirche. Erziehung und Sozialisation in der Schule diente nur dem Zweck den Bürger mündig und hörig zu machen. Das Individuum sollte in seiner Gesellschaft funktionieren und somit das System nicht anzweifeln. Verstärkte Bildung sollte später qualifizierte Arbeitskräfte ermöglichen, wovon auch der Staat profitierte. Die Nationalsozialisten nutzen die Schule dann ebenfalls für ihre eigenen Zwecke und betrieben Sozialisation und Formung zu ihren Gunsten.

Erst nach dem zweiten Weltkrieg und im Zuge der Entnazifizierung entwickelte man ein Bewusstsein für die große Verantwortung des Einflusses von Lehrern und Lehrinhalten auf die soziale und moralische Entwicklung der Schüler. In verschiedensten Diskursen wurde festgelegt was heute gelernt werden soll. Auch das wie und vor allem die politische Bandbreite in der Schule wurden durch den Beutelsbacher Konsens festgelegt. Trotzdem wird auch heute noch zum mündigen Bürger erzogen und sozialisiert. Dieser soll sich jedoch eigenständig in seiner Gesellschaft zurechtfinden und in der Lage sein, soziale und politische Situationen einzuschätzen, beurteilen und selbst gestalten zu können. Schließlich wäre ein Individuum ohne eine Form von Sozialisation durch seine Umwelt auch nicht gesellschaftsfähig und somit isoliert bzw. sich selbst überlassen. Allerdings bedeutet die Erziehung zur „Funktionalität“ auch eine gewisse Einschränkung der Persönlichkeit eines jeden Menschen.

Schließlich sollte man sich gerade als Lehrer, oder auch zukünftiger Lehrer, seiner Rolle und seiner Verantwortung im Leben eines Schülers bewusst sein. Denn man trägt doch eigenes zur Sozialisation dieser verschiedenen Menschen bei. Sei es absichtlich durch Erziehung und Verstärkung und Bestrafung, oder auch unbewusst durch das eigene Verhalten. Man sollte also beständig seine eigene Arbeit und sein Verhalten beobachten und auch hinterfragen und sich der Wirkung seiner Aktionen bewusst sein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Sozialisation. Ihre Bedeutung für den Lehrerberuf
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Grundlagen der Soziologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
3
Katalognummer
V320386
ISBN (eBook)
9783668195905
Dateigröße
355 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sozialisation, soziologie, lehrer, berufsbild
Arbeit zitieren
StR Marc Lempka (Autor), 2007, Sozialisation. Ihre Bedeutung für den Lehrerberuf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320386

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