In der berühmten Science-Fiction Serie „Star Trek“ gerät der Protagonist Captain Kirk in der Folge „Spiegelwelten“ in eine Welt, in der sein Parallel-Ich böse ist. Diese Parallelwelt funktioniert nach denselben Gesetzen und doch unterscheiden sich alle Parallel-Figuren charakterlich von der Mannschaft des Captains. Der unwahrscheinliche Fall tritt ein und Captain Krik trifft auf das exakte Spiegelbild seiner Person. Der Film ist natürlich nur Fiktion und zeigt das hypothetische Aussehen einer anderen Welt. Er streift die Thematik der möglichen Welten, der zufolge unsere Welt nur eine von vielen möglichen Welten ist. Folgt man Richard Dawkins (*1936), ist es zwar wahrscheinlich, dass Leben überhaupt entsteht, aber angesichts des unendlichen Raumes müsste eine unendliche Anzahl an Welten existieren.
Während „Star Trek“ bei einem Gedankenspiel bleibt, streift die Philosophie wesentlichere Fragen, nämlich nicht nur Struktur und Aussehen möglicher Welten, sondern auch, ob sie tatsächlich existieren können, welche Rolle die unsrige Welt inmitten all dieser denkbaren anderen Welten besitzt und – dies betrifft die Theologie – an welcher Stelle der Schöpfergott steht. Dawkins, der ganz naturwissenschaftlich arbeitet, sieht einen Schöpfergott als überflüssig an. Gottfried Wilhelm Leibniz hingegen hat die Mögliche-Welten-Idee erstmals formuliert und aus ihr einen Gottesbeweis geformt.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Die Problematik der Übel bei Leibniz
I. Gottfried Wilhelm Leibniz und sein zeitgeschichtlicher Hintergrund
II. Leibniz‘ Gottesbeweis: Die beste aller möglichen Welten
1. Zum Gottesbegriff
2. Mögliche Welten
a) Beschaffenheit von möglichen Welten
b) Unendliche Anzahl möglicher Welten
c) Unsere Welt: Bewusster Beschluss Gottes
3. Die wirkliche Welt
a) Das Übel als notwendige Komponente
b) Weltordnung
c) Gott oder Mensch: Wer trägt Schuld am moralischen Übel?
C. Die Theodizee: Ein Gottesbeweis?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Gottfried Wilhelm Leibniz' Theorie der „besten aller möglichen Welten“ und setzt diese in den Kontext der Theodizee-Frage, um zu analysieren, wie Gott angesichts des in der Welt existierenden Übels als allmächtig und allgütig gerechtfertigt werden kann.
- Die Mögliche-Welten-Theorie bei Leibniz
- Das christliche Gottesbild unter dem Einfluss der Naturwissenschaften
- Systematisierung der Übel in physische, moralische und metaphysische Kategorien
- Die Rolle des freien Willens und der menschlichen Verantwortung
- Kritische Reflexion der Theodizee als Gottesbeweis
Auszug aus dem Buch
a) Beschaffenheit von möglichen Welten
Zunächst erscheint es bei Leibniz Theorie so, als ob man sich eine unendliche Menge von Parallelwelten vorstellen könnte, die sich in kleinen Details oder auf undenkbare Weise von der unsrigen unterscheiden. Daher wirkt die Beste-Welten-Theorie auf viele auch zunächst wie eine Science-Fiction Vision, die zwar ein Gedankenkonstrukt eines Philosophen ist, aber keine Gültigkeit besitzt. Eine „Welt“ ist bei Leibniz aber nicht ein wahlloser Mix aus Geschehnissen und Eigenschaften, sondern bezeichnet einen übergeordneten Begriff für Etwas, „über das hinaus und neben dem es nichts anderes mehr geben kann“. Eine Welt ist immer ein Zusammenspiel aus Möglichkeiten, wobei eine andere Welt nicht aus anderen Möglichkeiten besteht, sondern aus einer anderen Kombination dieser Möglichkeiten.
Leibniz prägt außerdem den Begriff der Kompossibilität. So kann eine Welt nur dann sinnvoll sein, wenn ihre Möglichkeiten sinnvoll miteinander existieren können. Diese Eigenschaft gilt natürlich nicht für alle denkbaren Welten. Nur eine Welt, deren Bestandteile kompossibel sind, ist auch eine logische und damit mögliche Welt. Von diesen möglichen Welten wiederum existiert eine unendliche Anzahl.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Einführung in die Thematik der möglichen Welten und das Spannungsfeld zwischen naturwissenschaftlichen Weltsichten und der christlichen Theodizee.
B. Die Problematik der Übel bei Leibniz: Analyse der Ursachen von Leid und Gott als Schöpfer einer Welt, in der Übel als notwendige Komponente zur Erreichung eines größeren Gutes existieren.
I. Gottfried Wilhelm Leibniz und sein zeitgeschichtlicher Hintergrund: Einordnung von Leibniz als Universalgelehrten und Darstellung der Herausforderungen, denen sich die Theologie im 17. Jahrhundert durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse gegenübersah.
II. Leibniz‘ Gottesbeweis: Die beste aller möglichen Welten: Erläuterung des Kernarguments, dass Gott aufgrund seiner Vollkommenheit die beste aller Welten erschaffen hat, unter Berücksichtigung von Gottesbegriff und Weltentheorie.
1. Zum Gottesbegriff: Klärung der göttlichen Eigenschaften wie Allmacht, Allwissenheit und Allgüte in Verbindung mit dem Konzept der Freiheit.
2. Mögliche Welten: Diskussion über die Definition einer Welt, das Konzept der Kompossibilität und die unendliche Anzahl der von Gott durchdachten Möglichkeiten.
3. Die wirkliche Welt: Untersuchung der Struktur unserer Welt, der verschiedenen Arten von Übeln und der Frage nach der moralischen Schuld.
C. Die Theodizee: Ein Gottesbeweis?: Kritische Auseinandersetzung mit der Frage, ob Leibniz' Theorie tatsächlich als Gottesbeweis fungieren kann oder ob sie Gott letztlich aus der Welt verdrängt.
Schlüsselwörter
Leibniz, Theodizee, Mögliche Welten, Gott, Allmacht, Übel, Leid, Freiheit, Kompossibilität, Monadologie, Schöpfung, Christentum, Philosophie, Ethik, Metaphysik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die philosophische Auseinandersetzung von Gottfried Wilhelm Leibniz mit der Frage, warum Gott eine Welt voller Leid zugelassen hat, indem sie seine Theorie der „besten aller möglichen Welten“ analysiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Theodizee, das christliche Gottesbild, die Struktur möglicher Welten, die Kategorisierung des Übels sowie das Zusammenspiel von göttlicher Vorhersehung und menschlicher Freiheit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Leibniz versucht, die Existenz Gottes als Schöpfer mit der nachweisbaren Existenz von Leid in der Welt logisch zu vereinbaren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philosophisch-theologische Textanalyse der Werke von Leibniz und vergleicht diese mit zeitgenössischen und späteren philosophischen sowie wissenschaftlichen Perspektiven.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Gottesbegriffs, die Definition und Logik möglicher Welten und eine differenzierte Untersuchung der verschiedenen Arten des Übels (metaphysisch, physisch, moralisch).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Theodizee, Leibniz, Mögliche Welten, Kompossibilität und die Rechtfertigung Gottes durch die Erreichung eines größeren Gutes.
Wie unterscheidet Leibniz die verschiedenen Arten des Übels?
Er unterteilt das Übel in metaphysische Übel (aufgrund der notwendigen Beschränktheit der Schöpfung), physische Übel (Leid als Strafe oder Warnung) und moralische Übel (Sünde/menschenverursachtes Leid).
Was bedeutet der Begriff „Kompossibilität“ in Leibniz' Philosophie?
Kompossibilität beschreibt die Eigenschaft von Möglichkeiten, sinnvoll und widerspruchsfrei in einer Welt zusammenzuexistieren; eine Welt besteht nur aus einer kompossiblen Kombination solcher Möglichkeiten.
Kann der Mensch bei Leibniz überhaupt für moralisches Übel verantwortlich sein?
Ja, da der Mensch Verstand und einen freien Willen besitzt; das moralische Übel gründet in der Entscheidung des Menschen, nicht in einer göttlichen Vorbestimmung der Tat selbst.
- Arbeit zitieren
- Alexander Winter (Autor:in), 2011, Die Problematik der Übel bei Gottfried Wilhelm Leibniz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321247