Wissensmanagement und Wissensmanagementsysteme sind seit den späten neunziger Jahren Gegenstand verstärkter Forschung. Ausgehend von den Untersuchungen zur wachsenden Bedeutung von Wissen für Unternehmen, gewann das Thema auch vor dem Hintergrund einer sich verändernden Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Einen Überblick über den damaligen Stand der Forschung geben Alavi und Leidner zu Anfang des Jahrtausends. Ein Einblick in die europäische Entwicklung von Wissensmanagement in Unternehmen und ein entsprechender Architekturentwurf finden sich einige Jahre später bei Riempp.
Zunehmend begleitet wird die Forschung durch die Frage nach dem Beitrag von Wissensmanagement (WM) und Wissensmanagementsystemen (WMS) zum Erfolg des Unternehmens. Dies umso mehr, da WM viele Bereiche des Unternehmens betrifft und sich gleichzeitig in seinen Aus- und Wechselwirkungen nicht eindimensional betrachten lässt.
Eines der ersten und zugleich bis heute wichtigsten Modelle zur Bestimmung des Beitrags von Informationssystemen zum Unternehmenserfolg entwickelten DeLone und McLean. Dieses Modell wurde bis heute immer wieder aufgenommen und auch für WMS überarbeitet oder erweitert. Eine Adaption für WM haben in Deutschland Maier und Hädrich vorgelegt.
Gleichzeitig wurde die Frage nach einer einheitlichen Definition für WM, WMS und insbesondere die Erfolgsmessung von WM aber weiterhin gestellt. Der Erfolg von Wissensmanagementsystemen in Unternehmen wurde auch in den letzten Jahren weiter erforscht. Eine Zusammenfassung des gegenwärtigen Standes der Diskussion soll diese Arbeit geben. Diese Zielstellung soll in zwei Schritten bearbeitet werden:
1. Welche unterschiedlichen Positionen zum Thema lassen sich in der Literatur finden?;
2. Wie lassen sich diese vergleichen und einordnen?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Motivation
2 Wissensmanagement und Wissensmanagementsysteme
3 Ergebnisse der Literaturstudie
3.1 Einordnung der gefundenen Quellen
3.1.1 Erfolgsmessung für WMS allgemein
3.1.2 Modelle zur Erfolgsmessung von WMS in bestimmten Branchen, Organisationen oder Teilaspekten von WMS
3.2 Vergleich und Synthese
3.2.1 Differenziertheit der Beziehungen zwischen Erfolgs-Dimensionen
3.2.2 Critical Success factors als Vorbedingung und Folge von Erfolg
3.2.3 Dimensionen von Erfolg: monetäre Größen und Ersatzgrößen
4 Fazit
5 Literaturverzeichnis
Anhang: Tabelle Literaturauswertung
Zielsetzung und Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, einen aktuellen Überblick über den Forschungsstand zur Erfolgsmessung von Wissensmanagementsystemen (WMS) in Unternehmen zu geben. Dabei wird untersucht, welche wissenschaftlichen Positionen existieren, wie diese miteinander vergleichbar sind und inwieweit sie sich in Modelle einordnen lassen, die den Beitrag von WMS zum Unternehmenserfolg abbilden.
- Systematische Analyse von Modellen zur Erfolgsmessung bei Wissensmanagementsystemen
- Kategorisierung wissenschaftlicher Ansätze basierend auf der Differenziertheit kausaler Beziehungen
- Unterscheidung zwischen Critical Success Factors (CSF) als Vorbedingungen oder Erfolgsindikatoren
- Evaluierung monetärer versus qualitativer Messgrößen für den WMS-Erfolg
- Zusammenführung aktueller Literatur ab 2009 mit etablierten Grundlagenmodellen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Erfolgsmessung für WMS allgemein
Unter denjenigen Modellen, die WMS ohne Einschränkungen betrachten, finden sich einige, die das DeLone&McLean-Modell auf den Bereich WMS übertragen: Eine explizite Übertragung stellt das Modell von Meier und Hädrich in Abbildung 3.1 dar (Maier & Hädrich, 2001):
Das Modell unterscheidet die Ebenen System und Service, Nutzung sowie Auswirkungen. Die Systemebene wurde für WMS um die Dimensionen Informations-, Kommunikations- und Wissensqualität sowie um Wissensspezifische Services erweitert. Diese Ebene beeinflusst die Systemnutzung und Nutzerzufriedenheit, die wiederum Einfluss auf die Ebene der Auswirkungen haben. Auf dieser letzten Ebene haben die Autoren das Modell von DeLone&McLean ebenfalls erweitert. Die Dimension Auswirkungen auf Communities erfasst den für WM wichtigen Aspekt des Austausches innerhalb von Gruppen. Dieser ist nach Meier und Hädrich kennzeichnend für, an implizitem Wissen ausgerichtetes, humanorientiertes WM - im Gegensatz zum technologieorientierten WM. In den Auswirkungen auf die Organisation werden auch finanzwirtschaftliche Kennzahlen mit einbezogen. Ein weiterer Ansatz, der auf dem DeLone&McLean Modell beruht, siehe Abbildung 3.2, stammt von Kulkarni et al. (Kulkarni et al., 2006)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Motivation: Dieses Kapitel führt in die historische Entwicklung des Wissensmanagements ein und definiert die Zielsetzung der Arbeit, den aktuellen Forschungsstand zur Erfolgsmessung von WMS zu systematisieren.
2 Wissensmanagement und Wissensmanagementsysteme: Hier werden theoretische Grundlagen zu den Begriffen Wissensmanagement und WMS sowie deren Interdependenzen auf Basis zentraler Literatur diskutiert.
3 Ergebnisse der Literaturstudie: Dieser Hauptteil präsentiert die Analyse von 26 Quellen, kategorisiert verschiedene Erfolgsmodelle und vergleicht methodische Ansätze zur Messung von WMS-Erfolg.
3.1 Einordnung der gefundenen Quellen: Dieser Abschnitt ordnet die identifizierten Modelle nach ihrem Fokus auf allgemeine WMS oder spezifische Anwendungsgebiete und diskutiert die Abstraktion von Erfolgsdimensionen.
3.1.1 Erfolgsmessung für WMS allgemein: Fokus liegt hier auf Modellen, die das DeLone&McLean-Modell auf WMS übertragen und um spezifische Wissensdimensionen erweitern.
3.1.2 Modelle zur Erfolgsmessung von WMS in bestimmten Branchen, Organisationen oder Teilaspekten von WMS: Hier werden branchenspezifische Ansätze und Modelle für spezielle Organisationsformen wie Projektorganisationen betrachtet.
3.2 Vergleich und Synthese: Dieses Kapitel führt eine zusammenfassende Bewertung der Modelle nach verschiedenen Kriterien durch.
3.2.1 Differenziertheit der Beziehungen zwischen Erfolgs-Dimensionen: Untersuchung, inwieweit Modelle einfache kausale Wirkungsmechanismen oder komplexe Wechselbeziehungen darstellen.
3.2.2 Critical Success factors als Vorbedingung und Folge von Erfolg: Analysiert die Unterscheidung zwischen Faktoren, die den Erfolg ermöglichen, und solchen, die zur Messung des Erfolgs dienen können.
3.2.3 Dimensionen von Erfolg: monetäre Größen und Ersatzgrößen: Diskussion über die Messbarkeit von Erfolg durch finanzielle Kennzahlen im Vergleich zu nicht-monetären Ersatzgrößen.
4 Fazit: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse aus der Literaturstudie und Bewertung der bestehenden Forschungslandschaft hinsichtlich der Standardisierung der Erfolgsmessung.
5 Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung aller zitierten Quellen, die für diese Arbeit ausgewertet wurden.
Schlüsselwörter
Wissensmanagement, Wissensmanagementsysteme, WMS, Erfolgsmessung, Critical Success Factors, CSF, DeLone und McLean, Knowledge Assets, Wissensbilanz, Intellectual Capital, Organisationserfolg, Wissensfluss, Wissensqualität, Leistungsfähigkeit, Evaluierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den aktuellen Forschungsstand zur Erfolgsmessung von Wissensmanagementsystemen in Unternehmen und untersucht, wie verschiedene wissenschaftliche Modelle den Erfolg des Wissensmanagements definieren und operationalisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Einordnung von Erfolgsmodellen, der Rolle von Critical Success Factors (CSF) und der Herausforderung, den Nutzen von Wissensmanagement quantitativ (monetär) oder qualitativ zu bewerten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, unterschiedliche Positionen zum Erfolg von Wissensmanagement in der Literatur zu finden, diese zu vergleichen und systematisch einzuordnen, um den aktuellen Stand der Forschung abzubilden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor führt eine Literaturstudie durch, bei der relevante Beiträge der letzten Jahre (ab 2009) sowie wichtige ältere Grundlagenwerke systematisch gesichtet, kategorisiert und bewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden diverse Modelle vorgestellt – von allgemeinen Frameworks, die auf dem DeLone&McLean-Modell basieren, bis hin zu branchen- oder prozessspezifischen Ansätzen sowie Modellen, die individuelles Wissenspotenzial fokussieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wissensmanagement, WMS-Erfolgsmessung, Critical Success Factors, Intellectual Capital, Wissensqualität und organisatorische Performance sind die prägenden Begriffe.
Warum ist die Erfolgsmessung bei Wissensmanagementsystemen so schwierig?
Es existiert bisher kein allgemein akzeptierter Standard, da WMS viele Unternehmensbereiche betreffen und direkte finanzielle Auswirkungen oft schwer isolierbar oder nur durch indirekte Ersatzgrößen wie Nutzerzufriedenheit messbar sind.
Wie unterscheidet der Autor zwischen verschiedenen Modellen?
Die Modelle werden primär nach ihrer Differenziertheit in kausalen Beziehungen (einfache Folgebeziehung vs. komplexe Wechselbeziehung) sowie nach ihrer Einordnung von CSFs als Vorbedingung oder als Folge/Messwert von Erfolg kategorisiert.
- Arbeit zitieren
- Heiko Hemjeoltmanns (Autor:in), 2015, Wissensmanagement in Unternehmen. State-of-the-art der Forschung zum Erfolg von Wissensmanagementsystemen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320705