Beginnend mit der ästhetischen Theorie des 18. Jahrhunderts, stellt der Autor in dieser Arbeit die Entwicklung des Ekels in der Literaturtheorie und in der Kunst an ausgewählten Beispielen dar. Die Epochen und Strömungen der Aufklärung, Klassik, der Romantik, des Naturalismus und der Dekadenz bis zum Expressionismus werden dabei behandelt. In den herausgegriffenen Zeitabschnitten ist das Thema Ekel entweder durch eine theoretische Diskussion präsent oder es ist eine Hinwendung zum Ekelhaften in der Literatur offensichtlich, die auffallend für die jeweilige Zeit war.
Absicht der Arbeit ist es, eine Antwort auf die Frage zu finden, inwieweit sich die Einstellung der Theoretiker und Künstler gegenüber dem Phänomen Ekel ändert und sich daraufhin in ihren philosophischen und literarischen Werken niederschlägt.
Ziel dieser Arbeit ist es, darzustellen, wie sich der Ekel vorrangig in der deutschen, aber auch europäischen Literatur, ausgehend von der ästhetischen Theorie des 18. Jahrhunderts bis zur Moderne, entwickelt hat.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Ekel in der ästhetischen Theorie des 18. Jahrhunderts
2. Die Anti-Ekelideale der Antike und ihre Einflüsse auf die Klassik
2.1 griechische Statuen als Vorbild der idealen Schönheit
3. Schöner Ekel in der Romantik
4. Rosenkranz’ „Ästhetik des Häßlichen“
5. Naturalismus – die Verbindung von Kunst und Wissenschaft
5.1. Zola: Experiment Literatur
5.2 Bestie Mensch
6. Nietzsche - zum Übermenschen durch die Überwindung des Ekels
7. Fin de Siècle und Dekadenz - Ekel als neuer Reiz
7.1. Stimmungen und Emotionen der Dekadenz
7.2. Literarische Dekadenz - dekadente Literatur
7.3. Baudelaire – kränkliche Blumen
8. Expressionismus
8.1 Dissoziation des Ichs in einer neuen Welt
8.2 Die Hässlichkeit des Expressionismus
Ergebnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Ekels als ästhetisches Phänomen und literarisches Motiv, ausgehend von der Aufklärung über die Klassik und Romantik bis hin zur Moderne. Dabei wird analysiert, wie sich die Einstellung von Theoretikern und Künstlern gegenüber dem Phänomen Ekel wandelte und wie sich diese Veränderung in ihren philosophischen und literarischen Werken widerspiegelt.
- Wandel des Ekels von der ästhetischen Grenzerfahrung zur Provokation
- Die Rolle der Sättigungsvermeidung in der ästhetischen Theorie
- Ekel als Ausdruck von Zivilisationskritik und Degeneration
- Die Bedeutung der Körperwahrnehmung und deren Idealisierung oder Deformation
Auszug aus dem Buch
Einleitung
Als menschliche Emotion und als ästhetisches Phänomen ist der Ekel so alt wie die Menschheit selbst und aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Doch als negativ gewertete Erscheinung scheint die Gesellschaft dazu zu neigen, ihn, wo immer es möglich ist, aus ihrer Wahrnehmung auszublenden.
Aber ist es wirklich so? Möchte tatsächlich niemand etwas von diesem widerwärtigen Gefühl wissen oder es gar erleben?
Das Gegenteil ist oftmals der Fall. Wer möchte nicht ein zweites Mal hinsehen, wenn er z.B. einen Unfall mit Verletzen sieht oder auch nur, wenn er verschimmelte Lebensmittel im Kühlschrank findet?
Die unzähligen Fernsehsendungen über Morde, Autopsien und gewalttätige Psychopathen zeugen davon, dass das Interesse am Ekel gegenüber Tod, Gewalt und Leichen vorhanden ist. Millionen von Menschen schauen täglich an den Bildschirmen zu, wie Andere ermordet und seziert, wie sie aufgeschnitten und analysiert werden. Im Gegensatz zur Realität schauen sie aber nicht weg, sondern bleiben gebannt vor dem Geschehen sitzen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Ekel als menschliche Emotion und ästhetisches Phänomen ein und hinterfragt die vermeintliche gesellschaftliche Verdrängung des Ekelhaften.
1. Ekel in der ästhetischen Theorie des 18. Jahrhunderts: Dieses Kapitel erörtert die Entstehung der modernen Ästhetik und die Positionierung des Ekels als Grenze des ästhetisch Schönen und als Gegenpol zum Vergnügen.
2. Die Anti-Ekelideale der Antike und ihre Einflüsse auf die Klassik: Das Kapitel beschreibt, wie die klassische Epoche unter Rückgriff auf die Antike den menschlichen Körper zu idealisieren versuchte, um Ekel durch die Invisibilisierung des Körperinneren zu vermeiden.
3. Schöner Ekel in der Romantik: Hier wird der Wandel der Ästhetik um 1800 analysiert, bei dem das Schöne seine Alleinherrschaft verlor und Ekel zu einer leitenden Kategorie für das moderne Empfinden wurde.
4. Rosenkranz’ „Ästhetik des Häßlichen“: Der Autor untersucht, wie Karl Rosenkranz als einer der ersten Theoretiker das Ekelhafte systematisch in seine Ästhetik integrierte.
5. Naturalismus – die Verbindung von Kunst und Wissenschaft: Dieses Kapitel erläutert den Naturalismus als Wende, bei der das Ekelhafte gezielt zur Provokation und Darstellung sozialer Missstände eingesetzt wurde.
6. Nietzsche - zum Übermenschen durch die Überwindung des Ekels: Der Fokus liegt hier auf Nietzsches Philosophie, in der Ekel als notwendige Bedingung für Erkenntnis und als Herausforderung zur Selbstüberwindung begriffen wird.
7. Fin de Siècle und Dekadenz - Ekel als neuer Reiz: Hier wird die Gefühlslage des Fin de Siècle beschrieben, in der Ekel und Verfall als ästhetisch reizvolle Elemente einer dekadenten Lebenshaltung fungieren.
8. Expressionismus: Das abschließende Kapitel analysiert, wie der Expressionismus Ekel und Hässlichkeit nutzte, um die bürgerliche Realität zu kritisieren und eine neue künstlerische Ausdrucksform zu finden.
Schlüsselwörter
Ekel, Ästhetik, Literaturtheorie, Naturalismus, Romantik, Dekadenz, Expressionismus, Friedrich Nietzsche, Körperideale, Hässlichkeit, Zivilisationskritik, Moderne, Körperwahrnehmung, Erkenntnis, Verwesung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Ekels als literarisches Motiv und ästhetisches Phänomen von der Aufklärung bis zum Expressionismus.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den Schwerpunkten zählen die ästhetische Theorie des 18. Jahrhunderts, der Umgang mit dem menschlichen Körper in der Klassik, die Romantik, der Naturalismus sowie die dekadente Literatur und der Expressionismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Einstellung von Theoretikern und Künstlern gegenüber dem Ekel im Laufe der Jahrhunderte gewandelt hat und welchen Platz das Hässliche und Ekelhafte in der Kunst einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturtheoretische und historisch-analytische Methode, um anhand ausgewählter Beispiele aus verschiedenen Epochen die Wandlung der ästhetischen Kategorien nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte, die verschiedene Epochen und Strömungen beleuchten, angefangen bei der Ekeldebatte des 18. Jahrhunderts bis hin zur Provokationsfunktion im Expressionismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie Ekel, Ästhetik, Degeneration, Nihilismus, Körperideale und die spezifische Auseinandersetzung mit Literaturströmungen wie Naturalismus und Dekadenz.
Warum spielt der Körper für die ästhetische Betrachtung des Ekels eine so große Rolle?
Der Körper gilt in der klassischen Ästhetik als das primäre Objekt, das durch Idealisierung und die Unterdrückung von Öffnungen oder Verfallsprozessen vor dem Ekel geschützt werden sollte.
Welche Rolle spielt Friedrich Nietzsche für die Darstellung des Ekels in späteren Epochen?
Nietzsche beeinflusste spätere Epochen maßgeblich, da er den Ekel als Motor für Erkenntnis und als eine zu überwindende Form des Nihilismus innerhalb der Moderne definierte.
- Arbeit zitieren
- Simone Meyer (Autor:in), 2003, Der Ekel im Wandel der Jahrhunderte. Entwicklung des Ekels in der Literaturtheorie und in der Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321571