Die "Vermehrte Newe Beschreibung Der Muscowitischen und Persischen Reise" des Adam Olearius. Aspekte und Eigenheiten des frühneuzeitlichen Reiseberichts


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte des Werkes
2.1. Adam Olearius
2.2. Grund und Verlauf der Reisen nach Moskau und Persien

3. Analyse des Gesamtwerkes
3.1. Aufbau, Inhalt und Auflagen des Buches
3.1.1. Aufbau und Inhalt
3.1.2. Die Auflagen des Buches
3.2. Aspekte und Eigenheiten des Buches
3.2.1. Das Buch als wissenschaftliche Fachliteratur
3.2.2. Das Buch als prosaische Literatur für die Allgemeinheit
3.2.3. Das Buch als Versuch der Prestigesteigerung

4. Fazit

5. Quellen und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die „Vermehrte Newe Beschreibung Der Muscowitischen und Persischen Reyse“1, von Adam Olearius, wird als die erste wissenschaftliche Reisebeschreibung in deutscher Sprache angesehen und gilt bis heute als einzigartig und informativ.2

Der Reisebericht wurde mehrfach in der Forschung behandelt und untersucht. Die lange Reise durch exotische Länder und die wissenschaftlichen Untersuchungen und Beschreibungen von Olearius werden bis heute zu Recht als etwas für die damalige Zeit sehr Neumodisches und Modernes gefeiert. Kernpunkt der meisten vorgenommenen Untersuchungen waren die beinhalteten Beschreibungen von Ländern, Menschen und Kulturen. Dabei wurde der eigentliche Status eines Wissenschaftsberichtes, trotz mancher Kritik, meist als gegeben hingenommen, ohne ihn noch tiefer zu hinterfragen. Die verschiedenen anderen, teilweise höchst unwissenschaftlichen Elemente des Buches, wurden nur selten angesprochen. Die Poesie und Gedichte des Textes, seine christliche und eurozentristische Sicht, oder das auffällige Verschweigen des eigentlichen Reisehintergrundes im Zusammenspiel mit dem Versuch, das Ansehen des Gottorfer Hofes zu steigern, gingen bei der Textbeurteilung nicht tief genug. Sie sollen daher Inhalt dieser Arbeit sein. Die Frage was dazu geführt haben könnte, dass sich Olearius Reisebericht unter seinen Zeitgenossen einer so großen Beliebtheit erfreut hatte, wird ebenfalls im Folgenden aufgegriffen werden.

Als Hauptquelle wird mir einer der Drucke der Reisebeschreibung aus dem Jahr 1656 dienen, den ich als Digitalisation von 2011, in guter Qualität, von der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel erhalten habe.

Als passende Begleitliteratur haben sich die themenbezogen Aufsätze von Jörg-Ulrich Fechner3 und Hans-Georg Kemper4 erwiesen, die sich jeweils mit verschiedenen Teilaspekten des Buches und ihren Hintergründen beschäftigen.

Um den Einstieg in das Forschungsthema zu erleichtern und um nötiges Hintergrundwissen zu liefern, werde ich im zweiten Teil der Arbeit zuerst eine Biographie des Autors der Reisebeschreibung, Adam Olearius, vorstellen. Dem wird sich eine Erläuterung über die Gründe und den Ablauf der historischen Gottorfer Gesandtschaftsreisen nach Moskau und Persien anschließen. Im Hauptteil werde ich mich dann mit dem Reisebericht, seinem Aufbau, Inhalten und vor allem seinen Besonderheiten beschäftigen und ihn, im Hinblick auf die bereits angesprochenen Fragen und Unklarheiten, untersuchen.

Der vierte Teil wird eine Zusammenfassung der vorangegangenen Abschnitte darstellen, ein Fazit ziehen und versuchen die Fragestellung zufriedenstellend zu beantworten.

2. Vorgeschichte des Werkes

2.1. Adam Olearius

Das genaue Geburtsdatum des Adam Olearius, geboren als Adam Oehlschlegel und Sohn eines Schneiders, ist nicht überliefert. Die Forschung geht von einer Geburt im Jahr 1599 aus. Belegt ist seine Taufe am 16.08.1603 in Aschersleben.5 1620 begann er das Studium der Theologie, Mathematik, Philosophie und Philologie an der Universität in Leipzig. Zu dieser Zeit latinisierte er seinen Namen, wie damals durchaus üblich, von Oehlschlegel zu Olearius. 1627 erwarb er die Magisterwürde und arbeitete mehrere Jahre als Konrektor der Leipziger Nikolaischule, bevor er 1632 eine Anstellung als Dozent an der Universität erhielt. In dieser Zeit veröffentlichte er eine Reihe von Arbeiten über Astronomie und betätigte sich als Poet und Dichter. Als 1633 der Jurist Philipp Crusius und der Kaufmann Otto Brüggemann, im Auftrag des Herzogs Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf, in Halle mit dem schwedischen Reichskanzler Oxenstierna Verhandlungen über eine Handelsgesandtschaft nach Russland und Persien führten, nahm er mit diesen Verbindung auf und erhielt eine Anstellung als Sekretär. Als Gründe für diesen Berufswechsel vermutet die Forschung, neben der Hoffnung auf berufliche Verbesserung, vordergründig das Ziel, den in der Region Sachsen anhaltenden Wirren des Dreißigjährigen Krieges zu entgehen.6 Im Hinblick auf seinen Eifer bei der späteren Erstellung eines Reiseberichts und seine weitgehenden Forschungsinteressen, könnte man aber auch vermuten, dass ihn genauso sehr die Chance fremde exotische Länder kennenzulernen gereizt hatte.

Olearius nahm von November 1633 bis August 1639 an der Gesandtschaftsmission teil, die ihn zweimal nach Moskau und schließlich bis zur persischen Hauptstadt Isfahan führte.7 Neben seinen Aufgaben als Sekretär, gehörte der Auftrag für den Gottorfer Hof einen Reisebericht anzufertigen und den Verlauf der Mission zu dokumentieren. Nach dem Abschluss der Reise schlug er die Berufung zum Hofastronomen am russischen Zarenhof aus, nachdem ihm von Johann Adolph Kielmann, Hofrat in Diensten Herzog Friedrichs III., das Amt des Hofmathematikers angeboten wurde. Die Möglichkeiten als Gelehrter zu arbeiten und etwas zu bewirken erschienen ihm in Gottorf offenbar um ein vielfaches günstiger, zumal der Herzog als jemand galt, der den Künsten und der Wissenschaft sehr zugetan war.8 1640 heiratete er die Kaufmannstochter Catharina Möller, aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.

Seine Haupttätigkeit im Dienste Friedrichs III. war es, über Jahre hinweg, den Reisebericht druckfertig zu machen. Dieser erschien 1647 in erster Auflage und nachdem er schnell vergriffen war, wurde 1656 eine zweite, stark erweiterte Auflage produziert und verbreitet. 1649 wurde er zum Hofbibliothekar ernannt. Er bewog den Herzog dazu, große Summen für Neuerwerbungen und Neubauten auszugeben, und leitete die Erweiterung und Katalogisierung der Hofbibliothek. Auch der Aufbau der bis heute berühmten Kunstkammer geht auf Olearius Bestrebungen zurück.

Zu seinen größten weiteren Schöpfungen gehören die Konstruktion des drehbaren Riesenglobus (1654), das bewegliche Planetensystemmodell Sphaera Copernicana (1657) und ein Fernrohr mit dem Beobachtungen an Sonne und Mond vorgenommen werden konnten (ca. 1647). Zu den am meisten beachteten Schriften, neben der „Beschreibung der muscowitischen und persischen Reise“, zählen unter anderem die Landesbeschreibung „Kurtzer Begriff einer Holsteinischen Chronic“ (1663) und das „Schleswigische und Holsteinische Kirchen Buch“ (1665). Des Weiteren bearbeitete und verbreitete er die poetischen Schriften seines verstorbenen Reisegefährten Paul Fleming, betätigte sich als Kupferstecher, Architekt und Übersetzer. 1651 wurde er in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen, die sich der Pflege der deutschen Sprache widmete.

Er blieb auch nach dem Tod Friedrichs III. und der Einführung Christian Albrechts als Herzog im Amt und verstarb am 23.02.1671 in Gottorf. Beigesetzt wurde er im Schleswiger Dom.9

2.2. Grund und Verlauf der Reisen nach Moskau und Persien

Als Friedrich III. im Jahr 1616 die Herrschaft über das Herzogtum Schleswig-Holstein- Gottorf antrat, hatte er direkt mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Auf der einen Seite hatte er, neben dem Titel, von seinem Vater Schulden geerbt. Auf der anderen Seite waren die Einnahmen einer Reihe von Ämtern des Herzogtums an seine Großmutter, die dänische Königin Sophie, verpfändet. Weitere Ämter gingen an seinen Onkel Johann Friedrich. Außerdem standen seiner Mutter Augusta ebenfalls Einnahmen von mehreren Ämtern als Witwenpension zu.10 Dies verminderte Friedrichs Einkünfte erheblich und reichte kaum aus, die immer weiter steigenden Ausgaben des Herzogtums zu finanzieren. Diese Ausgaben waren erheblich und steigerten sich im Laufe seiner Amtszeit, da er im Rahmen des Dreißigjährigen Krieges, trotz der langzeitigen neutralen Haltung, größere Mittel für militärische Zwecke bereitstellen musste. Ein weiterer Kostenpunkt war sein teures Hof- und Kulturleben. Auch die Einrichtung und der groß angelegte Ausbau seiner Kunstsammlung, dessen Grundstock die Cranachbilder darstellten, die Teil der Mitgift seiner Frau gewesen waren, stellte einen erheblichen Kostenfaktor dar. Dieses und weitere Projekte ähnlicher Art, sollten seine Stellung als Förderer und Kenner der Künste und damit seine Reputation steigern.11 Friedrich III. versprach sich die Etablierung neuer Geldquellen durch Förderung des Wirtschaftslebens im Stil des Merkantilismus. In diesem Zusammenhang wurde im Herzogtum die Infrastruktur für den Handel, durch Kanalbauten und die Errichtung von Handelsplätzen, verbessert. Auch die Gründung von Friedrichstadt zwischen den Flüssen Eider und Treene, als Handelszentrum, ist ein Ausdruck dieses Vorhabens.12

[...]


1 Olearius, Adam: Vermehrte Newe Beschreibung Der Muscowitischen und Persischen Reyse. So durch gelegenheit einer Holsteinischen Gesandschafft an den Russischen Zaar und König in Persien geschehen. Worinnen die gelegenheit derer Orter und Länder/ durch welche die Reyse gangen/ als Liffland/ Rußland/ Tartarien/ Meden und Persien/ sampt dero Einwohner Natur/ Leben ... zu befinden / welche Zum andern mahl heraus gibt Adam Olearius Ascanius …, Schleßwig 1656. - Der Lesbarkeit wegen im Folgenden nur Reisebeschreibung oder Reisebericht genannt.

2 Vgl. Fechner, Jörg-Ulrich: Rußland-Erfahrungen eines barocken Gelehrten aus Deutschland: Adam Olearius, in: Deutschsprachige Literatur im westeuropäischen und slavischen Barock, hrsg. von: Dirk Kemper, Ekaterina Dmitrieva und Jurij Lileev, München 2012, S. 199.

3 Ebenda, S. 199-219.

4 Kemper Hans-Georg: „Denkt, dass in der Barbarei / Alles nicht Barbarisch sei!“ Zur muscowitischen vnd persischen Reise von Adam Olearius und Paul Fleming, in: Beschreibung der Welt. Zur Poetik der Reise- und Länderberichte. Vorträge eines interdisziplinären Symposiums vom 8. bis 13. Juni 1998 an der Justus-Liebig- Universität Gießen, hrsg. von Xenja von Ertzdorff, Amsterdam 2000, S. 315-344.

5 Vgl. Jenß, Uwe: Olearius, Adam, in: Schleswig-Holsteinisches Biographisches Lexikon Band 1, hrsg. von Olaf Klose, Neumünster 1970, S. 211.

6 Vgl. Vgl. Kemper 2000, S. 317.

7 Vgl. Christensen, Steen Ove: Adam Olearius: „Kurtzer Begriff einer holsteinischen Chronic“ (1639), und die Kriegsereignisse in den Herzogtümern in der Regierungszeit Herzog Friedrichs III.. Eine historiographische Studie, in: ZSHG Band 109, Neumünster 1984, S. 123.

8 Vgl. Lohmeier, Dieter: Adam Olearius, in: Gottorf im Glanz des Barock Band 1. Die Herzöge und ihre Sammlungen, hrsg. von Heinz Spielmann und Uta Kuhl, Schleswig 1997, S. 349.

9 Vgl. Lohmeier 1997, S. 349ff.

10 Vgl. Henningsen, Lars: Die Herzöge von Gottorf, in: Die Fürsten des Landes. Herzöge und Grafen von Schleswig, Holstein und Lauenburg, hrsg. von Carsten Rasmussen, Elke Imberger u.a., Neumünster 2008, S. 157.

11 Vgl. Ebenda, S. 156.

12 Vgl. Geier, Wolfgang: Russische Kulturgeschichte in diplomatischen Reiseberichten aus vier Jahrhunderten. Sigmund von Herberstein, Adam Olearius, Friedrich Christian Weber, August von Haxthausen, Wiesbaden 2004, S. 70.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die "Vermehrte Newe Beschreibung Der Muscowitischen und Persischen Reise" des Adam Olearius. Aspekte und Eigenheiten des frühneuzeitlichen Reiseberichts
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Hauptseminar zur Geschichte der Neuzeit: „Hof und Hofkultur der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf (1544-1713/73)“
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V320782
ISBN (eBook)
9783668200326
ISBN (Buch)
9783668200333
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vermehrte, newe, beschreibung, muscowitischen, persischen, reise, adam, olearius, aspekte, eigenheiten, reiseberichts
Arbeit zitieren
Niels Rauter (Autor), 2016, Die "Vermehrte Newe Beschreibung Der Muscowitischen und Persischen Reise" des Adam Olearius. Aspekte und Eigenheiten des frühneuzeitlichen Reiseberichts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320782

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