Der vertonte Liebeszyklus "Frauenliebe und -leben op. 42" von Robert Schumann


Hausarbeit, 2016

24 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Umstände der Entstehung von Frauenliebe und-leben

3 Schumanns Bezug zum Gedichtszyklus

4 Liederzyklus Frauenliebe und-leben
4.1 Aufbau
4.2 Werkanalyse
4.2.1 I. Seit ich ihn gesehen
4.2.2 VIII. Nun hast du mir den ersten Schmerz getan

5 Fazit

6 Quellen

1 Einleitung

Robert Schumanns Leben ist geprägt von vielen Schicksalsschlägen und schwierigen Zeiten. So war es unter anderem der frühe Tod des Vaters - Robert war gerade 16 Jahre alt - sowie auch die frühen Tode zwei seiner Brüder (Julius 1833, Eduard 1839), die Schumann in Trauer versetzten. Auch der frühe Tod Robert Schumanns im Alter von 46 Jahren änderte nichts daran, dass er dennoch all seine Geschwister überlebte. Der dritte Bruder Carl starb 1849, Schumanns Schwester Emelie litt an Depressionen und beging 1825 - ein Jahr vor dem Tod des Vaters - im Alter von 29 Jahren Selbstmord.1 Gleichzeitig durchlebte Schumann jedoch auch Zeiten höchster Glückseligkeit und Zufriedenheit als er beispielsweise seine Geliebte Clara Wieck nach jahrelangem Kampf und Bemühen endlich zur Frau nehmen durfte. Am Ende waren es womöglich gerade diese starken Gegensätze, die zu seinen gesundheitlichen Problemen und seinem frühen Tod führten.2

Die vorliegende Arbeit möchte sich tiefgehend mit dem von Robert Schumann vertonten Liederzyklus Frauenliebe und -leben op. 42 beschäftigen. Um diesen besser verstehen zu können, soll ein besonderer Wert auf die Entstehungsgeschichte gelegt werden. Da der Zyklus unmittelbar nach dem gerichtlichen Beschluss zum Einverständnis der Heirat entstand3, soll auf die für Robert Schumann unvorstellbar schwere Zeit vor der Entstehung des Liederzyklus eingegangen werden. Die jahrelange Auseinandersetzung zwischen Schumann und seinem ehemaligen Lehrer Friedrich Wieck, dessen Tochter er heiraten wollte, wird in diesem Zusammenhang beleuchtet.

Anschließend sollen Bezüge Schumanns zu Adelbert Chamissos Gedichtszyklus, der die Textgrundlage zu Schumanns Liederzyklus bildet, hergestellt werden. Dabei sollen Schumanns Ehe mit Clara Schumann und ihr gegenseitiger Umgang miteinander betrachtet werden. Daraufhin wird der Liederzyklus in seinem äußeren Aufbau vorgestellt, ehe zwei Stücke - das erste Lied „Seit ich ihn gesehen“ und das achte Lied „Nun hast du mir den ersten Schmerz getan“ - aus dem Zyklus analysiert werden sollen. Da es den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde, soll das Klaviernachspiel aus dem achten Lied unberücksichtigt bleiben.

2 Umstände der Entstehung von Frauenliebe und-leben

„Wenn wir einmal am Altar stehen, dann glaub‘ ich, ist ein Ja noch nie mit solcher Überzeugung, mit solchem festen Glauben an eine glückliche Zukunft ausgesprochen worden.“4

Um die wahre Tiefe dieser Worte Schumanns und die damit verbundenen Auswirkungen auf seinen Schaffensprozess zu verstehen, muss man sich die Zeit vor der Ehe bis zur Eheschließung genauer ansehen.

Robert findet bereits früh Gefallen an Clara. In den zwei Jahren, in denen er bei den Wiecks lebt, lernen sich die beiden kennen. Nach den Übungsstunden spielen sie regelmäßig miteinander oder machen lange gemeinsame Spaziergänge. Das allmählich immer intensivere Interesse der beiden füreinander bleibt dem Blick des strengen Vaters jedoch nicht verborgen. Friedrich Wieck tut alles daran, die Liebe der beiden füreinander zu verhindern: er schickt Clara fort nach Dresden, verbietet jede Begegnung, jeden Briefkontakt. Clara ist fortwährend auf Konzertreisen und wird von ihrem Vater bewacht, sobald sie wieder in Leipzig ist. Wieck bricht jeden Kontakt zu Schumann ab - er besucht den Kaffeebaum nicht mehr, den Treffpunkt, an dem sich die Davidsbündler regelmäßig treffen, um über Artikel für die neue Zeitschrift für Musik zu diskutieren. Desweiteren versagt Wieck jegliche weitere Mitarbeit für die neue Zeitschrift für Musik. Er nutzt Verleumdungen und Beleidigungen, um Schumann zu verunsichern und versucht, Clara davon zu überzeugen, dass ihr Leben mit Schumann keine Zukunft habe und dass sie als seine Ehefrau gezwungen sein werde, in Armut zu leben.5 Ohne eine Nachricht von Clara weiß Schumann nicht, woran er glauben kann. Er schwankt zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit und das beeinträchtigt auch seinen Gesundheitszustand. Clara wiederum stand unter dem Einfluss des übermächtigen Vaters, der ihr die Anweisung gab, sie solle Schumanns Briefe zurücksenden. Außerdem verlangt er von ihr, einen Brief an Schumann zu schicken, den der Vater ihr diktierte. Sie beugt sich dem Willen des Vaters und schreibt den Brief.

„Die dunkelste Zeit, wo ich gar nichts mehr von Dir wußte und Dich mit Gewalt vergessen wollte, war - ungefähr vor einem Jahr. Wir müssen um jene Zeit uns fremd gewesen sein. Ich hatte resigniert. Aber dann brach der alte Schmerz wieder auf - dann rang ich die Hände - da sagte ich oft des Nachts zu Gott: Änur das eine laß geduldig vorübergehen, ohne daß ich wahnsinnig werde“. Ich dachte einmal

Deine Verlobung in den Zeitungen zu finden - da zog es mich am Nacken zu Boden, daß ich laut schrie.“6

Für Schumann ist das ein harter Schlag und er spürt seine Einsamkeit in Leipzig in voller Gänze. Durch die Streitigkeiten zwischen Schumann und Wieck sind die Davidsbündler nicht mehr geeint wie früher und er fühlt sich ihnen zunehmend fremd. Ludwig Schunke, einer der besten Freunde Schumanns, stirbt an Tuberkulose. Schumann sucht Trost und arbeitet intensiv an der neuen Zeitschrift für Musik. Er zieht sich zurück und verbringt viel Zeit am Klavier. Er entdeckt das Improvisieren wieder für sich und schafft es dabei, die Welt um sich herum zu vergessen und findet so Erholung. Mit der Zeit gelingt es Schumann gelegentlich wieder, seinen Schmerz zu überwinden und zu komponieren. Auch verbringt er seine Freizeit wieder häufiger unter Gleichgesinnten. So unterhält er sich gern mit Frédéric Chopin und Felix Mendelssohn Bartholdy. Man muss sich hierbei stets bewusst machen, dass die von Anfang an komplizierte Beziehung zwischen Schumann und Clara über lange Zeit eine Fernbeziehung ist und selbst diese Beschreibung stellt bereits eine Schwierigkeit dar, da sich eine wirkliche Beziehung kaum entfalten kann. Die permanenten Versuche Wiecks, Schumann und Clara voneinander fernzuhalten, verhindern eine Beziehung weitestgehend. Als eine gefeierte Pianistin und mittlerweile erwachsene Frau hatte Clara sicherlich einige Verehrer, doch aller Schwierigkeiten und Probleme zum Trotz bleiben die beiden sich treu und haben nur Augen füreinander.7

Am 13. August 1837 kommt der lang ersehnte Moment der beiden, an dem sie sich wieder sehen. Clara ist zurück in Leipzig und spielt ein Konzert im Gewandhaus - im Programm unter anderem auch vier von den Symphonischen Etüden Schumanns.

„Welch ein Wiedersehen! Clara oben am Flügel, bejubelt und gefeiert; und Schumann unten im Saal: beide getrennt durch die Menge und das anonyme Zeremoniell eines Konzerts, aber vereint durch den Bund ihrer genialen Naturen, ihrer langen Wartezeit, ihrer stummen Liebe.“8

Die Freude des Wiedersehens ist auf beiden Seiten groß, voller Zärtlichkeit und tiefer Liebe. Schumann beschließt daraufhin, ein klärendes Gespräch mit Wieck führen zu wollen, was jedoch zur Katastrophe werden soll. Wieck ist wenig verständnisvoll, dafür aufgebracht und widerspricht sich immerzu. Die Zusammenkunft endet schließlich so, dass Schumann erneut zu zweifeln beginnt. Abermals bestimmen Kummer und sorgenvolle Gedanken seinen Alltag.9

„am 5. October 1837 . Gestern hingeträumt eine Stunde nach der andern. Raffe dich auf! […]

Am 6ten. Welch fürchterlicher Tag gestern wieder. Bis zur Pein mich selbst gequält mit fürchterlichen Gedanken. Später that sich der Himel auf, da ward’s etwas ruhiger. […] Nachmittags vergebens zum Arbeiten angestrengt […] ich ziemlich stark getrunken.

Am 7ten. Gestern wieder fürchterliche Gemüthszustände. So zerstreut u. zerstört. Warum denn das? Des Alten [Wieck] rohes Benehmen wurmt so. Nichts ordentliches gearbeitet. […] Böse, böse Nacht mit blutigen Gedanken. Heute Morgen ist’s wieder gut.“

Am 9ten. […] Im Ganzen krankhafter Zustand - kein gesunder Schlaf - böse Träume - Erkältung des Armes - das Alles ist aber nichts gegen deinen Blick gestern Abend.

Am 10ten. ‚Ich vertraue dir - lebe wohl, lebe wohl‘ Das waren deine letzten Worte, Clara; dein Engel schütze dich - u. mich. Aber es geschieht heute etwas, dem ich nicht gewachsen bin.“10

Obwohl sie sich wieder gesehen haben, kann Schumann den Moment nicht so recht genießen, ist er doch wieder hin- und hergerissen. Clara geht anschließend auf Konzertreisen und die beiden sind erneut getrennt. Jedoch schafft sie es diesmal, heimlich Briefe an Schumann zu schreiben. Dieser aufkeimende und lange währende Briefwechsel gibt den beiden wieder Kraft. Schumann komponiert wieder und die Musik sei ihm „ununterbochen zugeströmt“11, unter anderem die Kinderszenen op. 15 komponiert er zu der Zeit.

Als Clara 1838 nach Leipzig zurückkehrt, beschließen sie und Schumann noch im Jahre 1840 zu heiraten, wenn nötig auch mit juristischer Hilfe. Als Wieck von dem Wunsch erfährt, behauptet er, nachgeben zu wollen unter der Bedingung, dass Schumann über ein ausreichend hohes Einkommen verfügt, Leipzig verlässt und die neue Zeitschrift für Musik nach Wien verlegt. Schumann sieht eine Chance auf Versöhnung und folgt Wiecks Forderungen. Er lässt seinen Freundeskreis in Leipzig und Clara zurück und geht nach Wien. Wieder bedeutet die Trennung von Clara Höllenqualen für ihn. Wieder durchlebt er die schlimmsten Alpträume in den Nächten und wieder hindern ihn die Sorgen am Arbeiten. In Wien findet Schumann nicht seinen Platz - der Neuankömmling wird nicht geduldet - und so verlässt er Wien wieder. Wieck, der noch immer zwischen Clara und Schumann steht, ändert nun seine Taktik und anstatt Clara mit aller Strenge und Kaltherzigkeit von Schumann abzubringen, versucht er es mit einem liebvollen Appell an ihre Vernuft. Clara gibt nach und bittet Schumann um den Aufschub des gemeinsam beschlossenen gerichtlichen Schritts. Dies trifft Schumann in voller Härte. War Clara doch bis zu diesem Moment immer auf seiner Seite und haben sich die beiden bisher stets gemeinsam gegen Wieck zur Wehr gesetzt, hat dieser es nun doch geschafft, Claras Herz zu erweichen. Monat für Monat, Jahr für Jahr musste Schumann die Verleumdungen und Vorwürfe Wiecks ertragen und diesmal ist es Clara selbst, die Wieck unterstützt. Zum ersten Mal hatte Schumanns bedingungsloses Vertrauen in Clara einen Kratzer erhalten.12

„Am meisten hatte mich Dein zweiter Brief verletzt - liesest Du ihn einmal später, Du wirst nicht glauben, daß Du ihn geschrieben. […] Eine Warnung sei Dir das, meine liebe Klara, daß Du immer in der Zukunft recht schonend mit mir umgehen mögest - es kommt so viel auf die Form an, in der man etwas auspricht - Du hättest mir dasselbe sagen können, wenn Du die Worte ruhiger und besonnener gewählt hättest - so aber tatest Du es in der höchsten Aufregung, ganz plötzlich, ohne daß ich etwas ahnte, in so kurzer und entschiedener Weise, daß ich an Deinem Innern zweifelte, ob es sich nicht umgewandelt habe.“13

Der letzte Versuch Schumanns zur Besänftigung von Claras Vater wird von diesem verneint, da er nichts mit Schumann zu tun haben wolle. Clara sieht daraufhin ein, dass eine Versöhnung mit ihrem Vater nicht möglich sei und ersucht daraufhin gerichtliche Hilfe bei der Eheschließung. Den von Wieck verweigerten Segen holt sich das Liebespaar von der bereits seit langer Zeit von Wieck getrennten Mutter Claras.14

Claras Vater versucht mehr denn je, die beiden auseinanderzubringen. Er stellt absurd hohe finanzielle Ansprüche und beginnt einen Prozess. Während diesem beleidigt er Schumann so sehr, dass der Richter ihm wiederholt das Wort entziehen muss. Wieck zweifelt an Schummans Geisteszustand und bezeichnet ihn als Alkoholiker. Der wiederum hat die Geduld hinsichtlich Wiecks Verhalten mittlerweile verloren und verklagt diesen aufgrund von übler Nachrede. Bei einer späteren Gerichtsverhandlung schafft es Schumann mithilfe von anderen Sprechern, unter anderem Felix Mendelssohn Bartholdy, die Verleumdungen Wiecks zurückzuweisen. Der wiederum wird wegen des haltlosen Vorwurfs der Trunkenheit zu 18 Tagen Gefängnis verurteilt.15 So kommt es, dass Clara und Schumann am 12. September 1840 in Schönefeld nahe Leipzig heiraten.16 Damit hat der jahrelange Leidensweg ein Ende gefunden und Schumann ist außer sich vor Freude, was er in einer kurzen Notiz in einem der Haushaltsbücher durch die Worte „Juchhe! Victoria!“17 ausdrückt. Am 11. August notierte Schumann „Glücklichster Tag u. Ende des Kampfes“18 und bezieht sich damit auf das Urteil zur Eheschließung, das an jenem Tag rechtskräftig wurde.19 Man muss sich dabei bewusst machen, dass Robert Schumann keinen Eintrag in sein Tagebuch vornahm, sondern lediglich eine kurze Randnotiz in sein Haushaltsbuch schrieb. Der Gewinn des Prozesses, der für Schumann das Ende einer jahrelang andauernden innerern Unruhe bedeutet, ist für ihn eine so enorme Erleichterung, dass er sogar mit der in ihm so tief verwurzelten Gewohnheit bricht, all seine Gedanken ausführlich und eloquent auf Papier zu bringen - eine kurze Notiz in seinem Haushaltsbuch, mehr bringt er in seiner Euphorie nicht zu Stande. Nach einem aussichtslos scheinenden Kampf fallen seelische Anspannung und lang anhaltende Niedergeschlagenheit von ihm ab. Ein musikalischer Schaffensprozess von ungeheurem Ausmaß, sein sogenanntes Liederjahr, beginnt und er komponiert allein im Jahr 1840 über 130 Lieder - unter anderem den Liederzyklus Frauenliebe und -leben op. 42. Nach all der Hoffnungslosigkeit und dem Wechselbad der Gefühle hat Schumann sein Ziel erreicht und heiratet seine Geliebte Clara.20

3 Schumanns Bezug zum Gedichtszyklus

Adelbert von Chamisso schrieb seinen Gedichtszyklus Frauenliebe und -leben, bestehend aus neun Gedichten von Ende 1829 bis Januar 1830. Veröffentlicht wurde dieser im August 1830 im Musenalmanach für das Jahr 1831. Der Gedichtszyklus fand zur damaligen Zeit große Beachtung und wurde oft vertont. So zum Beispiel von Franz Kugler, als einer der ersten, der den vollständigen Gedichtszyklus in Musik umsetzte. Carl Loewe vertonte den Zyklus 1836, der Berliner Komponist Julius Stern hatte ebenfalls die Absicht, den Zyklus zu vertonen.21 Aufgrund der hohen Popularität zu der Zeit kann vermutet werden, dass der Gedichtszyklus für Schumann zu dem Zeitpunkt der Vertonung kein unbekannter Text war. Dazu kommt der Fakt, dass Schumann und Chamisso die Gelegenheit hatten, sich im August 1837 einmal persönlich kennenzulernen, als der Dichter ein Jahr vor seinem Tod nach Leipzig reiste.22

Am 11. Juli entstanden Entwürfe zu den ersten fünf Liedern aus Schumanns Frauenliebe und -leben.23 Am 12. Juli skizzierte Schumann die restlichen drei Lieder, wie aus den Haushaltsbüchern hervorgeht.24 Ausgearbeitet hatte Schumann die Stücke wahrscheinlich Anfang August 1840.25 Sowohl die ersten Entwürfe als auch die Ausarbeitungen erfolgten in „nach eigenen Worten der glücklichsten Zeit seines Lebens“.26

Beim Vergleich der Protagonistin im Gedicht mit Clara Schumann wird schnell klar, dass die charakterstarke, durchsetzungsfähige und erfolgreiche Klaviervirtuosin Clara nicht mit dem Frauenbild aus Chamissos Gedichtszyklus gleichgesetzt werden kann. So gelang es Clara unter anderem, als ihr Vater ihr bei einem Konzert in Paris seine Unterstützung verweigerte, dennoch das Konzert zu spielen.

„Sie mietet den Saal, stellt die Programme auf, läßt sie drucken und kümmert sich um die Eintrittskarten. Es gab damals noch keine Konzertagenturen, so daß Clara neben ihrem Pianistenberuf auch noch die vielfachen Obliegenheiten Wiecks besorgen mußte. Das alles erledigt sie tüchtig und tapfer und wirft damit die vorschnellen Berechnungen ihres Vaters über den Haufen.“27

„Selbstverständlich kannte Schumann Claras eigenständiges Wesen, ihre klare Zukunftsperspektive, ihre Willensstärke, die Kraft der Durchsetzung und ihre Maximen.“28

„Schon früh registrierte Schumann Claras ungeheure Energie und Willensstärke[…]“29

So kann man vermuten, dass es Schumann bei der Vertonung eher um seinen eigenen Wunsch ging, um die Vereinigung mit seiner Geliebten. Man kann annehmen, dass es seine eigenen hochromantischen Gefühle sind, seine überschwängliche Freude, die er vertont, jedoch aus Sicht der weiblichen Protagonistin in dem Gedicht. Nach dem jahrelangen und aussichtslos scheinenden Kampf kann er seine Geliebte Clara heiraten. Der Abfall der ungeheuren Last löste in Schumann höchstwahrscheinlich eine Flut an Glücksgefühlen aus. Er selbst schrieb:

„So bin ich nun […] ein sehr elastischer Charakter, der sich leicht niederdrücken lässt, aber auch schnell wieder in die Höhe geht. Und so ist es ja oft mit den Künstlern.“30

[...]


1 Vgl. Edler, Arnfried: Robert Schumann. Hrsg. von Finscher, Ludwig: Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Personenteil 15: Schoo-Stran. 2., neubearb. Ausg. Kassel [u.a.] 2006, S. 257.

2 Vgl. Edler 2006, S. 257-279.

3 Vgl. Kap. 2.

4 Boucourechliev, André: Robert Schumann. In Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Hamburg 1958, S. 82.

5 Vgl. Ebd., S. 51-62.

6 Boucourechliev 1958, S. 62.

7 Die Beziehung mit Ernestine von Fricken hatte Schumann zu diesem Zeitpunkt bereits beendet.

8 Ebd., S. 68.

9 Vgl. Ebd.

10 Schumann, Robert: Tagebücher, Band II: 1836-1854. Hrsg. von Nauhaus, Gerd. Leipzig 1987, S. 36-38.

11 Boucourechliev 1985, S. 73.

12 Vgl. Boucourechliev 1985, S. 76-78.

13 Schumann, Robert: Schumanns Briefe. In Auswahl. Hrsg. von Storck, Karl. Stuttgart 1906, S. 155-156.

14 Vgl. Boucourechliev 1985, S. 76-81.

15 Vgl. Ebd., S. 81-82.

16 Vgl. Joß, Viktor: Der Musikpädagoge Friedrich Wieck und seine Familie. Mit besonderer Berücksichtigung seines Schwiegersohnes Robert Schumann. Dresden 1902, S. 60-61.

17 Schumann, Robert: Tagebücher, Band III: Haushaltsbücher Teil 1, 1837-1847. Hrsg. von Nauhaus, Gerd. Leipzig 1982, S. 155.

18 Nauhaus 1982, S. 158.

19 Vgl. Ozawa, Kazuko: Frauenliebe und Leben. Acht Lieder nach Adelbert von Chamisso für eine Singstimme und Klavier op. 42. Hrsg. von Loos, Helmut: Robert Schumann. Interpretationen seiner Werke. Laaber 2005, S. 274-275.

20 Vgl. Kreuels, Hans-Udo: Robert Schumann/Adelbert von Chamisso: Frauenliebe und -leben. Interpretation und Analyse. Frankfurt am Main [u.a.] 2015, S. 21.

21 Vgl. Ozawa 2005, S. 275-276.

22 Vgl. Ebd., S. 276.

23 Vgl. Nauhaus 1982, S. 155.

24 Vgl. Nauhaus 1982, S. 156.

25 Vgl. Ozawa 2005, S. 275.

26 Ebd., S. 275.

27 Boucourechliev 1985, S. 78.

28 Kreuels 2015, S. 50.

29 Edler 2006, S. 300.

30 Ebd., S. 301.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Der vertonte Liebeszyklus "Frauenliebe und -leben op. 42" von Robert Schumann
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Musikinstitut)
Veranstaltung
Das Lied im 19. Jahrhundert - Analyse und Rezeption von Musikwerken und künstlerischen Traditionen
Note
1,0
Jahr
2016
Seiten
24
Katalognummer
V321491
ISBN (eBook)
9783668208575
ISBN (Buch)
9783668208582
Dateigröße
895 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Robert Schumann, Frauenliebe und -leben
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Der vertonte Liebeszyklus "Frauenliebe und -leben op. 42" von Robert Schumann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321491

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