Entwicklung eines Supervisionsformats im Feld des professionellen Fußballsports


Masterarbeit, 2016

176 Seiten, Note: Gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Supervision
1.1 Der Begriff der Supervision aus dem Wortstamm
1.2 Historischer Begriff der Supervision
1.3 Definition der Supervision für den Sport
1.4 Integrative Supervision
1.5 Integrative Konzepte und der Sporttreibende
1.6 Settings in der Supervision und Coaching
1.7 Foci, Grob- und Feinziele der integrativen Supervision und deren Anwendung auf das Feld des Sports

2. Supervision im Bereich Fußball
2.1 Geschichte des Fußballs
2.2 Faktoren des Siegeszug als beliebteste Sportart der Welt
2.3 Fußball als Wirtschaftsfaktor
2.4 Der Spieler - Wichtige Motive Fußballspieler zu werden
2.5 Der Spieler - Der Leib Aspekt im Sport
2.6 Herausforderungen auf dem Weg zum Profisportler
2.7 Die Wichtigkeit der Eltern bei einer erfolgreichen Karriere
2.8 Funktionäre im Verein:
2.9 Zusammenfassung

3. Empirischer Teil
3.1 Methodenwahl
3.2 Das Problemzentrierte Interview
3.3 Leitfaden des Interviews
3.4 Transkription der Interviews
3.5 Auswertungsmethode

4. Analyse der Interviews
4.1 Vorstellung der Interviewpartner
4.2 Auswertung der Interviews

5. Zusammenfassung und Einschätzung

6. Literaturliste

7. Anhang

Danksagungen / Widmungen

Ich widme diese Arbeit allen Menschen, die an mich geglaubt haben. Danke für euer Verstehen, dass ich durch das Studium weniger Zeit für euch hatte. Ganz besondere Dankbarkeit gilt meiner Familie. Allen voran meiner Frau Daniela, die mich an vielen Wochenenden entbehren musste. Magdalena und Benjamin bitte entschuldigt mein Fernbleiben.

Dr. Irene Kohlberger hatte die Geduld in vielen Arbeitsstunden diese Literatur zu korrigieren, dafür möchte ich dich mit dieser Erwähnung würdigen.

Mut, Ehrlichkeit und Tatendrang etwas verändern zu wollen in der österreichischen Sportwelt, zählen zu den Attributen meiner Interviewpartner. Danke für die Unterstützung und für eure wertvolle Zeit, die ihr mir geschenkt habt.

Vielen Dank an Herrn Dr. mult. Hilarion Petzold für die konstruktive und hilfreiche Zusammenarbeit. Ebenfalls Dank gebührt der Studienleitung Frau Dr. Brigitte Schigl für Motivation und Ansporn. Die perfekte Organisation an der Universität Krems, insbesondere des Departments, hat mich sehr beeindruckt.

Ziel dieser Arbeit ist es, einen neuen Grundstein für die integrative Supervision zu legen. Das Berufssegment Sport fand bisher kaum, bis gar keine Beachtung im Rahmen der Untersuchungen zum Thema Supervision. Bedarf an Supervision im Bereich Sport ist meiner Erfahrung nach durchaus gegeben. Allerdings müsste erarbeitet werden, wo und wie Supervision sinnvoll eingesetzt werden könne. Da der Profifußball zweifellos zu einer Berufssparte gehört, die junge Leuten sehr früh in ein strukturiertes Training einbindet, wurde für die vorliegende Arbeit Experten aus der Fußballbranche befragt, inwieweit sie sich Supervision als berufsbegleitende Beratung vorstellen könnten.

Abstract

Diese Literaturarbeit setzt sich mit der Frage auseinander, wie Supervision im Sport, speziell im Fußball implementiert und eingesetzt werden kann. Im ersten theoretischen Teil meiner Arbeit wird die integrative Supervision vorgestellt. Im zweiten Theorieteil folgt ein kurzer geschichtlicher Überblick zum Thema Fußball und die ersten Überlegungen, wie Supervision in diesen Sport implementiert werden könne. Im empirischen Teil werden zunächst die angewendeten Methoden vorgestellt. Vor der Interpretation der Aussagen der befragten Experten, werden diese kurz vorgestellt. Die Arbeitsergebnisse offenbaren die Chancen, aber auch die Grenzen der integrativen Supervision in diesem besonderen Feld.

Abstract

This literature review deals with the question of how supervision in sport, especially in football can be implemented and used. In the first theoretical part of my work I introduce the integrative supervision. In the second theoretical part I give a brief historical overview of the topic soccer and point to the first suspicions as supervision can be implemented in sports. In the empirical part I explain first of all the methods used. Before then follow the evaluations of the statements of the experts, I introduce the interviewee. The work shows the opportunities and limits of integrative supervision in this specific field

Einleitung

Von allen Sportarten, die vor Publikum ausgeübt werden, wird dem Fußballsport das größte Interesse entgegengebracht. Dieses Interesse zeigt vor allem in Mitteleuropa eine steigende Tendenz. Viele Neuerscheinungen von wissenschaftlichen Büchern zum Thema Fußball, wie auch ein steigendes Interesse bestimmte Spiele live im Stadion mitzuerleben, belegen diese Wahrnehmung. Besonders vor einer Weltmeisterschaft merkt man die ansteigende Euphorie. Keine andere Sportart zieht die Menschen so in Bann wie Fußball (Brandt et.al. 2012).

Diese Faszination überträgt sich natürlich auch auf junge Menschen, die den „Helden“ ihrer Fußballvereine nacheifern wollen (Morris, 1981). Doch der Weg nach oben in die Ränge der erfolgreichen Profispieler ist lang und entbehrungsreich.

Natürlich wird eine Profikarriere im Rampenlicht des Stadions honoriert. Und viele der jungen Spieler eifern Ihren professionellen Idolen nach und versuchen wenigstens genauso gut zu werden wie ihre Vorbilder, wenn nicht besser zu sein als diese. Für die meisten bleibt der Traum unerfüllt, da nur ein sehr begrenztes Kontingent dieser begehrten Arbeitsplätze vorhanden ist. In der Bundesliga Saison 2012/13 wurden insgesamt 307 Spieler bei zehn Vereinen eingesetzt. Erschwerend für den heimischen Nachwuchs kommt dazu, dass Einige der eingesetzten Spieler aus anderen Ländern kommen. Insgesamt spielten Spieler aus 30 Nationen in österreichischen Stadien (Tipp 3 Bundesliga. 2013). Daran erkennt man die große Herausforderung, und dass nicht nur Talent, sondern auch außergewöhnliches Glück zu einer Profikarriere dazu gehört.

Allerdings wäre es wichtig zu kommunizieren, dass der Beruf des Fußballspielers dennoch eine ernstzunehmende Option ist, die von vielen nicht genutzt wird. Man muss nicht in Spitzenligen spielen, um mit Fußballspielen Geld zu verdienen. Schon in den unteren Klassen werden ganz gute Gehälter an die Spieler ausbezahlt. Manche durchaus so hoch, dass man davon leben könnte, zumindest als Student. Reichtum erlangen können im Fußball jedoch nur die Spitzenspieler.

Eine allgemeine Bekanntheit erreichen meist nur Mannschaften und Spieler der ersten, vielleicht noch der zweiten Liga. Die Spiele der anderen Ligen in Österreich werden weitgehend von wirklichen Experten, Ortsansässige und Menschen besucht, denen die Spieler persönlich bekannt sind.

Seit meinem zehnten Lebensjahr übt Fußball auf mich eine große Faszination aus. In den fünfziger Jahren war mein Vater selbst auf dem Sprung in eine Profiliga in Österreich. Leider schied er wegen einer schweren Verletzung aus. Danach hatte sich niemand mehr um sein weiteres Wohlergehen gekümmert. Seine Enttäuschung war anscheinend so groß, dass er seine Kinder nie in die Geheimnisse des Profisports einweihte.

So erging es nicht nur meinem Vater in den fünfziger Jahren, sondern auch heute gibt es unzählige Talente, die den Weg an die Spitze nicht schaffen, vielleicht auch aufgrund fehlender professioneller Begleitung.

Viele talentierte junge Leute gehen nicht automatisch zu den besten „Ausbildungsschmieden“ in Österreich, sondern beginnen ihre Karriere bei einem Verein in der Region. Dorthin entsenden die großen Vereine ihre Scouts und holen die begabtesten Spieler aus dem gewohnten Umfeld heraus. Die meist sehr jungen Spieler haben nun weite Anreisewege zu den Trainingseinheiten, manchmal wohnen sie auch alleine und sind mit der neuen Freiheit überfordert. Kommt eine Verletzung hinzu, dann ist der sportliche Fokus auch noch weg und die jungen Leute fallen ungeschützt in eine Krise. Da sich die Spieler gewöhnlich an ihrem unmittelbaren Umfeld orientieren, können sie sich in Krisenzeiten nicht selber befreien, was zweifellos ihre Karriere beeinträchtigt, bzw. beenden kann. (Dietl, Hasan, Korthals, 2005). Hier könnten eigene Betreuer viel bewegen.

Das Angebot oder die Vernetzung unter den Vereinen in Bezug auf die Begleitung der jungen Spieler, befindet sich meiner Meinung nach in einem sehr fragwürdigen Zustand. Begleitung der Spieler findet meiner Beobachtung nach, gar nicht statt und als Schiedsrichter des Niederösterreichischen Fußballverbandes komme ich jedes Wochenende bei vielen verschiedenen Vereinen zu demselben Ergebnis.

Um diesem Versäumnis abzuhelfen, müssten einige Fragen im Vorfeld abgeklärt werden: Wie kann, wie sollte man nun vernünftig begleiten? Gibt es Konzepte, die es einem kleinen Verein ermöglichen professionelle Begleitung für die jungen Spieler anzubieten bzw. für sich selbst und Trainer? Ist Supervision überhaupt eine sinnvolle Methode?

Im Folgenden wird der Begriff der Supervision theoretisch erörtert und daran anschließend die möglichen Aufgaben und Konzepte der integrativen Supervision im Zusammenhang mit Fußball vorgestellt. Im empirischen Teil der Arbeit wird diese Ausführung vertieft.

Die abwechselnd gewählte männliche, beziehungsweise weibliche Form steht jeweils pars pro toto, wechselt je nach Kontext und stellt keine Bewertung des jeweils anderen Geschlechts dar.

1. Supervision

1.1 Der Begriff der Supervision aus dem Wortstamm

Der Begriff der Supervision entzieht sich einer genormten Definition, weil der Ausdruck „im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus auf internationaler Ebene verwendet wird, einer immensen Heterogenität der Supervisionsverständnisse “ unterliegt (Petzold, Ebert, Sieper, 1999/2001/2011 S.11).

Schreyögg sieht Probleme auch darin, dass es nur einen „geringen Grad an konzeptioneller Geschlossenheit im Bereich der Supervision“ gibt. Daraus resultiert für sie, dass die Supervision „aus zwei verschiedenen Traditionen entstammt“ (Schreyögg, 2010, S.13). Jahn schreibt dazu, dass „Supervision sowohl in Alltagssprache als auch in Fachgesprächen, nicht eindeutig inhaltlich gefüllt werden kann“ (Jahn, 2008, S. 9). Die „Spannbreite an Assoziationen reicht von keiner Vorstellung, über Kontrolle und Zwang bis zu einer Super-Vision, herbeigeführt durch die Einnahme illegaler Substanzen“ (Jahn, 2008, S.9).

In Fachgesprächen existiert allerdings ein allgemeines - nicht definitorisch festgelegtes - Bewusstsein für den Begriff. Man weiß um den beratenden und reflexiven Beistand der Supervision im Bereich der Arbeit (Jahn, 2008, S.9). Trotz alledem steht man noch immer vor einem „Gewirr an von Auffassungen, Konzepten, Schulen, Orientierungen, Ideologien, Meinungen“ (Petzold, Ebert, Sieper, 1999/2001/2011 S.27).

„Im Prinzip wird Altbekanntes einfach wiederholt und in verschiedenen Weisen variiert“ (Wittenberger 1988, S.19).

Im Zusammenhang mit der vorliegenden Untersuchung erhebt sich nun die Frage, welcher Begriff der Supervision eignet sich für diese Arbeit im Sport?

Im österreichischen Wörterbuch findet man zum Wort Supervision folgenden Eintrag:

„Supervision (bes. Psych.) Beobachten und Beratung zur Optimierung des Berufsalltags zum Beispiel durch Qualitätskontrolle, Gesprächsanalyse

Supervisor: Aufsichts-, Kontrollperson im Betrieb (Psych.) jemand, der Supervision betreibt, (Sport) Oberschiedsrichter“ (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaften und Kultur, 2005, S, 637)

Im Schulwörterbuch Englisch findet man folgenden Eintrag:

„supervise beaufsichtigen, überwachen supervision (Ober)Aufsicht, Beaufsichtigung, supervisor Aufseher, Inspektor (Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, 1972, S. 262)

Anhand dieser Beispiele kann man wie Petzold auch ableiten, dass das Verständnis von Supervision vom Sprachraum und Arbeitsfeld abhängig ist. Für die weitere Entwicklung des Begriffes möchte ich noch den lateinischen Ursprungswortstamm betrachten.

„Der Ursprung und die Entstehung eines Wortes haben mit Vergangenem zu tun. Wo ein Wort herkommt, dort ist Geschichte verborgen“ (Petzold, 2005 S.5).

Deswegen ist eine Untersuchung der Herkunft des „Kunstwortes“ eine Notwendigkeit. Aus dem Wortstamm, der sich aus lateinischen super und video zusammenfügt, kann man folgende Bedeutung ableiten:

„Super“ bedeutet „darüber“ oder „oberhalb“ (Stowasser, Petschenig, Skutsch,1993 S.495 ) und video in der deutschen Übersetzung sehen, Sehkraft haben, die Augen offen haben, wach sein, wahrnehmen, erblicken, Augenzeuge sein, erleben, besuchen, aufsuchen, merken, sehen, einsehen, begreifen, wahrnehmen, schauen anschauen, zuschauen, überlegen, erwägen, bedenken, sich um etwas kümmern, auf etwas achten, etwas beabsichtigen, etwas besorgen, gesehen werden, sich zeigen, erscheinen, scheinen, sich den Anschein geben, den Anschein haben, für etwas gehalten werden, gelten und offenbar bedeuten kann (Stowasser, Petschenig, Skutsch,1993 S. 550).

Bei dem Wort supervidere handelt es sich nicht um einen klassischen lateinischen Begriff, sondern vielmehr um einen Latinismus des Mittelalters. Im klassischen Latein fehlt der Begriff ‚supervisor’. Für ihn steht ‚inspector’. Der spätlateinische Begriff supervidere wird dem inspicere gleichgeordnet, das heißt dass beide Begriffe Macht- Führungs- und Kontrollaspekte evozieren (Edlhaimb-Hrubec, Maria Christina, 2005 S.6).

Inspicere wird in einem dialektisch-logischen und empirisch-analytischen Sinne das wertende und prüfende „Inspizieren“ bezeichnet. Diese Differenzierung ist für Wahrnehmung und Erkenntnis in der Supervision beachtenswert (Edlhaimb-Hrubec, Maria Christina, 2005 S.8).

The Random House Dictionary of the English Language bestimmt das zeitliche Auftauchen von supervisor um 1425-1475 und wird definiert als „a person who supervises workers or the work done by others“ evozieren (Edlhaimb-Hrubec, Maria Christina, 2005 S.21).

Petzold nimmt in seinem historischen Befund die Quelle der überwachen-

den Beobachtung aus dem angloamerikanischen Raum auf und bezieht den lateinischen Infinitiv supervidere auf das griechische Verbum episkopéo, welchem er die lateinische Konstruktion visitationi vaco, „ich bin frei für die Besichtigung“, und inspicio und supervideo gleichsetzt (nach Petzold,Ebert, Sieper 1999/2002)

„Im Griechischen verbindet sich mit dem Begriff „episkopoi“ ein Bedeutungsbogen, der sich von der Betrachtung und Besichtigung zur Beobachtung, im Wache halten als Schutz, bis hin zum Kundschaften, Spionieren, über die Beaufsichtigung letztendlich zu zielgerichteter Beherrschung spannt evozieren (Edlhaimb-Hrubec, Maria Christina, 2005 S.21 - 22).

Gerade dem Wortstamm video kann man viele Erlebnisse aus der Praxis zuordnen. Einige der Bedeutungen sind wesentliche Bestandteile der Assoziationen, die bei Fachleuten aufkeimen würden, wenn sie den Begriff Supervision hören. Der Klient beschreibt das Erlebte mit seinen Worten, um dieses Geschehnis für den Supervisor nachvollziehbar zu machen (Petzold, 2005 S.8).

Da nun der Wortstamm nicht ausreichen würde für eine befriedigende Arbeitsdefinition, soll der Begriff durch relevante historische Entwicklungen ergänzt und für den Sport relevante Konzepte aus der integrativen Supervision näher beschrieben und erklärt werden.

1.2 Historischer Begriff der Supervision

Aus historischer Sicht ist die Supervision für Petzold ein eher negativ besetztes Wort (Jahn, 2008, S10).

Schon im griechischen Altertum - etwa durch das Gesetz des Pisistratos, wie Plutarch berichtet - sorgte der Staat für die armen Bürger, die Kriegsversehrten und Kriegswaisen, für die ein „obulos“ abgegeben werden musste, Mittel, die von episkopoi, Supervisoren also, verwaltet wurden evozieren (Edlhaimb-Hrubec, Maria Christina, 2005 S. 28). .

Später wurde die Kirche der zentrale Almosengeber. Die Bischöfe und ihre Archidiakone wachten über ihr Wohl als Supervisoren. Diese kirchlichen Aufgaben der Armenpflege wurden später auf die Zivilgemeinden übertragen. Aus England informiert das Reference-Book , dass es die Aufgabe dieser Aufseher/Supervisoren war, die Armenabgaben in ihrer Gemeinde festzusetzen und zu erheben (ibid. 834), später kamen für die „overseers of the poor“ noch weitere sozialadministrative Aufgaben hinzu, so die Einrichtung und Kontrolle von Arbeitshäusern(workhouses), wo auch Wärter (guardians) die unmittelbare Kontrolle übernahmen und wo meist ein übles Regime der Rechtlosigkeit, im härtester Zwangsarbeit und Ausbeutung herrschte. Erst Elisabeth I. in ihrer fortschrittlichen Gesetzgebung von 1563 begründete für England ein Armenrecht evozieren (Edlhaimb-Hrubec, Maria Christina, 2005 S. 34).

Die „Visitationen der Bischöfe“ oder „Überschauer in Straflagern“ waren wohl eher nicht beratender Natur. Hier wurde sehr stark Macht und Kontrolle ausgeübt (Petzold, Ebert, Sieper, 1999/2001/2011 S. 93). Die ersten tatsächlichen Ansätze die mit dem heutigen Begriff eher korrelieren, finden sich in den Anfängen der Sozialarbeit in den“ USA und England“ des zwanzigsten Jahrhunderts (Belardi, 1998, S19). Ein Vorläufer der modernen Supervision ist laut „Lippenmeier der sokratische Dialog, bei dem der Lehrende durch geschicktes Fragen den Schüler die Antworten und Einsichten selber finden lässt“ (Belardi, 1998, S. 19).

Der Begriff Supervision kam, wie gezeigt, aus ekklesialen und feudalbürokratischen Traditionen, aus der parochialen Armenversorgung und ihrer säkularisierte Verwaltungspraxis in den „Poor Laws“ in den modernen administrativen, wirtschaftlichen und politischen Bereich, zuletzt in den psychosozialen Sektor und behielt die Konnotation: (hierarchische) Qualitätsüberwachung, Überprüfung, Kontrolle. Führungskräfte und Vorgesetzte kontrollieren Mitarbeiter und deren Arbeitsabläufe. Dieser Aspekt des Controllings bestimmt heute die Bedeutung des Begriffes in der Wirtschaft und führt derzeit noch zu erheblichen Schwierigkeiten das psychosoziale Konzept von Supervision in diesem Bereich begrifflich zu implementieren.

Ursprünglich gab es zwei Ansätze:

Ansatz 1: Die Reichen unterstützten die Armen zuerst finanziell, um sich durch die materielle Unterstützung vor Übergriffen zu schützen (Strobelt, Petzold, 2010, S. 7 ). Das aus Angst entstandene Projekt wurde in den frühen zwanziger Jahren dann durch ein Projekt des Mitgefühls abgelöst. Man begann die Menschen nicht nur mit Geld zu versorgen, sondern versuchte den Menschen zu helfen ihre Probleme zu bewältigen. Die Sozialarbeit war geboren. Anfangs arbeiteten die Sozialarbeiter ehrenamtlich und wurden von bezahlten Supervisoren begleitet (Jahn, 2008 S.11).

Ansatz 2: „Als Folge der harten Arbeitsbedingungen im Rahmen der Industrialisierung wuchs das soziale Elend. In dieser Zeit entstanden auch freiwillige Wohlfahrtsangebote des Bürgertums, die nach und nach einen wichtigen Stellenwert in den sozialen Aktivitäten der damaligen Zeit erhielten“.

Kritik an der „beleidigenden Unterstützungsangebote für die Armen“ kam von der englischen Pfarrersfamilie Barnett im Jahre 1873. Barnett schlug vor, dass den Armen gezeigt werde, wie sie sich selbst helfen könnten. Seit 1883 wurden dann „Universitätsabsolventen für helfende Aktivitäten eingesetzt“. Barnett bat die jungen Studenten „einmal wöchentlich zu einem halbstündigen Gespräch in sein Arbeitszimmer, um mit ihnen soziale und sozialpädagogische Fragen zu besprechen“ und sie „zu beraten“ (Belardi, 1998, S19). Diese Gespräche dienen laut Müller als Vorlage für die heutigen Prozesse der modernen Supervision (Belardi, 1998, S.19).

In den folgenden Jahren finden sich immer wieder Spuren der Supervision in Zeitschriften wie „Soziale Berufsarbeit“ vom Jahr 1922. Darin wurde eine Ausbildung zur geistigen Verarbeitung praktischer Erfahrungen angeboten. Der Grund warum es nur wenige Spuren der Supervision in dieser Zeit gab, war, dass man die „Social Casework“ und deren Ausweitung als wichtiger, beziehungsweise dringender erachtete, als eine psychohygienische Beratung (Belardi, 1998, S.22).

Nach den Theorien Freuds, die etwa 1926 in die Fachliteratur der Supervision Eingang gefunden hatten, konnte man einige Sachverhalte bei der Arbeit mit sozial benachteiligten Menschen besser verstehen und erklären (vgl. Petzold- Strobl, 2010 S. 8 und Belardi 1998, S, 22- 23). 1933 gelangte dieses bis dahin unbekannte Verfahren in die USA und fand Eingang in die „Social Casework“ und Supervision. Man hatte nun ein breiteres Verständnis für den Menschen und seine Probleme. Dadurch konnte man bis dahin nicht lösbare Fälle, besser bearbeiten (Belardi, 1998 S.23, Sauer, 1997 S.27-29).

In den USA ist bis heute ein Supervisor eine Person mit universitärer Ausbildung, der zwischen den Mitarbeitern und dem Vorgesetzten steht. „Häufig ist der Supervisor für die Verwirklichung der Organisationsziele zuständig“. Das ist der Grund weswegen Supervision heute noch als Kontrolle verstanden wird. Berufsanfänger werden in den USA in vielen Berufssparten von erfahrenen Mitarbeitern begleitet. Auch diese Personen werden als Supervisor bezeichnet.

Neben dem Verständnisproblem was Supervision sei, kommt noch die Komponente der Zieldefinition zum Tragen. In Amerika wird deswegen zwischen „‚administrativen Supervisioren’, also den Supervisoren für Aufsicht, beziehungsweise dem Einstieg in den Beruf und ‚clinical Supervisioren’“ im sozialen Feld unterschieden (Belardi, 1998, S.24).

In Europa, vor allem in Deutschland, untermauerte man die administrative Supervision in ihrer reinen Kontrollfunktion, das heißt, dass keine Entwicklung in Richtung der amerikanische administrative Supervision, mit „psychologischen Ansätzen“ stattfand. Als viele Emigranten des Krieges gut ausgebildet aus den USA zurückkamen, lehrten sie in Fortbildungskursen den deutschen Sozialarbeiten die neuen Methoden (Belardi, 1998, S.24- 25). Daraufhin verschob sich der Schwerpunkt der Supervision: nun war nicht mehr die berufliche Tätigkeit, also der administrative Aspekt ausschließlicher Schwerpunkt der Supervision, sondern nun flossen auch persönliche Anliegen des Supervisanden in den Prozess mit ein. Damals begann man auch zu diskutieren, ob es nun an der Zeit wäre nicht mehr Vorgesetzte als Supervisoren einzusetzen, sondern außenstehende freie Mitarbeiter in die Firmen zu holen. Diese könnten dann unbefangen von Firmeninteressen, beratend zur Seite stehen. Ab diesem Zeitpunkt findet man immer mehr Einrichtungen oder Unternehmen, die freie oder fix angestellte Mitarbeiter als Supervisoren einsetzten (Schreyögg, 2010, S.21).

Petzold nennt diese Phase auch Soziologisierung. Viele Aspekte der Sozialwissenschaften flossen auch in die Fortbildungen für Lehrer und Sozialarbeiter ein (vgl. Petzold- Strobl. 2010, S.9). In dieser Zeit versuchte man die Sozialarbeit mit Hilfe der Supervision zu „Entprivatisieren“. Viele Sozialarbeiter brachten berufliche Aufgaben und private Bedürfnisse durcheinander. Die Supervision sollte hier ein professionelles Verhältnis zwischen Klient und Berater schaffen helfen, um private und beruflichen Belange voneinander zu trennen. (Belardi, 1998, S. 25).

Diese drei Ansätze begegnen uns in der modernen Supervision immer wieder.

„Gruppen- und Teammodelle entwickelten sich in den sechziger und siebziger“ Jahren. Bis dahin fand die Supervision meist in der „Dyade“ statt. In den Siebzigern wurde auch das „Bedürfnis nach Teamsupervision“ immer größer. Also entwarf man auch für diesen Bereich Modelle (Schreyögg, 2010, S.22).

Zunehmend dehnte sich die Supervision, wie auch später das Coaching auf andere Berufsfelder aus. Immer mehr „Nicht- Psychotherapeuten“ oder „Nicht- Sozialarbeiter“ besuchten die Lehrgänge, um sich ausbilden zu lassen und Beratungen durchzuführen. Supervision wird heute nicht mehr als „Kontrollmacht“ verstanden, sondern erfolgt in einem „freiwilligen Rahmen“ (Schreyögg, 2010, S22-23).

1989 kam es dann zur Gründung der Deutschen Gesellschaft für Supervision (DGSV) (Belardi, 1998, S. 30).

„Die Vorläufer von Supervision gehen in Österreich natürlich auf die Tiefenpsychologie zurück, genauer gesagt auf Personen, die psychoanalytische Erkenntnisse vor allem im pädagogischen Bereich und in der Fürsorge anwendeten. Mit der Machtergreifung Hitlers 1938 stoppte die Implementierung der Supervision in weitere Lebensbereiche. Erst 1945 mit wurden Kurse unter August „Aichhorn“ für Erziehungsberater angeboten. „Eine der Referentinnen war Rosa Dworschak.“ Sie wurde „in Holland in Casework und Supervision ausgebildet. Als Erziehungsberaterin sah sie viele Parallelen zu ihrer Ausbildung. Dworschak gab ihr Wissen an Studierende der Fürsorgeschule weiter und „supervidierte die Arbeit der Schülerinnen“. Diese Anfänge der Supervision „mündeten später in den sogenannten psychiatrischen Kurs, getragen von der Österreichischen Gesellschaft für psychische Hygiene in Zusammenarbeit mit der Wiener Universitätsklinik für Neurologie und Psychiatrie.“ „Sepp Schindler“ gründete aus diesen Vorläufern heraus den Hochschullehrgang für Supervision. Da es vielen Menschen schwer fiel, Fehler vor anderen zuzugeben, wurde die Supervision „unter vier Augen“ eingeführt, die Einzelsupervision.

Fuß fassen konnten die Supervisoren zuallererst in der Häftlingsbetreuung. (Belardi, 1998 S.31). Durch die 1961 geschaffene, gesetzliche Regelung der Bewährungshilfe im „Jugendgerichtsgesetz“ wurde die Praxis Supervision wesentlich gefördert. „Mit Unterstützung von Elisabeth war Sepp Schindler der Initiator für Supervision in dem sich etablierenden gesamtösterreichischen Verein für Bewährungshilfe, um den Bewährungshelfer in seiner schwierigen Aufgabe (Doppelrolle) zwischen Kontrolle im Auftrag des Gerichts und therapeutisch angelegter Einzelfallhilfe zu unterstützen. Zeitgleich entstand auch eine Form der Gruppensupervision die ‚Balint- Gruppe’“. „In pastoralen Arbeitsfeldern“ fasste die Supervsion in den „70er und 80er“ Jahren Fuß. (Sauer, 1997 S.29 -33). Seit der „Tötung durch Pflegekräfte in Lainz“ in den achtziger Jahren war ein starker Anstieg der Supervision im Bereich der Krankenpflege zu verzeichnen. 1994 kam es erst zur Gründung der ÖVS. Österreich bemühte sich hier stets um einheitliche Standards und organisierte des Öfteren Treffen der deutschsprachigen Verbände Deutschlands und der Schweiz. Aus diesen Treffen entstand der europäische Dachverband für Supervision (ANSE) (Belardi, 1998, S30-31).

1.3 Definition der Supervision für den Sport

Aus dem tradierten Einsatz der Supervision wird deutlich, dass Einflüsse aus verschiedenen wissenschaftlichen Sparten zu berücksichtigen sind, wenn man zu einer Begriffsdefinition gelangen will. Dazu kommt eine divergierende Verwendung des Begriffes im historischen Kontext. Eine einheitliche Definition gibt es daher nicht (Jahn, 2008, S.10).

Aus den geschichtlichen Wurzeln (siehe Kapitel 1.2) der Supervision, der Sozialarbeit, haben sich bestimmte Lehren, in Landes- beziehungsweise Dachverbände und Praxen, sowie in den Fort-, Weiter- und Ausbildungen, bis heute erhalten. So ist es auch mit Lehren aus der Psychologie, die aus den Wurzeln der Kontrollanalyse entstanden sind und letztendlich auch aus dem Bereich der Pädagogik. Viele Themenfelder sind in die moderne Supervision eingeflossen und integriert worden. Jahn nennt dies Methodenpluralismus, was eine genaue Definition nicht unbedingt einfacher macht. Dennoch sollte für die vorliegende Arbeit zumindest eine Begriffsumschreibung gefunden werden, die ansatzweise das Wesen der Supervision im Bereich Sport treffen könnte.

Drei Definitionen aus dem Artikel von Petzold und Strobelt, der 2010 veröffentlicht wurde, könnten diesem Anspruch genügen und sich für die geplante und jetzt vorliegende Arbeit gut eignen.

„Supervision ist eine methodisch angelegte Beratung, die problemorientiertes Lernen ermöglicht. Ihr Ziel ist es, auf Prozesse in Berufsfeldern einzuwirken, die sich mit Erziehung und Bildung, mit Konfliktlösung, mit der Wiederherstellung gestörter Beziehungen, mit Therapie und mit sozialer Planung befassen. Dieser Lernprozess ist langfristig angelegt und bezweckt eine durch Erfahrung verstärkte Verhaltensänderung auf der kognitiven, affektiven und psychosomatischen (Gestik, Mimik) Ebene, nach Ströhmbach, Fricke und Koch“ (Strobelt, Petzold, 2010, S. 23).

„Supervision ist eine interdisziplinär begründete Methode zur Optimierung zwischenmenschlicher Beziehungen und Kooperationen zum Beispiel in der psychosozialen, pädagogischen und therapeutischen Arbeit durch mehrperspektivische Betrachtung aus ‚exzentrischer Position’, eine aktionale Analyse und systematische Reflexion von Praxissituationen (Situationsdiagnostik) auf ihre situativen, personenabhängigen und institutionellen Hintergründe hin. Sie geschieht durch die Ko-respondenz zwischen Supervisor und Supervisand in Bündelung ihrer Kompetenz (...) an theoretischen Wissen, praktischen Erfahrungen, differentieller Empathie, Tragfähigkeit und common sense und zielt auf die Erarbeitung konsistenter Interventionen im Praxisfeld. Supervision ist damit selbst handlungsbezogen und hat Interventionscharakter“ (Petzold in Strobelt, Petzold, 2010).

Auch die Definition nach Schreyögg wäre für den Bereich Sport eine Bereicherung:

„Supervision ist eine Beratungsform, die sich in supervisorischen Situationen vollzieht. Diese sind charakterisiert durch einen kontextuellen Rahmen, in dem vorrangig berufliche Themen von Supervisanden, innerhalb einer Beziehung zum Supervisor und den Mitsupervisanden bearbeitet werden. Der Supervisor hat diese Situation zu handhaben, indem er, wie jeder professionell Handelnde, Deutungs- und Handlungsmuster auf einem konzeptionellen Hintergrund verwendet“ (Strobelt, Petzold, 2010, S. 23).

Aus diesen drei Definitionsentwürfen kann man folgende Aspekte herausarbeiten:

- Supervision ist Beratung nach Methode.
- Sie dient zur Optimierung beruflicher Prozesse.
- Beziehungen werden durch mehrperspektivische Betrachtung, systematisch analysiert und reflektiert.
- Supervision hat Interventionscharakter.

1.4 Integrative Supervision

Dazu kommt der integrative Ansatz von Supervision, der im Rahmen der Ausbildung an der Donau Universität unterrichtet wird.

„Die Bezeichnung ‚Integrativ’ resultiert aus einer Besonderheit des Modells: Der Begriff integrativ leitet sich aus der spezifischen Konstruktion des Ansatzes ab. Hierbei haben sich alle verwendeten Theorien und Methoden in ein übergeordnetes anthropologisches und erkenntnistheoretisches Meta- Modell einzufügen, das heißt zu integrieren. Eine Aktualisierung dieses Verfahrens erfolgt laufend das heißt Praxis und Theorie werden reflexiv weiterentwickelt (Jamnig, Deutscher zit. Nach Schreyögg, 1997 S.159)“.

1.5 Integrative Konzepte und der Sporttreibende

In der geschichtlichen Entwicklung der integrativen Supervision entstanden Kernkonzepte, die für den Sport wichtig erscheinen und hier näher erläutert werden.

Eines der primären Bedürfnisse des Menschen ist der Kontakt zu anderen Individuen (Ruso, Atzwanger, 2005). Wir existieren und koexistieren miteinander. Diese Koexistenz, also die gegenseitige Beeinflussung durch Interaktion, Anwesenheit, Körpersprache, und so weiter… ist ein bewusster als auch unbewusster Prozess. Der Ablauf des Neben- und Miteinanderexistierens passiert in Kontext, beziehungsweise im Kontinuum, also des Verbundenseins und des raumzeitlichen Aspekts. Aufgrund der gemeinsamen menschlichen Natur können wir so miteinander sein (Petzold, 2007 S. 392). Dieses Bedürfnis miteinander zu sein hat nicht nur überlebensstrategische Aspekte (Ruso, Atzwanger 2005), sondern auch geistige, weil der Mensch auch durch Beobachtung und Nachahmung lernt. (Peters, 2012 S.6). Das Individuum möchte sich weiterentwickeln, um seinen Alltag besser bewältigen zu können. Der Wille zur Weiterentwicklung, die Verbesserung der Selbstwirksamkeit nennt man auch intrinsische Motivation (Herber, Vásárhelyi 2003 S.5). Jedes menschliche Wesen verbessert seine Kompetenz, sein Wissen und Performanz, das heißt sein Können, durch Lernen. Was Erfolg bringt wird durch Üben weiterentwickelt und Handlungen, die nicht zum Ziel führen werden wieder verlernt (Peters, 2012 S.6). Oder wie Petzold und Sieper beschreiben: „ Kompetenz als die Gesamtheit aller Fähigkeiten und Wissensbestände, die zum Erkennen, Formulieren und Erreichen von Zielen erforderlich werden (Fähigkeiten, Wissen

Þ Probleme, Aufgaben Þ Ziele) und Performanz als die Gesamtheit aller Fertigkeiten und Praxen, die zur Umsetzung/Realisierung der Ziele (Ziele Þ Können, Fertigkeit Þ Ergebnis) mit gutem Erfolg notwendig sind“ (Petzold, Sieper, 2002 S.7) Erfolg stimuliert das Belohnungssystem und lässt das Gefühl von Freude entstehen; bei Misserfolgen entwickelt sich Frustration und Angst, wodurch das Individuum mit Vermeidung zu reagieren lernt (Herber, Vásárhelyi 2003 S.10). Das ist ein bedeutender Aspekt bei der Arbeit mit Sportlern. Im Kapitel 3.4 werde ich noch näher darauf eingehen.

Lernen bedeutet, dass sowohl Performanz als auch Kompetenz abrufbar sind, wobei gerade das Können durch Üben verbessert wird (Peter, 2012 S.5). Training bei Sportlern erfüllt genau diese Aufgabe und soll die körperlichen, als auch mentalen Fähigkeiten des Athleten schulen. Das physische (körperliche) Training führt zu Anpassungsreaktionen des Körpers. Das heißt die Physis wird durch richtige Übungen leistungsfähiger (Draksal, 2004 S.15). Gerade im Sport und in der integrativen Supervision ist die leibliche Komponente sehr wichtig. Die körperlichen und psychischen Fähigkeiten sind ein wesentlicher Faktor für den Erfolg im Sport (Draksal, 2004 S.27).

Die physische Grundausstattung, die jeder Mensch mit sich bringt, entscheidet in hohem Grad darüber, in welcher Weise ein Individuum an bestimmte Probleme herangehen kann. Hat ein Mensch eher Stärken, beziehungsweise genetisch bedingte bessere Veranlagung im kognitiven Bereich, werden Handlungen, die eher motorische Fähigkeiten fordern schwieriger zu lösen sein, als für Menschen mit guten körperlichen Grundvoraussetzungen. Man kann diese Schwächen durch Training verbessern. Des Weiteren hat das soziale, beziehungsweise ökologische Umfeld Einfluss auf die physische und psychische Entwicklung (Peters, 2012 S. 7). Der Mensch darf also nicht als rein körperliches, kognitives oder nur als soziales Wesen gesehen werden, sondern muss als Ganzheit betrachtet werden. Der Mensch ist laut Petzold ein Körper – Seele – Geist Wesen (Sieper, Petzold 1993 in Chudy, Petzold 2011 S 6 ff). Neben der „evolutionär-phylogenetischen Geschichte“ des Individuums, bewegt und entwickelt sich der Mensch im „sozio-, ökologischen Kontext und Zeitkontinuum“. Die Person lernt, also durch seinen Leib zu interagieren und wahrzunehmen. Das heißt, dass der im Evolutionsprozess befindliche Leib autobiographisch-ontogenetisch beeinflusst wird durch Eltern, Geschwister und andere Menschen, die uns auf unserem Lebensweg begleitet haben (Petzold, 2009 c S.6). Daraus resultiert, dass der Mensch nicht nur Leib ist, sondern sich mit Anderen in einer ‚Zwischenleiblichkeit’ befindet.“ Der Mensch wird Mensch durch den Mitmenschen“ (Petzold, 2007, S393).

Wie schon weiter oben erwähnt, lernen wir auch durch Beobachtung und Nachahmung. Das Individuum wächst nicht nur ein einer Dyade auf, sondern in Polyaden, das heißt, dass das Baby oder Kleinkind mit Vater, Mutter, eventuell Geschwistern, Onkeln und Tanten groß wird (Petzold, 2007 S393). Dieses polyadische Aufwachsen prägt den Menschen. Wenn wir nun mit Anderen in Kontakt treten schwingen gerade diese familiären Vorerfahrungen immer mit, da sie für fast alle Menschen die ersten sozialen Kontakte sind. Das heißt, dass gerade Personen, die uns nahe stehen, unser Verhalten und Bewerten im Interaktionsprozess mit anderen Menschen, stark beeinflussen. Die Sichtweisen der vielen Interakteure, die unser Leben begleitet haben, lassen uns Situationen und Gesagtes bewerten. Petzold nennt das vielstimmige Reden in verschiedenen Richtungen Polylog (Petzold 2007 S. 394-395). Durch diese Entwicklung entstehen im Individuum subjektive oder auch persönliche mentale Repräsentationen.

Der Mensch erarbeitet sich in seinem Leben durch Enkulturation, das bedeutet, das Hineinwachsen des Neugeborenen in die Kultur, wobei innere mentale Filme entstehen. Auch die Sozialisation, das bedeutet die Entwicklung der Persönlichkeit durch Interaktion mit dem Umfeld, welche sich mit zunehmendem Alter erweitert, erzeugt diese mentalen Abdrücke in uns Menschen. Diese helfen uns im Umgang und Interaktion mit Anderen. Inneren Bilder, die durch diese Erfahrungen entstehen, bestimmen die Persönlichkeit mit (Petzold. 2009c). Dieser Prozess begleitet uns unser gesamtes Leben. Gelerntes wird neu überdacht und eingeordnet. Petzold bezeichnet diesen Prozess komplexes Lernen (Chudy, Petzold 2011 S.10). Diese Form der Anpassung an die gesellschaftlichen Normen sichert dem Individuum das Überleben. Petzold nennt die gesellschaftlich anerkannten Werte und Normen kollektiv-mentale Repräsentationen. „Bei fehlender oder unzureichender Passung liegen hier erhebliche Konfliktpotenziale“ (Petzold 2004 h S.4).

Die vorgestellten Konzepte werden hier noch einmal zusammengefasst dargestellt:

- Der Mensch ist ein Leib – Seele- Geist Subjekt
- Der Mensch lernt sein gesamtes Leben lang – komplexes Lernen
- Der Mensch kommt von intermentalen Überzeugungen durch Metalernen zu kollektiv – mentalen Repräsentationen. Dies sichert dem Menschen das Überleben in der Gruppe.

1.6 Settings in der Supervision und Coaching

Die Einzelsupervision ist die ursprünglichste Form der Supervision. Anfangs unterstützen, wie im Kapitel 1.2 erwähnt, bezahlte Mitarbeiter die freiwilligen Sozialarbeiter mit dyadischen Kommunikationsprozessen. Die Supervision im Einzelsetting findet man häufig in der Ausbildung, also bei der Lehrsupervision. Des Weiteren kann diese Konstellation der Beratung auch bei präventiven Maßnahmen, wie zum Beispiel Diskriminierung oder Mobbing sehr hilfreich sein. Manche Personen möchten sich in ihrer Profession weiterentwickeln und nehmen Supervision als persönlichkeitsbildende Fortbildungsmaßnahme, die manchmal auch von beruflich Selbstständigen in Anspruch genommen wird (Belardi, 1998, S.99 – 101).

Team- und Gruppensupervision sind mittlerweile in vielen Sparten wie im Pflegebereich und Sozialbereich gut integriert und angenommen, wie ebenfalls im Kapitel 1.2 erwähnt.

Aus dem englischen Begriff Team kann nun für die Supervision im Fußball folgendes abgeleitet werden: Mannschaft und Arbeitsgruppe. Beide Begriffe implizieren, dass mehrere Personen eine Gruppe bilden und ein gemeinsames Ziel verfolgen. „Ein Team ist eine (1) in einen definierten institutionellen Rahmen eingebundene (2) Gruppe von Mitarbeitern, (3) die eine fest umrissene, oft komplexe Aufgabenstellung (4) im Hinblick auf ein bestimmtes Feld (5) und eine spezifische Population hat. Diese Aufgaben sind kooperativ und unter (6) Nutzung und Koordinierung personaler (7) und institutioneller Ressourcen (8) im Sinne der Zielsetzungen (9) der Institution und ihrer Auftraggeber zu bewältigen“ (Giglleitner, 2003, S.17-18).

Die Fußballmannschaft hat im Bereich Sport komplexe Aufgaben zu erfüllen. Sie müssen kooperieren und individuelle Ressourcen einbringen. Damit sollen die gesetzten Ziele des Vereins bewältigt werden.

Im Jugendbereich muss dazu ergänzt werden:

„Teamebene: der Wunsch nach Verbesserung der Kommunikation im Team, Zeit zum fachlichen Austausch, Klärung der Arbeitsbeziehungen, Reflexion der Teamrollen, fachliche und persönliche Ressourcen sowie Kooperation verschiedener Berufe und die Entwicklung von Teamkompetenz, Umgang mit schwierigen Eltern sowie die pädagogische Einschätzung von Kindern (Schulz, 2010, S. 25)“.

Einige der interviewten Experten konnten sich sowohl Team- als auch Einzelsupervision im Sport gut vorstellen. Näheres werde ich im empirischen Teil erläutern. Die Settings der Supervision sind für den Sport also tauglich.

1.7 Foci, Grob- und Feinziele der integrativen Supervision und deren Anwendung auf das Feld des Sports

Der Mensch selbst und in der Zwischenleiblichkeit mit Anderen erscheint als ein komplexes, ja fast unüberschaubares Konstrukt. Diese Ebenen der mannigfaltigen Beziehungen im zwischenmenschlichen Bereich verlangt nach Strukturierung. Das bedeutet in der Arbeit mit Menschen, zum Beispiel als Supervisor, dass man Hintergrundwissen im Bezug auf die Person, im Zusammenhang mit seinem Arbeitsfeld besitzen muss. Dieses Wissen soll jedoch nicht zu starren, unflexiblen Strukturen führen, sondern im Prozess zur Anwendung kommen (Petzold. 2007 S150ff).

Foci in der Einzel und Gruppensupervision nach Petzold (Petzold, 2007 S. 151 – 152).

Petzold hat eine Aufstellung von Aspekten für die Arbeit im klinischen Bereich erarbeitet, die auch als Basis für die empirischen Fragestellungen der vorliegenden Arbeit dienten. Schon in der folgenden Darstellung der wichtigsten Foci bei Einzel -und Gruppensupervision nach Petzold, wurden einige Passagen an die Voraussetzungen der zukünftigen empirischen Arbeit angepasst. Viele der Aspekte werden im empirischen Teil wieder aufgegriffen.

Klient/Patient = Spieler (Lebenskontext, Lebensgeschichte, Lebensperspektive, Problemtypus, Krankheit, Störung und Persönlichkeitsstruktur)

Berater/ Therapeut (Lebenskontext, Lebensgeschichte, Lebensperspektive, Arbeitskontext, Praxis, Persönlichkeitsstruktur, Pathologie)

Rolle des Beraters

Therapeut - Spieler - Beziehung

Gruppe = Mannschaft (aktueller Kontext, Mannschaftsgeschichte, Perspektive)

Mannschaft – Therapeut – Problemspieler – Beziehung

Mannschaft – Problemspieler – Trainer – Beziehung

Kontext (Mikro -, Meso -, Makro - Supraebene)

Zielgruppe

Aufgabenfelder (Mannschaft, Trainer, Funktionäre, Schiedsrichter, Eltern, Problemspieler)

Spezifischer Kontext (Verein)

Allgemeiner Kontext (Sport)

Ziele (Richt- Grob-, Feinziele, kurz-, mittel- und langfristige Ziele)

Inhalte (allgemeine, spezifische, direkte, offene und verdeckte)

Methoden, Techniken, Medien, Modalitäten, Formen und Stile

Ziele - Mittel - Relation

Erläuterungen zur Tabelle

Die ursprüngliche Tabelle Petzolds war für den klinischen Bereich entwickelt. Alle Ausführungen in der rechten Spalte beziehen sich auf das Feld des Sports.

Ziele von Einzel- und Gruppensupervision (Petzold 2007, S.152)

Hinter allen Zielen stehen Probleme, Ressourcen, Potentiale. Richt- beziehungsweise Globalziele (abgeleitet aus einer Metatheorie):

- Humanisierung des Lebenszusammenhanges
- Gewährleistung von Integrität für Menschen, Gruppen, Lebensräume,
- Gewährleistung von Intersubjektivität

Grobziele (abgeleitet aus realexplikativen Theorien und Lebenswelt - bzw. Kontext - Kontinuum - Analyse):

- Förderung personaler Kompetenz und Performanz,
- Förderung sozialer Kompetenz und Performanz,
- Förderung professioneller Kompetenz und Performanz,
- Förderung von komplexer Bewusstheit und Mehrperspektivität,
- Förderung von sozialem Engagement und Solidarität,
- Lösung anstehender Probleme übergeordneter Struktur auf persönlichen, formalen und inhaltlichen Ebenen
- Klarheit über die Problemstellung und Ziele.

Feinziele (abgeleitet aus der Lebenswelt -, Kontext - Kontinuums-, Problem bzw. Konflikt -, Interessen - bzw. Bedürfnisanalysen, Ressourcen - und Potentialanalysen unter Rückgriff auf realexplikative Theorien

- Klarheit der Beziehungen,
- Klarheit funktionaler Strukturen,
- Konsistenz von Zielen und Mitteln,
- Adäquanz von Methoden, Techniken, Medien, Formen, Modalitäten, Stilen,
- Lösung anstehender Probleme in den Feinstrukturen auf persönlichen, formalen und inhaltlichen Ebenen.

Aufgrund dieser Aufstellung kann man erkennen, dass sich der Focus der Supervision, als auch die Aufstellung der Ziele aus der integrativen Supervision für die Arbeit im Feld des Sports durchaus eignet. Die Förderung der Kompetenz und Performanz auf den verschiedenen Ebenen sind für die Spieler, beziehungsweise für den Verein von großer Bedeutung. Auch die Beachtung der Feinziele würde dem Fußball zu mehr Erfolg verhelfen. Durch die Klarheit von Beziehungen, klare Zieldefinition, sowie funktionierende Strukturen, würde für Stabilität im Verein und für die Spieler gesorgt. Stabilität würde umgekehrt wieder konstante Leistung bedeuten.

Supervision ist schon in einigen Feldern über Jahrzehnte eine anerkannte Beratungsform. Warum hat das Feld Fußball bis jetzt keinen Nutzen darin gesehen? Worin bestehen die besonderen Hürden für die supervisorische Tätigkeit in diesem Bereich?

Im nächsten Kapitel wird die Geschichte des Fußballs erarbeitet. Danach werden theoretische Konzepte der Integrativen Supervision mit dem Feld Fußball in Zusammenhang gebracht, die Problematik der Spieler näher beschrieben und anhand dieses theoretischen Leitfadens aufgezeigt, in welchen Bereichen Supervisoren helfend eingreifen könnten. Im übernächsten Kapitel werden dann Experten die entwickelten Theorien mit ihren Aussagen kommentieren.

2. Supervision im Bereich Fußball

2.1 Geschichte des Fußballs

Die Ursprünge des modernen Fußballs gehen, laut Desmond Morris, bis in die Anfänge der Menschheit zurück. Die ursprünglichste Form des Sports sieht er in der Jagd. Schon sehr früh entdeckte der Mensch die Vorzüge der gemeinschaftlichen Methode, um Tiere zum Verzehr zu fangen. Da ein guter Jäger mehr Ansehen genoss und auch einen größeren Teil der Beute erhielt, versuchte jedes Mitglied der Gruppe seine individuellen Fähigkeiten zu verbessern, um die Erfolgschancen der Jagdgesellschaft zu erhöhen. Auch heute finden sich noch Wörter in der Sprache des Fußballs wieder, die aus dieser Tradition stammen. So impliziert zum Beispiel der Begriff Torjäger diesen Zusammenhang. Durch die Einführung der Landwirtschaft wurde die Jagd zur Existenzsicherung zweitrangig, sodass Männer nach anderen Möglichkeiten suchten, um ihre „Jagdtriebe“ auszuleben.

In den Anfängen des Sports galten nur sehr grobe Regeln. Ähnlich, wie im kriegerischen Streit, kämpften Menschen gegeneinander und auch gegen Tiere, bis einer der Kontrahenten starb. Im Unterschied zur Jagd wurden diese Kämpfe vor Publikum ausgetragen. So wurde die ursprüngliche Form der Jagd und des Krieges als Erholung und Unterhaltung für ein Publikum fortgeführt. Die legendären Kämpfe der römischen Gladiatoren begannen als Geschenk der siegreichen Feldherren an die römische Bevölkerung. Anfangs wurden Kriegsgefangene als Kämpfer in die Arena geschickt. Später verselbständigte sich das Bedürfnis nach dieser Art von Unterhaltung, wodurch die Kaiser gleichsam gezwungen wurden diese mehr oder minder sportlichen Kämpfe zu sponsern. Die Kampftage waren zugleich Festtage für das Publikum, die naturgemäß immer mehr danach gierten. Schließlich unterwarfen sich die Kaiser den Wünschen ihres Volkes und vergrößerten die Zahl der Kampftage, wie auch die Fassungsmöglichkeiten der Arenen. Als Zeuge dieser Entwicklung können wir bis heute das Kolosseum in Rom bewundern. Zweifellos kann diese riesige Sportstätte mit den heutigen Fußballstadien durchaus konkurrieren, zumindest in der Hinsicht, einem riesigen Ansturm von Schaulustigen Herr zu werden und dem Sport einen geeigneten Rahmen zu schaffen. Das waren die Vorläufer des heutigen Spitzensports (Morris, 1981, S.10-14).

Im 19. Jahrhundert wandelte sich die gesellschaftliche Einstellung zur eigenen Person. Das Leben wurde als kostbar und einzigartig wahrgenommen. Das veränderte auch die Sichtweise auf das Tier. Die Gründung von Tierschutzvereinen trug dazu bei, dass die Kämpfe mit Tieren ethisch nicht mehr vertretbar waren. Es entwickelten sich neue Sportarten und das Tier und der menschliche Gegner, den es zu vernichten galt, wurde durch einen Ball ersetzt. Die Menschen kämpften nicht mehr um Leben und Tod, sondern jagten unter Anderem dem runden Leder hinterher. Als tatsächliche Wiege des modernen Fußballs gilt Harrow in England. 1863 wurde dann die „Football Association“ gegründet und das Spiel bestimmten Regeln unterworfen (Morris, 1981 S. 10 - 14). Die Entwicklung in Österreich und Deutschland war allerdings unterschiedlich. In Deutschland entschied man sich in den Spitzenligen für einen reinen Amateurbetrieb. Als Vorlage für dieses Modell diente das „Gentleman Ideal“ des englischen Sports des späten 19. Jahrhunderts. Während bestimmte Sportarten, wie zum Beispiel Rudern, nur bestimmten gesellschaftlichen Schichten vorbehalten waren, wollte man das für den Fußball nicht. Der Fußballsport sollte für alle zugänglich sein (Pyta, 2004 S.93). Deutschland hielt viel länger am Amateurprinzip fest als der ÖFB in Österreich. Gründe dafür gab es einige. Zum einen wurde Sport generell in Deutschland als Gesundheitsvorsorge gesehen. Somit waren Bewegungsvereine von der Versicherungspflicht und von bestimmten Steuern, wie etwa der Vergnügungssteuer ausgenommen. Zum anderen gab es durch den gesundheitlichen Aspekt großzügige Förderungen von staatlicher Seite. So konnten „kommunale Flächen“, zu denen auch Sportplätze zählten, gegen eine geringe „Anerkennungsgebühr“ benutzt werden. Der Bau der Stadien wurde ebenfalls vom Staat finanziert. Als die großen Arenen fertig waren, wurde Fußball zu dem Massenphänomen wie man es heute kennt.

In Österreich wurde seit „1924“ professionell Fußball gespielt. Der Leistungsunterschied zwischen den Amateur - und Profiligen war enorm. So gewann Österreich gegen Deutschland im Jahre 1931 6:0 in Berlin und 5:0 in Wien. Trotz des deutlichen Qualitätsunterschieds hielten die Deutschen am Amateurfußball und dem sportlichen Grundsätzen, wie dem schon erwähnte „Gentleman Ideal“ fest. 1930 unternahm man den Versuch eine Profiliga zu etablieren, der jedoch an den Vorgaben des DFB scheiterte. Zwar bekamen viele der guten Spieler Geld, wenn sie für einen bestimmten Verein spielten, doch wurden bei der Entdeckung von Verstößen diese rigoros bestraft. „Erst im Mai 1972 gab der DFB den deutschen Fußballmarkt endgültig frei“ (Pyta, 2004S.96- 112). Nun eroberte Fußball endgültig Europa.

2.2 Faktoren des Siegeszug als beliebteste Sportart der Welt

„Fußball sei mehr als ein Spiel: So oder ähnlich war der Tenor zahlreicher Veröffentlichungen, die sich im Jahr der Weltmeisterschaft in Deutschland über die sportlichen Ereignisse hinaus mit dem Thema Fußball, seiner Geschichte und seiner Bedeutung als kulturelles Phänomen beschäftigten“(Bouvier, 2006 S.4).

Was ist das Besondere, das Schöne am Fußball? Worin bestehen die negativen Seiten dieses Sports? Im folgenden Kapitel wird dieser Frage erörtert.

Das letzte „Drittel des 19. Jahrhunderts begünstige die Ausbreitung des Fußballs. Die Industrialisierung schuf eine Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. „Die Zunahme der Freizeit „und das Faktum, dass die Menschen über eine gewisse Summe Geld verfügten, machte den Weg eben für den modernen Fußball. Die Arbeiter erkämpften sich freie Zeit am Wochenende. Diese freie Zeit wurde für Sport und für den Besuch sportbezogener Veranstaltungen genutzt. Dabei wurde neben dem sozialen Aspekt auch immer größere Summen Geld ausgegeben (Bouvier, 2006 S. 20- 21). Die im Kapitel 2.1 schon erwähnten staatlich geförderten Stadien machten den Weg frei für den weltumspannenden Erfolg.

Fußball kann jeder nachvollziehen und ein Spielfeld ist auch fast überall gegenwärtig. Es genügen im Prinzip zwei Taschen oder Pullover für ein Tor und ein Ball aus einem geeigneten Material. Diese geringen Ressourcen genügen, um Fußball zu spielen (Morris, 1981). Der Fußball ist auch nach Meinung von Morris (1981), Meuser und Klein (2008) Bühne für Politik und ein Spiegelbild von sozio-kulturellen Problemen. Man kann den Ausgang eines Spiels nicht voraus sagen. Der Kampf David gegen Goliath in der heutigen Zeit findet am Fußballplatz statt: Die Arbeiter schlagen die Akademiker, große Länder verlieren gegen Fußballzwerge…Die daraus resultierende Unvorhersehbarkeit des Spielausganges bildet zweifellos einen Grundpfeiler der hohen Faszination dieses Mannschaftssportes und macht den modernen Fußball zu einem Milliardengeschäft.

Die wenigen Ressourcen, die für ein Spiel benötigt werden, die Unvorhersehbarkeit, die Stimmung in den Stadien und der Fankult bilden zusammen die Grundlage für den weltumspannenden Erfolg dieser Sportart, der die Massen mitreißt und begeistert wie keine andere Sportart (Morris, 1981).

2.3 Fußball als Wirtschaftsfaktor

Fußball ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Das Milliardengeschäft und die unglaublichen Verdienstmöglichkeiten verbunden mit der Freude am Sport, begeistern auch junge Menschen, wie aus den unten angeführten Zahlen klar hervorgeht.
In Österreich wurden in der Bundesliga Saison 11/12 folgende Beträge pro Club erwirtschaftet beziehungsweise ausgegeben. Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb 1 Hausarbeiten plagiieren (2013)

Zusammengerechnet haben die Vereine im Jahr rund 156 Millionen Euro erwirtschaftet. Für Personal und vor allem für die Spieler werden im Jahr 92 Millionen Euro ausgegeben. Ungefähr siebzig Prozent vom gesamten Budget. Bei durchschnittlich 25 Spieler pro Mannschaft, kommt ein pro Kopf Einkommen von 3 Millionen Euro im Jahr zustande. Durch die ungleiche Verteilung des Einkommens verdienen Spitzenspieler mehr, beziehungsweise die jungen, unerfahrenen Spieler weniger, wie es meiner Praxiserfahrung entspricht. Dazu kommt der Personalaufwand für die Vereinsstruktur, wie zum Beispiel Management, Stadionsicherheit und so weiter, der auch entsprechend dotiert werden muss.

Fußball ist ein Milliardengeschäft, vielleicht nicht in Österreich, aber in anderen Ländern schon. Die Verdienstmöglichkeiten sind aber auch hier sehr attraktiv. Allerdings hat der weltumspannende Erfolg auch seine negativen Seiten, wie Best in seinem Buch „Der gekaufte Fußball“ beschreibt. So berichtet er, dass Spieler und Schiedsrichter bestochen und dann hohe Wetten auf die manipulierten Spiele gesetzt werden, wovon alle Fußballligen der ganzen Welt betroffen sind. Die oft mafiaartigen Strukturen sind schwer zu durchschauen. Die Anführer sitzen Großteils im asiatischen Raum und sind kaum zu fassen. (Best,2013).

Jeder Athlet beginnt aus dem Wunsch sich zu bewegen heraus mit einem Sport. Die Freude und der Ehrgeiz treiben ihn an besser zu werden. Irgendwann ist er so gut um mit Sport Geld zu verdienen, also Profispieler zu werden. Im nächsten Kapitel gehe ich näher drauf ein.

2.4 Der Spieler - Wichtige Motive Fußballspieler zu werden

Grundsätzlich kann man sagen, dass der Wunsch nach Befriedigung seiner Bedürfnisse den Lebensantrieb (Motivation) bedingt, den der Mensch von Natur aus mitbringt. (Draksal, 2004). Das Entstehen von Motivation hat mehrere Ursachen.

Wie im Kapitel 1.4 erwähnt, nimmt der Mensch mit den Sinnen des Leibes sich selbst und seine Umgebung wahr und ist mit anderen Menschen „Zwischenleiblich“, im Kontext, beziehungsweise im Kontinuum verbunden. Mit Hilfe seiner Sinne entdeckt der Mensch seine Bedürfnisse und versucht diese mit seiner Kompetenz durch Performanz zu realisieren (Jäckel, 2012 S 157). Persönliche Motive, also Bedürfnisse, die von innen entstehen, sind „eng verbunden mit der physiologischen, psychischen und geistigen Entwicklung und auch von den Umweltbedingungen“, also Sozialisation (Jäckel, 2012 S.146). Dazu kommen die Motive, die aus einer Situation entstehen. Durch die „Zwischenleiblichkeit“ wirken wir auf Lebewesen und unsere Umwelt und diese auf uns zurück. Anreize, die zum Beispiel von anderen Menschen ausgehen, können Aufforderungscharakter bekommen und zum Handlungsmotiv werden (Jäckel, 2012). Einen Beweis dafür liefert Kuhn. Wenn Familienmitglieder Sport betreiben und das Kind auch mit einbeziehen, dann wird das Kind durch Beobachtung eher in Zukunft Sport betreiben, als Kinder deren Familien kaum bis keinen Sport betreiben. Der Heranwachsende bekommt für seine sportliche Aktivität soziale Anerkennung und so wird er Sport allgemein positiv bewerten. (Kuhn, 2009 S.13-14). Entsteht durch Sozialisation beziehungsweise „Zwischenleiblichkeit“ eine positive Einstellung zum Sport, wie schon im Kapitel 3.7 erwähnt, dann kann ein Bedürfnis nach Bewegung entstehen, das entwickelt und verstärkt werden kann.

Die Grundlage um sich in einem Fußballverein sportlich beheimatet zu fühlen, besteht in einem grundsätzlichen Interesse für den Sport. Auch das wird von den Eltern an deren Kinder oder auch aus erweiterten Kreisen, wie etwa Freunde und Verwandte, vermittelt (Kuhn, 2009 S.17).

Das Zusammenspiel mit Anderen in einem Team um Ziele zu erreichen, hilft die persönlichen physischen und kognitiven Fähigkeiten zu verbessern, was bereits als ein grundlegendes, menschliches Bedürfnis referiert wurde.

Der Sport war und ist in manchen Ländern heute noch eine Chance der Armut zu entkommen. Die jungen Männer und Frauen haben dadurch die Chance auf Bildung und überdurchschnittlich viel Geld zu verdienen. So erinnert sich zum Beispiel Pele: „Unser Platz war die Straße, wo ich wohnte… und unsere Tore die beiden Enden der Straße…Unsere Seitenlinien waren dort, wo sich bei einer gepflasterten Straße vielleicht der Randstein befunden hätte“ (Morris. 1981 S.114). Die „Volkshelden“ im Sport entstammten in den früheren Zeiten eher aus der Oberschicht (Morris, 1981 S. 114). Da jedoch der Fußballsport als eine klassenübergreifende Idee verstanden wird, kommen viele der Spitzenspieler eher aus der Arbeiterklasse oder auch aus sehr ärmlichen Verhältnissen, siehe Kapitel 2.1. Gerade Fußball bietet die Möglichkeit auch in unteren Ligen Geld zu verdienen. Schon mit knappen 20 Jahren können junge Ausnahmetalente, jedoch schon Millionen in den Spitzenligen verdienen (Best, 2013).

Die wichtigsten Motive für die Profilaufbahn im Überblick:

- Geld
- Bewegung
- soziale Anerkennung und Kontakte
- kognitive Fähigkeiten verbessern
- Interesse

2.5 Der Spieler - Der Leib Aspekt im Sport

Fußball wird zwar im Team gespielt, aber der einzelne Spieler ist auch als individueller Athlet zu betrachten. Der Spieler hat eigenen Interessen im Team, die er mehr oder weniger hartnäckig verfolgt. Daher erweist sich die Unterscheidung von Individuum und Team als ein sehr wichtiger Aspekt bei der Betreuung (Baumann, 2008).

Der Mensch ist ein Produkt der Evolution (Petzold et al., 2004 S.12). In der integrativen Therapie, aus der ja auch die integrative Supervision entstand, siehe Kapitel 1.3, steht der Leib im ständigen, persönlichen Austausch mit seiner Umwelt. Als Mensch hatte er in der Vergangenheit viele „Lernprozesse“ zu durchlaufen und übte in verschiedensten Klimazonen sich anzupassen und zu überleben (Petzold et. al., 2004 S.12). Der Mensch entwickelte Überlebensstrategien und erlernte dabei die Jagd. Aus dieser Tradition des gemeinsamen Jagens entstand der Sport, wie im Kapitel 3.1 erwähnt. Auch der Organismus ist lernfähig. Durch „Polyloge“ der verschiedenen Bereiche im Gehirn, bei neuen Eindrücken, wie zum Beispiel bei neuen Geschmackserlebnissen, lernt der gesamte Mensch, also Körper- Seele und Geist. Petzold bezeichnet das den „informierten Leib“ (Petzold et. al., 2004 S.18).

Im Sport ist es wichtig als „Leibsubjekt“ positive Erfahrungen mit Sport gemacht zu haben. Wird die körperliche Betätigung als negativ erfahren, dann wird Bewegung vermieden. Die positiven leiblichen Erlebnisse, die am Sportfeld oder auch vor dem Fernseher erfahren werden, lassen mentale, positive Bilder in uns entstehen, die uns dazu bewegen können, Sport auszuprobieren. Findet man Gefallen daran, dann versucht man, vor allem in der Jugend, seinen Vorbildern nachzueifern, beziehungsweise den Sport als Beruf in Erwägung zu ziehen (Kuhn, 2009).

Machen die Eltern Sport, dann kommt ihnen eine wichtige Rolle bei der Sportsozialisation ihrer Kinder zu, weil körperliche Erziehung und Entwicklung stark auf der Schiene von Nachahmung wirksam wird. Durch die Bewegung in der Kindheit werden muskuläre Grundlagen im Körper geschaffen, die für die spätere sportliche Betätigung wichtig sind (Eichwalder, 2013). Daraus folgt, dass ein späteres ernstes Training leichter fällt.

Das biologische System Mensch, bestehend aus Muskeln, Blut und inneren Organen ist sehr anpassungsfähig. Für eine optimale körperliche Entwicklung wäre es wichtig zu verstehen, was Training im Körper bewirkt. Welche Übungen eingesetzt werden müssten, um bestimmte Trainingsziele zu erreichen und welche vermieden werden sollten. In dieser Hinsicht werden heute die Forschungsergebnisse der Trainingswissenschaften schon sehr erfolgreich umgesetzt. (Draksal, 2004 S.15) Eine gute körperliche Verfassung ist eine Vorrausetzung für Selbstvertrauen und Motivation (Baumann, 2002 S. 160). Wie im vorigen Absatz erwähnt, wird die Grundlage für Freude an der Bewegung bereits in der Kindheit gelegt (Eichwalder, 2013).

Aber eben nicht nur die Muskeln und Organe sind wichtig, weil der Mensch eine Ganzheit ist, bestehend aus Körper, Seele und Geist.

Morris erläutert dazu: „Der Stammesheld, der zu Beginn des Spieles den Rasen betritt, trägt sein Können, seine Erfahrung und seine Fitness in sich. Sein Können macht ihn zu einem Ballartisten; seine Erfahrung liefert ihm sein Verständnis für Strategie und Taktik; und seine Fitness gibt ihm den Körper eines Athleten. Doch das sind erst die drei, der vier Mauern, auf denen er seine Darbietung aufbauen muss. Die vierte, vielleicht wichtigste von allen, ist seine Stimmung - seine geistige Verfassung“ (Morris, 1981 S.124). Die geistige Komponente spielt im Sport eine wichtige Rolle. Das wurde schon 1981 explizit festgestellt und wahrscheinlich auch schon sehr viel früher erkannt.

Trotzdem wird die Förderung der geistigen Verfassung, meiner Meinung nach vernachlässigt. Supervision ist im österreichischen Sport nach meiner Erfahrung und Recherche kaum präsent. Einen Grund dafür liefert Morris nach: „Die Fußball- Stammesangehörigen sind von Natur aus konservativ und betrachten alle neumodischen wissenschaftlichen Ideen mit Misstrauen. Die Fußballsaison ist derartig mit Terminen vollgestopft, dass zum Experimentieren einfach keine Zeit bleibt – um neue Methoden auszuprobieren und neue Theorien zu testen (Morris, 1981 S.125)“.

Obwohl die Wichtigkeit des geistigen Zustandes des Sportlers seit 1981 wissenschaftlich dokumentiert ist, wird der Fußballspieler geistig kaum trainiert. Mentaltraining und Psychohygiene werden kaum berücksichtigt.

2.6 Herausforderungen auf dem Weg zum Profisportler

Auf dem Weg zum Spitzensportler läuft bei den wenigsten alles nach Plan und viele scheitern auf dem Weg zur Spitze (Draksal, 2004). Da der Mensch aus Körper und Geist besteht, wie bereits im Kapitel der „Leib Aspekt im Sport“ erwähnt, gibt es auch zwei Möglichkeiten des Scheiterns.

Zu den physischen Herausforderungen zählen die Verletzungen. Um diese zu vermeiden, ist das richtige Training Voraussetzung. Bedeutsam ist dabei die Balance zwischen Anstrengung und Erholungsphasen. Der Sportler muss seinen Körper gut kennen und erspüren was er für den Erfolg braucht (Draksal, 2004 S.15). Wie schon im Kapitel 3.4 ausgeführt wurde, muss der Spieler spüren lernen, welche Reize sein Körper braucht, um eine optimale Leistungssteigerung zu erreichen, das heißt dass er sich selbst bewusst sein muss.

Auch psychische Faktoren des Scheiterns sind mögliche Hindernisse. Faktoren wie Familie, Milieu, Freundeskreis, Lebensraum und Zugang zu Sportplätzen bilden einen sehr wesentlichen Anteil bei der Sportsozialisation (Eichwalder, 2013).

Die persönliche Reaktion auf Erfolg und Misserfolg enthalten weitere wichtige Lernprozesse für einen Heranwachsenden (Eichwalder, 2013). Erfolg im Sport ist beeinflussbar durch Training (Baumann, 2008). Es gibt aber auch nicht beeinflussbare Faktoren, wie zum Beispiel die Schiedsrichterleistung, Pfostentreffer, Ausschlüsse von Mit- und Gegenspielern und Verletzungen (Dietl, Hasan, Korthals, 2005). Den konstruktiven Umgang mit Misserfolgen („Pech“) sollte der angehende Profi auch in seiner Familie lernen. Wenn die Familie in dieser Hinsicht als Stütze versagt, wie soll dann ein Spieler die Bewältigung der Frustration erlernen (Eichwalder, 2013)?

Das Begleiten einer Karriere wäre ein möglicher Tätigkeitsbereich für die Supervision.

Es ist auch wichtig den richtigen Verein zu wählen. Dazu ein kurzer Auszug aus der Karriere von Grubeck Valentin. Er wurde von Club Austria Wien beim Linzer Athletik Club entdeckt und nach Wien geholt. Durch einen Zufall wurde er von Rapid Wien Fans verprügelt. Dadurch wurde er auch in den Medien bekannt und so kam es zum Interview mit der Onlinezeitung Sportnet. Der Club Austria Wien schickte Herrn Grubeck zu Horn in die 2. Bundesliga und dort passte er gar nicht in die Mannschaft. Durch fehlende Angebote, trotz erfolgreicher U 20 WM, drohte das „Karriereaus“ (Zerche, 2015)!

Faktoren für den Misserfolg waren:

- Schock nachdem ihm der Club Austria Wien an Horn weitergab
- Keine Angebote nach erfolgreicher U20 WM
- Überlegungen aufzuhören

Die Entscheidung des Vereins ihn abzugeben, hätte ihm fast die Karriere gekostet.

Zum Glück hatte er genügend Talent, innere Stärke und hoffentlich auch Unterstützung, dass er die schwere Zeit überstand. Ein Angebot zu einem Probetraining bei Austria Salzburg nahm er an, wo er mit sechzehn weiteren Spielern um seinen Platz im Team kämpfen musste. Mit Selbstvertrauen, Talent und Willen hat er es geschafft. Nun spielt Herr Grubeck bei Austria Salzburg ebenfalls in der zweiten Bundesliga. Dort harmoniert er sehr gut mit dem Team und genießt das Vertrauen vom Trainer. Er schießt nun auch wieder regelmäßig Tore. Jetzt sind sogar Angebote aus der zweiten deutschen Bundesliga eingetroffen. Das wäre ein bedeutender Sprung für so einen jungen Spieler (Zerche, 2015).

Die Faktoren für den Erfolg sind:

- Mut sich mit anderen zu messen
- Nie aufgeben
- Vertrauen vom Trainer
- Anpassungsfähigkeit im Team
- Vertrauen in das eigene Können (Tore)

An diesem Beispiel ist zu erkennen, wie wichtig die Auswahl des richtigen Vereins ist. Der falsche Verein kann auch in eine Karrieresackgasse führen. Der Club Austria Wien ist im Jugendfußball grundsätzlich eine gute Adresse. Herr Grubeck war zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Daraus kann man schließen, dass auch Glück eine Rolle spielt.

Glück kann man zwingen, meint Herr Grubeck. Es muss einem jungen Spieler klar sein, dass zwei Stunden Training zu wenig sind. Fußball wäre ein harter 24 Stunden Job, so Grubeck (Zerche, 2015). Klarheit darüber zu gewinnen, was es bedeutet ein Profispieler zu werden, ist ein wichtiger Schritt in die Professionalität. Manche Spieler erkennen das nicht rechtzeitig. Auch das wäre ein Bereich wo Beratung helfen kann.

Das passende Team, worin man seine Fähigkeiten voll entfalten kann, ein Trainer der einem Spieler Vertrauen schenkt und ein Verein als positives Umfeld, sind für den Verlauf einer Karriere entscheidend.

2.7 Die Wichtigkeit der Eltern bei einer erfolgreichen Karriere

Manche Spieler hatten Vorbilder aus der engeren Familie. Väter oder Verwandte, die selbst Profi waren, leiten ihre eigenen Kinder auch oft an, den Weg in den professionellen Sport zu suchen. Auch fanatische Fans, die selbst an einer professionellen Karriere gescheitert sind, sind versucht die eigenen Kinder dazu zu bringen im Spitzensport Fuß zu fassen. Ein weiterer wichtiger Motivationsfaktor ist die Freude an der Bewegung, die nicht unterschätzt werden darf. (Morris. 1981 S.116-118). Die Eltern sind nicht nur verantwortlich für die sportliche Sozialisation, sondern auch Geldgeber und „Taxi“ zu den Sportstätten (Eichwalder, 2013).

„Die breite Mehrheit der Stammeshelden war daher von frühester Jugend an tief in die Welt des Fußballs verstrickt, und Erfolg in dieser Welt war der ewige Traum und die Phantasievorstellung der Jugend“ (Morris 1981). Der Traum einer mit viel Geld honorierten Karriere im Fußball treibt vor allem Spieler in Entwicklungsländern an.

2.8 Funktionäre im Verein:

Aus dem folgenden Organigramm, vom SV Grimmenstein zur Verfügung gestellt, ist ersichtlich, wie ein Fußballverein strukturiert ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://vereine.fussballoesterreich.at/Grimmenstein/Verein/

Diese Personen kümmern sich um die Bedürfnisse der Mannschaften, dokumentieren das Vereinsgeschehen und erhalten den Betrieb aufrecht. Aus dieser Grafik ist nicht ersichtlich, welche Tätigkeiten sich mit den Aufgaben eines Supervisors überlappen. Die Repräsentation, wie es die Aufgabe eines Präsidenten ist, das Verrechnungswesen und andere geschäftliche und sportliche Entscheidungen fallen aus dem Tätigkeitsfeld des Supervisors heraus, wie aus Kapiteln 1.1 bis 1.5 hervorgeht. Diese Angelegenheiten gehören eindeutig zu den Aufgabegebieten der in der Grafik genannten Personen.

Doch könnte die Beratung der Entscheidungsträger im Verein durchaus ein Feld für Supervision, beziehungsweise Organisationsentwicklung bilden.

2.9 Zusammenfassung

Fußball ist für alle gesellschaftlichen Schichten erfunden worden. Diesen Gedanken verfolgen Fußballvereine bis heute. Die Förderung von Stadien, die unglaublichen Verdienstmöglichkeiten, weltweit gültige Regeln, Emotionen und Begeisterung führten zum weltumspannenden Erfolg. Durch die vielen Talente in diesem Sport ist der Weg zu den wenigen gut bezahlten Arbeitsplätzen sehr hart. Der Spieler muss schon früh erkennen, dass Fußball ein 24 - Stunden Job ist. Je besser ein Spieler seinen Körper und Geist in Einklang bringen kann, desto erfolgreicher wird er trainieren, beziehungsweise spielen können. Die Unterstützung junger Spieler durch die Familie in jeder Karrierelage ist ein wichtiger Faktor. Als eine weitere entscheidende Größe für einen positiven Karriereverlauf, erweist sich die Auswahl des passenden Vereins.

Für gute Berater, die die Möglichkeit zur Reflexion bieten, gäbe es hier viele Betätigungsfelder. Man kann sowohl ein Team beraten oder den einzelnen Spieler. Supervision kann beides leisten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 176 Seiten

Details

Titel
Entwicklung eines Supervisionsformats im Feld des professionellen Fußballsports
Hochschule
Donau-Universität Krems - Universität für Weiterbildung  (Department für Medizin, Gesundheit und Soziales)
Veranstaltung
Supervision und Coaching
Note
Gut
Autor
Jahr
2016
Seiten
176
Katalognummer
V321473
ISBN (eBook)
9783668209817
ISBN (Buch)
9783668209824
Dateigröße
984 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fußball, Supervision, Sport, Verein, Organisationsentwicklung, Geschichte der Supervision, Geschichte des Fußballs
Arbeit zitieren
Markus Holub (Autor), 2016, Entwicklung eines Supervisionsformats im Feld des professionellen Fußballsports, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321473

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