Wie real ist die Realität? Konstruktion von Wirklichkeit am Beispiel von "Die Truman Show"


Hausarbeit, 2015

19 Seiten, Note: 1,0

Carolin Menzel (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Filmwissen
2.1 Inhaltsangabe
2.2 Kurze Erläuterungen zu den Personen

3. Konstruktion von Wirklichkeit
3.1 Seahaven als perfekte Stadt?
3.2 Wirklichkeitsebenen

4. Trumans Erkenntnisprozess und der Vergleich des Höhlengleichnis
4.1 Trumans Erkenntnisgewinn
4.2 Unterschiede

5. Fazit

6. Anhang

7. Verzeichnisse

1. Einleitung

'Die Truman Show' als Gegenstand für diese Hausarbeit zu wählen, stand für mich schnell fest. Jene im Film dargestellte Problematik reizt nicht nur mich, sondern auch eine große Zuschauerschaft weltweit, welche sich beispielsweise in 3 Millionen deutschen Kinogängern äußerte.1 Als Grundlage für die 1998 erschienene Tragikomödie diente die Drehbuchvorlage von Andrew Niccol aus dem Jahre 1991. Regisseur Peter Weir schuf daraus ein bedeutsames Gesamtwerk, dass von dem Filmlexikon 'Zweitausendeins.de' mit folgenden Worten treffend gewürdigt wird: „Satire und Nachdenklichkeit treffen sich in Peter Weirs Film vor dem Hintergrund einer gigantischen "lebensechten" Fernsehkulisse, und der Zuschauer wird zum Voyeur der Voyeure bei Trumans allmählicher Entdeckung einer alternativen Realität. Brillant inszeniert und gespielt, nimmt der Film Medienmanipulation, Konformismus und Kommerzialisierung aufs Korn, scheut aber auch vor existentieller Fragestellungen nicht zurück.“2

Bis heute übt der Film seine Anziehungskraft aus, mit dem Verlauf der Jahre, hat seine Bedeutung immer mehr zugenommen, heute allemal akuter als damals. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Paramount Pictures bereits bekannt gaben, eine wirkliche Truman Show-ähnliche Serie ins Leben rufen zu wollen.3

Wie wird eine zweite, komplett in sich geschlossene, Wirklichkeit für nur eine Person geschafften, ohne dass diese es aus eigener Kraft heraus schafft, die künstliche Konstruktion wahrzunehmen? Welche Wirklichkeitsstufen und Parallelen gibt es zu dem Erkenntnisgewinn in Platons Höhlengleichnis?

Um diese Fragen zu beantworten, werde ich meine Ausführungen erst mit den notwendigen Grundlagen des Filmes beginnen, worauf im Anschluss eine kritische Betrachtung der Konstruktion von Wirklichkeit folgt. Mithilfe dieser Grundlagen, bildet ein Vergleich von Trumans Erkenntnisgewinn mit Platons Höhlengleichnis den Abschluss.

2. Filmwissen

2.1 Inhaltsangabe

Nahezu perfekt erhebt sich die Sonne über der idyllischen Hafenstadt Seahaven, gleich einem friedvollen Gemälde. Wie jeden Morgen steht Truman Burbank, ein 30jährige und unauffälliger Durchschnittstyp, auch heute am Tag 10909 gutgelaunt vor seinem Badezimmerspiegel. Er ist nicht nur der Hauptdarsteller in dem Film 'Die Truman Show', sondern auch unwissentlich in der gleichnamigen Doku-Soap, welche seit nunmehr 30 Jahren, 24 Stunden am Tag live übertragen wird. Von Anbeginn seiner Geburt verfolgen Millionen Zuschauer somit jeden Augenblick seines Lebens, in der eigens für ihn geschaffenen Kleinstadt Seahaven. Diese ist in Wahrheit nur ein riesiges kuppelartiges Filmstudio. Grundlage dessen bildet modernste Technik, die sich u.a. in 5000 versteckten Kameras, und der Kommandozentrale hoch oben im Mond, äußert. Von dort aus spinnt Regisseur Christof mit seinem Team die Fäden der Stadt, sei es der künstliche Sonnenaufgang, das Wetter, oder die Texte der Bewohner - alles wird von ihm dramaturgisch inszeniert. Bis auf Truman sind alle Personen, einschließlich seiner Familie, lediglich Schauspieler in dieser künstlich arrangierten Welt.

Das einzige Wahre in dieser Scheinwelt ist Truman, sein Handeln und Gefühle sind unverfälscht und echt. Genau diese Faszination fesselt die Zuschauer vor den Fernsehern, egal ob beim Einschlafen, Kochen, oder in der Kneipe - von jedem Ort aus begleiten ihn Millionen von Augen. Lauren, eine ehemalige Darstellerin der Serie verfolgt alles mit besonderem Interesse, denn sie kämpft mit einigen Anhängern für die Befreiung Trumans aus seinem wohlbehütetem Gefängnis. Als sie viele Jahre zuvor als Statistin mitspielte, entwickelte sich eine Zuneigung zwischen den Beiden, welche so nicht geplant war und Lauren entfernt wurde. Der damals verdutzt zurückgebliebene Truman konnte sich keinen Reim darauf bilden, hielt aber weiterhin heimlich an der Liebe zu ihr fest.

Erst Jahre später, als am Tag 10909 ein, angeblich von einem Flugzeug verlorener, Studioscheinwerfer vor seine Füße vom Himmel fiel, sowie weitere unerklärliche Vorkommnisse sein Unbehagen wecken, wunderte er sich erneut. Truman beginnt seine Umwelt durch Tests in Frage zustellen und scheint, berechtigter Weise, einige Male dem Wahnsinn nahe, wenn er die Scheinwelt durchschaute.

Ebenso seine Frau Meryl, die sich durch ihn, als Schauspielerin, überfordert fühlt und seine Annahmen, anhand ihres Verhalten unwissentlich bestärkt. Zur Ablenkung von diesem gefährlichen Gedankengut inszeniert die Regie mit allen dramaturgisch möglichen Mitteln, eine herzzerreißende Wiedervereinigung von Vater und Sohn - mit offensichtlichem Erfolg, denn Truman schien wieder zufrieden… zu sein. Dies spielte er nur zum Schein, um eine Nacht später durch eine List, vor den Kameras zu verschwinden. Das gesamte in Aufruhr versetzte Studio suchte nach ihm und setzten alle Regeln außer Kraft, indem alle Schauspieler als Aufmarsch durch Seahaven zogen. Christof fand ihn schließlich auf eine Boot im Meer und versuchte, ihn lieber töten zu wollen, als ihn entkommen zulassen. Er überlebte und stieß mit dem Boot durch die als Horizont angemalte Studiowand, so dass sich Christof letztlich gezwungen sah, dass erste Mal selbst das Wort an seinen Zögling zu richten, in der Hoffnung, ihn zum Bleiben zu Überzeugen.

2.2 Kurze Erläuterungen zu den Personen

Neben dem Filminhalt erachte ich die folgenden Erläuterungen über die Hauptersonen als unerlässlich, um den weiteren Ausführungen besser folgen zu können.

Truman Burbank - Durchschnittstyp/ Gefangener/ Entdecker

Wenn man allein seinen Namen betrachtet, fällt auf, dass es dem Englischen „true“ und „man “ entlehnt scheint, was im Deutschen soviel wie der „wahre Mann“ bedeutet. Bei ihm handelt es sich um die Hauptperson, die das Zentrum der kompletten Welt Seahavens darstellt. Dabei verkörpert er, in gewisser Weise, das Idealbild des guten Bürgers, denn er ist ein unauffälliger, gutgläubiger Durchschnittstyp. Zusätzlich verleiht ihm seine positive Lebenseinstellung das Image des netten Nachbarn, der förmlich 'keiner Fliege etwas zu Leide tun könnte'. Dennoch steckt mehr Potential in ihm als man erwartet. In einer Rückblende sagt er zu seiner Lehrerin, dass er ein Entdecker, wie der große Magellan werden wolle. Darauf wird er mit der Erklärung beschwichtigt, dass es in dieser Welt gar nichts mehr zu entdecken gäbe.4 Dieses Beispiel steht exemplarisch für alle aufkeimenden, unerwünschten Eigenschaften seinerseits, die sofort unterbunden bzw. gelenkt wurden, um ihn nach des Regisseurs Vorstellungen zu formen. Das Ziel dieser Umerziehung wurde zwar sichtbar erfüllt, doch kommt sein, im Beispiel genannter, Entdeckerdrang wieder zum Vorschein, als sich groteske Ereignisse häufen und er die Wahrheit zu ergründen sucht.

Christof - Regisseur/Schöpfer

Christof ist der Schöpfer und Regisseur der Truman Show. Alles innerhalb dieser wird nach seinem Anweisungen hin, inszeniert. Er betrachtet das ganze als eine Art Kunstprojekt, in dem er seinen Wunsch nach (s)einer perfekten Welt, verfolgt. Dabei erfährt man nichts über sein eigentlich Leben, wobei es den Anschein macht, als sei die Show sein einziger Lebensmittelpunkt. Zudem projiziert er sich in Truman, um auch einen Anteil an dieser vollendeten Welt zu haben, anstatt nur der verborgene Drahtzieher zu sein. Anschuldigungen, moralisch verwerflich zu handeln, weist er mit der Aussage zurück, dass Seahaven die Beste aller möglichen Welten sein und er Truman nur das Geschenk mache, dort Leben zu dürfen.

Schauspieler - Marionetten/reale Menschen

Bis auf Truman sind alle Bewohner Seahavens, Schauspieler, denen bewusst ist, dass die permanent beobachtet werden und nichts von dem echt ist, was sie umgibt. Eine Zwiespältigkeit zwischen der realen Person und der dargebotenen Rolle ist sofort erkennbar. Man kann sogar soweit gehen zu sagen, dass alle eine gespaltene Persönlichkeit besitzen, indem sie die verkörperte Rolle schon 30 Jahre durchgehend und vor allem authentisch spielen. Die persönliche Identität wurde abgelegt und ein neues Leben in Seahaven begonnen. Die Bezeichnung 'real' findet dort jedoch keinen Platz, angesichts der Tatsache, dass alle Schauspieler ein winziges Headpiece im Ohr tragen, durch welches Befehle und Texte des Regisseurs empfangen werden. Im Endeffekt, führen alle nur Anweisungen aus, statt angeblich spontan, von eigenen Motiven angetrieben, zu agieren.

Meryl Burbank - Ehefrau/ Hannah Gill/Schauspielerin

Meryl Burbank ist die liebsorgende Ehefrau an Trumans Seite. Da er sich eigentlich in die Statistin Lauren verliebt hatte, musste Meryl ihm regelrecht aufgedrängt werden, bis er sie letztendlich heiratete. Von wahrer Liebe ist dabei keinesfalls die Rede, sondern vielmehr von einer künstlichen Beziehung die nach außen hin jedoch grotesk perfekt wirkt. Sichtbar wird es ihrerseits durch überkreuzte Finger auf dem Hochzeitsfoto und bei ihm durch ein verborgenes Bild von Lauren hinter einem Portrait seiner Frau. Meryl stellt in dem Film einen Dualismus dar, auf der einen Seite ist sie berufliche Schauspielerin namens Hannah Gill, die ihr reales Leben aufgegeben hat, um Meryl Burbank zu werden. Ihr durch die Regie komplett vorgegebenes Leben, bietet keine Möglichkeit in die eigentliche Realität zurückzukehren, daher scheint sie mit ihrer Rolle verschmolzen und ihre Existenz, inklusive ihrem gespieltem Beruf als OP-Schwester, eine gelebte Lüge. Neben der sichtbaren Rolle als Ehefrau, ist ihre Versteckte, Truman unmerklich zu lenken, sprich ihm unliebsame Gedanken aus dem Kopf zu treiben, wie das Fernweh. Dabei gaukelt sie ihm etwas von dem Glück der heimischen Gefilde vor und erinnert ihn beispielsweise an seine Pflichten gegenüber seiner Familie, oder die Hausabzahlung. Mit dem Verlauf des Film kommt ihr Ehemann dahinter, worauf hin sie überfordert scheint.

Marlon - Freund/Lügner

Die wichtigste Konstante in Trumans Leben ist sein bester Freund Marlon. Beide kennen sich seit Kindertagen, verbringen viel Zeit miteinander und Truman vertraut ihm mehr über sich an, als seiner Frau. Wenn man bedenkt, dass auch er ein Schauspieler ist, entdeckt man hier ebenfalls einen Dualismus wie bei Meryl. Er lebt genauso rund um die Uhr ein nicht selbstbestimmtes Leben in dem Filmset und muss den guten Freund mimen. Im Unterschied zu ihr, hat er im Verlauf der 30 Jahre eine echte Beziehung zu Burbank aufgebaut und sieht in ihm einen wahren Freund. In einzelnen Momenten merkt man ihm an, wie schwer es ihm fällt Truman so belügen zu müssen, so wie des nachts, als Marlon ihm versicherte, dass er niemals lügen würde.5 Durch seine Bedeutung für unsere Hauptperson kommt auch ihm die Funktion eines Wächters zu, der ihn durch Worte in der Stadt halten, sowie gefährliches Gedankengut unterbinden soll. Zusätzlich wird er in kritischen, häuslichen Umständen als Überraschungsgast mit einem Sechserpack Bier in der Hand, zu den Burbanks geschickt, um die Situationen zu entschärfen.6

Lauren Garland - Statistin/Sylvia/fortwährende Liebe

Ihr kommt eine besondere Stellung im Film zu, denn sie wurde nachdem Truman sich in sie verliebte, aus der Show entfernt. Seit dem verfolgt Sylvia gespannt vor dem Fernseher den Verlauf der Serie und protestiert öffentlich gegen das unmoralische Handeln der Produktionsfirma. Sie versucht, vergebens, alles, um Truman von außen aus seinem Gefängnis zu befreien.

[...]


1 Laszing, Parfen, Blade Runner, Matrix und Avatare : Psychoanalytische Betrachtungen virtueller Wesen und Welten im Film, Berlin, Heidelberg: Springer 2013, S. 241.

2 http://www.zweitausendeins.de/filmlexikon/?wert=509067&sucheNach=titel

3 http://www.moviepilot.de/news/gibt-es-die-truman-show-bald-als-serie-129057

4 Die Truman Show. R: Peter Weir. USA 1998. TC: 01:03:08-01:03:16.

5 Die Truman Show. 1998. TC: 00:57:01-00:58:34.

6 Die Truman Show. 1998. TC: 00:54:47-00:55:23.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Wie real ist die Realität? Konstruktion von Wirklichkeit am Beispiel von "Die Truman Show"
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V320788
ISBN (eBook)
9783668200463
ISBN (Buch)
9783668200470
Dateigröße
714 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Truman Show, Platon, Höhlengleichnis, Wirklichkeit, Konstruktion, Erkenntnis
Arbeit zitieren
Carolin Menzel (Autor), 2015, Wie real ist die Realität? Konstruktion von Wirklichkeit am Beispiel von "Die Truman Show", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320788

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