Die Pilgerfahrt nach Mekka. Elementare Strukturen, Erfahrungen, Zugänge und Wahrheiten


Seminararbeit, 2015

12 Seiten, Note: 1,0

Eva Wieser (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Elementare Strukturen
1.1 Grundlegende Analyse
1.1.1 Pflicht zur Wallfahrt
1.1.2 Religiöser Hintergrund
1.1.3 Mekka und seine Geschichte um die Kaaba und den heiligen Stein
1.1.4 Riten der Wahlfahrt
1.2 Elementarisierende Zuspitzung

2. Elementare Erfahrungen

3. Elementare Zugänge

4. Elementare Wahrheiten

5. Literaturverzeichnis

1. Elementare Strukturen

1.1 Grundlegende Analyse

1.1.1 Pflicht zur Wallfahrt

Jährlich unternehmen ungefähr zwei Millionen Muslime, aus allen Teilen der Welt, die Wallfahrt nach Mekka.1 Die Pilgerfahrt findet während der letzten zehn Tage des zwölften Mondmonats (Dhu’l al Hijja) statt und erreicht ihren Höhepunkt mit dem Opferfest (‚Id al-Adha).2 Ungefähr zwei Wochen (10-13 Tage) dauert der Hadsch an und gehört zu den insgesamt fünf Säulen des Islams.3 Sie ist für jeden erwachsenen Moslem, der dazu die wirtschaftlichen und gesundheitlichen Voraussetzungen hat, verpflichtend.4 Sollte ein Muslim aus schwer wiegenden Gründen nicht dazu in der Lage sein die Wallfahrt selber zu unternehmen, kann er stellvertretend für sich selbst einen anderen Moslem, der die Wallfahrt bereits zuvor schon einmal vollzogen hat, damit beauftragen diese in seinem Namen zu unternehmen.5 Nach seinem Tod bezeugt dieser vor Allah, die Wallfahrt stellvertretend für den verhinderten Moslem unternommen zu haben. Allah wird für den verhinderten Moslem im Paradies einen weißen Turban bereithalten und ihn genauso ehrenvoll empfangen, als hätte dieser die Wallfahrt selbst vollzogen. Beauftragt der verhinderte Moslem jedoch keinen Anderen, die Wallfahrt in seinem Namen auszuführen, vererbt er die Schuld der Wallfahrtsversäumung an seine Nachkommen. Die Wallfahrt kann auch für Verstorbene, die die Wallfahrt nicht vollzogen haben, durchgeführt werden.6

Das Ziel der Wallfahrt ist die Kaaba, ein würfelförmiges Gebäude in Mekka, welches einer Legende zufolge von Adam als erstes Gotteshaus erbaut worden war und später von dem Propheten Abraham (Ibrahim) zusammen mit seinem Sohn Ismael wieder neu errichtet wurde.7 Bei der Wallfahrt wird unterschieden zwischen der kleinen Wallfahrt, der Umra, die meistens im Frühjahr stattfindet, aber auch zu jeder anderen beliebigen Jahreszeit vollzogen werden kann und der großen Wallfahrt, dem Hadsch (oder auch Hadj, Hadjdj, Hadjj). Die Umra beschränkt sich auf die individuellen Riten, die der Pilger in Mekka verrichtet.8 Zwar verschafft sich ein Pilger durch diesen Besuch religiöse Verdienste, es gilt aber nicht als Erfüllung der Glaubenspflicht der Wallfahrt.9 Der Hadsch umfasst zusätzlich zu den individuellen Riten noch die kollektiven Riten, welche der einzelne Pilger zusammen mit anderen Pilgern in einer Gruppe in der Umgebung von Mekka und Medina verrichtet. Die Pilgerfahrt unterscheidet sich von den übrigen Glaubenspflichten insofern, da sie nur einmal im Leben durchgeführt werden muss.10 Die Wallfahrt ist für Männer und Frauen gleichermaßen verpflichtend. Jedoch sollen die Frauen die Wallfahrt nicht allein unternehmen, sondern von einem männlichen Verwandten oder vom Ehemann, der den Hadsch bereits zuvor schon einmal verrichtet hat, begleitet werden.11 Nach Abschluss des Hadsch erhält der männliche Pilger den Ehrentitel „Hadschi“ (oder Hadji). Dieser ist dann berechtigt eine weiße Kopfbedeckung zu tragen. Die weibliche Pilgerin wird hingegen nun als „Hadjia“ bezeichnet.12

1.1.2 Religiöser Hintergrund

Die Wallfahrt hat für den Muslim mehrere spirituelle Bedeutungen. Die größte jedoch ist die, seinem Monotheismus Ausdruck zu verleihen. Die Muslime unternehmen die beschwerliche Pilgerfahrt, um ihren einen Gott Allah zu gefallen. Außerdem erbringen sie ihm Ergebenheit und Gehorsam, um die Vergebung ihrer Sünden zu erlangen.13

Die tiefgründigste Bedeutung findet der Gläubige auf dem Höhepunkt der Pilgerreise vor dem Berg Arafat. Dort steht er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und betet zu Gott. Die Kaaba erhält durch die gemeinsamen Wurzeln von Judentum, Christentum und Islam eine universelle Bedeutung. Zudem symbolisiert die Kaaba die Einheit aller Muslime und soll die weltweite Brüderlichkeit manifestieren.14

1.1.3 Mekka und seine Geschichte um die Kaaba und den heiligen Stein

Mekka, der Geburtsort des Propheten Mohammed, ist die zweitgrößte Stadt Saudi-Arabiens und gilt als der kulturelle und religiöse Mittepunkt der gesamten islamischen Welt. Seine ca. 500.000 Einwohner leben hauptsächlich vom Pilgerverkehr. Inzwischen reisen jährlich zwischen zwei und drei Millionen Pilger nach Mekka. Das führt dazu, dass die Stadt kaum noch Pilger aufnehmen kann, und deren Anzahl begrenzt werden musste.15

Die Kaaba gilt im Islam als das älteste Gotteshaus. Kaaba heißt auf Deutsch übersetzt „Würfel“. Einer alten Überlieferung zufolge wurde Adam, nachdem der das Paradies verlassen musste, von Allah aufgefordert ein Haus der Zuflucht und Verehrung zu errichten. Nach langem Umherreisen führten die Engel Adam schließlich in die Region des heutigen Mekkas.16

In den letzten Jahren haben iranische Pilger den Hadsch zur Abgabe politischer Proklamationen genutzt, in denen sie Israel, den Westen und die prowestliche Dynastie der Saudis angegriffen haben. Dies führte zum großen Ärgernis der Behörden und der Mehrzahl der Pilger, die in dem Hadsch ein rein religiöses Fest sehen. Im August 1987 berichteten die Saudis, 402 Menschen (darunter 275 Iraner) seien bei Unruhen im Gefolge von politischen Demonstrationen ums Leben gekommen. Im Jahre 1990 wurden mehr als 1100 v.a. türkische und indonesische Pilger erdrückt, als eine Fußgängerbrücke unter dem Gewicht der Menge wegbrach.17

1.1.4 Riten der Wahlfahrt

Die Wallfahrt nach Mekka bedarf einer langen Vorbereitungsphase, in der der gläubige Muslim seine Sünden bereut und sich vornimmt, in Zukunft ein gottgefälliges Leben zu führen, als auch sich gegenüber den Mitmenschen einwandfrei zu verhalten.18 Außerdem muss er seine Angelegenheiten geregelt haben: Er darf keine Schulden haben, keine Verpflichtungen für den Unterhalt von Kindern oder Verwandten und keine Verpflichtungen anderer Art haben. Wenn nötig, sollte er auch ein Testament abgefasst haben.19 Hintergrund dieser Absicherungen ist, dass die Pilgerfahrt früher mit zahlreichen Gefahren verbunden war (Attacken auf die Züge der Wallfahrer etc.).20

Der Hadsch besteht aus genau festgelegten Abfolgen von heiligen Riten und Gebeten.21 Die anstrengenden, nicht selten in der extremen Hitze eines arabischen Sommers zu verrichtenden Rituale beinhalten: die Tawaf, das Umschreiten der Kaaba; Sa’i, den siebenmaligen Lauf zwischen den beiden Hügeln Safa und Marwa; das „Verweilen“ in der Ebene am Berg Arafat (ca. 25 Kilometer außerhalb von Mekka); der Ansturm durch die enge Talschlucht von Muzdalifa; die „Steinigung“ der drei Pfeiler, die den Satan darstellen; das Schlachten des Opfertiers in Mina.22

Im Folgenden wird auf die Rituale und auf den genau festgelegten Ablauf vertieft und detailliert eingegangen.

Früher verbrachten die Muslime aus allen Ländern einen Großteil ihres Lebens mit der Reise zur Heiligen Stadt, Mekka. Denn sie machten sich auf den beschwerlichen Weg quer durch Afrika oder Asien. Heutzutage ist die Reise durch den erschwinglichen Flugverkehr wesentlich erleichtert worden.23 Vor oder während der Flugfahrt treten die Pilger in den Weihestand ein.24 Dies geschieht durch die rituellen Waschungen und, indem sich die männlichen Pilger in zwei ungesäumte weiße Tücher hüllen, von denen eines um die Hüfte, das andere um die Schultern geschlungen wird.25 Diese Gewänder werden die Gläubigen wieder als Verstorbene tragen.26 Frauen tragen einen langen Rock, ein Oberteil mit langen Ärmeln und ein Kopftuch.27 Bis zum Abschluss der Rituale müssen sich die Teilnehmer des Geschlechtsverkehrs enthalten. Sie sollen zudem jeden Streit und jeden Verstoß gegen die Gebote Gottes vermeiden (Koran. Sure 2, 197). Der Pilger darf ebenso nicht seine Nägel oder Haare schneiden lassen und er darf sich auch nicht parfümieren. Er muss alles tun, um den Weihezustand zu bewahren.28

Das eigentliche Pilgerritual beginnt, wenn die Gläubigen den heiligen Bezirk um Mekka herum erreichen, der für Nicht-Muslime verboten ist.29 Im Zentrum der Pilgerfahrt steht die Kaaba in Mekka, die zuerst siebenmal gegen den Uhrzeigersinn umschreitet wird.30 Die Kaaba hat eine Kantenlänge von 11-13 Metern und ist ein würfelförmiges Gebäude, das sich im Mittelpunkt der großen Moschee von Mekka befindet. In der südöstlichen Ecke dieses bereits aus vorislamischer Zeit stammenden Heiligtums ist ein schwarzer Stein, ein Meteorit, eingelassen. Dieser wird von den Pilgern berührt oder teilweise sogar geküsst.31 Bei diesem Ritual handelt es sich nicht um ein „leeres“ Ritual, also nur dem bloßen Ausführen kultischer Vorschriften, sondern hier geht es vielmehr um die innere Einstellung. Der Mensch gibt sich Gott ganzheitlich hin und drückt dies durch äußere Bewegungen und Handlungen aus.32 Als nächstes Ritual gilt die siebenmalige Laufprozession zwischen den beiden Hügeln Safa und Marwa. Das sind ebenfalls heilige Stätten der vorislamischen arabischen Religion. Hintergrund dieser Handlung ist der Gedanke an Abrahams Frau Hagar. Nach ihrer Verstoßung durch Abraham soll sie in der Wüste verzweifelt nach Wasser für sich und ihren Sohn Ismael zwischen diesen beiden Hügeln gesucht haben.33

[...]


1 Vgl. Ruthven 197f.

2 Vgl. ebd. 197.

3 Vgl. Renz/ Leimgruber 211.

4 Vgl. Ruthven 197.

5 Vgl. Heine 157.

6 Vgl. ebd. 158.

7 Vgl. Renz/ Leimgruber 211.

8 Vgl. Ruthven 197.

9 Vgl. Heine 157.

10 Vgl. ebd. 157.

11 Vgl. ebd. 158.

12 Vgl. Ruthven 197.

13 Vgl. Heine 162.

14 Vgl. ebd. 162.

15 Vgl. Heine 163.

16 Vgl. ebd. 164.

17 Vgl. Ruthven 198.

18 Vgl. Renz/ Leimgruber 211.

19 Vgl. Heine 158.

20 Vgl. Heine 158.

21 Vgl. Renz/ Leimgruber 211.

22 Vgl. Ruthven 198.

23 Vgl. ebd. 197.

24 Vgl. Heine 159.

25 Vgl. Renz/ Leimgruber 211.

26 Vgl. ebd. 211.

27 Vgl. Heine 159.

28 Vgl. ebd.160.

29 Vgl. Heine 159.

30 Vgl. ebd. 160.

31 Vgl. Renz/ Leimgruber 211.

32 Vgl. ebd. 211.

33 Vgl. ebd. 212.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Pilgerfahrt nach Mekka. Elementare Strukturen, Erfahrungen, Zugänge und Wahrheiten
Hochschule
Universität Passau  (Universität)
Veranstaltung
Seminar zum Studienbegleitendem Praktikum
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
12
Katalognummer
V321034
ISBN (eBook)
9783668203341
ISBN (Buch)
9783668203358
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pilgerfahrt, Mekka, Medina
Arbeit zitieren
Eva Wieser (Autor), 2015, Die Pilgerfahrt nach Mekka. Elementare Strukturen, Erfahrungen, Zugänge und Wahrheiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321034

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