Die Akteure der Nachhaltigkeit in Deutschland. Sozioökonomische Aspekte nachhaltiger Bemühungen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nachhaltigkeit - Ein Begriff, viele Bedeutungen
2.1 Die Geschichte der Nachhaltigkeit
2.2 Die drei Säulen der Nachhaltigkeit

3. Die Akteure der Nachhaltigkeit
3.1 Nachhaltigkeit - Jeder ist verantwortlich
3.2 Einflussnahme indirekter Akteure der Nachhaltigkeit

4. Zwei Akteure der Nachhaltigkeit - Zwei Positionen
4.1 Der Bundesverband der deutschen Industrie
4.2 Der Bund für Umwelt- und Naturschutz
4.3 Vergleich der vorgestellten Akteure

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahr 2002 beschloss die Bundesregierung die nationale Nachhaltigkeitsstrategie „Perspektiven für Deutschland“ und erklärte damit eine nachhaltige Entwicklung zum zentralen Ziel des ihres Handelns (BUMB, 2014). Dieses Ziel kann jedoch nicht durch das Handeln der Regierung allein erreicht werden. Es kann nur gelingen, wenn sich sowohl die Akteure aus Politik als auch aus Wirtschaft und Gesellschaft auf eine gemeinsame Entwicklung einigen können. Durch einen Dialog- und Konsultationsprozess mit den unterschiedlichen Akteuren bei der Erarbeitung der Nachhaltigkeitsstrategie sowie der Fortschrittsberichte, soll eine Zusammenarbeit gefördert werden (ebd.). Doch die Zahl der verschiedenen Akteure, die einen potentiellen Einfluss auf die Entwicklung der Nachhaltigkeit in Deutschland haben, ist groß: Sie umfasst u.a. Politiker und Parteien, Wirtschaftsverbände, Umweltorganisationen bis hin zur Bevölkerung als mündigen Verbraucher. Auch wenn sich jeder dieser Akteure zur Nachhaltigkeit bekennt, so ist eine inhaltlich einheitliche Nachhaltigkeitsstrategie dennoch nicht zu erwarten, da jeder Akteur primär auf seine eigenen Interessen achtet und ein eigenes Verständnis von Nachhaltigkeit aufweist. Dies liegt insbesondere daran, dass der Begriff der Nachhaltigkeit nicht genau definiert ist (White, 2013, S. 215), was dazu führen kann, dass sich hinter dem Bekenntnis zur Nachhaltigkeit das sogenannte Greenwashing1 verbirgt (Prüne, 2013, S. 143).

Das Ziel dieser Arbeit ist eine Untersuchung der unterschiedlichen Akteure der Nachhaltigkeit in Deutschland. Um den theoretischen Hintergrund darzustellen, werden zunächst der Begriff der Nachhaltigkeit sowie die bekanntesten Modelle erläutert. Anschließend werden kurz die verschiedenen Akteure genannt und ihre Einflussnahme erklärt. Hierbei liegt der Fokus auf den sogenannten indirekten Akteuren der Nachhaltigkeit. Zur genaueren Analyse der indirekten Akteure dient der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) e.V. als größter Vertreter der deutschen Wirtschaft sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) als größte deutsche Umweltschutzorganisation. Diese werden nach ihrer Vorstellung auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht. Die Arbeit schließt mit einem Fazit, in dem die zentralen Punkte der Arbeit sowie die Problematik der aktuellen Situation zusammengefasst werden.

2. Nachhaltigkeit - Ein Begriff, viele Bedeutungen

2.1 Die Geschichte der Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit bzw. nachhaltige Entwicklung2 ist mittlerweile ein häufig verwendeter Begriff. Doch was ist Nachhaltigkeit? Ursprünglich stammt der Begriff der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft. Er taucht erstmals im Werk Sylvicultura oeconomica (1713) von Hannß Carl von Carlowitz auf und beschreibt dort eine nachweisbare Stetigkeit der Holzproduktion (Thomasius & Bendix, 2013, S. 5). Doch unabhängig vom Begriff selbst, reicht der Erkenntnis- prozess eines sparsamen und vorrausschauenden Umgangs mit Naturressourcen schon bis in die Antike zurück (ebd.). Als erste Studie zur nachhaltigen Entwicklung gilt der vom Club of Rome3 in Auftrag gegebene Bericht von Maedows et al. (1972) The Limits to Growth, der bereits in den 1970er Jahren die Probleme des exponentiellen Wachstums aufzeigte (Sypien, 2014, S. 1). Nach Jänicke et al. (1999, S. 94) gilt dieser Bericht bis heute als das „dramatischste und umwelt- politisch einflussreichste Informationsereignis“. 1987 folgte im sogenannten Brundlandt-Bericht4 eine erste und bis heute immer noch häufig verwendete Definition einer nachhaltigen Entwicklung: „Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs” (WCED, 1987, S. 43). Dabei wird jedoch weder erklärt wie eine solche nachhaltige Entwicklung aussehen soll, noch was die Bedürfnisse der zukünftigen Generationen sind. Dennoch sind zwei wesentliche Aspekte, die sich bis heute als Ziel einer nachhaltigen Entwicklung etabliert haben, festzuhalten: Zum einen der Ausgleich zwischen den Generationen (intergenerational equity), zum anderen die dafür notwendige Nutzung der natürlichen Ressourcen auf eine rücksichtsvolle und dauerhafte Art und Weise (sustainable use of natural resources) (Reinisch, 2000, S. 137). Auf diese erste Definition, die den Grundstein für die Konzepte einer nachhaltigen Entwicklung legte, folgten bis heute viele weitere5. Auch auf internationaler Ebene wurde der Begriff der nachhaltigen Entwicklung bekannt, spätestens nach der United Nations Conference on Environment and Development (UNCED) 1992 in Rio de Janeiro - ebenfalls geprägt durch die Definition nach Brundtland - auf der sich 178 Nationen, darunter auch Deutschland, zum Leitbild Nachhaltige Entwicklung bekannten und gemeinsam die Agenda 21 beschlossen (Hauff & Kleine, 2009, S.8; Döring, 2004, S. 4).

Doch bis heute ist nachhaltige Entwicklung nicht eindeutig definiert, sondern bietet Platz für Interpretationsmöglichkeiten, was im nächsten Abschnitt anhand verschiedener NachhaltigkeitsModelle gezeigt wird.

2.2 Die drei Säulen der Nachhaltigkeit

Bereits die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Schutz des Menschen und der Umwelt“ von 1994 erkannte, dass der Erhalt des ökologischen Kapitals nicht die einzige Bedingung einer nachhaltigen Entwicklung sei, sondern ebenso sozial- als auch ökonomie- verträglich sein müsse (Deutscher Bundestag, 1994, S.33). Daraus ergeben sich die ökologische, die ökonomische und sie soziale Säule bzw. Dimension der Nachhaltigkeit. Eines der bekanntesten Modelle nachhaltiger Entwicklung, das sogenannte Drei-Säulen-Modell (Abb. 1

A), greift diese drei Aspekte auf und ordnet ihnen die gleiche Wichtigkeit zu (Hauff & Kleine, 2009, S. 9).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit. A: Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit mit den tragenden Säulen Ökonomie, Ökologie, Soziales. B: Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, dargestellt als komplexe dynamische Beziehung mit Wechselwirkungen.

Erst wenn alle Säulen der Nachhaltigkeit zum Tragen kommen, das heißt wenn sich alle

Bereiche ausreichend positiv entwickeln, ist eine nachhaltige Entwicklung möglich. Im Abschlussbericht der Enquete-Kommission (Deutscher Bundestag, 1998, S. 18) wird jedoch weiterhin festgehalten, dass nicht die „Zusammenführung dreier nebeneinander stehender Säulen“ das Ziel sei, sondern die Entwicklung einer dreidimensionalen Perspektive aufgrund „komplexer Zusammenhänge“ (Abb.1 B). Abhängig davon in welcher Beziehung die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit stehen beziehungsweise wie diese Dimensionen gewichtet oder substituiert werden können, spricht man von schwacher oder starker Nachhaltigkeit. Beide Ansätze unterscheiden zwischen Umweltkapital auf der einen Seite und ökonomischem Kapital6 auf der anderen Seite. Schwache Nachhaltigkeit bedeutet, Umweltkapital kann durch ökonomisches Kapital substituiert werden, sofern der Bestand des Gesamtkapitals gleich bleibt (Hauff & Kleine, 2009, S. 18). Nach Auffassung der starken Nachhaltigkeit ist die Substitution nur innerhalb der Kapitalarten möglich. Außerdem sollen Ökosysteme, die für das Überleben der Menschheit besonders notwendig sind geschützt werden (Hauff & Kleine, 2009, S. 33). Aufgrund des begrenzten Rahmens wird an dieser Stelle auf weitere Modelle7 sowie Indikatoren8 der Nachhaltigkeit verzichtet.

Nachdem die Entwicklung sowie der Begriff der Nachhaltigkeit dargestellt wurden, werden im kommenden Abschnitt die Akteure der Nachhaltigkeit erläutert.

3. Die Akteure der Nachhaltigkeit

3.1 Nachhaltigkeit - Jeder ist verantwortlich

Schon in der Agenda 21, die 1992 auf der UNCED beschlossen wurde, steht, dass „ein wesentlicher Faktor für die wirksame Umsetzung der Ziele, Maßnahmen und Mechanismen […] das Engagement und die echte Beteiligung aller gesellschaftlichen Gruppen [sei]“ (BMU, 1992, Teil III, Kapitel 23.1). Damit wurde die Verantwortung für eine nachhaltige Entwicklung nicht wie üblich nur auf staatliche Ebene konzentriert, sondern auf die gesamte Gesellschaft übertragen und es wird klar, dass jeder durch sein Handeln Einfluss auf eine nachhaltige Entwicklung nehmen kann (Rogall, 2003, S. 79). Da ein Akteur generell den Urheber einer bestimmten Handlung beschreibt, wird jede Person, die mit ihren Handlungen einen negativen oder positiven Einfluss auf den Verlauf einer nachhaltigen Entwicklung hat als Akteur der Nachhaltigkeit bezeichnet (Rogall, 2004, S. 28). So kann man sich selbst als einen Akteur der Nachhaltigkeit sehen, da man beispielsweise durch sein Konsumverhalten einen Einfluss auf den Ressourcenverbrauch, die Energieeffizienz von Produkten u.a. hat. Alle Institutionen, Organisationen oder sonstige Gruppen, in denen Akteure tätig sind, werden als Akteursgruppen bezeichnet (Rogall, 2004, S. 28). Diese Unterscheidung macht insbesondere dann Sinn, wenn Akteure und deren Akteursgruppe unterschiedliche Ziele haben und diese herausgestellt werden sollen oder wenn die Individualität der Akteure in einer Akteursgruppe von Bedeutung ist. Da dies im weiteren Verlauf der Arbeit nicht der Fall ist, wird auf diese Unterscheidung verzichtet und sowohl Akteure als auch Akteursgruppen kurz als Akteure bezeichnet.

Akteure der Nachhaltigkeit können unterschiedlich unterteilt werden. Eine Möglichkeit ist es, Konsument und Produzenten als direkte Akteure von den übrigen Akteuren abzugrenzen, da sie direkten Einfluss auf den Konsum und die Produktion und damit auf die Umweltverträglichkeit der Produkte bzw. Produktionsverfahren haben (Rogall, 2003, S. 80). Man zielt dabei jedoch zu kurz, da man die Umweltökonomie vernachlässigen würde: Durch eine Externalisierung von Umweltkosten kommt es zu niedrigeren Preisen und dadurch zu einer erhöhten Nachfrage nach umweltschädlichen Gütern, was nicht durch individuelles Handeln, sondern nur durch veränderte Rahmenbedingungen in Form einer Internalisierung aller externen Kosten verbessert werden kann (ebd.). Daher wird die Unterscheidung nach Rogall (2004, S. 28) gewählt: Akteure, die direkt in die Rechtsetzung involviert sind, werden als direkte Akteure bezeichnet. Dazu zählen in Deutschland die Staatsorgane der Bundesrepublik, sowie auf internationaler Ebene die Europäische Union und bestimmte internationale Organisationen (Abb. 2). Alle weiteren Akteure wie Verwaltungen und Kommunen, Massenmedien, politische Parteien, Interessensvertretungen der Wirtschaft, Wohlfahrtsverbände, Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs), sowie die Verbraucher und Verbraucherverbände werden als indirekte Akteure bezeichnet (Abb. 2). Diese haben zwar keinen direkten Einfluss auf die Rechtsetzung, können aber durch ihren Einfluss auf direkte Akteure über ein „großes Machtpotential“ verfügen und so indirekt Einfluss nehmen (Rogall, 2004, S. 28).

[...]


1 Greenwashing beschreibt den Versuch von Unternehmen nach außen als umweltfreundlich bzw. sozial verantwortungsvoll zu wirken, ohne die entsprechenden Maßnahmen zu implementieren (Gabler Wirtschatslexikon).

2 Im heutigen Sprachgebrauch sowie im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden Nachhaltigkeit und nachhaltige Entwicklung synonym verwendet. Ursprünglich bezog sich Nachhaltigkeit jedoch nur auf Ökosysteme, während nachhaltige Entwicklung die Entwicklung von Wohlfahrt beschrieb.

3 Der Club of Rome wurde 1968 von Aurelio Peccei und Alexander King gegründet, mit dem Ziel sich für eine nachhaltige Zukunft einzusetzen und vereinigt bis heute Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Politik aus der ganzen Welt (Sypien, 2014, S. 2).

4 1987 veröffentlichte Gro Harlem Brundtland als Vorsitzende der UN Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (World Commission on Environment and Development, WCED), häufig auch BrundtlandKommission, den als Brundtland-Bericht bekannten Abschlussbericht Our common future.

5 Laut White (2013, S. 215) finden sich im Internet alleine 103 verschiedene englischsprachige Definitionen von Nachhaltigkeit.

6 Umweltkapital umfasst das gesamte natürliche Kapital wie erneuerbare Ressourcen, nicht-erneuerbare Ressourcen, Ökosysteme, wohingegen ökonomisches Kapital alles menschengemachtes Kapital beschreibt. Hierzu zählt alles produziertes Kapital (Maschinen, Anlagen, Institutionen u.ä.) sowie Humankapital (Bildung, Wissen). Es finden sich jedoch auch andere Unterteilungen von Kapitalbeständen (vgl. Döring, 2004, S. 4).

7 Für weitere Informationen zu Konzepte und Modelle der Nachhaltigkeit vgl. Ott & Döring (2008).

8 Für Informationen zu Indikatoren der Nachhaltigkeit vgl. Bell & Morse (2013) und Dahl (2012).

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Akteure der Nachhaltigkeit in Deutschland. Sozioökonomische Aspekte nachhaltiger Bemühungen
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Umweltwissenschaften)
Veranstaltung
Nachhaltigkeit und Gesellschaft
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V321276
ISBN (eBook)
9783668205253
ISBN (Buch)
9783668205260
Dateigröße
725 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nachhaltigkeit, Greenwashing, Umweltschutz, Wirtschaft, ökonomisch, ökologisch, nachhaltige Entwicklung, Natur
Arbeit zitieren
Daniel Sigmund (Autor), 2015, Die Akteure der Nachhaltigkeit in Deutschland. Sozioökonomische Aspekte nachhaltiger Bemühungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321276

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