Kommt wahre Schönheit von innen? Der Einfluss der Gesellschaft auf unser Schönheitsideal


Essay, 2013

8 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Das Schönheitsideal

Ist Schönheit ein von der Gesellschaft durch Kontrolle und Zwang vorgeschriebenes Ideal?

Jugendlichkeit, Schlankheit, Fitness – Das sind die Hauptkriterien, die wir in unserer heutigen westlichen Gesellschaft unter Schönheit definieren (vgl. Altmann 2011, S. 15). Um diesen Attributen zu entsprechen, geben wir einiges. Durch viel Disziplin, Training in Fitnessstudios und Umstellung unseres Ernährungsverhaltens versuchen wir diesem Ideal zu entsprechen. Wenn das alles nicht den gewünschten Erfolg bringt, unterziehen wir uns, bei entsprechendem finanziellem Kapital, Schönheitsoperationen. Doch wozu der ganze Aufwand? In verschiedenen Studien wurden Menschen befragt, für wen sie sich schön machen. Die meisten antworteten darauf, dass sie es allein für sich selbst täten und behaupteten, dass sie von den vorherrschenden sozialen Schönheitsstandards unbeeinflusst geblieben sind. Doch da lässt sich ein Widerspruch erkennen, denn hier kann man sich fragen, warum sich einander geschönte Menschen so ähnlich sehen, wenn es ihnen doch im Prinzip nur um die eigene Person geht. „Fließbandschönheiten“ – so bezeichnet Anna Balsamo diesen Prozess. (Vgl. Posch 2009, S. 12) Schönheit, welche historisch schon immer eine Rolle gespielt hat, ist ein immer stärker werdendes präsentes Thema in unserer Gesellschaft und ist heute deutlich wichtiger als vor 20 Jahren (vgl. ebd., S. 16). Doch warum streben wir einem bestimmten Ideal nach, während unsere heutige Zeit gleichzeitig durch Autonomie, Freiheit, Individualität und Selbstbestimmtheit gekennzeichnet ist? Was erhoffen wir uns dadurch? Ich bin der Meinung, dass der Spruch, der den meisten von uns bekannt ist, „Wahre Schönheit kommt von innen“ an Bedeutung verliert, wenn man sich unseren eisernen Kampf um die vollkommende Schönheit und dem perfekten Körper genauer betrachtet. Sie kommt wohl vielmehr von außen. So wie es der französische Soziologe Michel Foucault bereits behauptet hat, indem er sagte, dass sich die Gesellschaft in den Körper einschreibt (vgl. Karmasin 2011, S. 9).

Somit stellt sich die Frage, ob Schönheit ein von der Gesellschaft durch Kontrolle und Zwang vorgeschriebenes Ideal ist. Diese Leitfrage werde ich versuchen in meinen weiteren Ausführungen zu klären. Dabei werde ich zunächst auf die Entwicklung des Körperbildes im Laufe unserer Zeit eingehen und aufzeigen, wie wandelbar Schönheitsideale und Körpervorstellungen sind. Danach folgen gezielte Argumente von unter anderem Waltraud Posch und Helene Karmasin, die ihre Meinung auf meine Leitfrage spiegeln werden. Am Ende meiner Arbeit folgen ein resümierendes Fazit und meine eigene Meinung zu dem Thema. Ich möchte anmerken, dass ich mich nur auf die westliche Gesellschaft konzentriere. Ebenso verstehe ich persönlich unter Schönheitsideale die Gesamtheit aus Mode und Körpervorstellungen, wobei ich in dieser Ausarbeitung meinen Fokus auf die Köpervorstellungen lege.

Das Schönheitsideal unserer heutigen Gesellschaft kann als Summe aus historischen Vorstellungen vergangener Zeiten und Ergänzungen mit spezifischen Forderungen, die eine Marktgesellschaft an den Körper stellt, verstanden werden (vgl. Karmasin 2011, S. 43) Ich werde nun anhand eines kurzen geschichtlichen Exkurses aufzeigen, wie sich die Haltung zum menschlichen Körper verändert hat, um den gesellschaftlichen Einfluss daraufhin zu verdeutlichen. Dabei werde ich mich, aufgrund der Kürze der Ausarbeitung und der prägnanten Besonderheiten dieser Epochen, nur auf die Epochen Renaissance, Aufklärung und auf den Beginn des 19. Jahrhunderts beschränken, In der Renaissance herrschte das Ideal eines glatten, perfekt geschlossenen Körpers. Dieses Ideal spaltete sich von den mittelalterlichen Vorstellungen des Körpers ab, indem Affekte und die inneren Prozesse diszipliniert vor der Öffentlichkeit verborgen wurden. Man spricht in der Zeit von dem zivilisierten Körper, da eine kultivierte Gesellschaft zu entstehen begann. Ritter wurden umgeformt zu Hofleuten, aufgrund der Entwicklung der Idee des zentralen Staates. (Vgl. Karmasin, S. 44) Dieses Konzept der Zivilisiertheit hatte das Ziel höhere Gruppen gegen die nachdrängenden unteren abzugrenzen, welches im Übrigen bis heute Anwendung findet. Ebenso sehen wir den zivilisierten Körper heute als verpflichtend an. Jegliche Verstöße dagegen, zeichnen eine Person der Unterschicht oder einer fremden Kultur aus. (Vgl. ebd., S. 47)

In der Zeit der Aufklärung änderte sich die Körpervorstellung von einem zivilisierten zu einem disziplinierten Körper. Der Körper erscheint nun primär durch Nützlichkeitsaspekte geprägt. Im Vordergrund stehen Kraft und eine latente Gewaltbereitschaft. Für die neuen Institutionen, die entstanden waren wie Massenheere der Zentralstaaten und später Arbeiterheere für zum Beispiel Fabriken, benötigte die Gesellschaft nun gelehrige, nützliche, leistungsbereite Körper, die den neu entstandenen Anforderungen wie Regelmäßigkeit, Pünktlichkeit und Gleichmäßigkeit genügten. Große Gruppen von Menschen wurden trainiert gleichmäßige Bewegungen auszuführen, sichtbar etwa beim Militär oder beim klassischen Ballett. (Vgl. ebd., S. 49) Michel Foucault setzt die Ausbildung der europäischen Zentralstaaten und ihren Institutionen in Verbindung zu der Disziplinierung von Körpern, die im 18. Jahrhundert beginnt und dessen Vorstellung bis heute nicht mehr aufgegeben wurde, denn auch heute ist es Bestandteil durch diszipliniertes Verhalten die Leistungsfähigkeit des Körpers zu steigern. Er betrachtete in dieser Zeit die Mechanismen der Macht, die der Staat und seine Institutionen ausüben. (Vgl. ebd., S. 50) Sie geben den Bürgern Regeln vor, leiten an, überwachen und setzen mit Hilfe mächtiger Institutionen wie der Polizei, ihre Einhaltung über Strafe und Kontrolle durch. Körper, die in dieser Zeit nicht der Norm entsprachen oder sich nicht dem unterwarfen, wurden in zum Beispiel Asyle, Irrenhäuser und geschlossenen Anstalten verbannt. Der Körper wurde zu einem anonymen Objekt ohne besondere individuelle Eigenschaften und Mitspracherecht, nur mit der Funktion Leistung zu erbringen. (Vgl. ebd., S. 51) Diese Ansichten ändern sich in der Zeit des 19.Jahrhunderts. Hier begann eine Gesellschaft des Individualismus zu entstehen, deren ein für uns heute noch, wichtiges Konzept der Autonomie zugrunde liegt. Der Mensch wurde selbstbestimmt, frei und unabhängig, der sich seines eigenen Verstandes bedient und Herr über sein Schicksal war, sich also sein Leben selbst gestaltete. (Vgl. ebd., S. 59) Der Körper wird zum Gegenstand der Sorge und rückt in den Fokus, wobei sein Wohlergehen davon abhängig ist, wie gut man der Sorge nachgeht. Weitere wichtige Wertvorstellungen wie Harmonie und Mäßigung treten dabei ebenfalls in den Vordergrund. Nach dem Motto nicht zu viel, nicht zu wenig, also von allem ein bisschen. (Vgl. ebd., S. 61)

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Details

Titel
Kommt wahre Schönheit von innen? Der Einfluss der Gesellschaft auf unser Schönheitsideal
Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
8
Katalognummer
V320401
ISBN (eBook)
9783668195868
ISBN (Buch)
9783668195875
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schönheit, Ideal, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Scarlett Henning (Autor), 2013, Kommt wahre Schönheit von innen? Der Einfluss der Gesellschaft auf unser Schönheitsideal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320401

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