In dieser Hausarbeit im Modul 4 ("Bildungsprozesse im Elementarbereich erkennen, anregen und unterstützen") lege ich dar, was sich hinter dem täglichen "nur Spielen" der Kinder verbirgt.
An einem Beispiel aus dem Kindergartenalltag verdeutliche ich, was Bildungs- und Lernprozesse im Kindergarten sind, dann gehe ich darauf ein, wie Kinder lernen und sich bilden und welche Rolle Erwachsene bzw. pädagogische Fachkräfte in diesem Prozess einnehmen.
Ich gehe schließlich auf die gesetzlichen Grundlagen der Bildungsarbeit im Elementarbereich ein und zeige abschließend am Beispiel des Außengeländes, wie dieses Bildungs- und Lernprozesse anregen und unterstützen kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Ist Spielen im Kindergarten verlorene Zeit? Was sind Bildungs- und Lernprozesse im Kindergarten?
2. Wie Kinder lernen, sich bilden und die Rolle der Erwachsenen/pädagogischen Fachkräfte im Prozess
3. Gesetzliche Grundlagen
4. Wie bildet ein (neues) Außengelände? Wie kann ein Außengelände bilden?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit setzt sich kritisch mit der Bedeutung des kindlichen Spiels auseinander und verdeutlicht, dass Spielen keinen Zeitverlust darstellt, sondern einen wesentlichen Motor für ganzheitliche Bildungs- und Lernprozesse bildet. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie Kinder sich durch Interaktion mit ihrer Umwelt selbst bilden und welche essenzielle Rolle pädagogische Fachkräfte bei der Begleitung dieser Entwicklung einnehmen.
- Bedeutung von Spiel als zentraler Lernmodus des Kindes
- Interaktion zwischen Selbstbildung und Ko-Konstruktion
- Die Rolle der pädagogischen Fachkraft als Lernbegleiter
- Gesetzlicher Bildungsauftrag von Kindertagesstätten
- Gestaltung und pädagogische Funktion des Außengeländes
Auszug aus dem Buch
1. Ist Spielen im Kindergarten verlorene Zeit? Was sind Bildungs- und Lernprozesse im Kindergarten?
Im Folgenden wird eine Beispielbegebenheit aus dem Kita-Alltag beschrieben, an der Antworten auf die obige Fragestellung verdeutlicht werden sollen.
Auf dem Außengelände der Kita gibt es eine Metallrutsche, die Mia (w,4;8) und Pia (w, 4;10 ) oft und gern nutzen. Die Erzieherin beobachtet, wie die Mädchen die Rutsche hochklettern und herunterrutschen, zuerst auf dem Po, dann versucht Mia, auf ihren Füßen hockend zu rutschen, aber sie bleibt „stecken“. Nach einigen Versuchen stellt sie fest, dass die Gummisohle ihrer Schuhe der Grund ist. Sie überlegt gemeinsam mit Pia und der Erzieherin, wie sie trotzdem so rutschen kann und bald holen sie große Blätter, die sie unter Mias und auch Pias Schuhe legen. So funktioniert es! Zusammen überlegen die Mädchen, was noch alles auf der Rutsche gleiten könnte. Sie sammeln verschiedenes Material wie Sand, Steine oder Federn, holen Wasser, Gummibänder und Spielzeugautos. Zuerst lassen sie die Dinge von oben rutschen und beobachten, wie gleichmäßig oder unregelmäßig, schnell oder langsam, laut oder leise sie hinabgleiten, später versuchen sie, die Dinge von unten hochzuschubsen bzw. zu werfen, um zu sehen, was sich gut schubsen/werfen lässt, wie weit sie das Material schubsen/werfen können und ob das Einfluss auf das Rutschverhalten hat. Gemeinsam mit der Erzieherin vergleichen sie: Sand formt z.B. Muster, Federn gleiten viel langsamer und leiser als Steine, die ordentlich Krach machen und kullern, Steine lassen sich aber viel besser werfen als Federn. Die Gummibänder rutschen fast gar nicht, aber Wasser fließt super. Als andere Kinder die Rutsche nutzen wollen, wechseln die Mädchen zu einem Hügel und probieren dort auf erdigem Untergrund aus, was sie schon auf der Rutsche untersucht haben. Einige Kinder sind von der Rutsche mitgekommen und forschen gemeinsam mit den Mädchen, die ihnen erklären, was sie bereits herausgefunden haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ist Spielen im Kindergarten verlorene Zeit? Was sind Bildungs- und Lernprozesse im Kindergarten?: Anhand eines Praxisbeispiels auf einem Spielplatz wird erläutert, wie Kinder durch exploratives Handeln, Versuche und soziale Interaktion komplexe Lernprozesse vollziehen.
2. Wie Kinder lernen, sich bilden und die Rolle der Erwachsenen/pädagogischen Fachkräfte im Prozess: Dieses Kapitel definiert Bildung als aktiven Selbstbildungsprozess und beschreibt, wie pädagogische Fachkräfte durch Ko-Konstruktion und eine fehlerfreundliche Haltung das Lernen der Kinder wirksam unterstützen.
3. Gesetzliche Grundlagen: Der Text legt den rechtlichen Rahmen dar, insbesondere durch das SGB VIII (KJHG) und landesspezifische Orientierungspläne, welche den gesetzlichen Auftrag zur Erziehung, Bildung und Betreuung in Kindertagesstätten definieren.
4. Wie bildet ein (neues) Außengelände? Wie kann ein Außengelände bilden?: Hier wird aufgezeigt, dass die Umgebung („der dritte Pädagoge“) durch vielfältige Anreize und natürliche Gegebenheiten entscheidend zu ganzheitlichen Bildungserfahrungen und der Selbstwirksamkeit der Kinder beiträgt.
Schlüsselwörter
Spiel, Kindergarten, Selbstbildung, Ko-Konstruktion, Bildungsprozesse, Außengelände, Lernbegleiter, Bildungsauftrag, SGB VIII, Sozial-emotionale Kompetenz, Exploratives Lernen, Entwicklungsimpulse, Ganzheitlichkeit, Partizipation, Kindertagesstätte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Bedeutung des Spiels in Kindertagesstätten und weist nach, dass dieses keinen Zeitverlust, sondern eine zentrale Voraussetzung für die kindliche Bildungsentwicklung darstellt.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen von Bildungs- und Lernprozessen, die gesetzliche Verankerung des Bildungsauftrags sowie die praktische Gestaltung von Lernumgebungen wie dem Außengelände.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Kinder ihre Umwelt aktiv als „Konstrukteure“ erschließen und welche förderlichen Rahmenbedingungen sowie Interaktionsformen durch Fachkräfte hierfür notwendig sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Fundierung durch Fachliteratur sowie die Analyse und Reflexion von Praxisbeispielen aus dem Kita-Alltag, um pädagogische Zusammenhänge transparent zu machen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Lernprozessen, die Rolle der pädagogischen Fachkraft, die rechtliche Basis (z. B. SGB VIII) und die Bedeutung der räumlichen Umgebung für die kindliche Entwicklung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Selbstbildung, Ko-Konstruktion, kindliche Neugier, gesetzlicher Bildungsauftrag und die Umgebung als „dritter Pädagoge“ geprägt.
Wie unterscheidet sich in dieser Arbeit Erziehung von Bildung?
Bildung wird als individuelle Aneignung von Weltwissen und Persönlichkeitsentwicklung verstanden, während Erziehung als gesellschaftlich orientierte Einführung in Werte, Regeln und Sozialverhalten definiert wird.
Warum ist das Außengelände für den Lernprozess so relevant?
Es bietet natürliche, facettenreiche Spielanreize, die es Kindern ermöglichen, physikalische Phänomene wie Reibung oder Schwerkraft zu erforschen und motorische sowie kognitive Grenzen eigenständig zu erweitern.
- Quote paper
- Katharina Ihme (Author), 2016, Spielend lernen. Was ist Bildung im Kindergarten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320994