Die hier vorliegende Arbeit widmet sich Wolfgang Herrndorfs 2010 erschienenen Roman „Tschick“, der in 24 Sprachen übersetzt und bereits in divergenten Bühnenstücken gezeigt wurde und der nun verfilmt wird. Zudem soll die Arbeit vor allem auf die Frage, ob “Tschick“ als Bildungsroman gelten kann, Auskunft geben.
Zu diesem Zweck behandelt das erste Kapitel die Thematik des Bildungsromans im Allgemeinen und versucht, einen klaren Begriffsumriss herauszustellen und zu charakterisieren, an Hand dessen die Analyse des Romans im nachfolgenden Kapitel orientiert ist. Hier werden typische Elemente und Motiviken des Bildungsromans in „Tschick“ herausgestellt und es wird zudem gezeigt, inwiefern der Roman vielleicht ebenfalls als Abenteuer-, beziehungsweise Jugendroman zu klassifizieren ist. Im letzten Kapitel wird noch einmal auf den Sprachgestus im Roman und den Herrndorf'schen Stil eingegangen.
Alles in Allem sollen in dieser Arbeit nicht nur für den Bildungsroman typische Elemente in Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ herauskristallisiert und analysiert werden, sondern es sollen zudem auch eventuelle Ambiguitäten bei der Klassifizierung des Romans apostrophiert werden, wodurch zuletzt auch der einmalige Sprachstil Herrndorfs und das Potential solch (vielleicht) nicht luzid rubrizierbarer Literatur expliziert werden soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der deutsche Bildungsroman
3. Tschick
3.1. Reise
3.2. Identität
3.3. Freundschaft, Adoleszenz und Sexualität
3.4. Elemente des Abenteuer- und Jugendromans?
4. Herrndorfs Sprache und Stil:
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Wolfgang Herrndorfs Roman „Tschick“ im Hinblick auf seine Gattungszugehörigkeit, insbesondere die Frage, ob das Werk als Bildungsroman klassifiziert werden kann, und analysiert dabei die zentralen narrativen und stilistischen Elemente des Autors.
- Analyse von Charakterentwicklung und Identitätsfindung der Protagonisten
- Untersuchung des Reisemotivs als strukturgebendes Element
- Reflexion über Adoleszenz, Sexualität und soziale Grenzziehung
- Einordnung des Romans in die Tradition des Abenteuer- und Jugendromans
- Untersuchung des spezifischen Sprachgestus und Stils von Herrndorf
Auszug aus dem Buch
3.1. Reise
Wie bereits konstatiert ist das Motiv der Reise oftmals in Bildungsromanen zu finden: Das suchende Ich begibt sich auf Reisen, um Antworten auf seine Fragen bzw. sich selbst, zu finden und wächst derweil an den ihm dabei begegnenden Aufgaben und entwickelt sich so weiter. „Gerade die Möglichkeit, [zahlreiche] Erfahrungen der realen Welt […] auf der Suche“ zu sammeln, „macht das Motiv der Reise […] [so] erfolgreich (Fisch 2001). D Erlebnisse während der Reise bieten die Potenzialität, den Erfahrungshorizont zu erweitern, da sie „dem Reisenden die Begegnung mit [...] Ausschnitten der Welt und den Einblick in die Bedingungen des Lebens“ ermöglichen (Ebd.).
Pauschal betrachtet sind die Gründe für eine Reise mannigfaltig: die Suche nach Antworten, das Sammeln von Erfahrungen, etwas Neues kennenlernen, die Loslösung vom Alltäglichen, oder auch nur die Sehnsucht und Neugier nach der Ferne und dem Fremden (Vgl.: Moenninghoff 2013, S.05). So beschließen auch Maik und Tschick einfach „Urlaub“ zu machen:
'Und wenn wir einfach wegfahren?', fragte er. 'Was?' 'Urlaub machen. Wir haben doch nichts zu tun. Machen wir einfach Urlaub wie normale Leute. […] Der Lada und ab.' [...] 'Im Ernst', sagte ich. 'Nehmen wir mal an, wir machen das. […] Wo willst du denn überhaupt hin?' 'Ist doch egal.' 'Wenn man wegfährt, wär irgendwie gut, wenn man weiß, wohin.' 'Wir könnten meine Verwandtschaft besuchen. Ich hab einen Großvater in der Walachei.' […] Tatsächlich fing der Gedanke langsam an, mich zu beschäftigen. Aber kaum war Tschick gegangen, löste[...] sich […] alles […] in Nebel auf und verschwand[...], und zurück blieb ein elendes Gefühl […] und in diesem Moment hätte ich wirklich einiges dafür gegeben, in der Walachei zu sein oder sonst wo auf der Welt, nur nicht in Berlin“ (T, S.95-100).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Roman „Tschick“ vor, skizziert die Fragestellung zur Einordnung als Bildungsroman und gibt einen kurzen Überblick über die biographischen Hintergründe des Autors.
2. Der deutsche Bildungsroman: Dieses Kapitel definiert den Begriff und die historische Entwicklung des Bildungsromans und erläutert dessen zentrale Merkmale wie Identitätsfindung und Reifeprozesse.
3. Tschick: In diesem Hauptkapitel wird der Roman hinsichtlich seiner motivischen Strukturen, der Entwicklung des Protagonisten und der Themen Freundschaft und Sexualität analysiert.
3.1. Reise: Das Kapitel untersucht das Reisemotiv in Tschick als Katalysator für die Entwicklung der Charaktere und vergleicht dies mit klassischen Elementen des Bildungsromans.
3.2. Identität: Hier wird die Identitätsbildung der Hauptfiguren durch die Konfrontation mit fremden Situationen und die Rolle der persönlichen Erinnerung beleuchtet.
3.3. Freundschaft, Adoleszenz und Sexualität: Dieser Abschnitt analysiert die pubertären Entwicklungsstadien, die Bedeutung der Freundschaft zwischen den Protagonisten sowie den Umgang mit aufkommender Sexualität.
3.4. Elemente des Abenteuer- und Jugendromans?: Das Kapitel diskutiert die Einordnung des Werks als realistischer Jugend- oder Abenteuerroman und identifiziert Parallelen sowie Unterschiede zum klassischen Bildungsroman.
4. Herrndorfs Sprache und Stil:: Hier wird die sprachliche Gestaltung des Romans, insbesondere der jugendliche Jargon, die Erzählsituation und der Einsatz von Medienreferenzen analysiert.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet Tschick als ein Werk ein, das Elemente verschiedener Gattungen zu einem modernen "Spagat"-Roman vereint.
Schlüsselwörter
Bildungsroman, Wolfgang Herrndorf, Tschick, Identitätsfindung, Adoleszenz, Reisemotiv, Jugendroman, Abenteuerroman, Sprachstil, Maik Klingenberg, Freundschaft, Coming-of-Age, Literaturanalyse, moderne Literatur, Autodiegetische Erzählung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Wolfgang Herrndorfs Roman „Tschick“ im Hinblick auf seine Gattungsmerkmale und prüft, ob das Werk klassische Aspekte eines Bildungsromans erfüllt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den zentralen Themen gehören das Reisemotiv, die Identitätsentwicklung im Jugendalter, die Dynamik von Freundschaften sowie die Auseinandersetzung mit Sexualität und gesellschaftlichen Normen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, durch eine strukturierte Analyse herauszufinden, ob „Tschick“ als Bildungsroman gelten kann oder ob es sich eher um eine Mischform aus verschiedenen Genres wie dem Abenteuer- oder Jugendroman handelt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der sie Gattungsdefinitionen (Bildungsroman, Abenteuerroman) auf den Roman anwendet und durch Zitate sowie Sekundärliteratur belegt.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Reise, der Identitätsbildung, der Adoleszenzthematiken sowie einer detaillierten Untersuchung des spezifischen Sprachgestus und Stils des Autors.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Bildungsroman, Identitätsfindung, Adoleszenz, Reisemotiv und Herrndorfs spezifischer Sprachstil beschreiben.
Warum spielt das Reisemotiv in der Analyse eine solch zentrale Rolle?
Das Reisemotiv dient als klassischer Strukturgeber für den Bildungsroman, da die Reise der Protagonisten als notwendiger Weg zur Selbstfindung und zur Auseinandersetzung mit der Umwelt fungiert.
Welche Rolle spielt der "jugendliche Jargon" im Roman?
Der Jargon sorgt laut der Analyse für Authentizität und Identifikationsmöglichkeiten bei jugendlichen Lesern, wobei er gleichzeitig als stilistisches Mittel zur Charakterisierung der Ich-Erzählperspektive dient.
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- Stefanie Weber (Author), 2016, "Tschick" als Bildungsroman?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320429