Der psychologische Ansatz der Filmanalyse. Eine Analyse des Kurzfilms „Schwarzfahrer“


Hausarbeit, 2014

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ansätze der Filmanalyse
2.1 Der psychologische Ansatz

3. „Schwarzfahrer“ – Inhalt und Hintergrundinformationen

4. Figurenkonstellation in „Schwarzfahrer“
4.1 Das empathische Feld der Filmfiguren in „Schwarzfahrer“

5. Schlussteil – Meine subjektiven empathischen/konterempathischen sowie sympathischen/antipathischen Empfindungen zu den Figuren in „Schwarzfahrer“

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Empathisieren ist also ein denkbar komplizierter und vielgestaltiger Prozess. […] So können gefühlsbetonte Einstellungen entstehen, die mit dem emotionalen Befinden der Figur nichts zu tun haben – wie etwa Rührung, Belustigung, Abscheu oder Mitleid angesichts einer Person, die ihrerseits gerade Angst empfindet. […] Empathische und sympathische Reaktionsformen sind unabhängig voneinander […]. So ist es möglich, im Kino gleichzeitig zu hoffen und zu fürchten, dass ein Mörder gefasst wird.“[1]

Dieses Zitat stammt von dem Filmtheoretiker und Psychologen Hans J. Wulff und beschreibt sehr schön das Interessengebiet des sogenannten psychologischen Ansatzes der Filmanalyse. Die kognitive Psychologie beschäftigt sich nämlich mit den „Prozessen, die zwischen der Reizaufnahme und dem daran anschließenden Erleben und Verhalten des Zuschauers [eines Films] stattfinden“, also mit der Empathie des Zuschauers in Bezug auf die einzelnen Figuren im Film.[2]

Unter Empathie versteht man die „Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen“[3], wodurch sich der Zuschauer „kognitiv in die Lage der Filmfigur [versetzt], […] deren Gefühle [teilt] und […] [daher] ihr Verhalten und Handeln [versteht]“[4].

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll der psychologische Ansatz der Filmanalyse am Beispiel des Kurzfilms „Schwarzfahrer“ erläutert werden. Die zentralen Fragen, die sich hierbei ergeben, lauten, inwiefern die einzelnen Filmfiguren im Film „Schwarzfahrer“ zueinander stehen, und inwieweit man die Personen einer speziellen Sympathie- und Antipathie-Skala zuordnen kann, beziehungsweise welche empathischen Empfindungen durch die Filmfiguren im Allgemeinen hervorgerufen werden. Da dies jedoch bei jedem Menschen unterschiedlich sein kann, wird die Analyse eine subjektive Wertung enthalten. Das gilt generell für die gesamte Filmanalyse, denn hierfür gibt es keinen „Königsweg“. Jeder Film benötigt eine eigene Analyse, die genau zu ihm passt. Viele Wissenschaftler vertreten bei der Filmanalyse ihren eigenen Ansatz, was deutlich macht, dass dies ein sehr interessengeleitetes Gebiet ist, worauf im Laufe dieser Hausarbeit noch genauer eingegangen wird.[5]

Im Folgenden werden einige Angaben zu den verwendeten Quellen und dem wissenschaftlichen Forschungsstand gegeben.

Dann wird auf wichtige Informationen generell zur Filmanalyse eingegangen und insbesondere noch einmal genauer der psychologische Ansatz erläutert, wobei hier speziell der kognitive Ansatz beleuchtet wird.

Daraufhin werden die Wesentlichen inhaltlichen Aspekte des Kurzfilms „Schwarzfahrer“ erläutert sowie einige Hintergrundinformationen gegeben. Anschließend wird dann auf die Frage eingegangen, in welchem Beziehungsgefüge die einzelnen Personen im Film zueinander stehen, um danach das sogenannte „empathische Feld“ der Figurenkonstellation zu analysieren. Da es im Film sehr viele Nebencharaktere gibt, werden hierbei nur die wichtigsten Personen berücksichtigt, damit der Rahmen nicht gesprengt wird.

Im Schlussteil der Arbeit werden diese ausgewählten Figuren dann in eine Sympathie- und Antipathie-Skala unterteilt und meine eigenen, subjektiven empathischen Empfindungen in Bezug auf die einzelnen Figuren beschrieben.

Die Vorbereitung im Seminar, „Film im philosophischen Unterricht“, in welchem viel Literatur zum Thema Filmanalyse zur Verfügung gestellt wurde, war ausgesprochen gut. Es wurde bereits ausführlich über den Kurzfilm „Schwarzfahrer“ gesprochen, und ein umfangreiches Sequenzprotokoll zum ganzen Film erstellt, was die Erarbeitung dieser Hausarbeit deutlich erleichtert hat. Im Allgemeinen kann ich sagen, dass der wissenschaftliche Forschungsstand zum Thema „Ansätze der Filmanalyse“ sehr gut ist. Das Werk von Michael Klant und Raphael Spielmann, „Grundkurs Film 1. Kino – Fernsehen – Videokunst“, welches unter anderem im Seminar bereitgestellt wurde, war sehr hilfreich und hat die wesentlichen Informationen, die für das Thema notwendig waren, geliefert. Speziell in Bezug auf die Figurenkonstellation wurde Literatur von Gregor Pongratz herangezogen, da in seinem Werk[6] unterschiedliche Filme analysiert wurden und insbesondere die Beziehungsgefüge und visuellen Beziehungsnetze zwischen den einzelnen Figuren waren sehr aufschlussreich und haben als gutes Beispiel gedient.

Außerdem war natürlich der Kurzfilm „Schwarzfahrer“[7] notwendig zur Bearbeitung dieser Hausarbeit.

2. Ansätze der Filmanalyse

Im Allgemeinen wird durch die Filmanalyse versucht, jeden einzelnen Film zu verstehen und zu erklären um somit die Filmaussage nachvollziehbar zu machen. Zum einen versucht sie dies durch eine formale Analyse, zu welcher die „produktionsorientierten Fragestellungen“, wie zum Beispiel Kameraführung, Lichtregie, Schnitt, Montage und ähnliches gehören, und zum anderen durch inhaltliche Aspekte. Diese lassen sich jeweils noch einmal in verschiedene Ansätze unterteilen, wie dem soziologischen, dem biographischen, dem intertextuellen, dem Gender sowie dem psychologischen Ansatz, welcher in dieser Hausarbeit besonders berücksichtigt wird. Außerdem gibt es noch eine Zwischenstellung, den semiotischen Ansatz, der sowohl formale als auch inhaltliche Aspekte behandelt.[8] Durch die einzelnen Ansätze werde deutlich, dass die Filmanalyse sehr stark interessengeleitet ist. Ein Soziologe beispielsweise habe eine andere Vorstellung als ein Psychologe und achte somit auch bei der Analyse eines Films auf andere Aspekte.

Eine Filmanalyse beinhaltet zudem immer subjektive Wertungen, denn es gibt keinen einheitlichen Lösungsweg, welcher vorgibt, wie eine Filmanalyse abzulaufen hat. Besonders der sogenannte „Subtext“ eines Films, also die versteckte Botschaft, die zunächst eine Interpretation erfordert, könne unterschiedlich ausgelegt werden. Nicht einmal die Intention des Regisseurs sei festgesetzte Norm. Außerdem gelte für jede unterschiedliche Film Art, wie zum Beispiel Action-, Fiction- oder Animationsfilm, dass ein spezifischer Ansatz gebraucht werde. Durch das sogenannte „hermeneutische Verfahren“, nach welchem „das Ganze aus dem Einzelnen“ verstanden werde, könne bestimmt werden, welche Ansätze im Einzelnen herangezogen werden sollten.[9] Eine idealtypische Filmanalyse würde jedoch wie folgt aussehen: Basisinformationen, Analyse der filmsprachlichen Mittel, inhaltliche Analyse, Ausdeutung und Bewertung. Dies könne, je nach Erfordernis, auch verändert werden.

2.1 Der psychologische Ansatz

Lange Zeit sah die psychoanalytische Filmtheorie ihre Aufgabe in der „Interpretation der Psyche von Filmfiguren“.[10] Die kognitive Psychologie sei jedoch der Ansicht gewesen, dass der hierdurch fehlende Realitätsbezug nicht der richtige Weg sei. Spielfilme würden, so die Vertreter des kognitiven Ansatzes, wie reale Fallgeschichten behandelt werden, obwohl sie eigentlich nur fiktive Geschichten darstellen. Der kognitive[11] Ansatz beschäftige sich mit den „Prozessen, die zwischen der Reizaufnahme und dem daran anschließenden Erleben und Verhalten des Zuschauers stattfinden“. Es werde also nicht mehr nur die Psyche der Filmfigur analysiert, sondern der Schwerpunkt liege jetzt auf der Psyche des Zuschauers.[12] Im Allgemeinen gehe es darum, dass der Zuschauer sich kognitiv in die Lage der Filmfigur versetzt und deren Gefühle teilt. Somit verstehe er, warum die Figur in bestimmten Situationen ein bestimmtes Verhalten aufzeigt. Wie bereits in der Einleitung erläutert, nennt man diesen Vorgang Empathie. Da der Zuschauer sich jedoch in der Regel nicht nur in eine Person hineinversetzt und mit dieser mitfühlt, sondern für alle Filmfiguren Empathie empfindet, spricht man, laut Klant und Spielmann, von einem „empathischen Feld“ der Figurenkonstellation, welches beispielsweise neben dem Protagonisten auch den Antagonisten, also den Gegenspieler, enthält. Der Zuschauer versetze sich auch in das Innenleben der Antagonisten hinein, was von der kognitiven Filmtheorie als „Konterempathie“ bezeichnet werde.

Zudem spielen noch die Begriffe „Sympathie“ und „Antipathie“ eine Rolle. Hierbei werde das Innenleben der Figuren bewertet, was jedoch nicht immer eindeutig ausfalle, da die Zuschauer subjektive Vorstellungen haben. Dass sich Sympathieempfindungen von empathischen Prozessen nicht leicht unterscheiden lassen und hierbei Schwierigkeiten auftreten können, wird in dem Zitat von Hans J. Wulff, welches am Anfang dieser Hausarbeit aufgeführt ist, deutlich.[13]

3. „Schwarzfahrer“ – Inhalt und Hintergrundinformationen

Der Film „Schwarzfahrer“ geht knapp 13 Minuten, wodurch er unter die Rubrik „Kurzfilm“ fällt. Er wurde im Jahre 1992/93 unter Regie und Buch von Pepe Danquart veröffentlicht und im Jahr 1994 mit einem Oskar prämiert. Es handelt sich um einen schwarz/weiß Film. Man könnte sagen, dass dies für die Thematik sehr geschickt gewählt wurde, denn es passt zur Handlung.

[...]


[1] Michael Klant, Raphael Spielmann: Grundkurs Film 1. Kino, Fernsehen, Videokunst, Braunschweig 2011, S. 179.

[2] Ebd. S. 178.

[3] http://www.duden.de/rechtschreibung/Empathie (Letzter Zugriff: 07.08.2014).

[4] Klant und Spielmann: Grundkurs Film 1, S. 178.

[5] Ebd. S. 172.

[6] Gregor Pongratz (Hrsg.): Spielfilm-Interpretation und „spielerische“ Film-Gestaltung mit Musik. Filmpädagogik aus hermeneutisch-phänomenologischer Perspektive, Hildesheim 2006.

[7] https://www.youtube.com/watch?v=bVvxACf6PlY (Letzter Zugriff: 11.08.2014).

[8] Im Rahmen dieser Hausarbeit wird lediglich der psychologische Ansatz genauer beleuchtet. Für genauere Informationen zu den anderen Ansätzen, siehe: Klant und Spielmann: Grundkurs Film 1, S. 172 – 181.

[9] Klant und Spielmann: Grundkurs Film 1, S. 173.

[10] Ebd., S. 178.

[11] Lat. cognoscere = erkennen.

[12] Klant und Spielmann: Grundkurs Film 1, S. 178.

[13] Ebd., S. 179.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der psychologische Ansatz der Filmanalyse. Eine Analyse des Kurzfilms „Schwarzfahrer“
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V320488
ISBN (eBook)
9783668196865
ISBN (Buch)
9783668196872
Dateigröße
824 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ansatz, filmanalyse, eine, analyse, kurzfilms, schwarzfahrer
Arbeit zitieren
Svenja Schäfer (Autor), 2014, Der psychologische Ansatz der Filmanalyse. Eine Analyse des Kurzfilms „Schwarzfahrer“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320488

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Der psychologische Ansatz der Filmanalyse. Eine Analyse des Kurzfilms „Schwarzfahrer“



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden