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Das Zusammenspiel von Bild, Musik und Text in Louis Malles „Le Feu follet“

Titel: Das Zusammenspiel von Bild, Musik und Text in Louis Malles „Le Feu follet“

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2009 , 24 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: David Ortmann (Autor:in)

Filmwissenschaft
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In der vorliegenden Arbeit soll nun untersucht werden, mit welchen filmischen Mitteln Louis Malle ein so abgeschlossen wirkendes Portrait seines Protagonisten Alain Leroy in „Le Feu follet“ zeichnet. In einer Filmkritik der Frankfurter Rundschau heißt es, der Reiz des Filmes liege im „Arrangement von Bild, Musik und wohlklingendem Dialog“. Um zu klären, wie genau dieser Reiz entsteht, soll insbesondere untersucht werden, welchen Anteil die Bildsprache am Zustandekommen dieser Studie über Alains „Ennui“ hat und wie sich das Zusammenwirken von Bild- und Tonebene gestaltet, das die für diesen Film so bezeichnende melancholische Stimmung hervorruft.

Ein Blick auf den zugrundeliegenden Roman Drieu la Rochelles „Le Feu follet“ aus dem Jahre 1931 lässt zudem erkennen, was Louis Malle in dem Text wichtig war und was er, der das Werk 1963 adaptiert, filmisch ersetzt und umgestaltet hat.

„Le Feu follet“ aus dem Jahr 1963 ist nach „Fahrstuhl zum Schafott“, „Die Liebenden“, „Zazi dans le métro“ und „Privatleben“ Louis Malles fünfter Spielfilm. Nach dem überwältigenden Erfolg von „Fahrstuhl zum Schafott“ und den von den Kritikern kaum minder geschätzten „Die Liebenden“ und „Zazie dans le métro“ stellte sein nächster Film „Privatleben“ einen ersten Misserfolg dar. Louis Malle selbst bezeichnete diese Zeit als eine „schlimme Erfahrung“, bei der er „den Halt“ verloren habe. Er beschließt eine einjährige Pause zu machen und nach Algerien zu reisen, um sich dort mit den kriegerischen Unruhen auseinanderzusetzen. Das Filmmaterial, das in dieser Zeit entsteht, wird von ihm allerdings nie verwendet. Die Reise hilft ihm jedoch wieder in die „wirkliche Welt zurück zu kehren.“

Als er im Herbst 1962 von Algerien nach Paris zurückkommt, beginnt er ein Drehbuch über einen jungen Man zu schreiben, der Selbstmord begeht. Anlass hierfür ist der Selbstmord eines befreundeten Journalisten. Durch einen Freund wird Malle auf den Roman Pierre Drieu la Rochelles „Le Feu follet“ aus dem Jahr 1931 aufmerksam gemacht, den er einige Jahre zuvor bereits gelesen hatte. Er liest ihn erneut und beschließt sein eigenes Drehbuch fallen zu lassen und eben jenen Roman, „Le Feu follet“, zu adaptieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Fragestellung

2. Anfangssequenz/ Exposition

3. Zimmersequenzen

4. Parisreise

5. Der Rückfall

6. Konstituenten des filmischen Portraits

6.1 Musik

6.2 Verbale Ebene

6.2.1 Ausdruck der Gefühlslage durch Akzentuierung

6.2.2 Hintergrundinformation und Charakterisierung

6.2.3 Kommentare seiner Bekannten und Freunde

6.3 Bildkomposition

6.3.1 Spiegelszenen

6.3.2 Jugend als Leitmotiv

6.3.3 Paris – Sinnbild der Bedrohung

7. Schlussbetrachtung

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht die filmischen Gestaltungsmittel in Louis Malles „Le Feu follet“, um zu ergründen, wie ein abgeschlossenes Portrait des Protagonisten Alain Leroy geschaffen wird und wie das Zusammenspiel von Bild, Musik und Dialog die melancholische Grundstimmung des Films erzeugt.

  • Analyse des Einflusses der Bildsprache auf die Charakterisierung Alains
  • Untersuchung der Bedeutung der Musik (Erik Satie) als narratives und stimmungsbildendes Mittel
  • Analyse des Dialogs und der verbalen Akzentuierung zur Darstellung der inneren Isolation
  • Vergleich der filmischen Adaption mit der literarischen Vorlage von Pierre Drieu la Rochelle
  • Darstellung der filmischen Motive wie Spiegelungen, Jugend und Paris als Sinnbild der Bedrohung

Auszug aus dem Buch

3. Zimmersequenzen

Wie bereits in der Anfangssequenz sind der Zuschauerblick und Alains Perspektive oft eins. Er betritt sein Zimmer und betrachtet die vielen kleinen Gegenstände, die sich auf Kommoden oder Spiegelschränken befinden. Er geht zu einem großen Wandspiegel und spielt mit Bildern, auf denen eine blonde Frau zu sehen ist. Er fährt mit den Fingern über diese kleine Polaroidfotostrecke und steckt eine kleine amerikanische Flagge gedankenlos von einer Figur auf die nächste. Als er seine Schuhe entstaubt, murmelt er „quelle misère“15. Er wendet sich einem Schachspiel zu und konstatiert „Matt in fünf Zügen“. Er erhebt sich wieder, geht auf eine andere Fotostrecke zu, schneidet Artikel und Anzeigen aus einer Zeitung aus und heftet sie an ein weiteres Bild, das zwei Freundinnen zeigt. Da der Zuschauer die Brünette als Lydia erkennt, erschließt er sich, dass es sich bei der blonden Frau um seine Ehefrau Dorothy handeln muss.

Auch jetzt spielt er wieder nervös mit kleinen Accessoires herum, mit einem Puppenzylinder und einer kleinen Holzpuppe. Ziellos läuft er in seinem Zimmer auf und ab und murmelt immer wieder den Namen seiner Frau Dorothy. Dann baut er aus Zigarettenschachteln einen Turm, nur um ihn im nächsten Moment wieder in sich zusammenfallen zu lassen. Nachdem er den Scheck, den er von Lydia erhalten hatte, an die Fotografie, die Lydia und Dorothy zeigt, gesteckt hat, setzt er sich an seinen Schreibtisch, zündet sich seine Zigarette an und beginnt zu schreiben. Nach kurzer Zeit streicht er jedoch das Geschriebene wieder durch und beginnt mit einem Filzstift Zeichen auf ein Blatt Papier zu malen. Nun endlich öffnet er einen Koffer, der auf dem Schreibtisch liegt, entnimmt eine in einem Tuch eingewickelte Pistole und betrachtet sie. Durch einen von draußen kommenden Lärm abgelenkt, legt er die Pistole weg, begibt sich zum Fenster und blickt nach draußen. Seine Blicke konzentrieren sich auf eine junge Frau, die mit einem Geigenkoffer über die Straße geht. Um sie weiter verfolgen zu können, geht er zu einem anderen Fenster, als der Arzt zu einem Gespräch eintritt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Fragestellung: Die Einleitung beleuchtet die Entstehungsgeschichte des Films im Kontext von Louis Malles persönlicher Krise und führt in die zentrale Fragestellung ein, wie die filmischen Mittel zur Portraitierung von Alain Leroys „Ennui“ beitragen.

2. Anfangssequenz/ Exposition: Dieses Kapitel analysiert die erste Sequenz des Films, in der durch Großaufnahmen und Voice-over-Kommentare eine Atmosphäre der Distanz und der seelischen Entfremdung eingeführt wird.

3. Zimmersequenzen: Hier wird untersucht, wie Alain Leroys Isolation in seinem Zimmer durch sein Verhalten gegenüber Objekten und wiederkehrende Motive bildhaft dargestellt wird.

4. Parisreise: Das Kapitel beleuchtet die Begegnungen Alains mit verschiedenen sozialen Gruppen und zeigt, dass diese Treffen sein Gefühl des Abgestoßenseins eher verstärken als lindern.

5. Der Rückfall: Diese Passage analysiert den Moment des Rückfalls in die Alkoholsucht als einen Katalysator seiner existentiellen Unzufriedenheit und Isolation.

6. Konstituenten des filmischen Portraits: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Rolle von Musik, Sprache (verbale Ebene) und Bildkomposition (Spiegel, Jugend, Stadtbild) als zentrale Instrumente der Charakterzeichnung.

7. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, wie Malle den Selbstmord als konsequenten Akt inszeniert und betont die empathische Haltung des Regisseurs gegenüber seiner Hauptfigur.

Schlüsselwörter

Louis Malle, Le Feu follet, Das Irrlicht, Alain Leroy, Filmportrait, Bildsprache, Melancholie, Isolation, Erik Satie, Suizid, Existentialismus, Romanadaption, Paris, Spiegelmotiv, Kamerakunst

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die filmischen Gestaltungsmittel in Louis Malles Werk „Le Feu follet“ und deren Beitrag zur melancholischen Portraitierung des Protagonisten Alain Leroy.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Wechselwirkung zwischen Bild, Musik und Dialog sowie auf die filmische Umsetzung von Isolation, Entfremdung und der Unfähigkeit zur zwischenmenschlichen Verbindung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, zu klären, mit welchen filmischen Mitteln Louis Malle ein authentisches, melancholisches Portrait seines Protagonisten zeichnet und wie die Bild- und Tonebene dabei zusammenwirken.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt eine filmwissenschaftliche Analyse, die den Film in Sequenzen unterteilt und mit der literarischen Romanvorlage von Pierre Drieu la Rochelle sowie filmhistorischen Kontexten vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die konstituierenden Elemente des filmischen Portraits: die Bedeutung der Musik von Erik Satie, die verbale Ebene durch Akzentuierungen und Charakterbeschreibungen sowie die Bildkomposition (Spiegelszenen, Motive wie Jugend und Paris).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Louis Malle, Melancholie, Isolation, Filmportrait, Bildsprache, Existentialismus und die filmische Umsetzung von Literatur.

Welche Rolle spielt die Musik in „Le Feu follet“?

Die Klaviermusik von Erik Satie fungiert als leitmotivisches Element, das die melancholische Stimmung untermalt und die Ausgegrenztheit des Protagonisten akustisch wahrnehmbar macht.

Warum spielt das Spiegelmotiv im Film eine so große Rolle?

Spiegelsequenzen verbildlichen Alains Passivität und Isolation. Der Zuschauer sieht Alain oft „hinter Glas“ oder neben seinem Spiegelbild, was seine Ambivalenz und die Kluft zwischen seinem gepflegten Äußeren und seinem verletzten Inneren betont.

Inwiefern unterscheidet sich die filmische Darstellung des Suizids von der im Roman?

Malle verzichtet auf eine explizite moralische Kritik, die im Roman stärker durch Erzählerurteile präsent ist, und inszeniert den Suizid stattdessen als einen bewussten, eleganten „refus de la vie“.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Zusammenspiel von Bild, Musik und Text in Louis Malles „Le Feu follet“
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Die Filme von Luis Malle
Note
1,3
Autor
David Ortmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
24
Katalognummer
V320598
ISBN (eBook)
9783668198869
ISBN (Buch)
9783668198876
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zusammenspiel bild musik text louis malles
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
David Ortmann (Autor:in), 2009, Das Zusammenspiel von Bild, Musik und Text in Louis Malles „Le Feu follet“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320598
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  24  Seiten
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