Die Armee Alexanders und der militärisch-taktische Verlauf der großen Alexanderschlachten gegen das Perserreich. Die Schlachten von Issos und Gaugamela


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

41 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die antike Kriegsführung zur Zeit Phillips II. und Alexanders des Großen

2. Die Zusammensetzung der Armeen und logistische Überlegungen
2.1 Die anfängliche Zusammensetzung des Heeres von Alexander dem Großen bis zum Ende des „Rachekrieges“
2.1.1. Infanterie
2.1.2 Kavallerie
2.2. Die Zusammensetzung des persischen Heeres bis zum Tod von Daraios III. und dem Brand von Persepolis
2.2.1 Kavallerie
2.2.2 Infanterie

3. Der militärisch-taktische Verlauf ausgewählter Alexanderschlachten gegen das Perserreich
3.1 Issos
3.1.1 Vorgeschichte: Die Schlacht am Granikos
3.1.2 Verlauf und entscheidende Faktoren
3.2 Gaugamela
3.2.1 Vorgeschichte und Aufstellungen des makedonischen und des persischen Heeres
3.2.2 Verlauf und entscheidende Faktoren

4. Fazit: Warum Alexander siegreich war

Abbildungsverzeichnis

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

1. Die antike Kriegsführung zur Zeit Phillips II. und Alexanders des Großen

Im Jahre 334 v. Chr. brach der makedonische König Alexander IV. im Alter von 22 Jahren zu einem der größten, umfangreichsten und folgenschwersten Feldzüge auf, die die Weltgeschichte bis dahin gesehen hatte. Nur acht Jahre später umfasste sein riesiges Reich ganz Kleinasien, Ägypten sowie das ehemalige Perserreich bis an die Grenzen Indiens. Dies brachte ihm seinen Beinamen ein, unter dem man ihn heute wohl immer noch am besten kennt: Alexander der Große.[1]

Der Sohn des makedonischen Königs Phillip II. (380-336 v. Chr.), welcher auch die militärischen und politischen Grundlagen für den Feldzug Alexanders schuf, folgte seinem Vater nach dessen Ermordung auf den makedonischen Thron. Die militärische Streitmacht, mit der Phillip II. die Herrschaft über die meisten griechischen Poleis errang, war ein wesentlicher Bestandteil des Fundaments, auf das Alexander seinen Feldzug gegen Persien aufbaute. Ohne die Vorarbeit seines Vaters wäre ein derartiges Unterfangen nur schwer denkbar gewesen. So gelang es ihm, innerhalb von vier Jahren, durch seine Siege am Granikos (334), bei Issos (333), bei Gaugamela (331) und auch am Hydaspes (327) das gewaltige persische Großreich zu bezwingen und sein Herrschaftsgebiet bis nach Indien auszudehnen.[2]

Mit seinem Sieg begann der Höhepunkt der Hellenisierung des Vorderen Orients. Daneben ist Alexander bis heute zu einem Inbegriff des erfolgreichen Eroberers geworden. Es ist gerade aus militärischer Sichtweise immer wieder erstaunlich, wie das anscheinend doch im Vergleich recht kleine Makedonien mit seinen Verbündeten in nur vier Jahren das große ressourcenreiche persische Reich in die Knie zwingen konnte. Aus diesem Grund möchte ich versuchen in meiner Arbeit zu erklären, warum Alexander auf dem Schlachtfeld letztlich immer den Sieg davontragen konnte. Ich werde mich also auf die taktische Ebene der militärischen Betrachtung begeben und den größeren strategischen Rahmen eher am Rande erwähnen. Ziel dieser Abhandlung muss es daher sein, genauer zu untersuchen, inwiefern es tatsächlich Alexanders militärischem Geschick und den qualitativen Eigenschaften seiner Truppen zu verdanken war, dass die großen Schlachten - vor allem bei Issos und Gaugamela gegen Dareios III. - für den Makedonenkönig siegreich waren. Ergänzend dazu soll der Punkt diskutiert werden, ob nicht die massiven strategischen Fehler auf persischer Seite und die einseitige und stellenweise unflexible Schlachtstrategie, verbunden mit der Zusammensetzung des persischen Heeres im Gegensatz zur makedonischen Armee, die entscheidenden Rollen gespielt haben. Um diese komplexe militärische Fragestellung jedoch eindringlich zu verstehen, halte ich es für unumgänglich zunächst die Grundsätze der antiken Kriegsführung, wie sie sich unter Phillip II. und Alexander dem Großen herausgebildet hatte, aufzuzeigen. Um diese Grundlagen weiter zu festigen und eine Einsicht in die Truppenkörper der beiden Heere zu geben, werde ich die Zusammensetzung von Alexanders Armee und der persischen Truppen genauer erläutern. Hierbei soll jedoch der Schwerpunkt auf Alexanders Armee liegen, da hier deutlich werden soll, wie militärisch vielfältig und hoch spezialisiert diese Armee bereits war. Allerdings kann diese Arbeit nicht den Anspruch verfolgen, auch die neue makedonisch-persische Armee nach Alexanders endgültigem Sieg über den Perserkönig zu beleuchten. Die Zusammensetzung der Armee Alexanders ist daher nur für den so genannten „Rachekrieg“, also für den Übergang am Hellespont bis zur Brandzerstörung von Persepolis zu sehen. Anschließend werde ich, unter Einbeziehung der Ergebnisse der Schlacht am Granikos, die entscheidenden Schlachten bei Issos und Gaugamela näher analysieren, da der persische Großkönig hier Alexander selbst gegenüber trat. In einem abschließenden Fazit sollen dann zum einen die wichtigsten Ergebnisse gesammelt und ein Ausblick auf Alexanders Indienfeldzug gegeben werden. Des Weiteren möchte ich mich klar von der Forschungstendenz distanzieren, welche bei der Beschreibung der persischen Verhältnisse vor der Eroberung durch Alexander von einem „Koloss auf tönernen Füßen“ ausgeht.[3] Da für die Beurteilung der Perser zu dieser Zeit fast ausschließlich griechische Quellen vorhanden sind, wird diese Sicht mittlerweile von der neueren Forschung mit Recht als einseitig und zu kurz abgelehnt.[4] Bei den Untersuchungen der Schlachten werde ich mich fast ausschließlich auf die Überlieferungen von Flavius Arrianus (kurz „Arrian“) stützen, da sich dieser in seinen beiden Hauptwerken Anàbasis und Indikè auf die Feldzugsteilnehmer Aristobul und Ptolemaios beruft, deren Aufzeichnungen im Original leider nicht überliefert sind. Arrians Berichte enthalten aber eine - wie ich finde - hohe Sachlichkeit und Tiefe und legen den Wert auf militärische Aspekte, was für diese Arbeit von großem Nutzen ist. Weiter hervorzuheben ist sein nüchterner Stil und seine hohen historischen Kenntnisse. Gleichwohl muss bedacht werden, dass auch Arrians Aufzeichnungen sehr „Alexander-freundlich“ sind und an manchen Stellen, wie bei den Truppenstärken, große Übertreibungen festzustellen sind. Trotz dieser Verehrung für seinen Helden Alexander bemüht sich Arrian auch um eine wahrheitsgetreue Darstellung einer Vielzahl militärischer Aspekte. Es gilt aber, das gesamte, wohl zu positive Alexanderbild nicht unkritisch von Arrian zu übernehmen und gewisse Stellen kontrovers zu diskutieren.[5]

Im 7. Jahrhundert v. Chr. war die primäre und wichtigste Einheit in der Landkriegsführung der „Hoplit“. Dies waren schwer bewaffnete Kämpfer mit Bronzehelm, Brustpanzer, kurzem Schwert, Schild und einer Lanze, die sich in der Regel aus den Reihen landbesitzender Bauern und Bürgern der Polis rekrutierten.[6]

„Allmählich bildete sich die Kampfformation der Phalanx heraus, in der sich die schwerbewaffneten Bürgerhopliten acht Reihen tief Schulter an Schulter nebeneinanderstanden.“[7] Die Phalanx konnte 8 -16 Mann tief sein, und ihre Kämpfer besaßen Lanzen mit einer Länge von bis zu drei Metern. Phillip II. versah seine Phalanx sogar mit sechs Meter langen Lanzen, den so genannten „Sarissen“.[8] Die Linie der Phalanx war sowohl Grund- als auch Gefechtsstellung.[9] Sie bildete den Kern eines jeden Heeres und eine nahezu undurchdringliche Front aus Speerspitzen. Während bis dahin die Reiterei und die Leichtbewaffneten noch eine untergeordnete Rolle spielten, so kam es im Laufe des 4. Jahrhunderts v. Chr. zu einer folgenreichen Differenzierung und Spezialisierung der einzelnen Waffengattungen. Die ursprünglich aus Thrakien kommenden leichtbewaffneten Peltasten, welche mit einem kleinen Rundschild, einem Schwert, einer Stoßlanze oder alternativ mit zwei Wurfspeeren ausgerüstet waren, etablierten sich als eigenständige Waffengattung.[10] Im Gegensatz zu den schwerbewaffneten Hopliten, die mit einem größeren Schild sowie einem kurzen Schwert und Speer ausgerüstet waren, konnten die Peltasten sowohl im Fern- als auch im Nahkampf verwendet werden. Spezielle Fernkampfeinheiten waren Bogenschützen und Schleuderer.[11] Ein geradezu revolutionärer Schritt von Phillip II. und Alexander dem Großen war es, das Problem der schweren Manövrierbarkeit der Phalanx anzugehen. Sie verkleinerten die Formationen und teilten die Phalanx auf, so dass diese beweglicher und flexibler wurde.[12] Der Geschichtsschreiber Diodor schreibt, dass Phillip II. der Erste war, der die Phalanx organisierte und auch deren Ausrüstung sowie Ausbildung massiv verbesserte.[13] Des Weiteren machten die beiden makedonischen Könige die Reiterei zu einer eigenständigen, disziplinierten und höchst effizienten Waffengattung. Sie wurde in taktischen Truppenkörpern zusammengefasst und ebenfalls weiter ausdifferenziert.[14]

Hinzu kamen die Anwerbung von Söldnern und die Einführung neuer Kampfformationen. Die bekannteste ist wohl die so genannte „Schiefe Schlachtordnung“ des Thebaners Epameinondas.[15] Er war der Erste, der das Heer in einen Offensiv- und einen Defensivflügel teilte, wobei der Erstere, Stärkere die Entscheidung auf seiner Seite herbeiführen sollte. Er wurde dabei von Kavallerie und Leichtbewaffneten an seiner äußersten Stelle geschützt. Zwingend erforderlich war hier, dass dieser Flügel in jedem Fall quantitativ, aber auch qualitativ dem Gegner überlegen zu sein hatte, um seine Schlachtordnung von diesem Punkt aus aufzubrechen und aufzurollen.[16] Es war unter anderem das Prinzip dieser Ordnung einer „Flügelschlacht“, die Alexander seine großen Siege bescherte. Auf die Seekriegsführung soll hier im Einzelnen nicht eingegangen werden, da Alexander keine große Entscheidungsschlacht zur See suchte.

2. Die Zusammensetzung der Armeen und logistische Überlegungen

Im Folgenden werde ich nun versuchen, einige Grundüberlegungen zur Feldzugslogistik der Makedonier anzustellen, da ich hier einen wichtigen Grundsatz für den makedonischen Sieg sehe, den es zu erwähnen gilt. Wichtig ist jedoch dabei zu betonen, dass diese Überlegungen nur bis zur Brandzerstörung von Persepolis Gültigkeit besitzen, da sich hinterher nicht nur Alexanders Heer, sondern auch seine Logistik entscheidend änderte.

Im Gegensatz zu früheren griechischen Heeren oder auch im Gegensatz zu der persischen Armee der damaligen Zeit bestanden auf makedonischer Seite eine Reihe wichtiger und entscheidender Unterschiede: Der zentralste war wohl, dass die Makedonier gewöhnlich ihren eigenen Proviant und ihre Ausrüstung trugen. Es fehlte daher der spätere, lange Tross aus großen Pferdefuhrwerken, Frauen, Händlern und Nutztieren. Den Reitern wurde zwar je ein Diener zugestanden, aber beim Fußvolk wurde nach ursprünglichen Weisungen Philipps nur ein Begleiter für zehn Männer zugelassen. Diese Diener führten in der Regel Grundnahrungsmittel, Seile und andere Gerätschaften mit. Phillip verbot den Einsatz von Wagen und Fuhrwerken im großen Stil, und somit wurde jeder Soldat dazu verpflichtet, den Großteil seines Gepäcks selber zu tragen. Die Ausnahme bildeten die überlangen Speere der makedonischen Phalanx. Diese Sarissen wurden schon allein aus praktischen Gründen auf dem Marsch auf die Wagen geladen.

Ohne diese Weisungen und Anordnungen wäre, wie üblich, ein riesiger Apparat reisender Märkte im Gefolge der Armee entstanden. Damit wären viele der Erfolge Alexanders nur schwer möglich gewesen. Zudem hätte diese Armee im Widerspruch zu den wichtigsten militärischen Grundsätzen Alexanders und der Makedonier gestanden: Geschwindigkeit, rasche Angriffe und entscheidende, vor allem schnelle Schläge. Die makedonische Armee bewegte sich auf dieselbe Weise fort, wie sie angriff, und daher waren Logistiker, Quartiermeister und Finanzplaner die unbekannten Genies, die den Erfolg des gesamten Unternehmens erst möglich machten. Die Marschordnung der makedonischen Truppen war daher auch sehr flexibel und wurde taktisch dem Gelände angepasst.[17]

Man kann, wie ich meine, zurecht behaupten, dass keine hellenistische Armee vorher oder in der darauffolgenden Zeit so schlagkräftig, gut organisiert und so unabhängig von langen Versorgungstrossen und großem Lagergefolge war. Auch hier liegt ein entscheidender Punkt für den Sieg Alexanders, den es auch bei den Schlachten selbst zu bedenken gilt.

2.1 Die anfängliche Zusammensetzung des Heeres von Alexander dem Großen bis zum Ende des „Rachekrieges“

Ich werde nun die Zusammensetzung des Heeres von Alexander genauer untersuchen und versuchen, seine Bedeutung für die Frage, inwieweit die qualitativen Eigenschaften seiner Truppen die Siege Alexanders ermöglichten, hervorzuheben. Es ist dabei zu beachten, dass – wie bereits oben erwähnt – nur der Zeitraum bis zum Ende des „Rachekrieges“, also bis zur Zerstörung von Persepolis, hier behandelt werden kann und muss, da sich die Gliederung und Zusammensetzung der makedonischen Armee danach entscheidend veränderte.

Nachdem Makedoniens Grenzen und der Führungsanspruch des Königreiches durch den Korinthischen Bund über die hellenischen Poleis noch von seinem Vater Phillip II. gesichert worden war, setzte Alexander im Frühjahr 334 über den Hellespont nach Kleinasien über und begann somit den Krieg gegen das persische Achaimenidenreich.[18] Sein Heer war alles andere als homogen. Den Kern bildete zwar die Armee Makedoniens, allerdings kamen zahlreiche Kontingente der Vasallenfürstentümer Makedoniens dazu, wie z.B. der Agrianen, Odrysen und Illyrer. Alexander war zudem der Befehlshaber der thessalischen Armee und das Oberhaupt des Korinthischen Bundes. In diesem Rahmen stellten die Staaten Griechenlands ebenfalls Truppenkontingente für den Feldzug. Schließlich kam auch noch eine große Anzahl von Söldnern hinzu. Das Kommando war stark zentralisiert. Die Befehle wurden durch Trompetensignale gegeben, die von Alexanders Trompeter ausgingen. Anschließend gingen die Signale durch die Trompeter der einzelnen jeweiligen Einheiten.[19] Einen für derartige Angriffskriege in der Antike einzigartigen, kulturellen Bestandteil erhielt der Eroberungskrieg Alexanders von vornherein durch zahlreiche Gelehrte, Landvermesser und andere Wissenschaftler, die in dem Heerestross mitmarschierten. Sie sollten die eroberten Gebiete systematisch wissenschaftlich erfassen und auch die verschiedenen Sammlungen des Aristoteles erweitern und ergänzen.[20]

2.1.1. Infanterie

Alexanders Fußtruppen gliederten sich in folgende taktische Einheiten: Die unterste war die „dekas“, welche zur Zeit Alexanders aus 16 Mann bestand. 16 solcher Einheiten bildeten einen „lochos“ und sechs solcher „lochoi“ bildeten wiederrum eine „taxis“ (ca. 1536 Mann). Der General, der die jeweilige Taxis kommandierte, ritt hinter ihr und gab seine Befehle an ca. 30 Hilfskräfte weiter, die die Befehle dann verteilten. Bei der Überschreitung des Hellesponts führte Alexander ca. 12.000 makedonische Kämpfer der Phalanx mit sich: rund 9.000 pezhetairoi („Gefährten zu Fuss“) und 3.000 hypaspistai („Schildträger“).[21]

2.1.1.1 Pezhetairoi

Die 9.000 pezhetairoi in Alexanders Heer stellten die regionale schwere Infanterie dar, welche nahezu ausschließlich in Phalanxformation kämpfte. Sie waren in sechs taxeis zu jeweils drei lochoi aufgeteilt. Das Gros dieser schweren Truppen wurde wohl von Angehörigen ihres eigenen Adels befehligt. Dazu stammten die Kommandeure oft aus derselben Region wie ihre Truppen. Eine Phalanx aus Pezhetairen konnte auch einen Fluss wie zum Beispiel bei der Schlacht von Issos durchqueren. Allerdings bestand dabei die Gefahr, dass sich die Formation auflöste bzw. Lücken darin entstanden[22].

Die Hauptwaffe der pezhetairoi war die sarissa. Sie war, wie oben bereits angesprochen, zur Zeit Alexanders bis zu 12 Ellen (5,5 m) lang. Bis zum Jahr 300 v. Chr. maßen einige dieser Lanzen sogar eine Länge von 16 Ellen (16 m). Eine Zweitwaffe war wahrscheinlich, auch wenn keine von den antiken Historikern erwähnt wird. Daneben verfügten sie wohl auch über einen kleinen Schild (0,2 m).[23]

2.1.1.2 Hypaspisten

Die ca. 3000 Hypaspisten waren im Gegensatz zu den pezhetairoi eine Elitestreitmacht, die wohl auf Basis ihrer körperlichen Stärke, Tapferkeit und sozialem Status individuell ausgewählt und rekrutiert wurden. Des Weiteren gliederten sie sich in „reguläre“ und „königliche“ Hypaspisten. Letztere waren adeliger Herkunft. Da sie wohl auch wesentlich beweglicher als die pezhetairoi waren, agierten sie in den militärisch-taktischen Planungen höchstwahrscheinlich als eine Art Bindeglied zwischen der schweren Infanterie und dem angreifenden Flügel der Reiterei. Bis heute ist die Bewaffnung der Hypaspisten nicht eindeutig geklärt. Viele Historiker argumentieren, dass es wohl keine bedeutenden Unterschiede in der Bewaffnung gab[24], andere behaupten, dass sie wohl ähnlich wie die griechischen Hopliten mit Lanzen von normaler Länge (etwa 2m) statt der Sarissen von dreifacher Manneslänge bewaffnet waren.[25] Arrian bekräftigt dies, indem er erwähnt, dass die Hypaspisten zwar am besten bewaffnet waren, aber auch eine leichtere Lanze trugen. Dies bestätigt auch die mittlerweile gängige Annahme in der Forschung, dass die Hypaspisten ebenfalls Schilde im argiven (statt dem illyrischen) Stil mit sich trugen. Diese waren aber wohl etwas größer als die Schilde der pezhetairoi (ca. 0,6 m).[26] Ich bin der Meinung, dass diese Truppe wohl sehr flexibel gewesen sein muss und in der Lage war, sowohl mit der Sarissa die „reguläre“ Phalanx zu unterstützen bzw. sich in diese einzufügen, als auch mit kürzerem Speer und Schild zu kämpfen. Dies wird vor allem auch dadurch deutlich, dass das Terrain den vollen Gebrauch der Phalanx oft verhinderte. Zudem waren für bestimmte Manöver, wie Festungskriege, Überfälle, die Besetzung von Anhöhen, das Erzwingen von Flussübergängen oder die Unterstützung von Kavallerieangriffen die Phalangen oft nicht beweglich genug und die leichten Truppen nicht ausreichend bewaffnet und geschützt. Hierfür waren die Hypaspisten sehr gut geeignet. Sie waren aber höchstwahrscheinlich auch in der Lage, die Sarissa zu führen.

2.1.1.3 Griechische Bundesgenossen

Die griechischen Bundesgenossen stellten zusammen etwa 7.000 Hopliten für den Feldzug Alexanders.[27] Diese Truppen des Korinthischen Bundes machten jedoch nur einen kleinen Teil des Heeres aus und entschieden auch keine bedeutende Schlacht. Sie wurden von Alexander meist als Garnisonstruppen oder für Sicherungsaufgaben eingesetzt.[28]

2.1.1.4 Verbündete leichte Hilfstruppen und Söldner

Über die leichte Infanterie, die zu einem großen Teil von Verbündeten gestellt wurde, ist wenig bekannt. Sie gliederten sich in Kompanien zu jeweils 500 Mann. Alexander hatte im Laufe seines Feldzuges gegen Persien bis zu zwei Kompanien kretischer Bogenschützen und zwei Kompanien agrianischer Speerwerfer in seinem Heer. Ebenfalls erwähnt werden müssen die als „Thraker“ beschriebenen 700 Odrysen, Triballer und Illyrer. Es ist wahrscheinlich, dass auch sie Kontingente waren, die andere Vasallenkönige Makedoniens für den Feldzug bereitstellten. Sie alle kämpften, vermutlich im Gegensatz zur schweren Infanterie, in offener Formation. Dabei scheint es, als hätten sie eine geringere Tiefe, aber eine größere Frontbreite als die Phalanx selbst gehabt.[29] Auch sie wurden, wie die griechischen Bundesgenossen, 330 v. Chr. bei Ekbatana aus dem Dienst entlassen.[30]

Eine weitere Rolle kam den 5.000 Söldnerinfanteristen zu, die Alexander mit nach Asien nahm. Ihre Hauptaufgabe war wohl neben ihrer Funktion als Garnisonstruppen die Sicherung der neu eroberten Provinzen und die Bekämpfung lokaler Unruhen. Während des gesamten Feldzugs war die Kampfkraft des Alexanderheers von einer kontinuierlichen Zuführung von Verstärkungstruppen aus Makedonien und Griechenland abhängig, mit denen Verluste und Truppenabstellungen ausgeglichen werden konnten.[31] Bereits im ersten Jahr des Feldzuges warb Alexander vor Milet erstmals 300 griechische Söldner an. Während er vor Halikarnassos lag, beorderte er einen Offizier zur Rekrutierung neuer Krieger nach Makedonien, der sich ihm schließlich in Gordion wieder mit 2.000 makedonischen Infanteristen und 300 Berittenen, 200 thessalischen Reitern und 150 Elienern anschloss.[32] Auch während das Heer durch Pamphylien zog, wurde ein Offizier auf die Peloponnes zur Söldnerrekrutierung entsandt, der im Frühjahr 332 v. Chr. in Sidon mit 4.000 Söldnern wieder eintraf.[33]

Die übliche Bewaffnung der Söldner war ein Hoplitenschild aus Bronze, aber kein weiterer Körperpanzer. Des Weiteren führten sie die üblichen Waffen Speer und Schwert mit sich.[34]

2.1.2 Kavallerie

Der Grundbaustein der Kavallerie war weiterhin die ile (Schwadron). Diese bestand aus ca. 200 Mann und gliederte sich in vier Tetrarchien. Zwei bis vier ilai konnten in eine Hipparchie (Reiterbrigarde) geformt werden. Im Gegensatz zur Infanterie wurde jedem Kavalleristen wohl auch ein berittener Reitknecht gewährt, um das Pferd und die Ausrüstung zu pflegen.[35]

Ohne Reiterei und ohne leichte Truppen für die Flankensicherung und für flexible Manöver tat sich ein griechisches Hoplitenheer besonders in flachem Gelände sehr schwer. Aufgrund der Hetairenreiterei und der tessalischen Kavallerie aber besaßen Phillip II. und Alexander der Große starke, gut ausgerüstete und hervorragend organisierte Kavalleriekontingente, die wohl nicht zahlenmäßig, aber an Ausbildung, Taktik und Ausrüstung der übermächtigen persischen Kavallerie mindestens ebenbürtig waren.[36]

2.1.2.1 Makedonische Hetairenreiterei

Die Hetairenreiterei (Gefährten zu Pferde) stellte das ranghöchste Regiment in der Kavallerie dar und wurde aus der adeligen Jugend Makedoniens rekrutiert. Dieses wohl 1.800 Mann starke Regiment[37] war ein Teil der schweren Kavallerie und gliederte sich in acht Schwadronen. Unter ihnen befand sich die königliche Schwadron, welche die Leitschwadron war und in deren Reihen die persönlichen Gefährten Alexanders kämpften. Sie nahm einen Ehrenplatz in der Gefechtslinie ein und wurde zudem auf doppelter Stärke gehalten. Die übrigen sieben Schwadronen, die gewöhnlich eine Stärke von 200 Lanzenreitern hatten formierten sich, je nach Tagesrangordnung, links von der königlichen Schwadron.[38]

2.1.2.2 Reiterei der Verbündeten

Neben den Hetairen stellte die thessalische Reiterei den zweiten bedeutenden schweren Truppenteil zu Pferd dar. Sie wurde stets auf der linken Flanke des linken Flügels unter dem Oberbefehl von Parmenion positioniert und hatte dort zu allererst Defensivaufgaben zu erfüllen; vor allem als Schutz der verwundbaren Flanke der Phalanx gegen die persische Reiterei.

Die thessalische Kavallerie bestand wohl ebenfalls aus acht ilen zu je ca. 225 Mann, was eine Gesamtstärke von 1.800 bis 2.000 Mann bedeutete.

[...]


[1] Vgl. Alexandris, A.: Führungsblatt-Nr. ANT 27 der Antikensammlung im alten Museum zu Berlin. Preußischer Kulturbesitz, Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 1999.

[2] Vgl. Evans, A.A.; Gibbons, David: Militärgeschichte. Vom Altertum bis heute, München 2009, S. 36 f.

[3] Vgl. z.B. Bengtson, H.: Griechische Geschichte, München 1977.

[4] Vgl. z.B. Wiesehöfer, J. Die „dunklen“ Jahrhunderte der Persis, München 1994.

[5] Vgl. Engel, Johannes: Phillip II. und Alexander der Große, in: Brodersen, Kai: Geschichte Kompakt, Darmstadt 2006, S. 16.

[6] Vgl. Evans, A.A.; Gibbons, David: Militärgeschichte. Vom Altertum bis heute, München 2009, S. 8.

[7] Rebenich, Stefan: Die 101 wichtigsten Fragen. Antike, 2. durchgesehene Auflage, München 2007, S. 78, Z. 29-31.

[8] Vgl. Evans, A.A.; Gibbons, David: Militärgeschichte. Vom Altertum bis heute, München 2009,S. 8.

[9] Vgl. Steinitzer, Alfred; Michel, Wilhelm: Der Krieg in Bildern, München 1912, S. 10.

[10] Vgl. Rebenich, Stefan: Die 101 wichtigsten Fragen. Antike, 2. durchgesehene Auflage, München 2007, S. 78 f.

[11] Vgl. Steinitzer, Alfred; Michel, Wilhelm: Der Krieg in Bildern, München 1912, S. 10.

[12] Vgl. Evans, A.A.; Gibbons, David: Militärgeschichte. Vom Altertum bis heute, München 2009,S. 8.

[13] Vgl. Diodoros: Griechische Weltgeschichte. Bibliothek der griechischen Literatur, Buch 16, übersetzt von O. Veh, überarbeitet, eingeleitet u. kommentiert v. Th. Frigo, Stuttgart 2007, 13, 1 – 2.

[14] Vgl. Steinitzer, Alfred; Michel, Wilhelm: Der Krieg in Bildern, München 1912, S. 11.

[15] Vgl. Rebenich, Stefan: Die 101 wichtigsten Fragen. Antike, 2. durchgesehene Auflage, München 2007, S. 79.

[16] Vgl. Steinitzer, Alfred; Michel, Wilhelm: Der Krieg in Bildern, München 1912, S. 11.

[17] Vgl. Engels, Donald, W.: Alexander and the Logistics of the Macedonian Army, Los Angeles 1978, S. 12 – 24.

[18] Vgl. Engels, Johannes: Phillip II. und Alexander der Große, in: Brodersen, Kai: Geschichte Kompakt, Darmstadt 2006, S. 47.

[19] Vgl. Sheppard, Ruth: Alexander der Grosse und seine Feldzüge. Aus dem Englischen übersetzt von Erwin D. Fink, Stuttgart 2009, S. 78.

[20] Vgl. Geiss, Imanuel: Geschichte im Überblick. Daten, Fakten und Zusammenhänge der Weltgeschichte, Reinbeck bei Hamburg 2007, S.107, Z. 12 ff.

[21] Vgl. Sheppard, Ruth: Alexander der Grosse und seine Feldzüge. Aus dem Englischen übersetzt von Erwin D. Fink, Stuttgart 2009, S. 79 f.

[22] Vgl. Arrian: Der Alexanderzug. Indische Geschichte, übersetzt und heraus-gegeben von Wirth, Gerhard und von Hinüber, Oskar, München 1985, 2, 10,4 f.

[23] Vgl. Ebd. S. 80 ff.

[24] Vgl. z.B. Gehrke, Hans – Joachim: Alexander der Grosse, 4. durchgesehene Auflage, München 2005, S. 143.

[25] Vgl. z.B. Droysen, Johann Gustav: Geschichte des Hellenismus. Herausgegeben von Erich Bayer. Band 1-3. Tübingen, 1952/1953.

[26] Vgl. Sheppard, Ruth: Alexander der Grosse und seine Feldzüge. Aus dem Englischen übersetzt von Erwin D. Fink, Stuttgart 2009, S. 84 f.

[27] Vgl. Gehrke, Hans – Joachim: Alexander der Grosse, 4. durchgesehene Auflage, München 2005, S. 32.

[28] Vgl. Engels, Johannes: Phillip II. und Alexander der Große, in: Brodersen, Kai: Geschichte Kompakt, Darmstadt 2006, S. 48.

[29] Vgl. Sheppard, Ruth: Alexander der Grosse und seine Feldzüge. Aus dem Englischen übersetzt von Erwin D. Fink, Stuttgart 2009, S. 89 f.

[30] Vgl. Arrian: Der Alexanderzug. Indische Geschichte, übersetzt und herausgegeben von Wirth, Gerhard und von Hinüber, Oskar, München 1985, 3, 19, 5.

[31] Vgl. Sheppard, Ruth: Alexander der Grosse und seine Feldzüge. Aus dem Englischen übersetzt von Erwin D. Fink, Stuttgart 2009, S. 86 ff.

[32] Vgl. Arrian: Der Alexanderzug. Indische Geschichte, übersetzt und herausgegeben von Wirth, Gerhard und von Hinüber, Oskar, München 1985, 1, 29, 4.

[33] Vgl. Ebd., 2, 20, 5.

[34] Vgl. Sheppard, Ruth: Alexander der Grosse und seine Feldzüge. Aus dem Englischen übersetzt von Erwin D. Fink, Stuttgart 2009, S. 89.

[35] Vgl. Ebd. S.90.

[36] Vgl. Will, Wolfgang (Hrsg.): Alexander der Große. Eine Welteroberung und ihr Hintergrund. Vorträge des Internationalen Bonner Alexanderkolloquiums, in: Alföldy, Gèza; Kolb, Frank: Antiquitas. Abhandlungen zur alten Geschichte, Band 46, Bonn 1998, S. 34.

[37] Vgl. Diodoros: Griechische Weltgeschichte. Bibliothek der griechischen Literatur, Buch 17, übersetzt von O. Veh, überarbeitet, eingeleitet u. kommentiert v. Th. Frigo, Stuttgart 2007, 17.

[38] Vgl. Sheppard, Ruth: Alexander der Grosse und seine Feldzüge. Aus dem Englischen übersetzt von Erwin D. Fink, Stuttgart 2009, S. 92 f.

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Die Armee Alexanders und der militärisch-taktische Verlauf der großen Alexanderschlachten gegen das Perserreich. Die Schlachten von Issos und Gaugamela
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Department für Geschichte)
Veranstaltung
Alexander der Große
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
41
Katalognummer
V320920
ISBN (eBook)
9783668205659
ISBN (Buch)
9783668205666
Dateigröße
927 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
armee, alexanders, verlauf, alexanderschlachten, perserreich, schlachten, issos, gaugamela
Arbeit zitieren
Christian Rucker (Autor), 2012, Die Armee Alexanders und der militärisch-taktische Verlauf der großen Alexanderschlachten gegen das Perserreich. Die Schlachten von Issos und Gaugamela, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320920

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