Preussens Militarismus - Entstehung, Auswirkungen, Folgen


Seminararbeit, 2004
19 Seiten, Note: 1-

Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Wegbereiter des Militarismus – Preussen’s Könige (1713-1786)
2.1. Friedrich Wilhelm I.
2.2. Friedrich II.

3. Auswirkungen des Militarismus auf die ländliche Bevölkerung
3.1. Das Schicksal des Bauern zwischen Militär und Zivilleben
3.2. Der Landadel - Offizier und Gutsbesitzer

4. Schlussbemerkungen

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahr 1758 befand sich Europa im Krieg. Im so genannten Siebenjährigen Krieg (1756-1763) standen sich zwei Bündnisse gegenüber: Auf der einen Seite waren dies Preussen und England, die gegen eine Koalition, bestehend aus Russland, Frankreich und Österreich, auf der anderen Seite kämpften. Der Konflikt war sowohl von weltpolitischer wie auch von europäischer Tragweite. Frankreich und England rangen im englisch-französischen Kolonialkrieg (1755-1763) um die Vormachtstellung auf dem Weltmarkt. Preussen und Österreich ihrerseits hatten seit den schlesischen Kriegen einen ungelösten Konflikt.

Durch die Eroberung Schlesiens war Preussen in den Kreis der europäischen Grossmächte aufgestiegen. Der Aufstieg Preussens zur europäischen Grossmacht und dessen endgültige Konsolidierung nach Beendigung des Siebenjährigen Krieges, verdankt es einer bis dato einmaligen Fokussierung aller staatlichen und gesellschaftlichen Energien auf das Militär. Anfangspunkt dieser Entwicklung war die Regierungsübernahme durch König Friedrich Wilhelm I., den Höhepunkt erreichte sie jedoch unter dessen Sohn: Friedrich dem Grossen.

Preussen verfügte, in Bezug auf Landesfläche und Einwohnerzahl, über die grösste, schlagkräftigste und disziplinierteste Armee in Europa. Nur dank dieser war es möglich, sich erfolgreich gegen die Übermacht der fremden Heere auf dem Kontinent zu behaupten. Die Schaffung einer solchen Armee, war mit einer weit reichenden Durchdringung aller bestehenden Strukturen des preussischen Staates verbunden.

Gegenstand dieser Arbeit soll die Darstellung und Beurteilung der wichtigsten Gesichtspunkte des preussischen Militarismus sein. Dabei steht die Regierungszeit von Friedrich dem Grossen und die Zeit vor und nach dem Siebenjährigen Krieg im Mittelpunkt. Der sich vollziehende Wandel und die weiterreichenden Konsequenzen dürfen bei einer solchen Betrachtung nicht fehlen.

Die Erarbeitung des Themas beginne ich mit der Darstellung von Friedrich Wilhelms Regierungszeit und seinen wegweisenden Reformen. Der zweite Schwerpunkt beschäftigt sich mit Friedrich dem Grossen und seiner Politik. Der erste Teil der Arbeit zeichnet das Geschichtsbild aus Sicht eines absolutistischen Herrschers, wobei der Bezug zu politischen Entwicklungen in Europa berücksichtigt wird.
Der zweite Teil zeigt die Konsequenzen auf die verschieden Stände der feudalen Gesellschaft. Folgende zwei Themenschwerpunkte stehen hierbei im Mittelpunkt: das Schicksal des Bauern zwischen Militär und Zivilleben und der Landadel als Offizier und Gutsbesitzer.

Aufgrund der Komplexität des Themas und den zahlreichen Deutungsversuchen zu diesem Thema, sind beliebige andere Einteilungen möglich und auch gemacht worden. Mit der gewählten Gliederung sollte es möglich sein einen umfassenden Überblick über den preussischen Militarismus zu erhalten, der keinen Hauptaspekt auslässt.

2. Wegbereiter des Militarismus – Preussen’s Könige (1713-1786)

Preussen verfügte bereits vor der Epoche des aufgeklärten Absolutismus (1701-1806) über eine ausgeprägtes Militärwesen, doch erst die Regierungsjahre Friedrich Wilhelms I. und Friedrich II. (der Grosse), ermöglichten eine so weit reichende Erfassung des gesamten Staates, wie er für kommende Generationen charakteristisch sein sollte.[1] Die Ausbildung der typisch preussischen Mentalität ist in dieser Epoche zu finden. Da es sich hierbei um Reformen ‚von oben’ handelte, ist eine kurze Darstellung der Leistungen der massgeblichen Akteure unerlässlich.

2.1. Friedrich Wilhelm I.

Friedrich Wilhelms Regierungszeit stand lange Zeit im Schatten seines Sohnes, doch dieses Geschichtsbild hat sich in den letzten Jahren geändert. Die neuere Forschung zeigte auf, dass viele Voraussetzungen der späteren Macht Preussens und richtungweisende Veränderungen im preussischen Staat, ganz oder zum grössten Teil das Werk Friedrich Wilhelms waren.[2]

Als Friedrich Wilhelm im Jahre 1713, im Alter von 25 Jahren an die Macht gelangte, begann er sogleich mit tief greifenden Veränderungen. Er pflegte einen ganz anderen Regierungsstil als sein Vater zuvor. So strich er beispielsweise den grössten Teil der vorgesehen Ausgaben für das Staatsbegräbnis des verstorbenen Königs.[3] Seine Politik zielte auf eine Machtausdehnung innerhalb des Staates ab, welche er durch Reformen im Finanzwesen, dem Militär und der Verwaltung zu realisieren gedachte.[4]

Durch die Abschaffung des in Europa üblichen Hofzeremoniells, das verbunden war mit einer Vielzahl von repräsentativen Pflichten, blieb dem neuen Herrscher genug Zeit um die Regierungsgeschäfte selber in die Hand zu nehmen. „Er war ein Gegner jeglicher Repräsentationskosten und ersetzte Prestigeaktionen durch konkrete Staatspolitik.“[5] Diese Haltung stand im klaren Gegensatz zum damaligen Ideal des Versailler Hofes.

Er nutzte die gewonnene Zeit um einen leistungsfähigen und zentralistischen Beamtenstaat zu errichten, der es ihm erlaubte eine absolutistische Herrschaft auszuüben. Dadurch gelang es Friedrich Wilhelm ein Optimum aus den vorhandenen Bevölkerungs- und Landressourcen herauszuholen.

Durch die Schaffung eines absolutistischen Beamtenstaates, dessen höchstes Ziel der Staat selbst war, gelang es dem König eine rigorose Spar- und eine effiziente Steuerpolitik umzusetzen. So hinterliess er seinem Sohn und Nachfolger nicht nur einen Staat ohne Schulden sondern Friedrich I. konnte sogar über bedeutende Staatsreserven verfügen. Durch die einschneidenden Änderungen hatte Friedrich Wilhelm I die finanzpolitischen Voraussetzung für das in seinen Augen wichtigste ordnungs- und machtpolitische Element Preussens geschaffen: Das Militär.

„Im Jahre 1742 gab Friedrich Wilhelm I. seinem Sohn, dem jungen Thronfolger, den Ratschlag: ‚Fritz, denk an meine Worte: halte dir immer eine grosse, tüchtige Armee. Einen besseren Freund kannst du nicht haben, und ohne diesen Freund wirst du nicht bestehen können [...]. Glaub mir, du darfst nicht an Schwärmereinen hängen; halte dich an das Reelle. Sorge für Geld und eine gute Armee, sie garantieren einem Fürsten Ruhm und Sicherheit.’“[6]

In diesem Zitat wird die ausserordentliche Rolle angedeutet, die Friedrich Wilhelm dem Militär in Preussen beimass. Das Militär sah er aber nicht nur als notwendiges Übel an, sondern es war gleichzeitig auch seine Leidenschaft. Der einzige Luxus, den sich der sonst so kleinbürgerliche König hielt, war sein Garde-Grenadiersregiment von ‚langen Kerls’.[7] Er war auch der einzige Herrscher in Europa der immer eine Militär-Uniform trug. Sie war ein Symbol für seine Zugehörigkeit zur Armee und zugleich Zeichen seiner absoluten Befehlsgewalt über sie. Aufgrund der geographischen Trennung der verschieden Teile Preussen, sollte ihm das Heer auch die nationalistische Einheit garantieren.

Diese Favorisierung des Militärs äusserte sich in zahlreichen Reformen, die ihm auch den Titel des ‚Soldatenkönigs’ einbrachten.[8] Mit der Heeresverfassung von 1713, schuf der König das sog. Kantonssystem ein. Dabei wurde Preussen in verschiedene Kantone eingeteilt. Wobei es eine entsprechende Abstufung von Regimentskantonen zu Kompaniekantonen gab, was auf ihre Verwendung im Heer schliessen lässt. Alle jungen Männer wurden entsprechend diesen Kantonen in sog. Enrollierungs-Listen eingetragen, was einer allgemeinen Wehrpflicht sehr nahe kam.[9]

Mit der Reform sollte primär die permanente Ersetzung und Aufstockung der Truppen gewährleistet werden. Friedrich Wilhelm hatte am Ende seiner Regierungszeit ein fast 30’000 Mann umfassendes, stehendes Heer geschaffen, welches ihm ständig zur Verfügung stand und das ihm die Verwendung als - vor allem - innenpolitisches Machtinstrument erlaubte.[10]

[...]


[1] Der aufgeklärte Absolutismus vgl. S.Salmonowicz, Preussen. Geschichte von Staat und Gesellschaft, o.O. 1995, S.120ff

[2] Salmonowicz, Preussen, S. 152

[3] ebd., S.152

[4] ebd., S.152

[5] ebd., S.153

[6] ebd., S.167

[7] ebd., S.169

[8] Peter Brandt, Preussen. Zur Sozialgeschichte eines Staates., Reinbeck 1981, S.36

[9] Frank Wernitz, Die Armee Friedrich des Grossen im Siebenjährigen Krieg 1756-1763, Wölfersheim-Berstadt 2002, S.24ff

[10] Begriff ‚stehendes Heer’: Truppen die jederzeit ‚unter Waffen stehen’ vgl. Brandt, Preussen. Sozialgeschichte, S.36

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Preussens Militarismus - Entstehung, Auswirkungen, Folgen
Hochschule
Universität Luzern  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar "1758"
Note
1-
Autor
Jahr
2004
Seiten
19
Katalognummer
V32139
ISBN (eBook)
9783638329354
ISBN (Buch)
9783638928755
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Preussens, Militarismus, Entstehung, Auswirkungen, Folgen, Proseminar
Arbeit zitieren
B.A. Philosophie David Egli (Autor), 2004, Preussens Militarismus - Entstehung, Auswirkungen, Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/32139

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