Den Kern der Arbeit bildet die Frage nach der Rolle kaiserlicher Ingenieurbauten und Grossbauprojekte und deren Aussagekraft im kaiserlichen Bauprogramm – wobei hier mit Programm lediglich die Gesamtheit der Bauten und keine übergeordnete Idee oder Botschaft gemeint sein soll – und inwiefern sie bisherige Ergebnisse bestätigen oder verwerfen können. Ihre Funktion und Wirkung soll auf mehreren Ebenen, zwischen Versorgungsbau und Staatsdenkmal, diskutiert werden.
Konkret ergeben sich folgende Fragen: Welche kaiserlichen Bauten aus claudischer Zeit sind nachweisbar? Welcher der drei genannten Gruppen kann man sie zuordnen? Wie stark sind die Grossbauprojekte von Staatsdenkmälern und Volksbauten wirklich abzugrenzen? Wie deutlich sind Funktionalität und Repräsentation dort trennbar? Wie lassen sich die Bauten auf Claudius und seine Herrschaft beziehen? Lässt sich ein übergeordnetes Programm erkennen?
Kaum ein Kaiser Roms kann in der Überlieferung einen solch einzigartigen Charakter aufweisen wie Claudius. Während ein Nero stets als böse und ein Augustus als gut bezeichnet werden kann, um es für einmal ganz plump und verallgemeinert auszudrücken, weiss man bei Claudius nicht so recht, woran man ist. Beruft man sich auf die antiken Quellen, so zeichnen diese zwar im Grossen und Ganzen ein deutlich negatives Bild, doch ist es abgesehen davon dennoch schwer zu fassen.
Seine 'schlechten' Taten, wie die zahlreichen Hinrichtungen (vermeintlicher) politischer oder persönlicher Gegner, werden in gewisser Weise relativiert. Fast entschuldigend dafür, so mag es dem Leser der Quellen zumindest erscheinen, wird der Charakter des Herrschers beschrieben. Als eine Mischung aus trottelig, dumm und wahnsinnig wird er beschrieben und obwohl ihn das gefährlich macht, scheint er doch nicht ganz Herr seiner Taten zu sein und somit in gewisser Weise beinahe mehr Opfer als Täter. Ganz subjektiv gesprochen, muss man Claudius irgendwie gern haben.
Die moderne Geschichtsschreibung hat das Bild des Kaisers natürlich relativiert, doch hielt sich das Bild des Verlierers recht lange. Und wenn auch heute mit mehr wissenschaftlicher Objektivität gearbeitet wird, so sind die Urteile über diese historische Persönlichkeit alles andere als einheitlich. Wie zu Beginn erwähnt, kommt der archäologische Befund hinzu, welcher im Gegensatz zu der schriftlichen Überlieferung steht. Diesem Befund soll sich nun auch die folgende Arbeit widmen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Einleitung
2. Kaiser Claudius
2.1 Biographischer Abriss
2.2 Das Wesen des Kaisers
2.3 Der Stilwandel unter Claudius
3. Portus
3.1 Forschungsgeschichte
3.2 Historischer Hintergrund
3.3 Bauwerk und archäologischer Befund
3.3.1 Topographie
3.3.2 Architektur
4. Der Emissar am Fuciner See
4.1 Forschungsgeschichte
4.2 Historischer Hintergrund
4.3 Bauwerk und archäologischer Befund
5. Aqua Claudia – Anio Novus – Porta Maggiore
5.1 Forschungsgeschichte
5.2 Historischer Hintergrund
5.3 Bauwerk und archäologischer Befund
6. Via Claudia Augusta
6.1 Forschungsgeschichte
6.2 Historischer Hintergrund
6.3 Archäologischer Befund und Trassenverlauf
7. Bogenmonumente
7.1 Der Tiberiusbogen
7.2 Der Germanenbogen
7.3 Bögen in den Provinzen
7.4 Der Britannienbogen
8. Torbauten
8.1 Porta Aurea in Ravenna
8.2 Porta Leoni und Porta Borsari in Verona
9. Reliefs und Altäre
9.1 Reliefs
9.2 Altäre
10. Auswertung
10.1 Welchen Gruppen kann man die Bauten zuordnen?
10.2 Zwischen Funktionalität und Repräsentation
10.3 Bauherr Claudius
11. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die großen Bauprojekte der Regierungszeit des Kaisers Claudius, um deren Rolle zwischen bloßer technischer Funktionalität (Versorgungsbau) und der ideologischen Repräsentation des Herrschers (Staatsdenkmal) zu analysieren und einzuordnen.
- Kaiser Claudius und sein Herrschaftsverständnis
- Großbauprojekte als Infrastrukturleistung
- Die ideologische Funktion antiker Baukunst
- Verhältnis von Funktionalität zu Repräsentation
- Kategorisierung kaiserlicher Bauten
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Claudius wird aber nicht zuletzt die gegebene Überlieferungslage zu einem Kaiser Roms, dessen Intentionen nicht klar werden und dessen Tätigkeit im Allgemeinen unterschätzt wird. Diesem recht allgemein gehaltenen Bild widerspricht zumindest aus archäologischer Sicht die hohe Zahl claudischer Denkmäler.“ Kaum ein Kaiser Roms kann in der Überlieferung einen solch einzigartigen Charakter aufweisen wie Claudius. Während ein Nero stets als böse und ein Augustus als gut bezeichnet werden kann, um es für einmal ganz plump und verallgemeinert auszudrücken, weiss man bei Claudius nicht so recht, woran man ist. Beruft man sich auf die antiken Quellen, so zeichnen diese zwar im Grossen und Ganzen ein deutlich negatives Bild, doch ist es abgesehen davon dennoch schwer zu fassen. Seine ‚schlechten‘ Taten, wie die zahlreichen Hinrichtungen (vermeintlicher) politischer oder persönlicher Gegner, werden in gewisser Weise relativiert. Fast entschuldigend, so mag es dem Leser der Quellen zumindest erscheinen, wird der Charakter des Herrschers beschrieben. Als eine trottelig, dumm und wahnsinnig wird er beschrieben und obwohl ihn das gefährlich macht, scheint er doch nicht ganz Herr seiner Taten zu sein und somit in gewisser Weise beinahe Opfer als Täter.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung diskutiert die Problematik der Quellenlage zu Kaiser Claudius und führt in die Fragestellung ein, ob seine Bauten als bloße Infrastruktur oder als Repräsentationsmittel zu verstehen sind.
2. Kaiser Claudius: Dieses Kapitel bietet einen biographischen Abriss, analysiert das Wesen des Kaisers im Spiegel der Quellen und skizziert den künstlerischen Stilwandel in seiner Regierungszeit.
3. Portus: Es wird die Forschungsgeschichte, der historische Kontext und der archäologische Befund des claudischen Hafenbeckens bei Ostia detailliert untersucht.
4. Der Emissar am Fuciner See: Das Kapitel behandelt die Entstehungsgeschichte, den historischen Hintergrund und die archäologischen Überreste des Entwässerungstunnels am Fuciner See.
5. Aqua Claudia – Anio Novus – Porta Maggiore: Die Wasserleitungsbauten werden hinsichtlich ihrer Forschungsgeschichte, ihrer Bedeutung für die Wasserversorgung und ihrer architektonischen Ausformung an der Porta Maggiore analysiert.
6. Via Claudia Augusta: Dieses Kapitel widmet sich der antiken Straße, ihrer zeitlichen Einordnung anhand von Meilensteinen und den Problemen bei der Rekonstruktion ihres Trassenverlaufs.
7. Bogenmonumente: Es werden die verschiedenen Bogenmonumente der Zeit betrachtet, inklusive des Tiberiusbogens, des Germanenbogens und des Britannienbogens.
8. Torbauten: Dieser Abschnitt konzentriert sich auf städtische Toranlagen, insbesondere die Porta Aurea in Ravenna sowie die Porta Leoni und Porta Borsari in Verona.
9. Reliefs und Altäre: Kleine archäologische Funde wie Reliefs und Altäre werden als Träger politischer und genealogischer Botschaften des Kaiserhauses interpretiert.
10. Auswertung: Hier findet die Synthese statt: Die Bauten werden in Gruppen eingeteilt, ihr Verhältnis von Funktionalität und Repräsentation diskutiert und das Wirken des Bauherrn Claudius reflektiert.
11. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, in der die Bautätigkeit des Claudius als bewusste, wenn auch komplexe Herrschaftslegitimation eingeordnet wird.
Schlüsselwörter
Kaiser Claudius, Römische Architektur, Hafenanlage Portus, Fuciner See, Wasserleitungen, Aqua Claudia, Via Claudia Augusta, Bogenmonumente, Repräsentation, Staatsdenkmal, Infrastruktur, Römische Geschichte, Archäologischer Befund, Herrschaftslegitimation, Britannienfeldzug.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit analysiert die Großbauprojekte des Kaisers Claudius, um deren Funktion zwischen pragmatischem Nutzen (Infrastruktur) und politischer Selbstdarstellung (Repräsentation) zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die kaiserliche Bautätigkeit, die Interpretation archäologischer Denkmäler, das Herrscherbild des Claudius sowie die Verbindung von antiker Technik und staatlicher Propaganda.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, inwieweit Claudius seine Infrastrukturprojekte – wie Häfen, Tunnel und Straßen – gezielt nutzte, um seine Herrschaft zu legitimieren und sein Ansehen beim römischen Volk zu stärken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse antiker Texte (wie Sueton, Tacitus, Frontinus) mit einer archäologischen Befundauswertung der jeweiligen Bauten und Monumente kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Besprechung einzelner Bauwerke (Hafen Portus, Fuciner See, Aquädukte, Straßen, Bögen, Reliefs) und eine anschließende Auswertung dieser Befunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kaiser Claudius, Römische Architektur, Hafenanlage Portus, Wasserleitungen, Repräsentation, Staatsdenkmal, Infrastruktur, Herrschaftslegitimation.
Warum spielt die Person des Kaisers Claudius für das Verständnis der Architektur eine Rolle?
Der Autor argumentiert, dass das negative Bild des Claudius in der antiken Literatur durch seine Bautätigkeit relativiert wird, da diese Projekte einen Einblick in seine Intentionen und seine politische Strategie geben.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich des „Um- oder Umbruchs“?
Der Autor neigt dazu, die Veränderungen unter Claudius eher als Fortführung und bewusste Anknüpfung an die Traditionen seiner Vorgänger zu sehen, statt von einem radikalen „Umbruch“ zu sprechen.
- Arbeit zitieren
- Stephan Dombrowsky (Autor:in), 2012, Zwischen Versorgungsbau und Staatsdenkmal. Zur Funktionalität und Repräsentativität der claudischen Grossbauprojekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320660