In dieser Arbeit geht es um die Homosexualität im Fußball. Um mich dem Thema zu nähern, werde ich zunächst auf die Theorie der kognitiven Dissonanz eingehen. Danach werde ich das Thema Homosexualität zuerst in einem etwas allgemeineren Kontext in der deutschen Gesellschaft betrachten, um dann einen spezielleren Zusammenhang zum Fußball und dem damit verbundenen medialen Druck herzustellen. Homosexualität im Fußball werde ich dann mit Bezug auf die kognitive Dissonanz im Kapitel 4, „Die Dissonanz zweier Kognitionen“, behandeln. Auf Grund des relativ eng gesteckten Umfangs der Arbeit werde ich in meiner Bearbeitung nur auf den Profifußball der Männer in der 1. Deutschen Bundesliga eingehen.
„Ich bin schwul, und das ist auch gut so!“ Mit diesem Satz outete sich der damalige Kandidat für die Oberbürgermeisterwahl in Berlin, Klaus Wowereit. Doch das nicht nur vor seinen Parteigenossen auf dem SPD-Sonderparteitag, sondern auch vor der Gesamtdeutschen Öffentlichkeit. Neben erwartungsgemäßen Schmähbriefen fielen die Reaktionen auf sein Coming-Out jedoch weitestgehend positiv aus. Und das, obwohl er der erste Spitzenpolitiker war, der diesen Schritt gegangen ist.
Das ist mittlerweile gut 15 Jahre und einen homosexuellen Außenminister her. Die Behauptung, Homosexualität sei in der Landschaft der deutschen Spitzenpolitik als etwas komplett Normales und nicht weiter Erwähnenswertes akzeptiert, ist also nicht aus der Luft gegriffen. Das ist jedoch nicht in allen Bereichen des öffentlichen Interesses so. Ein Beispiel dafür ist der Sport, im Speziellen der Fußball. Es gibt keinen einzigen bekannten homosexuellen Bundesligaspieler. Mit Thomas Hitzlsperger hat sich 2014 erstmals ein erfolgreicher Profi geoutet, allerdings erst nach seinem Karriereende. Alles weitere, was mit diesem Thema in Verbindung gebracht wird, beruht größtenteils auf Vermutungen und Spekulationen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Kognitive Dissonanz
- Homosexualität
- Akzeptanz in der heutigen Gesellschaft
- Fußball als heterosexuelle Szene
- Medialer Druck
- Die Dissonanz zweier Kognitionen
- Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit analysiert das Tabuthema Homosexualität im Fußball anhand der Theorie der kognitiven Dissonanz. Sie untersucht, warum es bisher keinen bekannten homosexuellen Bundesligaspieler gibt, und erforscht mögliche Gründe für ausgebliebene Outings im Kontext des medialen Drucks und der gesellschaftlichen Erwartungen. Die Arbeit greift die Frage auf, ob und wie die Theorie der kognitiven Dissonanz das Phänomen der fehlenden Offenheit von homosexuellen Fußballspielern erklären kann.
- Kognitive Dissonanz als Theorie der Medienwirkungsforschung
- Homosexualität im Kontext der deutschen Gesellschaft
- Fußball als heterosexuelle Szene und der damit verbundene mediale Druck
- Die Dissonanz zwischen gesellschaftlicher Akzeptanz und dem Schweigen im Fußball
- Mögliche Erklärungen für ausgebliebene Outings von homosexuellen Fußballspielern
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema Homosexualität im Fußball ein und beleuchtet die Diskrepanz zwischen der gesellschaftlichen Akzeptanz von Homosexualität und dem Fehlen von offen homosexuellen Fußballprofis. Sie stellt die Theorie der kognitiven Dissonanz als theoretischen Rahmen für die Analyse vor. Kapitel 2 erklärt die Theorie der kognitiven Dissonanz und ihre Relevanz für das Verständnis von Einstellungen und Verhaltensweisen. Kapitel 3 beleuchtet die Akzeptanz von Homosexualität in der heutigen Gesellschaft und untersucht den Fußball als heterosexuelle Szene sowie den medialen Druck auf Sportler. Kapitel 4 untersucht die Dissonanz zwischen den Kognitionen „Homosexualität ist akzeptiert“ und „Im Fußball gibt es keine offen homosexuellen Spieler“. Es werden mögliche Erklärungen für ausgebliebene Outings von homosexuellen Fußballspielern im Kontext der kognitiven Dissonanz erörtert.
Schlüsselwörter
Homosexualität, Fußball, kognitive Dissonanz, Medienwirkungsforschung, Outing, gesellschaftliche Akzeptanz, medialer Druck, Tabuthema, Diskriminierung, heteronormative Strukturen.
Häufig gestellte Fragen
Warum gibt es kaum offen homosexuelle Fußballprofis?
Die Arbeit nutzt die Theorie der kognitiven Dissonanz, um zu erklären, warum Spieler ihr Outing vermeiden, oft bedingt durch medialen Druck und heteronormative Strukturen im Fußball.
Was ist kognitive Dissonanz in diesem Zusammenhang?
Es beschreibt den unangenehmen Gefühlszustand, wenn gesellschaftliche Akzeptanz (Kognition 1) auf die gelebte Realität einer „heterosexuellen Szene“ Fußball (Kognition 2) trifft.
Wer war Thomas Hitzlsperger?
Hitzlsperger war der erste prominente deutsche Fußballprofi, der sich 2014 outete – allerdings erst nach dem Ende seiner aktiven Karriere.
Wie reagiert die deutsche Gesellschaft allgemein auf Homosexualität?
In der Politik (z.B. Klaus Wowereit) ist Homosexualität weitgehend akzeptiert, während der Profisport als eine der letzten Bastionen des Schweigens gilt.
Welchen Einfluss haben die Medien auf homosexuelle Spieler?
Die Arbeit analysiert den massiven medialen Druck und die Spekulationen, die ein Outing zu einem riskanten Karriereschritt machen können.
Ist der Profifußball eine „heterosexuelle Szene“?
Die Arbeit untersucht, wie traditionelle Männlichkeitsbilder im Fußball dazu beitragen, Homosexualität als „nichtexistent“ zu behandeln.
- Quote paper
- Richard Bartels (Author), 2016, "Die nichtexistenten Männer". Homosexualität im Fußball. Ein Erklärungsansatz auf Basis der Theorie der kognitiven Dissonanz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320664