Ist hierarchische Kommunikation möglich? Chancen und Grenzen


Hausarbeit, 2014
33 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung

2. Grundsätzliches über Kommunikation
2.1 Interaktion
2.2 Indizien für Schwierigkeiten im Alltag
2.3 Einfluss des Status auf die Gesprächsstruktur
2.4 Hierarchien aufgrund evolutionsbedingter Rangordnungen

3. Vor- und Nachteile hierarchischer Systeme in Organisationen
3.1 Hierarchie - Ordnung in der Organisation
3.2. Schlussfolgerungen zur Funktionsfähigkeit einer Hierarchie
3.3 Problematik der Hierarchie in einer dynamischen Wirtschaft
3 4. Ansätze und mögliche Auswege aus dem Dilemma über die Kommunikation anhand praxisbezogener Beispiele
3.5 Sinnvoller Einsatz hierarchischer Modelle

4. Das Mitarbeitergespräch als Führungsinstrument in hierarchischen Organisationen
4.1 Das Mitarbeitergespräch

5. Erkenntnisse für die Praxis

6. Literaturverzeichnis
6.1Literatur aus Masterthesen
6.2 Literautur aus dem Internet

7 . Abbildungsverzeichnis

1.Einleitung

Eine Umfrage der Jobvermittlungsplattform Monster ergab, dass nur 8 % der Menschen mit ihrer derzeitigen Arbeitssituation zufrieden sind. Dafür gibt es unterschiedliche Gründe: lange Anfahrtswege; divergierende Gehaltsvorstellungen; falsche Vorstellungen von der Art der Arbeit; ungeliebte Kollegen; oder Vorgesetzte und ähnliches.

Als weiterer wichtiger Faktor erwies sich das Arbeitsklima, das zweifellos durch eine „gepflegte Umgangsform“ innerhalb eines Unternehmens verbessert werden kann. Man kann sogar soweit gehen zu sagen, dass der innerbetrieblichen Kommunikation eine Schlüsselrolle zukommt, wenn es darum geht, die beschäftigten Personen motivierter und zufriedener zu machen. Zweifellos werden Mitarbeiter durch korrekte, höfliche und zuvorkommende Umgangsformen stärker an Unternehmen gebunden, als durch unreflektiert und aus Hierarchie entstandene, Gesprächskultur.

Die Idee zur vorliegenden Arbeit kam mir aufgrund persönlicher Unzufriedenheit am Arbeitsplatz und beschäftigt sich mit dem ideellen Anliegen, Ansätze für hierarchiefreie Kommunikation zu finden und zu gestalten. Die unbefriedigende Situation entstand durch aggressive Kommunikation an meinem Arbeitsplatz und gegenüber meiner Person. Aus meiner Sicht war dieses Benehmen völlig unbegründet und für den Gesprächsrahmen unangemessen. Beim Hinterfragen dieser Umgangsformen wurde mit der Persönlichkeit der Leitung argumentiert, was für alle beteiligten Kollegen als Begründung höchst unbefriedigend war. „ Diese Frau ist einfach so “, will doch niemand auf Dauer hören und letztendlich ist es auch keine Antwort. Das Bemühen, Gespräche, oder Bitten auf eine gesellschaftlich normale Gesprächsbasis zu bringen, endete oft mit Frustration und Ärger. Wertschätzung war nur dann spürbar, wenn die Vorgesetzte mich für einen neuen Arbeitsbereich benötigte. Ansonsten herrschten die oben beschriebenen Gesprächskultur.

Naturgemäß entstanden hinter dem Rücken der Führungskraft Gespräche der Mitarbeiter über dieselbe. Durch diese Art des Miteinanderredens entstand nicht nur Unzufriedenheit, sondern sogar großer Schaden. Viele Kollegen überlegten den Standort zu wechseln, und viele, auch ich, setzten dies auch in die Tat um.

Trotzdem blieb besagte Person in der Leitungsfunktion. Die therapeutische Analyse der Situation würde den Rahmen der Arbeit sprengen und liegt nicht im Bereich meiner Kompetenz. Doch gibt es verschiedene Modelle und Ideen, die zu diesem Problem Lösungen anbieten.

Die Hauptfrage lautet: Ist hierarchiefreie Kommunikationüberhaupt möglich?

Wenn ja, wie könnte sich diese gestalten, und kann man diese Form der Gesprächsführung auch in großen Konzerne anwenden?

Wenn nein, welche Möglichkeiten bieten sich noch an, um aus diesem Dilemma herauszukommen? Wie kann Wertschätzung für Mitarbeiter spür- beziehungsweise sichtbar werden?

Im ersten Teil gebe ich einen Überblick über Kommunikation, dem Wesen des Miteianderedens. Unter anderem stelle ich die unterschiedlichen Ebenen der Kommunikation und darauf einflussnehmenden Faktoren vor.

Im zweiten Teil der Arbeit geht es um Hierarchie in Organisationen, deren Problematik und mögliche Auswirkungen.

Der dritte Teil beschäftigt sich mit möglichen Auswegen aus problematischen Situationen und stellt praktische Ansätze dar.

Die abwechselnd gewählte männliche, beziehungsweise weibliche Form steht jeweils pars pro toto, wechselt je nach Kontext und stellt keine Bewertung des jeweils anderen Geschlechts dar.

2. Grundsätzliches über Kommunikation

Grundbaustein erfolgreicher Unternehmen ist eine gut funktionierende Kommunikation. Der Austausch von Informationen und die Vernetzung zwischen kooperierenden Abteilungen erhöhen die Flexibilität. Damit verbunden kann auf Veränderungen am Markt schnell reagiert werden.

„Alles ist Kommunikation, man kann nicht nicht kommunizieren. (Watzlawick in Petzold, 2012 S. 7) Allein diese Aussage impliziert, dass der Kommunikationsprozess eine Vielzahl an Faktoren beinhaltet, die ich nun folgend näher erklären möchte. Das einfachste Kommunikationsmodell ist, ausgehend von der kleinsten Einheit der menschlichen Kommunikation, die Nachricht. Sie dient dazu einfache Information zu transportieren (Thun, 1998).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Sender - Empfänger Modell

Thun erweitert das einfache „Sender - Empfänger“ Modell, (siehe Abbildung 1), mit vier weitere Einflussfaktoren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Vier Seiten Modell

Wie man anhand des Modells schnell erkennt, bildet jede dieser kleinsten Einheiten ein mehr, oder weniger kompliziertes Geflecht an Prozessen beim Zusammentreffen zweier Individuen. Die vier Seiten einer Nachricht stehen im ständigen Einfluss auf und zueinander (Thun, 1998)“. Die menschliche Kommunikation ist ohne einem „Informationsträger“ nicht möglich. Diesen Informationsträger nennt Petzold „Medium“. „Sprache, Schrift, Mimik und Gestik“ sind unter anderem Beispiele für ein „Medien“ (Petzold, 2012 S.1). Der Aspekt des Mediums ist beim Modell Thuns nicht ersichtlich.

Der „Sender kodiert“ die Nachricht und „lädt“ diese in ein „Medium (Sprache, Gestik oder Mimik)“. Beim „Laden“ in das „Medium“ kommen „nichtintendierte Inhalte“ hinzu. Diese tragen zur Bewertung bei. Der Empfänger muss nun die Möglichkeit haben die Nachricht zu entschlüsseln, zum Beispiel dieselbe Sprache. Nun kann der Empfänger durch das „Medium“ (zum Beispiel eben die Sprache), die Botschaft auswerten. Nun kann der „Empfänger“ auf das Gesagte reagieren und selbst zum „Sender“ werden (Petzold, 2012 S.2).

„In der Anthropologie der Integrativen Therapie“ hat Petzold „das Konzept des informierten Leibes erarbeitet“. Nicht nur der Körper, wie zum Beispiel das lernende und sich verbessernde „Immunsystem“ entwickelt sich weiter, sondern auch, wie oben bereits erwähnt, das Erleben der Welt spielt eine große Rolle beim Sammeln beziehungsweise Bewerten der Erfahrungen (Petzold, 2007 S. 72). Dieser Prozess der „Enkulturation und Sozialisation“ des Leibes dauert das gesamte Leben lang an, meint Petzold. So „wird der Mensch zum Leib-Subjekt, das lebenslang in Prozessen der Aneignung und Interpretation mit wachsender Sinnerfassungskapazität persönlichen Sinn schöpft“ (Petzold, 2007 S.72). So bewerten wir nicht nur mit den eigenen Sinnesorganen, sondern nehmen verschiedene Perspektiven von Lebensbegleitern, wie Vater, oder Mutter und viele mehr, ein. So ist es auch mit der Sprache und auch unser Denken ist beeinflusst von „Anderen“ (Petzold, 2007 S.73). Mit Hilfe der gemachten Erfahrungen, Perspektiven und Erkenntnissen bewerten wir Gesendete Information. Auch die gemeinsame Geschichte mit dem „Sender“ fließt in die Bewertung des Gesagten ein (Thun, 1998). Wie die Bewertung der Nachricht ausfällt ist laut Thun stark von der Beziehungsebene abhängig und diese hängt laut Petzold wiederum mit dem bis dahin gemachten Erfahrungen zusammen.

Wenn Menschen miteinander reden geben wir über unser Verhalten und das Gesagte Information über uns selbst preis. Menschen, die sich nicht so gut kennen, präferieren es eher über Themengebiete zu sprechen in denen sie sattelfest sind und bei denen sie sich auskennen. So bewahren sie sich vor Blamagen. Dieses Phänomen hat jedoch starke Aussagekraft über den Sprecher selbst (Thun, 1998). Menschen sind ein Konglomerat ihrer Erfahrungen. Diese Erfahrungen schwingen, wie oben beschrieben, in allen Botschaften mit (Watzlawick, Beavin, Jackson, 2011). Der Hörer kann so Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Sprechers machen. Sollte der Vorgesetzte sich zum Beispiel des Öfteren irren kann es vorkommen, dass seine Kompetenz in

Frage gestellt wird. Die Ebenen Sach- und Selbstkundgabe wechseln im Gespräch ständig (Thun, 1998).

2.1 Interaktion

Das Bedürfnis sich mit anderen auszutauschen ist kein in sich geschlossenes System, sondern ein, mit anderen individuell ausgeprägten Einflussfaktoren verbundener, Ablauf. In diesem Geflecht der Interaktion spielt neben dem Inhalt der Nachricht, Selbstkundgabe, Appell, Beziehungsaspekt (Thun, 1998) „Ladung des Mediums“, und der Aspekt der „Leiblichkeit“ (Petzold, 2012) auch Umwelt und Kultur eine gewichtige Rolle (Watzlawick, Beavin, Jackson 2011).

Wir stehen ständig in Kontakt mit unserer Umgebung und tauschen uns aus. Aus dem Austausch von Energie, Stoffen, oder Information resultiert als wichtiges Ergebnis, welche Erfahrungen dabei gesammelt, und welche Schlüsse daraus gezogen werden. Das ergibt eine Summe an Erfahrungen, die einen Menschen befähigen, Situationen zu beurteilen und subjektiv zu deuten. Die zunehmenden Erfahrungen helfen uns dabei, neue Informationen in unseren persönlichen Verständnishorizont einzuordnen (Watzlawick, Beavin, Jackson 2011).

Hierbei kommt nun auch der Einfluss der Kultur zum Tragen. Welche Art der Erziehung und Bildung jemand zuteilwurde, in welchem Land, und unter welchen Vorrausetzungen er aufgewachsen ist. All diese Kriterien nehmen Einfluss auf die Verarbeitung von Nachrichten (Watzlawick, Beavin, Jackson 2011).

Luhmann geht davon aus, dass alles Kommunikation ist. Das bedeutet, dass auch die Körpersprache bei der Interaktion berücksichtigen werden muss. Denn der Mensch interagiert nicht nur rein über Sprache mit seiner Umwelt. Er ist Körper, Seele und Geist und eingebettet in einem sozialen und ökologischen Umfeld. Petzold nennt dies das „Leib-Selbst“. Das heißt, der Mensch nimmt sich in seiner Welt subjektiv wahr, denn der Leib ist für ihn die einzige Möglichkeit der Wahrnehmung. Er existiert und koexistiert mit anderen und ist gleichzeitig gebunden an das eigene Erleben. Anfangs in engerem Umfeld in der Familie. Mit zunehmenden Alter und Entwicklung der Fähigkeiten auch im erweiterten Lebensraum zum Beispiel Schule, Stadt, oder Einkaufszentrum. Die anfängliche familiäre Beziehung ist die erste Erfahrung im Austausch mit Anderen und auch dadurch sehr prägend. Im Laufe des Lebens, vor allem in der Adoleszenz kommt der Austausch des Individuums mit seiner kulturellen und sozialen Umwelt hinzu (Ciszek, Kapella, Steck, 2005). Dabei treffen verschiedene Meinungen aufeinander. Dürfen diese bestehen, so nennt man das „Koexistenz“.

Entsteht Dissens, also Uneinigkeit, so sind dies Felder für Konflikte und NichtVerstehens beziehungsweise des sich verstanden Fühlens (Petzold, 2004). Gerade in der Pubertät hinterfragen junge Menschen die Meinungen der Eltern (Ciszek, Kapella, Steck, 2005). Auch, wenn ein Teil des Umfelds im „Leib Subjekt“ (Petzold, 2004) erhalten bleibt, wird es dennoch in Frage gestellt. Eigene Bilder werden zum Selbst hinzugefügt (Ciszek, Kapella, Steck, 2005).

Ein weiterer Aspekt der Interaktion ist die Körpersprache. Dazu gehören Mimik und Gestik, die von dem Einflussfaktor Kultur geprägt sind. Sie werden als „Ladung“ beim Senden einer Nachricht vom Menschen „Bewusst oder nicht bewusst“ mit gesendet (Petzold, 2004). In manchen Ländern ist zum Beispiel das Handreichen nicht üblich. In anderen Erdteilen wird sogar auf die Stärke des Händedrucks Wert gelegt (Schmitt Esser 2010). Gerade hier können verschiedenen, kulturell geprägten Handbewegungen aufgrund unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds, oder Rituale zu einem falschen Verständnis des Inhalts des Gesprochenen. Dann wirkt man für unser Gegenüber nicht kongruent. Dies führt dazu, dass manchmal kulturbedingte Körpersignale anders, als gemeint, aufgefasst werden (Luhmann, 1975).

Auch der Faktor Interpunktion leistet bei der Informationsübermittlung einen wichtigen Beitrag, indem er mitbestimmt, wie die Botschaft vom Anderen aufgenommen wird. Wie ein Aspekt betont wird, oder die Art und Weise des Aussprechens einer Information bestimmt die Färbung der Nachrichtenübertragung, die vom Empfänger entsprechend interpretiert werden kann (Thun 1998).

In diesem offenen System stehen alle Aspekte in ständiger Vernetzung zueinander (Watzlawick, Beavin, Jackson 2011).

2.2 Indizien für Schwierigkeiten im Alltag

Die Vielzahl der Kriterien zur Bewertung einer einzigen Nachricht lässt auch Raum für Fehlerquellen und daraus resultierende Phantasien. Neben den persönlichen Bewertungskriterien einer Nachricht, spielen Sozialisation, Körpersprache, und die individuelle Wahrnehmung ebenfalls eine gewichtige Rolle dabei wie ein Mensch sein Gegenüber sehen will, beziehungsweise bewertet. Hier kann die Grundlage für eine Akzeptanz, oder Reaktanz geschaffen werden. Das Wesen der Kommunikation ist sehr vielschichtig. Die Vorhersehbarkeit über den Ausgang eines Kommunikationsvorganges aufgrund der Unberechenbarkeit des Systems Mensch nicht abschätzbar (Luhmann, 1984). Bilden sich durch dieses „Bewertungssystem“ auch Strukturen beziehungsweise bewusste und unbewusste Hierarchien?

2.3 Einfluss des Status auf die Gesprächsstruktur

In einem Gespräch zwischen zwei Individuen spielt Status und Durchsetzungsvermögen neben all diesen Aspekten auch eine Rolle. Bei jeder Art der Interaktion schwingt der Status, also der Rang in der Gesellschaft mit (Schmitt Esser 2010). Daraus ergibt sich die zu untersuchende Hypothese, dass Hierarchie aufgrund von Kommunikation und Interaktion zwischen Menschen entsteht. Innerhalb einer menschlichen Interaktion entwickelt sich anscheinend eine sicht- und spürbare Hierarchie (Attems et. al. 2001). Unterstrichen wird die Annahme durch einen Beitrag von Von Scheve. „Mimische Ausdrucksmuster“ sind „unveränderliche Bestandteile biologischer Konfigurationen“ die in uns Menschen grundgelegt sind. Diese Muster treten „automatisch auf bei entsprechenden Emotionen“ (Von Scheve, 2010 S.347). Begleitet werden diese Emotionen mit physischen Reaktionen wie zum Beispiel „erhöhte Herzfrequenz und stärkerer Durchblutung bestimmter Regionen“ (Levenson, 2003 in von Scheve, 2010 S.347). Auch „interkulturelle Studien“ laut „Keltner“ bestätigen diese Annahmen (Keltner 2003, in von Von Scheve 2010 S.348). „So argumentiert Fridlund (1994), dass sich mimisches Ausdrucksverhalten im Laufe der Evolution vor allem als ein Werkzeug der sozialen Interaktion entwickelt habe und in erster Linie den Absichten und Motiven des Senders diene, indem es beispielsweise Aufforderungen zu bestimmten Handlungen, Intentionen, oder Informationen über den Status einer Interaktion kommuniziere“ (Von Scheve, 2010). Zum Beispiel kann man sowohl ein Lächeln, als auch aggressives Verhalten einsetzen um andere dazu zu bringen Handlungen zu setzen, die man gerne hätte. Diese sichtbaren Kurzexpressionen lassen einerseits Rückschlüsse auf die Bewertung von Nachrichten zu, geben jedoch auch Information über den Gesprächspartner. Von Scheve sieht die „Emotionsexpressionen“ als „Indikator für die Bewertung von Situationen und daraus resultierende Handlungstendenzen“. Er nennt das ein „präreflexives Kommunikationsmedium“. Von Scheve ist auch der Meinung, dass „Emotionen ansteckend“ sind. So kann man durch emotionale Manipulation die Handlungstendenzen anderer ein wenig steuern (Von Scheve, 2010). Bei der Bildung von Hierarchien muss man auch die sozialen Ordnungszusammenhänge berücksichtigen (von Scheve 2010). Im Folgenden soll diese Annahme kurz erörtert werden.

Wenn zwei Menschen aufeinander treffen, so ist es, aufgrund ihrer Leiblichkeit und Biografie, sehr unwahrscheinlich, dass beide denselben Status, oder die gleichen Ziele haben. Mit unseren Sinnesorganen nehmen wir bestimmte Aspekte des Anderen unbewusst, oder bewusst wahr und erschließen rasch, welchen Platz das Gegenüber in der Gesellschaft einnimmt (Schmitt, Esser 2010 und von Schevers, 2010). Auch bei Thun, (siehe Kapitel 2.1), findet man Indizien, die diese Annahme unterstützten. Wie im Abschnitt Selbstkundgabe, (Kapitel 2.1 beschrieben), versucht der Hörer etwas über sein Gegenüber zu erfahren. Darum wählt man gerade beim Erstkontakt gerne Themen bei denen wir sattelfest sind, um nicht in peinliche Situationen geraten. Erst wenn man Vertrauen zu einer anderen Person gefasst hat, öffnet man sich ein wenig mehr (Thun, 1998). Kennt man einen Menschen also besser, fällt es leichter Emotionen zu zeigen (von Schevers 2010). Körpersprache, Status, der eigene Leib, und vieles mehr haben Einfluss auf die Strukturen, die sich während Gesprächen bilden, und somit auch mit hierarchischen Ebenen vergleichbar. Auch in früheren Zeiten, als die Menschen abendliche Versammlungen rund um das Lagerfeuer abhielten sprachen sie miteinander. „Dialoge waren in Polyloge eingebettet“. Das heißt, dass das Gesagte in der Runde von allen anderen gehört und kommentiert wurde. „Kommt eine Gruppe ins Gespräch und es entsteht ein Zusammenwirken vielfältiger Äußerungen (utterances, Bakhtin 1979 in Petzold, 2004), ein Geflecht von Rede, Gegenrede, Einrede, von Anmerkungen, Kommentierungen, Ergänzungen, Zustimmungen und Ablehnungen, Konsens und Dissens, ein polylogisches Miteinander-Sprechen (Petzold, 2004)“. Auch hier könnte man ableiten, dass das Gesagte von manchen, wie zum Beispiel den Älteren mit mehr Erfahrung, mehr Gewicht hatte und von dem Jüngeren weniger Bedeutung beigemessen wurde. So spricht man von einer Hierarchie der Teilnehmer an „Polylogen“(Petzold, 2004)

Man könnte nun abschließend, auch anhand dieser Beispiele, allgemein festhalten, dass die Kommunikation der kleinsten Einheit der Nachricht vom Sender zum Empfänger anhand verschiedener Kriterien unseres Leibes (Leibsubjekt laut Petzold) gefiltert wird. Dadurch entstehen innerhalb von zwei, oder mehreren Individuen nicht nur Beziehungen, die den Fortbestand der Menschheit sichern, sondern auch der Rang. Es entstehen also Hierarchien.

2.4 Hierarchien aufgrund evolutionsbedingter Rangordnungen

Der soziale Kontakt unter Menschen ist eines der „primären Bedürfnisse“ des Menschen. „Die Einbindung in ein soziales Netzwerk“ (Ruso & Atzwanger, 2005) war nicht nur für das eigene Wohlbefinden positiv, darüber hinaus bietet das Leben in der Gruppe, biologisch bedingt, viele Vorteile. Grundlegende Bedürfnisse, wie zum Beispiel die Suche nach Nahung, sind einfacher im Verband zu befriedigen. Außerdem bieten mehrere Individuen höheren Schutz vor möglichen Angreifern, wodurch sich das persönliche Wohlbefinden erhöht (Ruso & Atzwanger, 2005). Die Dyade zwischen Mutter - Kind ist ein Beispiel dafür. Sie erfüllt das Bedürfnis des Säuglings nach Nähe beziehungsweise Geborgenheit, aber auch Schutz und Nahrung des Babys (Petzold,2004). Das Leben in der Gruppe machte das Überleben wesentlich wahrscheinlicher. Neben den erwähnten Aspekt des Schutzes war es auch einfacher Aufgaben zu teilen. Jeder Mensch konnte seine Fähigkeiten so gut er konnte einbringen (Ruso & Atzwanger, 2005). Die Gruppe funktioniert so lange, wie die Mitglieder einer Gruppe diese als wünschenswert und wertvoll erachten. Durch verschiedene Faktoren kann die Bedeutung der Gruppe auf Dauer gesichert werden. Wir neigen dazu unsere Gruppe zu idealisieren und andere Formen des Zusammenlebens deswegen zu unterschätzen (Forgas, 1999).

Sind nun mehrere Menschen in einer Gruppe beisammen, entstehen Rangordnungen. „Die Kleingruppe kann daher als biologisch bedingte soziale Organisationseinheit des Menschen betrachtet werden (Ruso, Atzwanger, 2005)“. Laut Petzold sind Organisationen „soziale Gebilde, die ein dauerhaftes Ziel verfolgen und eine formale Struktur aufweisen“ (Petzold, 2007 S.115). Im Unterschied zur anderen sozialen Systemen wie beispielsweise Familien, wo auch wie in Unternehmen Ziele verfolgt und Aktivitäten geplant werden, gibt es in Organisationen „formale Regelungen“. „Schriftliche beziehungsweise mündliche Festschreibungen“ die Mitglieder auf das Ziel auszurichten (Petzold, 2007 S.115). Diese „ursprünglich gut gedachten Regelungen“ können beim Erreichen bestimmter Ziele förderlich, bei Anpassung oder Veränderung der Richtung auch hinderlich sein. Die Planung am Schreibtisch lässt sich daher nicht immer in die Praxis transferieren (Petzold, 2007 S.116). Organisationen sind durch die „Besonderheiten des Einzelnen“ im „Denken und Handeln bestimmt“. Diese „Phänomene“ des menschlichen Verhaltens lassen sich durch das menschliche Sozialsystem erklären und verstehen (Petzold, 2007 S.116- 117)

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Details

Titel
Ist hierarchische Kommunikation möglich? Chancen und Grenzen
Hochschule
Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung  (Department für Medizin, Gesundheit und Soziales)
Veranstaltung
Lehrgang MSc für Supervision und Coaching
Note
1
Autor
Jahr
2014
Seiten
33
Katalognummer
V321464
ISBN (eBook)
9783668208759
ISBN (Buch)
9783668208766
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Supervision, Organisationsentwicklung, Kommunikation, Hierarchie, Anthropologie, Arbeitszufriedenheit, Persönlichkeit
Arbeit zitieren
Markus Holub (Autor), 2014, Ist hierarchische Kommunikation möglich? Chancen und Grenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321464

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