Kommunale Wirtschaftsförderung. Ziele, Aufgaben und Organisationsformen


Hausarbeit, 2015
24 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Definition und Ziele
2.2 Organisationsformen
2.3 Personalausstattung und Budgetentwicklung
2.4 Aufgabenschwerpunkte
2.5 Herausforderungen der kommunalen Wirtschaftsförderung
2.5.1 Globalisierung und Internationalisierung
2.5.2 Fachkräftemangel und demografischer Wandel
2.5.3 Technologischer und ökonomischer Strukturwandel
2.5.4 Energiewende und nachhaltiges Wirtschaften
2.5.5 Standortentwicklung und – Vermarktung

3. Schluss

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Organisation der kommunalen Wirtschaftsförderung

Abbildung 2: Personalausstattung Kommunalen Wirtschaftsförderung

Abbildung 3: Budgetentwicklung der letzten fünf Jahre und erwartete Budgetentwicklung

Abbildung 4: Zeitanteil des Aufgabenfeldes im Vergleich 2007 - 2012

Abbildung 5: Wichtigste und zukünftig wichtige Themenfelder

Abbildung 6: Einschätzung zur Situation auf dem Gewerbeimmobilienmarkt

Abbildung 7: Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Bildungsstand

Abbildung 8: Bevölkerungsentwicklung 2010 - 2025

Abbildung 9: Nutzung Social Media-Anwendungen

1. Einleitung

Wirtschaftliche Trends frühzeitig zu erkennen und zum Wohle der Kommune zu nutzen sind wesentliche Aufgaben der kommunalen Wirtschaftsförderung. Daher unterliegt sie einem stetigen Prozess der ständigen Weiterentwicklung mittels Strategien und Projekte, die den lokalen Standort für Unternehmen zukünftig stärken. Anforderungen an Unternehmen aus Industrie, Handwerk und Dienstleistungen unterliegen darüber hinaus einem großen Veränderungsdruck durch Herausforderungen wie zum Beispiel der Globalisierung, Energiewende und dem demografischen Wandel. Um auf diese gezielt einzugehen, haben Städte und Gemeinden den Auftrag, die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Betreuung ihrer Einwohner erforderlichen Einrichtungen zu schaffen. Doch es ist keine Pflichtaufgabe der Kommunen, sondern eine freiwillige Aufgabe. Dennoch versucht sie nach der Qualität der lokalen und regionalen Bedingungen unternehmerisch erfolgreich zu Handeln. Dabei leisten kommunale Wirtschaftsfördereinrichtungen einen elementar wichtigen Beitrag, die lokalen Angebote und Standortqualitäten zu vermitteln und den Unternehmen einen allumfassenden Service zu bieten. Die dramatische Finanzsituation erschwert gleichwohl vielen Kommunen den Erhalt hochwertiger Infrastruktur und hochqualifizierter Leitungen. Eine aufgabengerechte Finanzausstattung gerät daher auch zukünftig immer mehr in den Fokus. Auch aktuell bleibt die finanzielle Entlastung der Kommunen sowie die Weiterentwicklung der Gewerbesteuer weiterhin ein wichtiges Anliegen, denn nur finanzstarke Kommunen können sie den eingangs erwähnten Herausforderungen stellen. Doch der Weg ist nicht einfach, denn kommunale Wirtschaftsförderungseinrichtungen unterliegen oft dem Druck der Einnahmenverbesserung innerhalb Städte und Gemeinden, denn nur durch breitgefächerte Dienstleistungen können Unternehmen langfristig an regionalen Standorte gebunden werden. Wirtschaftsförderungen sind daher meistens landeseigene Institutionen, die die Aufgabe haben, Investitionsvorhaben von ausländischen oder inländischen Investoren in der Region zu unterstützen. In Deutschland hat jedes Bundesland beispielsweise seine eigene Wirtschaftsförderung. Der 2001 gegründete Deutsche Verband der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaften bildet das bundesweit größte Netzwerk der kommunalen Wirtschaftsförderung. Sie vertreten Interessen von ausgegliederten kommunalen Wirtschaftsförderungseinrichtungen und stellen sich Fragen von morgen. Fragen wie: wie sieht die Arbeitswelt zukünftig aus? Welche Gewerbeflächen sind erforderlich? Welche Kompetenzen und Qualifikationen benötigen Fachkräfte? Dies sind Fragen, die auch die folgende wissenschaftliche Ausarbeitung beantworten soll.

2. Hauptteil

Im Folgenden wird der Begriff der kommunalen Wirtschaftsförderung allgemein skizziert und erläutert werden. Dabei geht es zuallererst um die allgemeinen Ziele, Organisationsformen, Personal- und Budgetausstattung. Anschließend werden die wichtigsten Aufgaben der Wirtschaftsförderer erläutert, um am Ende auf die aktuellsten Herausforderungen einzugehen und vereinzelt Lösungskonzepte darzustellen.

2.1 Definition und Ziele

Die kommunale Wirtschaftsförderung hat die Aufgabe, selbstständig und eigenverantwortlich Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln auf regionaler Ebene zu schaffen, sodass Arbeits- und Lebensbedingungen für Menschen in der Region positiv beeinflusst und Unternehmen gestärkt werden. Desweiteren stellt sie die zentrale Anlaufstelle für Dienstleister und Unternehmen dar. Dieser Anspruch beinhaltet im Kern wesentliche Ziele: die Sicherung bestehender und Schaffung neuer Rahmenbedingungen für neue Arbeitsplätze sowie die Schaffung eines - an den Stärken der Region ausgerichteten Wirtschaftsstruktur - guten Wirtschaftsklimas, sind dabei von entscheidender Bedeutung. Desweiteren setzt die kommunale Wirtschaftsförderung auf die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und der Finanzkraft der Kommune.[1]

Die kommunale Wirtschaftsförderung nimmt in den verschiedensten Bereichen eine verantwortungsvolle Rolle ein. Neben der Bestandspflege regional ortsansässiger Unternehmen, geht es vermehrt um die Förderung von Ansiedlungen und Neugründungen von Firmen und generell des Standortmarketings. Hinzu kommt die Entwicklung wirtschaftsnaher Infrastruktur, Innovations- und Wissenstransfer sowie die Sicherung des Einzelhandelsstandortes und Arbeitsplätze. Auch auf zukünftige Veränderungen wie des Fachkräftemangels oder technologische Wandels, muss die kommunale Wirtschaftsförderung stets flexibel reagieren. In allen wirtschafts- und verwaltungsrelevanten Fragen übernimmt die Wirtschaftsförderung die Rolle der Informationsgeber und Ansprechpartner. Unabhängig ob Groß- oder Kleinstadt, sind im einzelnen Zuständigkeitsbereiche im Wesentlichen identisch, doch unterscheiden sich die einzelnen Wirtschaftsfördereinrichtungen hinsichtlich ihrer Organisationsformen.

2.2 Organisationsformen

Inwieweit Wirtschaftsförderung auf regionaler Ebene vollzogen wird, liegt im Ermessen der Städte und Gemeinden. Sie können entscheiden, welche Aufgaben wahrgenommen und wie diese organisiert werden. Auch können sie selbst entscheiden, ob bestimmte Funktionen ausgelagert oder in Kooperation mit privaten Dritten als privatrechtliche Einheit zu erbringen sind. Aus einer Umfrage aus dem Jahr 2012 des DStGB (Deutscher Städte- und Gemeindebund), in denen 184 Städte und Gemeinden zwischen 10.000 und 50.000 Einwohner befragt wurden, geht hervor, dass sich fast zwei Drittel der kommunalen Wirtschaftsförderer in einem eigenen Amt (eigener Fachbereich) oder in einem Teil eines Amtes organisiert (Abb. 1).[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Organisation der kommunalen Wirtschaftsförderung

Die Mehrheit aus der Umfrage des DStGB geantworteten Städte und Gemeinden haben viele Aufgabengebiete direkt in ihre Behördenstruktur integriert. Die Organisation als Teil eines Amtes wird von fast der Hälfte aller befragten Kommunen durchgeführt. Als Sonderfall gelten Städte mit über 50.000 Einwohnern, die zu einem Drittel eine Organisation in privatrechtlichen Wirtschaftsförderungsgesellschaften (100-prozentig Eigentum der Gemeinde) bevorzugen. Unter Sonstige fallen hierbei viele weitere Verwaltungsstellen, Bürgerservice und Kultur bis hin zum Tourismus reichen. Die Organisation als Teil eines Amtes kann durch das Hauptamt, Bauamt, der Kämmerei oder dem Bürgermeister selbst vollzogen werden. Inwiefern die einzelnen Ämter personell bekleidet und finanziell aufgestellt sind, soll nun im folgenden Punkt aufgezeigt werden.

2.3 Personalausstattung und Budgetentwicklung

Aus der Umfrage des DStGB geht hervor, dass der Großteil aller Ämter ein bis zwei Mitarbeiter, in wenigen Fällen sogar über drei Mitarbeiter, zur Verfügung stehen (Abb.2).[3] Die Personalausstattung der Wirtschaftsförderung bleibt aber dennoch begrenzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Personalausstattung Kommunalen Wirtschaftsförderung

Drei Viertel der Belegschaft sieht dies als essentiellen Ansatzpunkt, die Region wirtschaftlich zu stärken und zu verbessern. Mit Blick auf die finanzielle Ausstattung und Budgetentwicklung zeigt sich eine gleichbleibende bis verbesserte Aussicht (Abb. 3).[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Budgetentwicklung der letzten fünf Jahre und erwartete Budgetentwicklung

Ein Drittel gibt an, ein leichtes oder sogar starkes Wachstum von sechs Prozent des Budgets vorzuweisen. Ein Fünftel wiesen dennoch Kürzungen im Budget auf. Mittelfristig werden keine größeren finanziellen Veränderungen prognostiziert, dennoch bleibt abzuwarten, in wie weit andere Faktoren, auf die in dieser Arbeit noch eingegangen werden soll, Einfluss nehmen.

2.4 Aufgabenschwerpunkte

In diesem Kapitel soll nun dargestellt werden, mit welchen Aufgabenschwerpunkten sich die kommunale Wirtschaftsförderung beschäftigt. Die Palette der einzelnen Bereiche ist dabei sehr verschieden und kann regional variieren. Neben der Bestandspflege, die den größten zeitlichen Faktor darstellt und immer weiter steigt, spielen beratende Funktionen bei der Unternehmensansiedlung und Gewerbeflächennutzung sowie Existenzgründungen eine wesentliche Rolle (Abb.4).[5] Hinzukommen sonstige Bereiche wie Standortmarketing, Clusterstrategien und –Konzepte, Kulturförderung, Tourismus und Naherholung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Zeitanteil des Aufgabenfeldes im Vergleich 2007 - 2012

Im Bereich der Bestandspflege geht es in erster Linie um die Sicherung des Bestandes der ortansässigen Unternehmen, der Sicherung und Ausbau der Arbeitsplätze sowie dem Erhalt und Ausbau der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Einwohner.[6] Es werden dabei geeignete Maßnahmen zusammengefasst, die bereits angesiedelte Unternehmen bei ihrer Entwicklung begleiten und eine Verlagerung an einen anderen Standort vermeiden.[7] Bestandspflege kann durch direkte Maßnahmen wie z.B. durch Beratungen von Unternehmen, finanzielle Förderungen oder Qualifizierungsmaßnahmen oder durch indirekte Maßnahmen wie z.B. Standortmarketing, Netzwerkpflege oder eigene Imagepflege der Wirtschaftförderung erfolgen. Für eine effektive Wirtschaftsförderung auf kommunaler Ebene ist es unabdingbar die Probleme der ortsansässigen Unternehmen im Detail zu kennen. Diese können durch Unternehmerstammtische oder Befragungen innerhalb der Betriebe erfolgen. Aus der Umfrage des DStGB geht hervor, dass dieser Aufgabenbereich für fast alle Wirtschaftsförderer wichtig bis sehr wichtig ist.

Über die Bestandspflege hinaus fokussieren sich Städte und Gemeinden neben der Ansiedlungspolitik, die sich auf die Niederlassung großer Unternehmen sowie Schaffung zahlreicher neuer Arbeitsplätze konzentriert, auf die Förderung von Gründungszentren.

Gründerzentren sind Einrichtungen, die durch die Bereitstellung von Geschäftsräumen, Infrastruktur und Dienstleistungen die Wachstums- und Überlebenschancen der im Zentrum ansässigen Startup-Unternehmens fördern soll, zumeist mit Hilfe öffentlicher Mittel.[8] Idealerweise werden durch diese Projekte und Strategien entwickelt, die den lokalen Standort für Startups zukunftsfähig machen. Die damit verbundenen Fragen sind vielfältig, etwa »Wie sehen die Arbeitswelt und die Produktionsweisen von morgen aus?« oder »Welche Chancen haben Kommunen, sich mit neuen Technologien im Standortwettbewerb zu positionieren?«. Alleine in Deutschland gibt es ca. 500 Gründerzentren, deren Aufgabe es ist, technologieorientierte, möglichst innovative Neugründungen und Jungunternehmen zu unterstützen.[9] Gründerzentren stellen Neu- und Jungunternehmen neben Gebäuden, Gewerbeflächen und Serviceleistungen auch Hilfe in Form von Beratungs- und Betreuungsangeboten zur Verfügung. Der überwiegende Teil, der Gründerzentren wird von öffentlichen Institutionen wie Gemeinden bereitgestellt, allerdings gibt es auch private Förderprogramme großer Unternehmen. Spezielle Förderprogramme der Kommunen oder des Bundes unterstützen zusätzlich die Arbeit der Zentren. Allgemein formuliert ist liegt das Ziel von Gründerzentren im Auffinden, Auswählen und Fördern unternehmerischer Initiativen und deren laufende Betreuung. Dies beinhaltet zudem potentielle Gründer zur Unternehmensgründung zu ermutigen und v.a. den Erfolg neu gegründeter Unternehmen zu verbessern. [10]

[...]


[1] Vgl. Deutscher Städtetag, 2012: 2.

[2] Vgl. Deutscher Städte- und Gemeindebund, 2013: 6.

[3] Vgl. Deutscher Städte- und Gemeindebund, 2013: 7.

[4] Vgl. Deutscher Städte- und Gemeindebund, 2013: 7.

[5] Vgl. Deutscher Städte- und Gemeindebund, 2013: 8.

[6] Vgl. Kayser & Fechner, 2007: 7f.

[7] Vgl. Wied, 2012: S.8.

[8] Vgl. Deutsche Startups, 2009.

[9] Vgl. Schwartz & Hornych, 2008:28.

[10] Vgl. Deutsche Startups, 2009.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Kommunale Wirtschaftsförderung. Ziele, Aufgaben und Organisationsformen
Hochschule
Universität Kassel  (Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung)
Veranstaltung
Ökonomie der Stadt- und Regionalentwicklung
Note
2,3
Autoren
Jahr
2015
Seiten
24
Katalognummer
V320778
ISBN (eBook)
9783668203587
ISBN (Buch)
9783668203594
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kommunale, wirtschaftsförderung, ziele, aufgaben, organisationsformen, allgemeine Ziele
Arbeit zitieren
Sebastian Scholz (Autor)Kevin Berke (Autor), 2015, Kommunale Wirtschaftsförderung. Ziele, Aufgaben und Organisationsformen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320778

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