Bewertung und Einsatz von Wetterderivaten


Seminararbeit, 2016

25 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhalt

I. Abkürzungsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Tabellenverzeichnis

1. Einführung

2. Grundlagen
2.1. Wetter
2.2. Wetterrisiko
2.3. Wetterderivat
2.3.1. Laufzeit
2.3.2. Wetterstation
2.3.3. Underlying
2.3.4. Index
2.3.5. Strike
2.3.6. Tick

3. Beispiel

4. Ansätze zur Bewertung
4.1. Burn Analysis
4.2. Stochastische Modelle
4.2.1. Index Valuation Simulation Method (IVSM)
4.2.2. Daily Simulation Method (DSM)

5. Einsatz von Wetterderivaten

6. Handel mit Wetterderivaten

7. Fazit

IV. Anhang

V. Literatur- und Quellenverzeichnis

VI. Erklärung

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Nachfrage von Wetterderivaten nach Branchen

Abbildung 2: Absatzveränderung von 2009 zu 2010 (in Prozent)

III. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Unterscheidung endogener und exogener Risiken

Tabelle 2: Kumulierte HDD für Ravensburg

1. Einführung

Seit jeher hat das Wetter, als nicht-katastrophales Ereignis, einen entscheidenden Einfluss auf unsere Entscheidungen. Dabei ist es vor allem eine einflussreiche Variable auf der Beschaffungs- und Absatzseite von Unternehmen. So sind Schätzungen zufolge vier von fünf Unternehmen vom Wetter abhängig.1 Anders ausgedrückt, geht die Chicago Mercantile Exchange (CME) davon aus, dass das Risiko, das mit Wettervariablen in Verbindung gebracht wird, allein für die US-Wirtschaft, bei zwei bis neun Billionen US-Dollar liegt.2

Bisher hatten Unternehmen ausschließlich die Möglichkeit, die Volatilität ihrer Cashflows mit Hilfe klassischer Versicherungen zu verringern. Seit 1997 bieten Derivate, mit entsprechenden Wettervariablen als Underlying, den Unternehmen neue Möglichkeiten, um ihr Wetterexposure zu hedgen. Dabei muss kein Schaden nachgewiesen werden, die Prämien sind wesentlich geringer und Standardprodukte sind liquide.3 Daraus ergeben sich deutliche Vorteile gegenüber Versicherungen, die sich darüber hinaus meist auf katastrophale Ereignisse beziehen.

Die Finanzprodukte sind verhältnismäßig jung und innovativ. Es ergeben sich viele Besonderheiten im Vergleich zu gängigen Wertpapieren. Diese sollen im Folgenden herausgearbeitet werden. Darüber hinaus sollen Ansätze zur Bewertung gezeigt werden und Vor- sowie Nachteile dargelegt werden. Problematisch ist, dass viele der Derivate nicht an der Börse, sondern Over-The-Counter (OTC) gehandelt werden und damit keine Einheitlichkeit besteht. So konnte sich die Absicherung mit Wetterderivaten bisher nicht durchsetzen. Wie in der folgenden Arbeit allerdings ersichtlich wird, wäre dies für viele Branchen sinnvoll.

2. Grundlagen

2.1. Wetter

Wetter ist ein Phänomen unserer Erde. Hervorgerufen werden Wetterereignisse durch das Klima, welches langfristig beobachtet werden kann. Folglich stellt das Wetter ein kurzfristig auftretendes Phänomen an einem bestimmten Ort dar. Dabei können verschiedene Wetterparameter, wie Temperatur, Regenmenge oder Windgeschwindigkeiten gemessen werden. Die Kombination dieser Parameter, in Form einer lokalen Momentaufnahme, entspricht dem Wetter.

2.2. Wetterrisiko

Der Begriff Risiko kann im allgemeinen Sprachgebrauch für unterschiedlichste Situationen verwendet werden. Im Folgenden soll „Risiko“ im betriebswirtschaftlichen Sinne gesehen werden. Doch auch in der wissenschaftlichen Literatur gibt es keine einheitliche Definition dieses Begriffs.

Im Allgemeinen kann Risiko als „Eventualität, dass mit einer Wahrscheinlichkeit ein Schaden bei einer (wirtschaftlichen) Entscheidung eintreten oder ein erwarteter Vorteil ausbleiben kann“, gesehen werden.4 Für Unternehmen liegt das primäre Ziel in der Gewinnmaximierung. Im wirtschaftlichen Verständnis stellen alle Ereignisse, die das Erreichen dieses Ziels gefährden, ein Risiko dar. Quantifizierbar wird dies durch das Ausmaß des Verlustes sowie durch die entsprechende Verlustwahrscheinlichkeit. Die Wahrscheinlichkeit der Zufallsvariablen ist dabei die Fläche unter der Dichtefunktion und über der x-Achse innerhalb der Intervallgrenzen.5

Das Wetter kann einen Faktor darstellen, der ursächlich für eine negative Entwicklung des Geschäftserfolgs ist. Die einzelnen Wettervariablen, die dafür verantwortlich sein können, werden in Kapitel 2.3.3 auf Seite 7 detaillierter dargestellt.

Tabelle 1: Unterscheidung endogener und exogener Risiken

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Das Wetter muss als exogenes operatives Risiko gesehen werden, da das Unternehmen keinerlei Einfluss auf die Eintrittswahrscheinlichkeit unterschiedlicher Wettersituationen hat.6 Diese Einordnung ist in Tabelle 1 auf Seite 5 dargestellt.

Des Weiteren ist ein Risiko immer subjektiv. Ob die Abweichung vom Erwartungswert eine Chance oder eine Gefahr darstellt, hängt vom Einzelnen ab. Eine, an einem bestimmten Ort eintretende Wettersituation, kann gleichzeitig sowohl negativ, als auch positiv sein. Abhängig ist dies von den jeweiligen Erwartungen sowie vom entsprechenden Geschäftsfeld. Das Exposure von Unternehmen an einem gleichen Ort ist folglich, trotz identischem Wetterereignis, unterschiedlich. So kann ein Sommer mit geringen Temperaturen sowie hohen Niederschlagswerten für eine Eisdiele ein hohes Risiko darstellen, wohingegen die Therme in derselben Stadt davon profitiert.

Wetterrisiko muss hierbei deutlich abgegrenzt werden. Im Folgenden ist das sogenannte „high-frequency – low-impact“-Risiko gemeint. Das bedeutet, dass Wetterrisiken gemeint sind, die im Allgemeinen häufig auftreten (high-frequency) und dabei verhältnismäßig geringe Verlustrisiken (low-impact) haben. Sie sind damit zu differenzieren von katastrophalen Wetterrisiken (z.B. Hurrikans), welche eine sehr geringe Eintrittswahrscheinlichkeit (low frequency) bei erheblichen Schäden (high-impact) haben.7

2.3. Wetterderivat

Ein Derivat basiert auf „der genau definierten Abhängigkeit seines Wertes von einem originären zugrunde liegenden Finanztitel, einer Ware oder einer anderen spezifizierten Referenzgröße, dem Basisobjekt.“8 Wetterderivate im Speziellen zeichnen sich durch folgende Merkmale aus: Vertragslaufzeit, Wetterstation, Underlying, Index, Strike und Tick Size.9 Auf diese Attribute soll im Folgenden näher eingegangen werden.

2.3.1. Laufzeit

Die meisten Derivate werden OTC gehandelt. Daher kann die Laufzeit individuell vereinbart werden. Es bietet sich meist ein Kalendermonat oder eine Saison an. Dabei wird die Winter- und die Sommersaison unterschieden. Die Wintersaison dauert vom 01. November bis zum 31. März. Von der Sommersaison spricht man jeweils in der anderen Jahreshälfte. Diese Differenzierung wird auch bei der Erstellung des Index, wie in Kapitel 2.3.4 auf Seite 8 beschrieben, noch eine entscheidende Rolle spielen.

2.3.2. Wetterstation

Wetterstationen sind Voraussetzung, um die notwendigen Daten für ein Wetterkontrakt zu erhalten. Alleine das Netz des Deutschen Wetterdiensts umfasst aktuell 2.698 Wetter- und Niederschlagsstationen.10 Im Idealfall sollte sich die Wetterstation in unmittelbarer Nähe zum Wetterexposure befinden. Ansonsten besteht die Gefahr, dass der sich Absichernde keine Auszahlung erhält, obwohl er ein vermindertes Ergebnis aufgrund schlechten Wetters hat. Ursächlich dafür ist die Unkorreliertheit der Wetterdaten aus einer anderen Stadt oder einer anderen Region, die für sein Betriebsergebnis besser gewesen wären.

2.3.3. Underlying

Als Basiswert kann quasi jede beliebige Wettervariable hergenommen werden. Um damit allerdings bewertbare Wertpapiere darstellen zu können, ist eine Quantifizierbarkeit des Underlyings unabdingbar. Folglich kämen Temperatur, Niederschlag, Windgeschwindigkeit, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck oder auch eine Kombination verschiedener Wettervariablen in Frage. Eine Kombination aus Temperatur und Niederschlag wäre beispielsweise für eine Skiregion denkbar. Die Vergangenheit zeigt allerdings, dass Temperatur, Niederschlag und Windgeschwindigkeit die am häufigsten genutzten Underlyings waren, wobei die verschiedenen Arten von Temperaturderivaten kumuliert etwa 90 Prozent des Gesamtvolumens ausgemacht haben.11 Die Art des Underlying hängt davon ab, gegen welche Art von Risiko sich der entsprechende Kontraktpartner absichern möchte.

2.3.4. Index

Die Arbeit beschränkt sich hier auf Temperaturderivate, da diese die meist gehandelten sind.12 Dabei geht man davon aus, dass der kumulierte Energieverbrauch bei 65 Grad Fahrenheit, was ca. 18,3 Grad Celsius entspricht, am geringsten ist. Sollte die Temperatur darunterliegen, muss geheizt werden. Das sind die sogenannten Heating Degree Days (HDD). Muss an einem Tag gekühlt werden, spricht man von einem Cooling Degree Day (CDD). Die Variablen sind wie folgt definiert:

HDD = max (0, 65 – DAT)

CDD = max (0, DAT – 65)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

DAT (Daily Average Temperature) ist dabei als arithmetisches Mittel aus Tageshöchst- und Tagestiefsttemperatur zu interpretieren. Ein Tag dauert von Mitternacht bis Mitternacht.

Um die Höhe einer Auszahlung zu ermitteln, werden sämtliche HDD- bzw. CDD-Werte einer Akkumulationsperiode addiert, um damit die entsprechenden Indizes bilden zu können:

Die HDD-Indizes werden in den Wintermonaten von November bis März genutzt, CDD-Indizes im Sommerhalbjahr.13

In Europa ist darüber hinaus das Average-Temperature-Konzept in Gebrauch. Es wurde z.B. an der London International Financial Futures and Options Exchange (LIFFE) eingesetzt. Dabei wird das arithmetische Mittel der Tagesdurchschnittstemperaturen einer bestimmten Periode gebildet und als Index hergenommen.

2.3.5. Strike

Bei gängigen Optionen wird der Strike auch als Basispreis oder Ausübungspreis bezeichnet. Wetterderivate sind dabei von normalen Optionen (z.B. mit einer Aktie als Underlying) zu unterscheiden. In der Regel wird als Ausübungspreis der Preis verstanden, für den der Halter der Long-Position am Ende der Laufzeit kaufen oder verkaufen kann.14 Da das Underlying eines Wetterkontrakts selbst nicht gehandelt werden kann, wird ein im Voraus festgelegter Wert des Index als Strike-Level festgelegt. In diesem Fall wäre das eine bestimmte Anzahl an HDD oder CDD. Wird dieser Wert vom Index unter- oder überschritten kommt es zu einer Auszahlung, die von der Differenz zwischen Indexstand bei Fälligkeit und dem Strike bestimmt wird.15

2.3.6. Tick

Der Tick-Value legt fest, wie hoch die Auszahlung pro Indexeinheit über oder unter dem Strike ist.16 Der Geldbetrag bezieht sich dabei auf die kleinste differenzierte Einheit, im oben Index ein HDD oder CDD. Diese Einheit wird als Tick-Size bezeichnet.17 An der CME beträgt der Tick-Value 100 US-Dollar pro HDD oder CDD. OTC sind dabei wesentlich höhere Beträge gängig. Darüber hinaus wird bei Optionen eine Prämienzahlung fällig.

3. Beispiel

Um die einzelnen Bestandteile und damit die Charakteristik eines Wetterkontrakts zu verdeutlichen, soll im Folgenden ein Beispiel zur Veranschaulichung erläutert werden. Es wird von einem OTC-Derivat ausgegangen. Dieses hätte ein Derivatehändler dem Kunden einer Kaufoption beispielsweise im Januar 2015 verkaufen können. Das Kontrakt wurde auf die kumulierten HDD eines Monats (vom 16. Dezember 2015 bis 15. Januar 2016) in Ravensburg abgeschlossen. Es wurde ein Strike von 800 HDD vereinbart. Es kommt also nur zu einer Auszahlung, wenn der Index bei Fälligkeit mehr als 800 HDD verzeichnet. Der Tick-Value soll 10.000 EUR betragen. Darüber hinaus wurde ein Cap von 1.000.000 EUR vereinbart. Realisierbar wird das durch den Verkauf einer Kaufoption (Short-Call) mit einem entsprechend höheren Strike. In diesem Beispiel läge dieser bei 900 HDD. Betrachtet man nun die tatsächlichen Wetterdaten, ergeben sich kumulierte HDD in Höhe von 839.18 Damit liegen die tatsächlichen Werte 39 HDD über dem Strike und es ergibt sich ein Auszahlungsbetrag von 390.000 EUR. Im Gegensatz zu Swaps wird bei Optionen zusätzlich eine Prämienzahlung, hier beispielsweise 50.000 EUR, die der Käufer an den Verkäufer entrichten muss, vereinbart. Mit diesem Kontrakt könnte sich ein städtischer Betrieb gegen zu hohe Räum- und Salzkosten, aufgrund geringer Temperaturen im Winter, absichern und damit die Volatilität seiner Cashflows verringern.

4. Ansätze zur Bewertung

Die Bewertung von Wetterderivaten ist nicht standardisiert, daher gibt es eine Vielzahl an Methoden. Grund hierfür ist, dass die gängigen Bewertungsmethoden, wie die Black & Scholes Optionspreisformel, nicht einfach auf Wetterderivate übertragen werden können. Die Berechnung der Optionspreise würde dabei den Rahmen dieser Arbeit übersteigen, weshalb nachfolgend lediglich ein Einblick in die Bewertungsmöglichkeiten von Wetterkontrakten gegeben werden soll.

[...]


1 Vgl. Mursajew, O. (2013), S. 30

2 Vgl. Müller, A.; Grandi, M. (2000), S. 273

3 Vgl. Hee, C.; Hofmann, L. (2006), S. 24

4 www.wirtschaftslexikon.gabler.de (2015)

5 Vgl. Letschert, J. (2003), S. 6

6 Vgl. Becker, H. A.; Hörter, S. (1998), S. 694

7 Vgl. www.frankfurt-school.de (2005), S. 13

8 Rudolph, B.; Schäfer, K. (2010), S. 15

9 Vgl. Wilkens, S.; Kamp, S. (2002), S. 117

10 Vgl. www.dwd.de (2015)

11 Vgl. www.risk.net (2003)

12 Vgl. www.risk.net (2003)

13 Vgl. Rudolph, B.; Schäfer, K. (2010), S. 200

14 Vgl. Beike, R.; Schlütz, J. (2010), S. 580 und 582

15 Vgl. www.frankfurt-school.de (2003), S. 6

16 Vgl. www.cfi21.org (2013), S. 17

17 Vgl. Beike, R.; Schlütz, J. (2010), S. 552

18 Siehe Tabelle 2 im Anhang auf Seite 15

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Bewertung und Einsatz von Wetterderivaten
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Ravensburg, früher: Berufsakademie Ravensburg
Note
1,6
Autor
Jahr
2016
Seiten
25
Katalognummer
V320874
ISBN (eBook)
9783668200982
ISBN (Buch)
9783668200999
Dateigröße
1413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wetter, Exposure, Risikomanagement, Wertpapier, Derivat, Option, Future, Forward, Absicherung, Wetterrisiko, Wetterderivat
Arbeit zitieren
Fabian Frischknecht (Autor), 2016, Bewertung und Einsatz von Wetterderivaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320874

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