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Geld und Ironie. Anti-ideologisches Denken und Handeln in der kapitalistischen Gesellschaft

Title: Geld und Ironie. Anti-ideologisches Denken und Handeln in der kapitalistischen Gesellschaft

Term Paper (Advanced seminar) , 2013 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Tassilo Weber (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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Summary Excerpt Details

Mit genügend Geld lässt sich nicht nur jede Ware und Dienstleistung kaufen, sondern auch alles nicht-käufliche finanzieren – denn auch ein geldloses Aussteigerdasein hat seinen Eintrittspreis. Es scheint das Medium des totalen Handlungsspielraums, der absoluten Freiheit des Individuums zu sein, auf die jeder, der sich „ökonomisch“ verhält, gleiches Anrecht hat.

Die Vorherrschaft des ökonomischen Denkens und Handelns, für das das Geld nur den Ermöglichungsgrund darstellt, ist jedoch ein Trugbild. Der homo monetarius ist kein freies Wesen, das Geld zu seinen Zwecken verwendet, sondern vielmehr das Medium des Geldes selbst, das durch ihn und seine Interaktion mit der Welt auf sich selbst zurückkommt. Die Freiheit, die das Geld verleiht, ist die Freiheit des Geldes selbst.

Die Denkrichtung dieser Arbeit beschreibt die Suche nach einer Denk- und Handlungsweise, die die dunkle Idee des Geldes aus ihrer Selbstzweckposition vertreibt und gerade darin neue Möglichkeiten des Geldes eröffnet. Und so sage ich das Wichtigste vorweg: Es ist nicht das Wesen des Geldes, das den homo monetarius und die Kapitalakkumulation bedingt; jenes ist von höchster Flexibilität geprägt und hat seine adäquate Form noch nicht gefunden. Der Charakter des Geldes als Selbstzweck resultiert vielmehr aus seiner Anwendung aus einem ideologischen Geist heraus. Ideologie hingegen ist in all ihren Ausprägungen ein Ausdruck der menschlichen Unfähigkeit, frei und selbstverantwortungsvoll zu sein. Und ich bestreite, dass diese Unfähigkeit mit einer Unmöglichkeit gleichzusetzen ist, weder einer individuellen, noch einer gesellschaftlichen. Die monetäre Gesellschaftsform beinhaltet eine Nische für eine Architektur des Selbst, die von einer anti-ideologischen und somit von einer freien Seinsweise geprägt ist, und diese Seinsweise heißt Ironie.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geld als Architekt des Selbst

2.1 Der Begriff des Geldes und seine Entstehung

2.2 Der homo monetarius

2.2.1 Die Welt der Zukunft

2.2.2 Monetäre Zwischenmenschlichkeit

2.2.2.1 Privatleben und Arbeit

2.2.2.2 Monetäre Hierarchie

2.2.3 Der ideologische Widerschein des Geldes in der Gesellschaft

3 Ideologie als ursprüngliches Design des Kapitalismus

3.1 Die Kettenkrankheit

3.2 Referenzwahrheit und ἀλήθεια

4 Ironie als anti-ideologische Denkbewegung

4.1 Ironie und Liberalismus

5 Endgame: Der homo monetarius ironicus oder Eine allzu optimistische Vision

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle des Geldes als prägendes Element der menschlichen Selbstarchitektur in der kapitalistischen Gesellschaft und entwickelt das Konzept des „homo monetarius“, um anschließend die Ironie als anti-ideologische Denkbewegung zu etablieren, die eine Befreiung aus den Zwängen ökonomischer Selbstzwecklogik ermöglicht.

  • Phänomenologie des Geldes und seine Transformation zum Kapital.
  • Analyse des "homo monetarius" und seiner sozialen Schichtungen.
  • Kritik der kapitalistischen Ideologie als Ausdruck einer menschlichen Reifungskrise.
  • Entwicklung der Ironie als Werkzeug der Selbstermächtigung und Perspektivenpluralität.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Kettenkrankheit

Das ideologische Denken und Handeln des homo monetarius entspringt nicht dem Wesen des Geldes. Sein dialektisches Wesen macht es vielmehr zu einem potenziell ideologiefreien Zugang zur Welt. Andererseits kann es aufgrund seiner Wertgeschlossenheit und universellen Anwendbarkeit zu einer ebenso universellen Anwendung von Ideologie führen. Warum verwenden wir Geld also gerade in der Weise, dass wir es zu einem Selbstzweck werden lassen, der seinem Inhalt nach nicht genau bestimmbar ist?

Der Isomorphismus zwischen Kapitalismus und Religion ist kein Zufall. Beide sind sie der gesellschaftliche Ausdruck, Syndrom ein und desselben Phänomens, das Nietzsche – der Großmeister des Auf-den-Punkt-Bringens – als Kettenkrankheit bezeichnet: „Dem Menschen sind viele Ketten angelegt worden, damit er es verlerne, sich wie ein Thier zu gebärden: und wirklich, er ist milder, geistiger, freudiger, besonnener geworden, als alle Thiere sind. Nun aber leidet er noch daran, dass er so lange seine Ketten trug, dass es ihm so lange an reiner Luft und freier Bewegung fehlte: – diese Ketten aber sind, ich wiederhole es immer und immer wieder, jene schweren und sinnvollen Irrthümer der moralischen, der religiösen, der metaphysischen Vorstellungen. Erst wenn auch die Ketten-Krankheit überwunden ist, ist auch das erste große Ziel ganz erreicht: die Abtrennung des Menschen von den Thieren.“

Es ist nicht der Kapitalismus an sich, nicht das Wesen des Geldes, nicht die Religion, auch nicht die Rationalität der Aufklärung (Horkheimer, Adorno) oder gar eine „natürliche Schlechtigkeit des Menschen“ (Schopenhauer), die die gesellschaftlichen Hierarchien und die damit einhergehenden Grausamkeiten und Demütigungen allein hervorruft. Es ist ein zu geringer Reifegrad des Menschen. Reife gegenüber was? Freiheit und Selbstverantwortung. Die servitude volontaire, in welcher sich der Mensch gegenüber seinem Potenzial versteckt, hat viele Gesichter, jedoch einen bestimmten Grundzug: Stets setzt er sich selbst eine abstrakte, ideelle Autorität, eine absolute Referenz (Gott, Ich, Reichtum, Ding an sich, Sittengesetzt, das Gute, Liebe etc.), der gegenüber das eigene Denken und Handeln bewertet wird, ein Ideal, an welches man sich annähern, es jedoch nie ganz erreichen oder gar verstehen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die paradoxe Natur des Geldes ein, das einerseits als Mittel zur Freiheit erscheint, andererseits den Menschen zum „homo monetarius“ macht und ihn in einer ideologisch verengten Selbstarchitektur gefangen hält.

2 Geld als Architekt des Selbst: Dieses Kapitel analysiert die historische Entstehung des Geldes und seine Entwicklung vom Tauschmittel zum Kapital, das als strukturelles Design das Handeln und die Identität des Einzelnen maßgeblich bestimmt.

3 Ideologie als ursprüngliches Design des Kapitalismus: Hier wird der Kapitalismus als „Kettenkrankheit“ gedeutet, wobei die Fixierung auf ideelle Autoritäten als Hindernis für eine wahre menschliche Reife und Freiheit dargestellt wird.

4 Ironie als anti-ideologische Denkbewegung: Das Kapitel führt die Ironie als „Kunstfertigkeit“ ein, die durch Perspektivenwechsel und Selbstdistanzierung eine Befreiung von festen Ideologien und dem Zwang zur Nutzenmaximierung ermöglicht.

5 Endgame: Der homo monetarius ironicus oder Eine allzu optimistische Vision: Im abschließenden Kapitel wird der „homo monetarius ironicus“ als positives Leitbild entworfen, das das Geld als Werkzeug nutzt, ohne sich ihm als Selbstzweck zu unterwerfen.

Schlüsselwörter

Geld, Ironie, Kapitalismus, homo monetarius, Ideologiekritik, Selbstarchitektur, Referenzwahrheit, ἀλήθεια, Freiheit, Kontingenz, Selbstermächtigung, Konsumkultur, Entfremdung, Perspektivenpluralismus, Subjekt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie das Medium Geld die menschliche Identität prägt und welche Rolle es bei der Entstehung von ideologischen Abhängigkeiten in der kapitalistischen Gesellschaft spielt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die Philosophie des Geldes, die Kritik der kapitalistischen Ideologie, das Konzept des „homo monetarius“ und die Anwendung von Ironie als Befreiungsinstrument.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Es wird gefragt, wie man sich aus den ideologischen Zwängen einer geldbasierten Selbstarchitektur befreien kann und ob Ironie dabei als wirksame Denkbewegung fungieren kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine phänomenologische und ideologiekritische Perspektive, gestützt durch eine historische Begriffsanalyse und philosophische Ansätze von Denkern wie Heidegger, Nietzsche, Rorty und Simmel.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Rolle des Geldes bei der Konstruktion des „homo monetarius“, die Dekonstruktion kapitalistischer Ideologien als „Kettenkrankheit“ und die Ausarbeitung der Ironie als praktisches Werkzeug für ein selbstbestimmtes Leben.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen der homo monetarius, die Kettenkrankheit, Referenzwahrheit im Gegensatz zu ἀλήθεια sowie der ironische Perspektivenpluralismus.

Was unterscheidet den „homo monetarius“ vom „homo monetarius ironicus“?

Während der „homo monetarius“ dem Geld als Selbstzweck und kapitalistischer Machtquelle unterliegt, nutzt der „homo monetarius ironicus“ das Geld flexibel und behält seine Freiheit durch einen ständigen Wechsel der Perspektiven bei.

Warum spielt die Unterscheidung zwischen Referenzwahrheit und ἀλήθεια eine Rolle?

Die Referenzwahrheit hält das Subjekt in ideologischen Ketten gefangen, indem sie ständige Vergleiche mit einem Ideal erzwingt; ἀλήθεια hingegen bezeichnet ein offenes Entbergen des Seienden, das den Weg zur ironischen Freiheit ebnet.

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Details

Title
Geld und Ironie. Anti-ideologisches Denken und Handeln in der kapitalistischen Gesellschaft
College
Free University of Berlin  (Institut für Philosophie)
Course
HS Architekturen des Selbst
Grade
1,0
Author
Tassilo Weber (Author)
Publication Year
2013
Pages
32
Catalog Number
V320875
ISBN (eBook)
9783668200760
ISBN (Book)
9783668200777
Language
German
Tags
Geld Ironie Rorty Arendt Marx
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tassilo Weber (Author), 2013, Geld und Ironie. Anti-ideologisches Denken und Handeln in der kapitalistischen Gesellschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320875
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