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Der Film als Einfühlungsobjekt. Von der durchlässigen Leinwand zur aufgebrochenen Haut

Über subjektiv erschütternde Filmszenen

Title: Der Film als Einfühlungsobjekt. Von der durchlässigen Leinwand zur aufgebrochenen Haut

Bachelor Thesis , 2014 , 56 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Natalie Zoghbi (Author)

Film Science
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Was sagt eine Filmszene? Was bin ich angesichts dieser Szene? Und kann man diese beiden Fragen überhaupt voneinander trennen? – Filme laden den Zuschauer zu sich ein, ziehen und zerren an ihm, bis er eintritt; bis er in die Handlung eindringt, mit den Figuren mitfühlt und sich zu den dargestellten Ereignissen positioniert – als Zeuge, Täter oder Opfer. Zugleich bleibt doch der Zuschauer auch selbst gegenwärtig, vergisst nie ganz seine eigene Präsenz, seinen Körper, seine Differenz zum Gezeigten. Denn der Film wirkt durch ihn, mit ihm, in ihm.

In der vorliegenden Arbeit möchte ich anhand dreier unterschiedlicher Herangehensweisen Ansätze aufzeigen, welche die subjektive Positionierung des Zuschauerkörpers zur Leinwand sowie die Beeinflussung des Körpers durch das Betrachtete nahezu unabhängig von inhaltlichen und technischen Wirkungsstrategien des Films behandeln. Der vermeintliche Verlust des Selbst durch Kontemplation wird dabei dem stetigen Selbstbewusstsein des Zuschauers gegenübergestellt und schließlich gar vereint, sodass die Subjektivität in der Filmerfahrung signifikant an Bedeutung gewinnt. Genre und Darstellungsweise werden zweitrangig und der Erfahrungsraum der Filmrezeption dringt tief in die gelebte Realität des Zuschauers ein.

Um diese Thesen zu untermauern, sollen filmwissenschaftliche Ansätze zusammengebracht werden mit philosophischen Positionen, welche unabhängig vom Medium Film entwickelt wurden und sich auf zwischenmenschliche, ethische oder anderweitig theoretische Fragestellungen beziehen. Diese Theorien auf die Erfahrung von Filmszenen anzuwenden, umfasst die Annahme, dass der Film ein machtvolles und einflussreiches Gegenüber des rezipierenden Subjekts ist, dessen Interaktionspotential mit dem Zuschauer nicht zu unterschätzten ist.

Obgleich der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit abseits von narrativen und technischen Strategien liegt, möchte ich diese als Einstieg doch kurz andeuten. Denn auch wenn an dieser Stelle keine Fokussierung auf entsprechende Wirkungsweisen erfolgt, sind sie in ihrer Geltung und Relevanz dennoch allzeit präsent und sollten darum nicht gänzlich außer Acht gelassen werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Einführung in die Problemstellung

1.1 Exkurs: Narration und Technik

1.2 Titel und Thesen

1.2.1 Von der durchlässigen Leinwand zur aufgebrochenen Haut

1.2.2 Subjektivität

1.2.3 Erschütterung

1.3 Ziel und Aussicht

2. Der performative Film

2.1 Benennung und Ansprache

2.2 Zum Beispiel: Ein subjektiver Erfahrungsbericht

3. Der Film als Einfühlungsobjekt

3.1 Identifikation, Empathie, Mitleid

3.2 Einfühlung

3.3 Menschsein und Selbst

4. Der phänomenologische Film

4.1 Synästhesie

4.2 Die Erfahrung eines Anderen erfahren

4.3 Interobjektivität

5. Abschließende Bemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das komplexe Spannungsverhältnis zwischen dem Zuschauer und der Leinwand, mit dem Ziel aufzuzeigen, wie Filme unabhängig von inhaltlichen oder technischen Strategien eine tiefgreifende, körperliche Erschütterung und Veränderung des Rezipienten bewirken können. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie subjektive Filmerfahrungen eine reale Bedeutungsebene erreichen.

  • Die performative Wirkung von Filmbildern auf den Zuschauerkörper.
  • Theorien der Empathie und Einfühlung in Bezug auf filmische Rezeption.
  • Die Rolle der Subjektivität und individueller Erfahrungen beim Filmkonsum.
  • Phänomenologische Ansätze der Filmerfahrung (nach Vivian Sobchack).
  • Das Verhältnis von Körperlichkeit, Identität und Fiktionalität.

Auszug aus dem Buch

1.2.1 Von der durchlässigen Leinwand zur aufgebrochenen Haut

Die im Titel dieser Arbeit verwendeten Metaphern der durchlässigen Leinwand und der aufgebrochenen Haut spielen direkt auf das bereits erwähnte Spannungsverhältnis zwischen dem Verschwinden des Zuschauers in der Filmszene und der dagegen gestellten absoluten Notwendigkeit der wahrgenommenen körperlichen Präsenz des Rezipienten und der Durchdringung seines Körpers durch den Film an. In ihrer „Filmtheorie zur Einführung“ (2013) gehen auch Elsaesser und Hagener diesen Weg. Bevor sie auf eindringlichere Filmtheorien eingehen, beschreiben sie Sichtweisen, in denen die Differenz zwischen Film und Zuschauerkörper noch zumindest über die Zuschauerhaut getrennt bleibt, wie den Film als Fenster mit Blick auf eine andere Welt, oder den Film als Tür, durch die man in diese Welt eintreten kann, ohne jedoch die Integrität des Zuschauerkörpers dabei zu verletzen (vgl. ebd.: S. 23 – 73).

„Der Zuschauer findet sich zwischen zwei Polen wieder: der Projektion, die ihn in den Film stürzen, ihn sich gleichsam darin auflösen und seine individuellen Subjektstatus freiwillig zugunsten einer Objektifizierung aufgeben lässt, und der Identifikation, die ihn den Film absorbieren, die Welt also in sich aufnehme und sich damit auch imaginär als Subjekt erfahren lässt.“ (ebd.: S. 52).

Viele Filmtheorien argumentieren, dass es einer möglichst tiefgreifenden Kontemplation bedarf, um sich als Zuschauer nachhaltig in eine Filmszene involviert zu fühlen. Je stärker die Realität des Films die reale Umwelt des Zuschauers verdrängt, desto mehr kann dieser sich demnach in die Filmwelt hinein versetzten lassen. So beschreibt Scott Curtis das geistige Eintauchen im Begriff der Kontemplation als „absolut entscheidend für die ästhetische Erfahrung und den Einfühlungsprozess.“ (Curtis, S. 2009: S. 97).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Einführung in die Problemstellung: Die Einleitung führt in das zentrale Thema der subjektiven Körperpositionierung gegenüber der Leinwand ein und stellt die Thesen zur Erschütterung und Subjektivität auf.

2. Der performative Film: Dieses Kapitel betrachtet den Film als Sprechakt, der durch kulturelle und soziale Verstrickungen den Zuschauer direkt anspricht und positioniert.

3. Der Film als Einfühlungsobjekt: Hier wird untersucht, wie Identifikations- und Empathieprozesse eine Involvierung des Zuschauers ermöglichen, wobei der Fokus auf dem subjektiven Erfahrungsschatz liegt.

4. Der phänomenologische Film: Dieser Abschnitt nutzt die Theorie von Vivian Sobchack, um das leibliche Miterleben und die sinnliche Verflechtung von Zuschauer und Film als ganzheitlichen Rezeptionsprozess zu analysieren.

5. Abschließende Bemerkungen: Die Zusammenfassung führt die drei Perspektiven (performativ, einfühlungstheoretisch, phänomenologisch) zusammen und bestätigt das Potential des Films, den Zuschauer nachhaltig zu erschüttern.

Schlüsselwörter

Filmrezeption, Zuschauerkörper, Immersion, Kontemplation, Subjektivität, Erschütterung, Performativer Film, Empathie, Einfühlung, Phänomenologie, Vivian Sobchack, Identifikation, Leiblichkeit, Filmtheorie, Filmerfahrung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Filme den Zuschauer auf einer körperlichen und affektiven Ebene berühren und erschüttern können, unabhängig von Genre oder Handlung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen Filmrezeption, die Rolle des Körpers im Kino, das Spannungsfeld zwischen Distanz und Immersion sowie philosophische Konzepte von Identität und Subjektivität.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, ein theoretisches Modell zu erarbeiten, das erklärt, wie Filmrezeption eine reale Wirkung auf das Selbst des Zuschauers entfaltet und die Grenzen zwischen Fiktion und Realität aufweicht.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Autorin nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der poststrukturalistische, einfühlungstheoretische und insbesondere phänomenologische Filmtheorien (u.a. von Vivian Sobchack) verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert den performativen Charakter des Films, die psychologischen Mechanismen der Empathie und Einfühlung sowie die leibliche Wahrnehmung durch phänomenologische Konzepte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind vor allem: Filmrezeption, Erschütterung, Subjektivität, Immersion, Phänomenologie und der performative Film.

Wie definiert die Arbeit den „erschütternden“ Film?

Ein Film wird als erschütternd definiert, wenn er das Potential besitzt, den Zuschauer über den Rezeptionsmoment hinaus emotional oder somatisch zu verändern und in seiner Identität zu berühren.

Welche Bedeutung hat der „Zuschauerkörper“ in der Analyse?

Der Körper ist für die Autorin kein bloß passiver Beobachter, sondern die grundlegende sensorische Oberfläche und das Medium, durch das Bedeutung und Erschütterung erst wirklich erfahren werden können.

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Details

Title
Der Film als Einfühlungsobjekt. Von der durchlässigen Leinwand zur aufgebrochenen Haut
Subtitle
Über subjektiv erschütternde Filmszenen
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Medien- und Kulturwissenschaften)
Grade
1,0
Author
Natalie Zoghbi (Author)
Publication Year
2014
Pages
56
Catalog Number
V321058
ISBN (eBook)
9783668209237
ISBN (Book)
9783668209244
Language
German
Tags
film einfühlungsobjekt filmszenen performativ Einfühlung Identifikation Empathie Synästhesie Phänomenologie Butler Saussure Stiglegger Sobchack
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Natalie Zoghbi (Author), 2014, Der Film als Einfühlungsobjekt. Von der durchlässigen Leinwand zur aufgebrochenen Haut, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321058
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