Depressive Störungen und deren Auswirkungen auf die Schule


Ausarbeitung, 2013
16 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Gliederung

1. Beschreibung des Störungsbildes
1.1 Begriff und Beschreibung der Störung
1.2 Klassifikation nach ICD-10
1.3 Symptomatik von depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen
1.4 Häufigkeit
1.5 Therapie

2. Ursachen und Erklärungsmodelle
2.1 Ursachen von depressiven Störungen
2.2 Körperbehinderung als Ursache für depressivem Störungen
2.3 Störungstheorien

3. Diagnostik
3.1 Methoden und typische Materialien

4. Depressionen und deren Auswirkungen auf Schule
4.1 Umgang mit dem Thema Depression speziell im Unterricht

5. Zusammenfassung

6. Literatur

„Wer nicht an sich selbst gespürt hat, was Schwermut ist, versteht das nicht, ich hatte das Gefühl einer schauerlichen Einsamkeit. Zwischen mir und den Menschen und dem Leben der Stadt, der Plätze, Häuser und Straßen war fortwährend eine breite Kluft. Es geschah ein Unglück, es standen wichtige Dinge in den Zeitungen – mich ging es nichts an.“

(Hermann Hesse)

1. Beschreibung des Störungsbildes

1.1 Begriff und Beschreibung der Störung

Der Begriff Depression kommt aus dem lateinischen und bedeutet „ Niederdrückung“. (vgl. Mayer, S.1)

„Depressionen sind psychische Störungen, bei denen Beeinträchtigungen der Stimmung, Niedergeschlagenheit, Verlust der Freude, emotionale Leere, Antriebslosigkeit, Interessenverlust und zahlreiche körperliche Beschwerden wesentliche Merkmale sind.“ (Hautziger, S.3)

Die Stimmung jedes Menschen wechselt je nach Situation. Wir empfinden Emotionen wie beispielsweise Freude, Trauer, Niedergeschlagenheit, Wut, Verzweiflung oder Angst.

Gefühle besitzen eine körperliche, eine psychische sowie eine verhaltenssteuernde Komponente. (vgl. Hobmair, S.155) Das heißt, dass durch innere oder äußere Reize hervorgerufene Emotionen auch körperliche, psychische und kognitive Vorgänge hervorrufen.

Vor allem in Beobachtung von Kindern wird deutlich, wie sehr sich emotionale Zustände auch zum Beispiel körperlich äußern. Die Emotion Freude geht beispielsweise mit dem in die Luft strecken der Arme, Freudenrufen, Lachen sowie der Steigerung des Pulses einher. (vgl. Herm 2006, S.12-13)

Aber auch negative Gefühle wie beispielsweise Angst haben eine lebenserhaltende, aktivierende und schützende Funktion, die zum Erleben eines jeden Menschen dazugehören (vgl. Hobmair, S.171)

Erst wenn negative Gefühle überwiegen, die allgemeine Stimmung längerfristig beeinträchtigt ist sowie ein persönlicher Leidensdruck vorliegt, kann von Depression gesprochen werden. (vgl. Mayer, S.1)

1.2 Klassifikation nach ICD-10

Um die unterschiedlichen depressiven Störungen erkennen und behandeln zu können, bedarf es einer sorgfältigen Diagnostik. Mit Hilfe des verbindlichen kategorialem Diagnosesystems ICD-10 („International Classification of Diseases“) lassen sich Störungsformen der Depression herausstellen. Demnach umfasst die F3-Störungsgruppe die Manische Episode, Bipolare Störung, Depressive Episode, Rezidivierende depressive Störung, anhaltende affektive Störungen. (vgl. Hautzinger, S.5) „Weitere Spezifizierungen depressiver Störungen ergeben sich durch das jahreszeitlich gebundene Auftreten affektiver Störungen („Winterdepression“ bzw. „saisonal abhängige Depression“) und durch das Auftreten einer Depression im engem zeitlichen Zusammenhang mit der Geburt eines Kindes („Postpartum Depression“). (ebd., S.7)

- Manische Episode [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] F 30
- Bipolare Störung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] F 31
- Depressive Episode (leicht, mittelgradig, schwer) [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] F 32
- Rezidivierende depressive Störungen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] F 33
- Anhaltende affektive Störung (Zyklothymia, Dysthymia) [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] F 34
- Andere affektive Störungen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] F 38
- Postpartum Depression [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] F 53

1.3 Symptomatik von depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen

Depressionen sind durch eine Vielzahl heterogener Symptome gekennzeichnet. (vgl. ebd., S.4)

Dazu zählen körperliche, emotionale sowie kognitive Symptome. (vgl. Landzettel, S.2)

Die Krankheitsverläufe gleichen einander nie hundert Prozent (vgl. Hautzinger, S.15-16)

Nicht jede Symptomatik muss aus der folgenden Liste, muss bei depressiven Kindern und Jugendlichen zutreffen. Dennoch sensibilisiert die anschließende Symptomliste Lehrer/Innen Schüler/Innen genau zu beobachten, und bei Verdacht einer Depression eines Kindes oder eines Jugendlichen gegebenenfalls mit den Eltern und den Schulpsychologen in Kontakt zu treten. Im Jugend- sowie Erwachsenenalter erscheinen den Betroffenen die Lage oft aussichtslos und das Leben als wertlos. Suizidale Gedanken enden dann nicht selten im Selbstmordversuch oder vollendetem Selbstmord. (vgl. Hautzinger, S. 74-75)

Symptomatik bei Vorschulkindern

- Spielunlust
- körperliche Beschwerden
- Ängste
- Stimmungsschwankungen
- sozialer Rückzug
- trauriger Gesichtsausdruck
- schlaffe, kraftlose Körperhaltung

Symptomatik bei Schulkindern und Jugendlichen

- Schlaf- und Essstörungen
- Konzentrationsstörungen
- Leistungsabfall
- Interessenverlust
- Müdigkeit
- Energielosigkeit
- Gefühllosigkeit
- Todesgedanken
- negatives Selbstkonzept

(vgl. Landzettel, S.1)

1.4 Häufigkeit

In Deutschland erkranken jährlich ca. 4,4 % der Männer und 13,5 % der Frauen an Depressionen. Die Zahl stieg nach Angabe des Max-Planck-Institutes in den letzten Jahren rapide an. Frauen sind den Zahlen nach zu urteilen mehr als doppelt so oft betroffen wie Männer und stellen somit eine Risikogruppe dar.

Im Schulalter erkranken prozentual mehr Jungen wie Mädchen. Mit Ende des Jugendalters kippt dieses Verhältnis. (vgl. Mayer, S.2)

Allgemein liegen bei ca. 4% leichte Depressionen und bei ca. 2% mittelgradige bis schwere Depressionen vor. Die Dunkelziffer wird jedoch weitaus höher geschätzt.

Ungefähr 70 bis 80 % der depressiven Kinder und Jugendlichen bleiben unbehandelt. (vgl. Maur, S.5)

Der Anteil von psychischen Erkrankungen allgemein sowie im speziellen von Depressionen bei Kindern sowie Jugendlichen mit speziellen Förderbedürfnissen ist zwei bis dreimal höher als bei Kindern und Jugendlichen ohne Behinderung. (vgl. Kretschmer, S.1)

Sie gehören aufgrund veränderter Körperstrukturen und Körperfunktionen, die sich auf die Akzeptanz der Umwelt und damit verbundenen auf die Teilhabe, Bindungen, Aktivitäten sowie Kommunikation negativ auswirken können, zur Risikogruppe.

Genauere Angaben in Zahlen lassen sich schwer treffen, da wie eben erwähnt Depressionen oft unerkannt sowie unbehandelt bleiben.

1.5 Therapie

Die Therapie findet einerseits als Akut- sowie als Erhaltungstherapie und andererseits als Präventionsmaßnahme statt. Programme, die präventiv arbeiten gibt es beispielsweise für Kinder mit depressiven Eltern. Durch die Förderung von Widerstandsfähigkeit, sollen die Risikofaktoren für Kinder depressiver Eltern selbst zu erkranken minimiert werden. (vgl. Essau, S.179)

2. Ursachen und Erklärungsmodelle

2.1 Ursachen von depressiven Störungen

Die Ursachen für depressive Störungen sind wie viele andere psychische Störungen auch multifaktoriell (vgl. Schäfer 1999, S.31). die Genese und der Verlauf dieser Störungen wird als komplexer bio-psycho-sozialer-Prozess verstanden (vgl. Groen/Petermann 2002, S. 103). Die Bedingungen die bereits im Kindes- und Jugendalter zu einer Depression führen können sind dementsprechend vielfältig. Welche Faktoren bei der Entstehung einer Depression im Kindes- und Jugendalter eine Rolle spielen, sollen im Folgenden näher erläutert werden unter anderem auch unter dem Aspekt von Kindern und Jugendlichen mit einer Körperbehinderung.

Auslösende Faktoren sind vor allem Schwellensituation wie zum Beispiel der Übergang von Kindergarten in Schule, ein Schulwechsel, ein Umzug oder andere Situationen in denen zu einem Wechsel des gewohnten Umfeldes des Kindes kommt. Ein Umgebungswechsel ist für die Kinder und Jugendliche häufig mit neuen und größeren Anforderungen und weniger häufigen und engen Kontakten zu neuen Lehrern und neuen Mitschülern verbunden die mögliche Quellen für Belastungen und Misserfolge sein können(vgl. Groen/Petermann 2002, S. 99). Trennungen oder Geldprobleme der Eltern zählt Schäfer zu den Life events, die ebenfalls als Auslösende Faktoren zu nennen sind. Die Bindung zu den Eltern und Familienangehörigen haben für Kinder eine hohe Bedeutung. Kinder mit einer Körperbehinderung sind zudem häufig in ihren Handlungsmöglichkeiten eingeschränkt und daher sehr an ihre Eltern und Pflegepersonen gebunden. Trennungen oder Probleme der Eltern können bei Kindern und Jugendlichen daher Existenzängste hervorrufen. Beziehungen zu Gleichaltrigen gewinnen in der Adoleszenz eine immer größere Bedeutung. Durch sie gelingen wichtige Beziehungserfahrungen die u.a. zur Entwicklung einer erwachsenen Persönlichkeit beitragen (vgl. Groen/Petermann 2002, S. 98). Der Streit mit Freunden, der Verlust von Freunden oder der ersten Liebe, Kränkungen durch die Clique oder Mobbing bergen daher ebenso ein großes Risiko genauso wie sogenannte Broken home Situationen zu denen der Tod der Eltern, Scheidungen und Trennungen der Eltern oder Misshandlungserfahrungen zählen.

Durch zahlreiche Untersuchungen ist mittlerweile bekannt, dass auch biologische Faktoren bei der Entstehung einer depressiven Störung Einfluss haben. Ist das serotonale und/oder das nonadrenale System gestört, das heißt, der Spiegel der Neurotransmitter Serotonin und Nonadrenalin ist zu hoch oder zu niedrig, oder die Resorption/Reizbarkeit der Synapsen ist verändert, kann eine depressive Störung die Folge sein (vgl. Schäfer 1999, S.32).

Die psychische Störung eines Elternteils und somit die genetischen Dispositionen eines Kindes gelten als ein wichtiger Risikofaktor für depressive Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Die Depression eines Elternteils kann die Eltern-Kind-Beziehung stören und somit Einfluss auf die psychische Gesundheit des Kindes nehmen (vgl. Groen/Petermann 2002, S. 125). Der Alltag von Eltern körperbehinderter Kinder kann durch häufige Arzttermine oder die Koordination verschiedener Therapieangebote besonders belastet sein. Außerdem sorgen sich diese Eltern besonders über die Zukunft ihrer Kinder. Diese zusätzlichen Alltagsbelastungen der Eltern können durchaus eine depressive Störung bei ihnen hervorrufen. Die psychischen Belastungen der Eltern haben (wie eben bereits beschrieben) umgekehrt auch einen erhöhten Einfluss auf die psychische Entwicklung des Kindes.

Es gibt ebenfalls Befunde, die belegen, dass ausgedehnte Bereiche des Gehirns (u.a. das Frontalhirn, der Schläfenlappen, limbische Strukturen, Hippocampus und verschiedene Kerngebiete) am Zustandekommen depressiver Syndrome beteiligt sind. Trotz großer Fortschritte der biologischen Forschung sind dazu aber kaum schlüssige biologische Theorien dazu zu finden.

2.2 Körperbehinderung als Ursache für depressivem Störungen

Auch eine Körperbehinderung selbst, kann Auslöser für eine depressive Störung sein. Durch die Körperschädigung ergeben sich veränderte bzw. erschwerte Entwicklungsbedingungen. Die Entstehung psychischer Störungen steht im Zusammenhang mit der Befähigung des Kindes und des jugendlichen, Entwicklungsaufgaben einer jeweiligen Altersstufe bewältigen zu können z.B. das Ablösen vom Elternhaus. Depressive Entwicklungen stehen häufig im Zusammenhang mit solchen Entwicklungsaufgaben. Unzureichend bewältigte Entwicklungsaufgaben können daher eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer Depression spielen und für Kinder mit einer Körperbehinderung ein zusätzlicher Risikofaktor sein (vgl. Harrington2001, S. 16). Starke Anhängigkeiten zu Bezugs- und Pflegepersonen beeinträchtigen die Entwicklung von Selbstständigkeit und der Selbstentfaltung. Außerdem können die Handlungs-, Lebens- und Zukunftsmöglichkeiten eines Kindes durch die Schädigung des Körpers beeinträchtigt sein, die eine depressive Entwicklung begünstigen kann. Je nach Art und Ausprägung der körperlichen Schädigung können auch die Kommunikation und die soziale Interaktion beeinträchtigt sein und damit eine begrenzte Teilhabe einher gehen. Auch diese Bedingungen gelten als Risikofaktoren.

Es ist deutlich geworden, dass es zahlreiche Faktoren gibt, die in ihrem Zusammenwirken die Entstehung einer depressiven Störung begünstigen können. Bei Kinder und Jugendliche mit einer Körperbehinderung entstehen zusätzliche Risikofaktoren die zu einer Störung führen können.

2.3 Störungstheorien

Depressive Störungen können sehr unterschiedliche Begründungen haben. Im folgenden Abschnitt werden verschiedene Störungstheorien vorgestellt.

Der Verhaltenstherapeutische Ansatz geht davon aus, dass Depressionen das Ergebnis unbewusster, ungünstiger Verhaltensmuster und Denkgewohnheiten sind. Diese müssen in einer Therapie identifiziert werden um sie zu verändern. Ziel der Therapie ist es günstigere Muster zu entwickeln und einzuüben. Die negative, depressive Sichtweise des Patienten soll in eine neutrale/positive Sicht verwandelt werden. Durch die veränderten Entwicklungsbedingungen von Kindern und Jugendlichen mit einer Körperbehinderung kann sich so ein ungünstiges Verhaltensmuster entwickeln.

Der Tiefenpsychologische Ansatz (u.a. nach Freud) geht davon aus, dass Konflikte in einer früheren Lebensphase, die nicht angemessen bewältigt wurden im Erwachsenenalter eine krank machende Wirkung entwickeln, die sich z.B. in einer Depression zeigt. In der Therapie wird der depressionsauslösende Konflikt identifiziert und verarbeitet um die Depression zu behandeln. Viele Operationen Krankenhausaufenthalte und damit verbundene Trennungen von den Eltern in der frühen Kindheit treten bei Kindern mit einer Körperbehinderung häufiger auf als bei Kindern ohne Behinderung. Diese frühkindlichen Erfahrungen könnten nach diesem Erklärungsansatz zu einer Depression im Erwachsenenalter führen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Depressive Störungen und deren Auswirkungen auf die Schule
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Note
1,5
Autoren
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V321430
ISBN (eBook)
9783668209954
ISBN (Buch)
9783668209961
Dateigröße
617 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Depression, depressive Störung, Kinder, Jugendliche, Schule, Lehrer
Arbeit zitieren
Maria Schmidt (Autor)Antje Wettzel (Autor), 2013, Depressive Störungen und deren Auswirkungen auf die Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321430

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