Der Mars Ultor-Tempel auf dem Augustusforum in Rom wurde im Jahre 2 v. Chr. als eines der wichtigsten, neuartigsten und imposantesten Marmorbauwerke eingeweiht, doch bis heute durch verschiedene Einwirkungen zu circa achtzig Prozent seiner Baumasse beraubt. Trotz seines ruinösen Zustandes ist er dennoch einer der wenigen römischen Tempel, der noch viele Befunddetails bewahrt hat. Leider fehlen gerade für die Vollendung dieser Wiederbelebung fast jegliche Befunde für den Tempelgiebel, der den monumentalen Blickpunkt der beeindruckenden Fassade gebildet haben muss. Hier tritt nun ein Relief aus claudischer Zeit in das Betrachtungsfeld der Forscher, das möglicherweise den gesamten Mars Ultor-Tempel zeigt und somit auch eine Rekonstruktion und Interpretation des Giebels erlauben würde.
Mit ebendiesem Relief und einer möglichen Deutung des Tempelabschlusses möchte ich mich in der folgenden Arbeit beschäftigen. Weiterhin werde ich versuchen, auch das innere Bildprogramm mit den Figuren des Tympanons in einen Zusammenhang zu bringen, um so ein Gesamtkonzept der augusteischen Ideologie aufzuzeigen.
Doch warum wurde ein Tempel für den Kriegsgott nun so kompliziert auf dem Augustusforum errichtet, wo doch zum Beispiel auf dem Marsfeld genügend Platz gewesen wäre und dort Mars auch traditionell verankert war? Auch diese Frage werde ich in meiner Arbeit versuchen zu beantworten und mich dabei unter anderem auf Forschungsliteratur von Erika Simon, Joachim Ganzert, Paul Zanker und Mario Torelli, sowie Quellentexte von Ovid und Augustus selbst beziehen. Für die Problembehandlung werde ich zunächst eine Beschreibung des gesamten Tempeläußeren und –inneren vornehmen und im Anschluss den Giebel und das Relief im Einzelnen untersuchen, um dann wieder eine Verbindung zum Inneren herzustellen zu können und mit einer Zusammenfassung meine Arbeit abzuschließen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Mars Ultor – Tempel
2.1 Das Tempeläußere (Tafel 3, Abb. 6)
2.2 Das Tempelinnere
2.3. Die Wahl des Standpunktes des Tempels
3. Der Giebel des Mars Ultor – Tempels
3.1. Der Giebel auf einem Relief der „Ara Pietatis Augustae“
3.2. Beschreibung der Giebelkomposition anhand des Reliefs
3.3. Deutung der Giebelfiguren und ihre Aussage zur Unterstützung der augusteischen Ideologie
4. Das Kultbild und die signa im Tempelinneren und ihre Verbindung zum Giebel
5. Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Mars Ultor-Tempel auf dem Augustusforum, wobei der Fokus auf der Rekonstruktion und Interpretation des verloren gegangenen Tempelgiebels liegt. Durch die Analyse eines claudischen Reliefs der „Ara Pietatis Augustae“ sowie den Abgleich mit dem inneren Bildprogramm soll aufgezeigt werden, wie der Tempel als zentrales Instrument der augusteischen Ideologie und Staatskunst fungierte.
- Architektonische Rekonstruktion des Mars Ultor-Tempels
- Ikonographische Analyse des Giebelfrieses
- Zusammenhang zwischen dem Giebelbild und dem Kultbild im Tempelinneren
- Symbolik der augusteischen Ideologie und Reichsgeschichte
- Bedeutung der signa-Rückgabe im Tempelprogramm
Auszug aus dem Buch
3.2. Beschreibung der Giebelkomposition anhand des Reliefs
Der marmorne Reliefabschnitt, der den Mars Ultor – Tempel zeigen soll, befindet sich heute noch immer in Rom und ist in der Ostfassade der Villa Medici eingemauert. Die Höhe des Reliefs beträgt 1,55 Meter und es ist bei einer größten Ausladung von circa fünfzehn Zentimetern 2,46 Meter breit. Die Komposition beherrscht die Fassade eines achtsäuligen, korinthischen Tempels mit geöffneten Türflügeln, der auf einem Podium steht. Zu ihm führen Treppenstufen hinauf, die zum Teil abgebrochen sind und somit ist wohl auch der Altar, der einst vor dem Tempel stand, in dem Relief nicht mehr erhalten. Im Vordergrund nach rechts gerichtet ist die Szene eines Stieropfers abgebildet, auf die ich in dieser Arbeit nicht näher eingehen möchte. Vielmehr werde ich mich auf den Abschnitt beschränken, der den Tempel mit seinem Giebel zeigt (Tafel 5, Abb. 13).
Auch die klassizistischen Formen der Figuren sind im kleinformatigen Relief nur schwer zu erkennen. Ohne Zweifel ist jedoch zu sagen, dass sieben Personen auf dem Tympanon abgebildet sind, die ich im Folgenden aus der Sicht des Betrachters von links nach rechts beschreiben werde: Die äußerst linke Figur im Giebelzwickel ist bis auf die vom Mantel verhüllten Beine nackt, bekränzt und männlich. Auf ihre linke Seite gelagert stützt sie sich auf eine Bodenerhöhung und wendet sich zur Giebelmitte um, wobei ihr rechter Arm auf dem leicht angewinkelten rechten Knie ruht. Die zweite Figur ist ebenfalls männlich und sitzt auf einem Felsen, wobei sie dem Gelagerten den Rücken zuwendet. Sie trägt Tunika und Mantel, das leinke Bein ist angewinkelt und an dessen Knie ist ein kurzer Stab angelehnt, den die Figur am oberen Ende mit der rechten Hand festhält. Die jugendliche Gestalt legt ihren Kopf in die andere Hand, während der linke Ellbogen auf dem rechten Handgelenk abgestützt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt den ruinösen Zustand des Mars Ultor-Tempels und stellt das Ziel auf, durch ein claudisches Relief eine Rekonstruktion des verlorenen Giebels und eine Einordnung in das augusteische Bildprogramm zu ermöglichen.
2. Der Mars Ultor – Tempel: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte architektonische Beschreibung des Tempels, seines Aufbaus, der Innenausstattung sowie der strategischen Standortwahl auf dem Augustusforum.
3. Der Giebel des Mars Ultor – Tempels: Hier erfolgt die Identifikation des Giebels anhand des Reliefs der Ara Pietatis, eine detaillierte ikonographische Beschreibung der Giebelfiguren und deren Deutung im Kontext der augusteischen Herrschaftsideologie.
4. Das Kultbild und die signa im Tempelinneren und ihre Verbindung zum Giebel: Das Kapitel analysiert die Funktion der Apsis als Aufbewahrungsort für das Kultbild und die rückgewonnenen Feldzeichen und stellt die inhaltliche Verbindung zwischen den Außen- und Innendekorationen her.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese, die den Mars Ultor-Tempel als manifestierte Staatsideologie bestätigt, in der der Tempel als Ort der Ahnenverehrung und Machtdemonstration des ersten Kaisers fungiert.
Schlüsselwörter
Mars Ultor, Augustus, Augustusforum, Giebelrelief, Ara Pietatis, Kultbild, signa, römische Staatskunst, Ikonographie, Mythologie, Ideologie, Kaiserzeit, Tempelarchitektur, Romulus, Venus Genetrix
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der architektonischen und ikonographischen Rekonstruktion des verlorenen Tempelgiebels des Mars Ultor-Tempels auf dem Augustusforum in Rom unter Zuhilfenahme eines Reliefs der Ara Pietatis.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit kombiniert architektonische Befunde mit kunsthistorischer Bildanalyse und historischer Interpretation, um das politische Programm der augusteischen Baupolitik zu beleuchten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse des claudischen Reliefs eine fundierte Vorstellung vom verlorenen Tempelgiebel zu gewinnen und dessen Bedeutung für die augusteische Herrschaftsideologie zu belegen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine komparative Methode, bei der archäologische Befunde des Tempels mit zeitgenössischen Reliefs sowie antiken Quellentexten von Ovid und Augustus abgeglichen werden.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine physische Baubeschreibung, eine detaillierte ikonographische Analyse der Giebelfiguren und eine Untersuchung des Tempelinneren inklusive der dort aufbewahrten Feldzeichen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Mars Ultor, augusteische Ideologie, signa, Tempelgierbel und die Identifikation historischer Reliefs.
Warum wird dem Relief der "Ara Pietatis" eine so zentrale Rolle zugeschrieben?
Da vom Originaltempel kaum figürliche Reste des Giebels erhalten sind, dient das Relief als wichtigste visuelle Quelle für die ursprüngliche Komposition des Giebels.
Inwiefern beeinflusste die augusteische Ideologie das Bildprogramm des Tempels?
Der Tempel dient nicht nur als religiöser Ort, sondern durch die Verbindung von Mythen (Trojaner, Romulus) als visuelle Legitimierung der Macht des Kaisers und der Julier.
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- Katrin Skibbe (Autor), 2009, Der Giebel des Mars Ultor-Tempels. Wiederentdeckung in einem claudischen Relief und seine Wichtigkeit für die Ideologie des Augustus, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321226